Grüne wollen uns jetzt auch noch das Trinken austreiben – Gorbatschow 2.0 Von der Sowjetunion bis heute: Wenn Politiker Erzieher spielen

Es war 1985, als der Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, die Sowjetunion trockenlegen wollte. Der Mann, den bis heute viele Russen spöttisch als „Mineralsekretär“ bezeichnen, verordnete seinem Volk den Entzug per Dekret: Weinberge wurden gerodet, Wodka rationiert, Parteiempfänge alkoholfrei. Das Ergebnis war spektakulär – nur leider anders als erhofft. Die Schwarzbrennerei explodierte, der Staat verlor Milliarden an Steuereinnahmen, und die Bürger lernten, was sie ohnehin schon wussten: Wenn der Staat den Menschen vorschreibt, was sie zu trinken haben, trinken sie das Gleiche – nur billiger und aus weniger hygienischen Gefäßen.

Gorbatschow kostete die Kampagne politisch das Genick – seine Popularität erholte sich nie ganz. Die Sowjetunion überlebte sie ebenfalls nicht – wenn auch mit etwas mehr Verzögerung.

41 Jahre später sitzt Linda Heitmann, Sprecherin für Drogen- und Suchtpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, in Berlin und hat offenbar die Geschichte des Generalsekretärs nicht gelesen. Oder gelesen und für einen Erfahrungsbericht aus einem fremden Universum gehalten. So wie Gorbatschow weiland den Russen wollen die Grünen jetzt den Deutschen die Nüchternheit lehren: Werbeverbot für Alkohol, Ende des sogenannten „begleiteten Trinkens“, bei dem Vierzehnjährige mit den Eltern ein Bier trinken dürfen – und, als Krönung, die Überprüfung, ob Alkohol im Kassenbereich noch „frei zugänglich“ sein darf.

Frei zugänglich. Als wäre ein Sixpack Bier neben dem Kaugummi eine öffentliche Gefährdung.

Wohlgemerkt: Deutschland ist tatsächlich ein Land, in dem viel getrunken wird. 11,2 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr laut WHO – das ist nicht nichts. Wobei – wie sollen sich die Menschen bei Laune halten, angesichts ebenso grieskrämerischer wie katastrophaler rot-grüner Politik? Wäre die weg – vielleicht würden die Menschen auch weniger Not haben, sich alles schönzutrinken.

Aber so sieht das die Partei des totalitären Infantilismus, wie sie mein Autor Thomas Rießinger treffend nennt, natürlich nicht. Sie zieht wie einst die Kommunistische Partei der Sowjetunion den Schluss, dass Verbote, Einschränkungen und staatliche Präventionsprogramme das Problem lösen. Dabei geht es ihr, wie allen Sozialisten, nie wirklich um das konkrete Problem – den Alkohol, den Übergewichtigen, den Falschparkenden. Es geht ums Prinzip: Der Bürger ist unmündig, der Staat weiß es besser, und wer sich widersetzt, braucht mehr Regulierung, nicht weniger. Bevormundung ist kein Mittel – sie ist der Zweck. Dass Menschen auf Bevormundung gleichgültig bis trotzig reagieren, ist dabei kein unerwünschter Nebeneffekt. Es ist der Beweis, dass man noch nicht entschlossen genug war.

Das begleitete Trinken etwa – also Jugendliche, die in Gegenwart ihrer Eltern einen Schluck Wein nehmen dürfen – ist eine der wenigen noch verbliebenen Institutionen, in denen Familien selbst entscheiden, wie sie Heranwachsende an Alkohol heranführen. Die Alternative, die die Grünen implizit bevorzugen, kennt jeder, der mal sechzehn war: das unbegleitete Trinken im Park, ohne Eltern, ohne Maß, ohne Frühstück danach. 

Gorbatschow wäre stolz. Er hat das Prinzip damals auch nicht verstanden.

Das Pikante an der Geschichte: Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat viele Väter, aber Historiker sind sich einig, dass der Einnahmeausfall durch die Anti-Alkohol-Kampagne die Haushaltskrise dramatisch verschärft hat. Der Staat wollte die Bürger erziehen – und hat dabei sein eigenes Fundament untergraben.

Die Grünen, aus der Regierung gepurzelt und nun mit dem Elan einer Partei, die nichts mehr zu verlieren hat, wollen es trotzdem wissen. Gorbi hätte das verstanden. Auch er war überzeugt, dass es diesmal klappt – dass man nur entschlossen genug vorgehen müsse, dass die Geschichte diesmal eine Ausnahme macht. Sie hat keine gemacht. Aber das ist das Schöne am Sozialismus: Die Lektion muss in jeder Generation neu erteilt werden. Auf Kosten anderer, versteht sich.

Der Vodka jedenfalls hat aus der Geschichte gelernt. Er ist immer noch da.

Um all den Irrsinn nüchtern zu ertragen, bin ich auf Ihre Hilfe angewiesen – hier steht, wie es geht. Vielen Dank!

PS: Ich hatte die Ehre, in seinen letzten Jahren als Übersetzer für Gorbatschow tätig zu sein – und konnte ihn dabei erleben, wie er bis zuletzt überzeugt war, das Richtige getan zu haben. Hier seine beiden letzten Bücher, die ich übersetzt habe:

Ebenso hochprozentig – meine Alltagsgeschichten aus Russland. 

 

Bild: Symbolbild/KI/Grok

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