Die Warnung kam vor 400 Jahren – und das ist kein Zufall Die Rückkehr der Zensoren – diesmal rot-grün – und was dahinter steckt

Der Glaube, alles zu verstehen, kann manchmal zum eigenen Feind werden. So ging es mir – das muss ich offen gestehen – beim Thema Meinungsfreiheit. Und als mir der Solibrio Verlag in Münster das neue Buch von dem Kollegen Christian Zeller zu dem Thema zuschickte, dachte ich – was kann es dazu noch geben, was ich nicht schon weiß?

Schon die Einleitung belehrte mich eines Besseren – und machte mir klar, wie wenig ich, anders als angenommen, doch weiß. Allein zwei Zitate waren Gold wert, um noch klarer zu verstehen, wie dummdreist und geschichtsvergessen die Feinde der Meinungsfreiheit in unserem Land agieren. Und wie groß die Gefahr ist, sich der dramatischen Bandbreite dieser Demokratie-Bekämpfung nicht bis zur letzten Konsequenz bewusst zu sein.

Da stehen Absätze wie dieser, die einen treffen wie ein Brett, das gegen den Kopf geschlagen wird:

Im England des 17. Jahrhunderts entstand mit John Milton (1608-1675), der selbst zeitweise Zensor gewesen war, die Pressefreiheit im neuzeitlichen Europa. In seiner berühmten Rede „Areopagitica“ vor dem englischen Parlament im Jahr 1644 griff er die Zensur als „Hemmschuh der Wahrheit“ an. Eine Überlegung, die einer der Begründer des Liberalismus, John Stuart Mill (1806-1873), rund 200 Jahre später in „Über die Freiheit“ (1859) weiterentwickeln sollte: Jeder Gedanke sollte sich der Möglichkeit seiner Widerlegung stellen können. Dazu muss er geäußert werden können, und mögliche Opponenten dieses Gedankens müssen ebenso offen sprechen können.

(Selbst-)Täuschung

So sehr mir das Ausmaß des Angriffs auf die Meinungsfreiheit bereits bewusst war – dass bereits im 17. Jahrhundert genau beschrieben wurde, wie fatal all das ist, was wir heute erleben – das gibt der dramatischen Entwicklung bei uns eine andere Dimension. Und zeigt, wie extrem geschichtsvergessen diejenigen sind, die bei uns ständig wie eine Monstranz vor sich hertragen, dass sie aus der Geschichte gelernt hätten.

Sie lügen sich selbst an – und uns gleich mit.

Den Gedanken von John Stuart Mill treten unsere rot-grünen Ideologen in Politik, Behörden, Medien und Konzernen jeden Tag mit Füßen. Sie tun alles, damit sich ihre Gedanken, ihre Ideologie eben nicht der „Möglichkeit der Widerlegung“ stellen müssen. Sie greifen dazu sogar zu den übelsten Fouls – wie persönliche Diskreditierung von Menschen, die eine andere Meinung haben als sie. 

Weiter schreibt Zeller: Um frei Gedanken entwickeln, äußern und verbreiten zu können, mussten zunächst religiöse Dogmen, die den Geist in eine bestimmte Richtung drängten, in Frage gestellt werden.

Mein Gott! Und heute ist das „Infragestellen“ der rot-grünen Dogmen bei Androhung der Exkommunikation aus der Gesellschaft der „Moralisch Überlegenen“ untersagt! Wehe, wer Zweifel an den Dogmen des „menschengemachten Klimawandels“, der „Bereicherung durch Zuwanderung“ oder der „Gleichheit aller Menschen“ stellte – wohlgemerkt nicht der Gleichheit vor dem Gesetz und Gleichwertigkeit – beides ist sehr wichtig, sondern eben einer „Gleichheit“ im buchstäblichen Sinne.

Historischer Exkurs

Weiter schreibt Zeller: Das Prinzip der religiösen Toleranz, maßgeblich begründet von dem Philosophen John Locke (1632-1704), war eine Keimzelle für Gedanken-, Meinungs-, Presse, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit. In der stark von Locke beeinflussten US-Verfassung bildet die Redefreiheit mit der Religions- und Versammlungsfreiheit den ersten Zusatzartikel und damit die Grundlage der US-amerikanischen Republik. In seiner berühmten Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ sah der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) den „öffentlichen Gebrauch der Vernunft“ als zentrales Merkmal der Freiheit an. Kant verstand darunter den Meinungskampf von Gelehrten und Publizisten.

Also genau das, was die rot-grünen Ideologen heute um jeden Preis verhindern wollen. Und genau das, was die Keimzelle war für alle positiven Entwicklungen der letzten Jahrhunderte. Genau hinter diese Aufklärung führen uns die Glaubenskrieger zurück.

Kant sprach im 18. Jahrhundert von einem „öffentlichen Gebrauch der Vernunft“. Heute, drei Jahrhunderte später, ist genau das wieder gefährlich geworden.

Entscheidende Einordnung

Ich könnte nun weiter fast Seite für Seite andere dieser Aha-Momente aus dem Buch Zellers bringen. Bei vielen Büchern zum Thema denkt man – ist alles schon mal gesagt worden. Genau davor hatte ich bei diesem Buch Angst. Aber Zeller macht etwas, das die meisten nicht tun: Er gibt der Empörung historische Wurzeln.

Wer verstehen will, warum wir gerade dabei sind, 400 Jahre Erkämpftes zu verschleudern, findet hier die Koordinaten. Bücher wie dieses sind kein Luxus. Sie sind Orientierung in einer Zeit, in der die, die am lautesten von „Demokratie“ reden, am eifrigsten dabei sind, sie auszuhöhlen. Und am Ende zu zerstören. Kaufen Sie dieses Buch. Lesen Sie es. Und geben Sie es weiter – an jemanden, der noch glaubt, das alles sei neu.

Hier geht es direkt zum Buch.

Wenn Sie Meinungsfreiheit nicht nur passiv, sondern auch aktiv unterstützen wollen wollen – hier steht, wie es geht. Herzlichen Dank!

Bilder: Symbolbild/KI-generiert/Gemini. Mit Nutzung des Affiliate-Links auf das Buch unterstützen Sie auch meine Arbeit

Für Sie empfohlen: