Wie Meloni nach Krawallen durchgreift – und unsere Medien schweigen Harte Strafen auch für Jugendliche – und Eltern müssen zahlen

Wenn Vermummte Schaufenster einschlagen, beginnt hierzulande zuverlässig das große Verstehen. Sozialpädagogen erklären die Perspektivlosigkeit der Jugend, Politiker mahnen zur Besonnenheit, und spätestens am dritten Tag ist irgendwie der Kapitalismus schuld. In Rom läuft das gerade anders.

Am Wochenende hatten Hunderte, überwiegend Jugendliche, das Zentrum von Mailand verwüstet. Aus Protesten gegen hohe Preise wurden Plünderungen, brennende Barrikaden und Steine auf Polizisten. Allein am Sonntag landeten 271 Personen auf der Wache, 220 davon minderjährig. Schaden: mehr als eine Million Euro. Auch Italien hat seine Versteher, ein Mailänder Jugendseelsorger sah in der Verwüstung vor allem die „Wut der Jungen“. Nur regieren dort eben nicht Leute wie er.

Zwei Tage später beschloss das Kabinett der bei uns zuverlässig als „Rechtspopulistin“ diffamierten Giorgia Meloni ein Dekret mit einem neuen Straftatbestand: gewalttätige Teilnahme an einer Demonstration. Wer sich in einer Gruppe ab fünf Leuten mit Steinen, Böllern oder Knüppeln austobt, riskiert bis zu fünf Jahre Haft und 20.000 Euro Strafe, bei Vermummung oder Verletzten mehr. Der Präventivgewahrsam gilt künftig auch für 16- und 17-Jährige. Und: Wer kaputt macht, zahlt. Ist er minderjährig, zahlen die Eltern. Für die demolierte Bushaltestelle schickt der Präfekt den Bescheid direkt nach Hause.

„Demonstrieren ist ein Recht, unsere Städte zu verwüsten nicht“, sagt Meloni. Ein Satz, der in Berlin vermutlich als Angriff auf die Versammlungsfreiheit gelten würde.

Und das deutsche Publikum? Die Bilder aus Mailand bekam es zu sehen, zum Verschweigen waren sie zu spektakulär. Was Rom daraus gemacht hat, bekam man hierzulande aber kaum mit, und wenn, dann allenfalls im Nebensatz. In einer dpa-Meldung, die wie üblich brav durch die Redaktionen gereicht wurde, marschieren vor allem 500 Soldaten durch Mailand. Militär gegen Halbstarke – das passt ins Feindbild. Neuer Straftatbestand? Rechnung vom Präfekten? Eltern, die für ihre randalierenden Sprösslinge blechen? Muss man mit der Lupe suchen. Platz war dafür für Mailands linken Bürgermeister und sein Verständnis für den „Unmut“.

Warum so viel Diskretion? Weil das Dekret eine gefährliche Botschaft transportiert: dass ein Staat sich nicht vorführen lassen muss. Dass man Plünderer nicht verstehen muss, sondern zur Kasse bitten kann. Und dass dafür weder ein Expertenrat noch ein Runder Tisch nötig ist, sondern 48 Stunden. Wer das liest, könnte auf dumme Gedanken kommen. Etwa auf die Frage, warum Rom unter einer bösen, bösen „Rechtspopulistin“ in zwei Tagen etwas zustande bringt, was Berlin nicht einmal in zwei Legislaturperioden möglich wäre. Also schaut man lieber nicht so genau hin.

Die Ex-AfD-Abgeordnete Joana Cotar bringt es auf ihre Art auf den Punkt: „Mehr Eier als all unsere Männer in der Regierung zusammen.“ Über die Wortwahl kann man streiten. Über den Befund eher nicht.

Was Ihnen die großen Medien vorenthalten, erfahren Sie hier – und das geht nur dank Ihnen. Hinter meiner Seite stehen keine Zwangsgebühren, kein Konzern und keine staatliche „Demokratieförderung“. Nur Leser, die wissen wollen, was anderswo im Nebensatz verschwindet. Jeder Artikel wie dieser kostet Zeit, Recherche und Nerven. Wenn Sie wollen, dass es solche Stimmen weiter gibt, unterstützen Sie meine Arbeit. Schon ein kleiner Betrag hilft. Danke!

Mehr zum Thema:

Bild: Symbolbild/KI/Gemini

Für Sie empfohlen: