Ich konnte einfach nicht widerstehen.
Wieder einmal ist man beim Spiegel, der einst so stolz als Sturmgeschütz der Demokratie bezeichnet wurde und nun nur noch die Spielzeugpistole des linksgrünen Wokeismus ist, über sich hinaus gewachsen. Schon lange für seine geschmackvollen Titelbilder bekannt, hat das Magazin für die Ausgabe vom 23. Januar ein ganz besonderes Bild ausgewählt, das man hier in all seiner Schönheit und Bedeutungsschwere bewundern kann.

Fünf politische Gestalten hat man zu tapferen Wikingern umgestaltet, die sich kraftvoll dem üblen Troll aus dem fernen Westen entgegenstellen. Aber wer in aller Welt soll das sein? Links im Bild scheint es sich um die bekannte Wikingerkönigin Giorgia, die Schöne, zu handeln, aufgewachsen in südlichen Gefilden, die aber, wie man weiß, auch in den alten Zeiten von den ebenfalls alten Wikingern besucht wurden. Ihr blondes Haar unterstreicht noch das Nordische, weshalb selbst der legendäre König Ragnar Lodbrok Gefallen an ihr gefunden hätte – nicht allein wegen der erwähnten Haarpracht, sondern auch und gerade wegen des Schwertes, das sie auf etwas unklare Weise mit sich führt.
Aber neben ihr steht nicht etwa König Ragnar, sondern nur Emmanuel, der Elegante, heute einmal nicht mit seiner wundervollen Sonnenbrille versehen, sondern erstens ebenfalls mit einem Schwert und zweitens mit seinem so vertrauten süffisanten Gesichtsausdruck, der ihm zu Wikingerzeiten sicher unsterblichen Ruhm eingetragen hätte. Wer sich vor ihm fürchten soll, ist nicht unmittelbar klar.
Am martialischsten dagegen blickt sein Nachbar drein, Friedrich, der Folgenlose, dem man kein Schwert in die Hand drücken wollte – vielleicht hat man ihm die Handhabung nicht zugetraut – dafür aber gleich zwei Äxte. Man kennt seine Neigung, viel zu verkünden und ganz anders zu handeln, die ihm seinen Kampfnamen eingetragen hat. Schließt man daraus auf sein Verhalten in einem eventuellen Kampf, so mögen leise Zweifel aufkommen, wen denn wohl gegebenenfalls seine Äxte wirklich treffen würden, Freund oder Feind oder gar keinen. Im Übrigen macht er bei aller Martialität einen etwas verkrampften Eindruck, als würde er sich fragen, wo denn sein heimlicher oder doch gar nicht so heimlicher Clanführer Lars, der Larmoyante, geblieben ist, und warum er ihm in diesem existenziellen Kampf nicht beistehen mag. Aber der ist vermutlich damit beschäftigt, mit seiner Bundesgenossin, Bärbel, der besonders Begabten, neue Abgaben für die unbotmäßigen Untertanen zu bedenken.
Doch wen haben wir denn da, direkt neben dem folgenlosen Friedrich? Niemand anderen als Ursula, die Unerbittliche, die stets glaubt, sie sei unter allen Königen und Fürsten die oberste Königin und oberste Fürstin. Dennoch hat sich die Schildmaid nicht an die Spitze der fünfköpfigen Truppe gestellt, um ihren Führungsanspruch zu untermauern, sondern lässt sich von Friedrich, dem Folgenlosen, wenigstens teilweise abschirmen – das scheint auch nötig zu sein, denn die Haltung ihres Schildes ist noch verbesserungswürdig, obwohl sie in ihrer Eigenschaft als Regentin so gerne über Haltung spricht. Im Gegensatz zu allen anderen zeigt sie uns einen wenigstens halboffenen Mund, als wollte sie gerade zu einer Rede über die regelbasierte Weltordnung anheben. Da Annalena, die angeblich Anmutige, gerade unabkömmlich anderswo weilt, mag es sich auch um einige Bemerkungen zur feministischen Außenpolitik handeln; wer kann das schon wissen in der eisigen Kälte der Arktis?
Zu guter Letzt darf ich Mette, die Mustergültige, nicht vergessen. Warum ist sie so wichtig? Sie ist die einzige Anwesende mit echter Kampferfahrung, denn in ihrem eigenen Reich hat sie sich seit einiger Zeit dem Kampfe gegen unerwünschte Eindringlinge hingegeben. Und um einen solchen Kampf soll es doch wohl auch hier gehen. Wer wollte da auf echte Kämpfer verzichten?
Denn selbstverständlich will uns der Spiegel auf metaphorisch-infantile Weise mitteilen, dass sich hier nicht nur ein oder zwei, sondern sogar fünf bedeutende Kämpfer versammelt haben, um gegen eine finstere Bedrohung anzutreten: Gegen Donald, den Dumpfen, den Troll, der sich aus dem fernen Westen übers Meer geschwungen hat und über den sie sich so gerne lustig machen, solange er nicht da ist. Man kann gar nicht anders, man muss im Angesicht dieser Truppe einfach aus einer alten und lange verschollenen Wikinger-Saga zitieren:
„Dort standen sie nun in herrlicher Pracht,
doch was ihnen fehlte, war wirkliche Macht.“
Was haben sich die Spiegel-Redakteure dabei gedacht? Dass man die Qualitäten ihrer Wikingerarmee ernst nimmt? Dass sich der finstere Donald, der Dumpfe, in Angst und Schrecken versetzen lässt angesichts der entsetzlichen Krieger, die sich ihm entgegenstellen? Wer das glauben will, kann das gerne tun. Allen anderen darf ich zur Illustration das Bild empfehlen, das man spätestens auf der Rückseite des Spiegel hätte präsentieren können, aber dann doch lieber in den Schubladen verschwinden ließ: Die leicht veränderte Haltung der wackeren Recken nach der Ankunft des Gegners.

Nicht dass Donald Trump so übermäßig groß wäre: Unsere tapferen europäischen Krieger sind nur so klein, dass man das glauben könnte. Groß sind sie nur dann, wenn es darum geht, die Bürger zu reglementieren und auszuplündern.
Es würde uns nicht schaden, wenn sie einfach in der Arktis stehen blieben.
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