Woran denken Sie, wenn Sie diese Überschrift von „Focus Online“ lesen: „Bankkonto von Pete Hegseth springt in kurzer Zeit von 50.000 auf mehr als eine Million US-Dollar“? Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sofort glauben, er sei im Amt reich geworden? Das jedenfalls war mein erster Gedanke – und sicher auch der von unzähligen Lesern. Von denen erfahrungsgemäß die meisten den Text gar nicht erst lesen werden – und bei denen deshalb hängen bleibt: Trumps Verteidigungsminister hat sich im Amt bereichert. Was für ein gefundenes Fressen für alle Trump-Hasser.
Einziges Problem: Dieser Eindruck, der hier geschürt wird, ist absolut falsch und irreführend. Aber man muss sich durchs Kleingedruckte kämpfen, um die Realität zu finden: Hegseth war schon vor Amtsantritt Millionär – und nur eines seiner Konten sprang innerhalb eines Jahres auf über eine Million Dollar – unter anderem, weil er Aktien verkaufte, darunter auch einige von Rüstungskonzernen, damit kein Interessenkonflikt entsteht.
Was bei Hegseth passiert ist, ist das Gleiche wie wenn Sie oder ich unser Auto verkaufen – dann haben wir danach auch mehr auf dem Konto. Nur: Reicher wird man dadurch kein bisschen.
Die Zahlen stammen aus Hegseths jährlicher Vermögenserklärung, die jedes hohe Regierungsmitglied in den USA bei der Ethikbehörde abgeben muss. Eine gute Sache, die Transparenz schafft. Allerdings mit einem Haken: Die Formulare nennen keine genauen Beträge, sondern nur grobe Spannen – etwa „15.001 bis 50.000 Dollar“ oder „über eine Million“. Wie viel Hegseth tatsächlich besitzt und ob er reicher oder ärmer geworden ist, lässt sich daraus schlicht nicht ablesen.
Nicht-Nachricht
Wäre die saubere Nachricht gewesen: „Hegseth verkauft Rüstungsaktien, um Interessenkonflikte zu vermeiden“? Nein, auch das wäre irreführend, weil der Erlös aus den Rüstungsaktien nur einen Bruchteil der Vermögensumschichtung ausmachte. Die saubere Lösung wäre gewesen, gar keine Skandalgeschichte daraus zu machen – weil jemand schlicht sein Vermögen umgeschichtet hat, wie das Millionen Menschen jedes Jahr tun.
Es ist leider nicht nur „Focus Online“, das derart falsch spielt: Der Artikel auf dem Portal wurde von „Wallstreet:Online“ übernommen. Einige US-Medien spielen das gleiche Spiel. Dabei hatte CNBC, die Originalquelle, noch ehrlich eingeräumt, dass sich aus den Angaben kein Vermögenszuwachs ablesen lässt. Beim Abschreiben kam dann die Verfälschung.

Unsere zahlreichen Fake-News-Jäger in den öffentlich-rechtlichen und staatsnahen Medien würden das unter der Rubrik „Irreführung“ brandmarken. Aber nur bei Medien, die ihnen nicht passen. Nicht bei denen, die staatstreu sind wie „Focus Online“.
Donald Trump hat gerade drei Medien wegen „Fake News“ aus dem Weißen Haus verbannt. Ich habe das in einem Artikel verurteilt, und dazu stehe ich. Nur – den Vorwurf der „Fake News“ teile ich absolut (bloß halte ich es für problematisch, wenn ein Staatschef definiert, was das ist, und entsprechend Leute aus seinem Amtssitz schmeißt).
Es ist bei den „Fake News“ und ihren Bekämpfern wie bei dem alten Spruch, dass der Dieb am lautesten „Haltet den Dieb!“ schreit.
Reicher werden Sie durch eine Unterstützung meiner Seite nicht, anders als Hegseth in den Schlagzeilen. Aber Sie sorgen dafür, dass es weiter eine Stimme gibt, die nachrechnet, statt abzuschreiben. Keine Staatsgelder, keine Förderprogramme, kein Wohlwollen von oben. Nur Sie. Wenn Sie wollen, dass solche Tricks weiter entlarvt werden, geht das nur mit Ihrer Hilfe. Hier steht, wie Sie mitwirken können. Vielen Dank! Ohne Sie gäbe es diese Seite nicht.
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Bild: Symbolbild/KI/Grok
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