Was man wann wissen konnte. Corona-Aufarbeitung Die Chronologie des Panik-Rausches

Ein Gastbeitrag von Thomas Maul

Die Frage, was man wann wissen konnte, wird im Zuge einer gesellschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und juristischen Aufarbeitung, die in den letzten Monaten erst zaghaft begonnen hat, zu den Relevantesten gehören. Denn schon jetzt werden von den Verantwortlichen vereinzelte „Fehler“ und „Irrtümer“ eingestanden, jedoch stets mit der Einschränkung versehen, dass man es seinerzeit nicht besser habe wissen können, und von einem Achselzucken begleitet, als handele es sich um Kavaliersdelikte und nicht etwa Verbrechen, wenn zu Unrecht intensiv und dauerhaft Grundrechte verletzt werden.
Und sollte die Aufarbeitung auch nicht weit genug gehen oder gar wieder versanden, noch bevor sie richtig Fahrt aufnimmt, bleibt durch Klärung der Frage, was man wann wissen konnte, wenigstens für die Nachwelt festzuhalten, wie der größte Angriff auf Freiheitsrechte seit 1945 im Deutschland der Jahre 2020 ff. abgelaufen ist.

[…]

Man musste kein Experte sein. Entscheidende Erkenntnisse waren schon von Anfang an im März/April 2020, aber vereinzelt auch danach noch, stets der Mainstreampresse und offiziellen Verlautbarungen der Politiker und „Experten“ zu entnehmen. Wenige Beispiele:

  • Basierend auf ersten Studien aus China wurde die Infektionssterblichkeit Coronas (auch von Fauci, dem US-amerikanischen Wieler-Drosten) Ende Februar als grippeähnlich eingestuft. Mitte März bestätigte dies der bis dahin weltweit anerkannteste Epidemiologe Ioannidis anhand der Daten zum Infektionsgeschehen auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess (so auch Hendrik Streeck zu selben Zeit in einem FAZ-Interview), der darum warnte, dass die Maßnahmen mehr schaden als nützen würden.
  •  Seit Anfang März war Dank der Auswertung von Patientenakten durch die italienische Gesundheitsbehörde bekannt, was in der Folge von offizieller Seite nie bestritten wurde: dass die „Corona-Toten“ („an oder mit“) überall im Durchschnitt unter drei schweren Vorerkrankungen litten und im Median älter geworden sind als die durchschnittliche Lebenserwartung; bestätigt etwas später auch durch die gegen RKI-Anweisungen vorgenommenen Obduktionen des renommierten Pathologen Püschel. Man wurde mit Corona also älter als ohne.
  • In offiziellen WHO- und RKI-Dokumenten wird von Beginn an die Richtlinie wiedergegeben, jeden positiven Corona-PCR-Test unabhängig vom Vorhandensein und der Ausprägung von Symptomen als „Covid-19-Fall“ zu zählen, womit quasi ausgemacht war, dass viele Corona-Intensiv-Patienten und Corona-Tote bloß mit einem positiven Test und nicht an einer Corona-Erkrankung leiden und sterben bzw. auch Gesunde und nur mild Erkrankte in eine Statistik der „Fälle“ eingehen würden – ein Vorgehen, das, wie einst noch vom Epidemiologie-Lexikon des RKI und Drosten selbst (2014) konstatiert, eine Pseudo- bzw. Labortest-Pandemie kreiert.
  • Vom Oktober 2019 stammt ein WHO-Dokument, nach dem es für die von der WHO 2020 empfohlenen Maßnahmen keine belastbaren Belege einer Wirksamkeit gibt. Darüber berichtete Telepolis/Heise am 21. April 2020.
  • Am 15. April 2020 veröffentlicht das RKI ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass das „Infektionsgeschehen“ (die Zahl positiver PCR-Tests) schon am Abflauen war, bevor die ersten Maßnahmen einsetzten. Professor Homburg hat dies kurz darauf in einem Artikel für Die Welt publik gemacht.
  • Demselben RKI-Dokument vom 15. April 2020 lässt sich entnehmen, dass es – anders als behauptet – nie ein „exponentielles Wachstum“ der „Fälle“ gegeben hat, dieser Eindruck lediglich durch eine Verdreifachung der Testanzahl und die Fixierung auf absolute Zahlen erzeugt wird, während die Positiven-Rate nur gemächlich anstieg und schnell wieder sank. Auf diesen Zusammenhang wies Professor Kuhbandner am 26. April auf Telepolis/Heise hin.
  • Zugleich ein weiterer Pseudopandemie-Aspekt: Da der sogenannte R-Wert und später (ab Juni) die Inzidenz-Zahl anhand jener absoluten Größe positiver Tests (statt der Positiven-Rate) gebildet wird, hängt das als „objektiv“ kommunizierte „Infektionsgeschehen“ in Wirklichkeit subjektiv von der Anzahl der Tests ab, während die Testung von Symptomlosen aufgrund der geringen Vortestwahrscheinlichkeit zudem massig falsch-positive Ergebnisse zeitigt. Man erzeugt also selber die Realität, auf die dann mit grundrechtseinschränkenden Maßnahmen vorgeblich bloß reagiert wird.
  • Spätestes am 11. Mai (vgl. Zeit-Online) erfährt die Öffentlichkeit vom „Corona-Fehlalarm-Papier“ direkt aus dem Innenministerium. Verfasst hatte es gutachtenbasiert der für „kritische Infrastrukturen“ zuständige Referent aus der Abteilung „Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz“: Stephan Kohn (SPD). Das Papier wurde als „Privatmeinung“ ignoriert, der Referent gefeuert.
  • Fazit: Atemwegserkankungswellen (für Labortest-Pandemien gilt dies umso mehr) lassen sich nicht politisch steuern oder gar wegimpfen.

