Was ich Spahn heute gerne gefragt hätte – aber nicht fragen konnte Wieder Pech bei der Bundespressekonferenz

Sehen Sie hier mein Video zu diesem Beitrag.

So ungern ich „Wikipedia“ zitiere – weil sie in vielen Bereichen zur Desinformation und zur Diffamierung genutzt wird – heute mache ich aus gegebenem Anlass eine Ausnahme. Da steht über die Bundespressekonferenz: „Im Gegensatz zur Praxis in vielen anderen Staaten sind die „Hausherren“ der Bundespressekonferenzen die Journalisten selbst und nicht die Regierung, Ministerien, Parteien, Verbände, Weltanschauungsgemeinschaften oder einzelne Politiker. Dadurch kommen auch Journalisten, die für ihre kritischen Fragen bekannt sind, stets zu Wort, während in vergleichbaren Veranstaltungen in anderen Staaten diese Journalisten vielfach keine Fragen stellen können.“

Heute war es das dritte Mal in Folge, dass ich bei der Bundespressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Leiter des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler nicht zu Wort kam und keine Frage stellen konnte. In der Veranstaltung zuvor war ich zwar zu Wort gekommen, aber als letzter, und konnte deswegen keine Nachfrage stellen. Ohne dieses Recht ist das Fragerecht weitaus weniger wert, dem Fragesteller sind damit zu einem großen Teil die Zähne gezogen. Dass ich dieses ständige Pech habe, wenn es um die Rednerliste geht, ist umso erstaunlicher, wenn man betrachtet, dass andere Fragesteller gefühlt jedes Mal Glück haben. Merkwürdig. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass laut Süddeutscher Zeitung sich Sprecher der Bundesregierung hinter vorgehaltener Hand über mich bzw. meine Fragen beklagen. Diese Klagen verlaufen seltsam parallel mit meinem Pech bei der Frageliste. Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht.

Bemerkenswert war auf der heutigen Bundespressekonferenz mit Spahn einiges. Etwa, dass gerade in den Schlagzeilen war, wie der Minister Journalisten ausspähen ließ. Ein Skandal, wie er im Buche steht. Hand aufs Herz: Würden Sie erwarten, dass der Minister, wenn er mitten in diesem Skandal steht, und sich eine Stunde den Fragen von Journalisten stellt, von diesen auch danach befragt wird? Ich hatte es erwartet. Und habe mich getäuscht. Keine einzige Frage dazu. Auch zu dem Bestechungsskandal in Sachen Masken-Einkäufe gab es nur eine einzige Frage an den Minister – die er so beantwortete, dass es geradezu eine Steilvorlage für eine kritische Nachfrage war. Doch auch die kam nicht.

Ich hätte heute viele Fragen gehabt an Jens Spahn. Fragen, die in meinen Augen viele interessieren. Die legitim sind. Ja notwendig. Und die nicht gestellt wurden. Ich habe sie hier in meinem Video zusammengestellt.

PS: Kritiker werfen mir vor, ich würde die Bundespressekonferenz als „Tribüne missbrauchen“. Ich finde: Die Bundespressekonferenz ist von ihrer Grundidee her eine Tribüne für Journalisten, damit diese dort im Auftrag ihrer Leser die Regierung befragen und ihr nach allen Regeln der journalistischen Kunst auf den Zahn fühlen. Ich würde sehr, sehr gerne bei der Berichterstattung nicht mich in den Vordergrund stellen, sondern die Fragen: Aber wenn ich diese nicht stellen kann, und angegriffen, ja diffamiert werde für kritische Fragen, dann dränge nicht ich mich in den Vordergrund, sondern ich werde in diesen gedrängt von denen, die mir keine Fragen gestatten und mich diffamieren. Ich hoffe sehr, den Tag zu erleben, an dem das Stellen von sehr kritischen Fragen (wieder) die gewöhnlichste Sache der Welt sein wird und ich mich wieder ausschließlich auf diese konzentrieren kann in meiner Berichterstattung.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!


Bild: Boris Reitschuster
Text: br


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