Verschwendung von Steuergeldern: Die teure Mär von der Unabhängigkeit Maskenproduktion in Deutschland steht weitgehend still

Von Daniel Weinmann

Deutschland soll sich unabhängiger von Lieferketten und ausländischen Herstellern machen. So lautete kurz nach Beginn der Coronakrise das Credo der Bundesregierung – insbesondere mit Blick auf China als Hauptproduzent von Masken. Berlin rief daher Unternehmer und Betriebe dazu auf, die heimische Produktion der Mund-Nasen-Bedeckungen hochzufahren.

Insgesamt knapp 100 Millionen Euro stellte das Bundeswirtschaftsministerium über verschiedene Förderprogramme zur Verfügung, um die Herstellung von Masken und Vlies, dem wichtigsten Vorprodukt, anzukurbeln. Der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn sekundierte den hehren Plan mit einer Abnahmegarantie bis Ende 2021.

Einige Firmen kam dem Wunsch des Staates nach, Medizinprodukte wie FFP2-Masken hier zu produzieren. Die rheinland-pfälzische Firma Technisat etwa, die vor allem für ihre Elektroartikel bekannt ist, produzierte seit Spätsommer 2020 medizinische Schutzmasken. Das Bundeswirtschaftsministerium steuerte – wie bei anderen Unternehmen auch – 30 Prozent zu den Kosten für den Aufbau der Produktionsanlagen bei.

Paradox: Obwohl der Bund heimische Produzenten wie Technisat subventionierte, importierten Länder und Kommunen ihre Schutzmasken schon damals überwiegend aus Asien (reitschuster.de berichtete).

Die Auslastung der Produktion beträgt derzeit weniger als 20 Prozent

So lösten sich nicht nur viele Steuermillionen in Luft auf. Die Importware ließ zudem häufig in Sachen Qualität zu wünschen übrig. Hunderttausende Schrott-Masken sind im Umlauf – und niemand weiß, wo sie gelandet sind.

Nun, da die Abnahmegarantie abgelaufen ist, sehen sich viele Unternehmen getäuscht. Klaus Unterseer, Inhaber der Rosenheimer Firma Printex, fühlt sich vom Staat in einen Markt hineingequatscht und dann alleine gelassen. Seine FFP2-Masken sind rund 25 Cent teurer als die der chinesischen Konkurrenz, berichtet der „Bayerische Rundfunk„. Die Folge: In seinem Firmenlager stapeln sich 1,2 Millionen Exemplare – und finden keine Abnehmer. Auf öffentliche Aufträge braucht er nicht zu hoffen. Denn es geht primär darum, wer den günstigsten Preis anbietet. Und das sind Anbieter fernöstlicher Provenienz.

Die Verluste ziehen sich quer durch die gesamte Branche: Der Deutsche Maskenverband, der rund 75 inländische Maskenhersteller vertritt, beziffert die jährliche Produktionskapazität in Deutschland auf 4,12 Milliarden OP-und FFP-Masken. Die Auslastung der Produktion betrage derzeit jedoch weniger als 20 Prozent. Die Folge: Viele der über 4.600 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sind Gefahr.

Frankreich macht vor, wie man heimischen Produzenten hilft

Dennoch hat die Mehrheit der Parlamentarier augenscheinlich kein Interesse an einer autarken Produktion von Masken in Deutschland – die man zu Beginn der Pandemie noch lautstark gefordert hatte. Dies zeigt eine Umfrage des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ bei den Fraktionsspitzen.

Auch in Frankreich litten die inländischen Maskenproduzenten Ende vergangenen Jahres unter fehlenden Aufträgen. Doch hier ließ die Regierung die Unternehmen nicht im Stich. Das Gesundheitsministerium zwang öffentliche Stellen über einen Erlass, Masken in Frankreich oder in der EU einzukaufen. Der Preis darf nur noch zu 25 Prozent ausschlaggebend für den Zuschlag sein.

Hierzulande bleibt nur die vage Hoffnung, dass sich die Regeln unter der neuen Regierung noch einmal ändern. „Noch könnten wir schnell wieder in die Produktion einsteigen“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ einen bayrischen Textilunternehmer, der anonym bleiben will, „aber wenn es nicht bald eine Perspektive gibt, werden wir die Maschinen verkaufen.“


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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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