Erinnern wir uns: Bis Mitte März 2020 gaben die späteren Lockdown-Hardliner Merkel, Spahn, Wieler und Drosten auf Basis belastbarer Daten und ihrer halbwegs vernünftigen Interpretation selbst noch Entwarnung. Als dann ab Mitte März recht plötzlich und unvermittelt Politik, „Experten“, (soziale) Medien und Bevölkerung einander wechselseitig hochschaukelnd einem Panik-Rausch verfielen, geschah dies nicht aufgrund neuer seriös erworbener, aber dramatischer Erkenntnisse, sondern allein im Zusammenspiel der angstschürenden „Bilder aus Bergamo“ mit einer Wissenschaft, die von nun an als DIE Wissenschaft bloß noch fiktive Worst-Case-Szenarien „modellieren“ und mittels PCR-Testung unbrauchbare Zahlensalate produzieren würde.

Dazu trainierten sich die Zeitgenossen wie in Trance und zugleich irgendwie geradezu absichtsvoll jede Fähigkeit ab, Wesentliches (das Profil der italienischen Corona-Toten) von Unwesentlichem (Bilder aus Bergamo) zu unterscheiden, in Relationen zu denken (beispielsweise machten die Corona-Toten – ob „an“ oder „mit“ – stets nur einen Bruchteil des alltäglichen normalen Sterbegeschehens aus) oder Verhältnismäßigkeiten zu be-rücksichtigen, wenn sie etwa meinten, Pflegeheimbewohner (die durchschnittlich noch zwei Jahre zu leben haben) wie Gefängnisinsassen behandeln und ihnen so den Lebensabend versauen zu müssen, um sie vor dem natürlichen Risiko zu schützen, dass es am Ende des Lebens eine Erkältung ist, die das tatsächliche Ende einleitet.
[…] Neben dieser notwendigen immanenten Kritik am Pandemie-Narrativ (eure Daten zeigen selbst, dass nichts Gefährliches umgeht, eure Daten zeigen selbst, dass die Maßnahmen samt „Impfung“ nichts bringen und stattdessen schaden etc.) […], wäre […] mit einem trotzigen „Selbst-Wenn“ an Grundsätzliches zu erinnern, also die Balance zur transzendenten Kritik zu halten und beispielsweise bei allem Sich-einlassen auf die Voraussetzungen des Gegners nicht aus dem Auge zu verlieren, dass diese per se falsch waren und sind.

Schließlich widerspricht es der Verfasstheit und Verfassung einer bürgerlichen Gesellschaft, geht in der Sache nicht auf und zeugt von Hybris, meint man: der Einzelne habe in seinem Alltagsverhalten den Patientenzustrom auf Intensivstationen zu regulieren, bzw. habe zu verantworten, dass sein Handeln im Supermarkt nicht eine Kettenreaktion in Gang setze, an deren Ende jemand im Krankenhaus stirbt.

Dieses neurotische Denken, anerzogen in drei Jahren Pandemie, müsste wieder verlernt werden. Selbst wenn Corona die Pest gewesen wäre, selbst wenn die Maßnahmen wirksam gewesen wären: Wollen wir wirklich so leben? Solange diese Frage gesellschaftlich nicht mit einem kategorischen NEIN beantwortet wird, droht die Wiederholung von Unfreiheit im Namen des Lebensschutzes.

Auszüge aus dem Vorwort des Buches „Was man wann wissen konnte. Hinweise zur Aufarbeitung der Corona-Verbrechen“. Bestellbar bei Amazon und Buchkomplizen.

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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Thomas Maul ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem zum Islam und zu Kritischer Theorie. Er war bis März 2020 Autor (seit 2007) und Redakteur (seit 2012) der ideologiekritischen Zeitschrift BAHAMAS.

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