Viele der bekanntesten Teufelsaustreiber (vor allem Inquisitoren wie Konrad von Marburg im frühen 13. Jahrhundert) glaubten so fest an die Allgegenwart des Teufels, dass sie praktisch hinter jeder normalen Sünde, jedem Streit und jedem ungewöhnlichen Verhalten gleich den Satan sahen. Je mehr sie „austreiben“ wollten, desto mehr Teufel produzierten sie in ihren Köpfen. Der professionelle Teufelsjäger schuf sich seine eigene unendliche Nachfrage.
Genau daran musste ich heute denken, als ich – ausgerechnet in der einst konservativen „Welt“ – einen Artikel fand mit der Überschrift: „Sachsen-Anhalt: ‚Wahre Heimatliebe ist‘ – Prominente wollen mit Kampagne AfD-Alleinregierung verhindern.“ Mit viel Sympathie beschreibt der Autor, wie irgendwelche D-Prominente, von denen ich nie zuvor gehört habe und von denen viele ihre offenbar eingebildete Prominenz dem Zwangsgebührensystem verdanken, eine absolute Mehrheit der AfD verhindern wollen. Mit der „Linken“, die nach eigenem Bekenntnis „rechtsidentisch“ mit der Diktatur-Partei SED ist (Quelle siehe hier) scheinen sie hingegen keinerlei Problem zu haben.
Ich erspare Ihnen die Details, zu armselig und lächerlich erscheinen sie mir – bis hin zu einer Bustour. Und dem Logo „Wahre Heimatliebe ist…“ – so als ob ausgerechnet diesem Milieu noch jemand Heimatliebe abnehmen würde – bis vor kurzem – oder genauer gesagt bis vor dem Wachküssen durch die AfD – galt das in diesen Kreisen noch als Schimpfwort. Wenn Sie sich wirklich die Details der Kampagne antun wollen, können Sie alles hier nachlesen.
Viel spannender finde ich die Besessenheit, mit denen heute die dem Zeitgeist Verfallenen die AfD als den Inbegriff des Bösen sehen und in die Rolle von Teufelsaustreibern schlüpfen. Ohne dabei zu bemerken, dass sie sich eigentlich nur noch lächerlich machen und die besten Wahlkampfhelfer der AfD sind. Wie der Spiegel, der den Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf seinem Titelbild zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ erklärte. Woraufhin Siegmund die Cover wie ein Popstar signierte.
Interessant sind auch die Kommentare unter dem wohlwollenden „Welt“-Artikel. Wie folgender:
Heimatliebe ist
– dass sich Frauen am Abend wieder allein auf die Straßen trauen
– dass man wieder ohne Angst davor, abgestochen zu werden, in einen Zug steigen kann
– dass Kontrolleure in Bus und Bahn nicht mehr Angst haben müssen totgeprügelt zu werden
– dass verurteilte Straftäter abgeschoben werden, anstatt frei herumzulaufen, voll alimentiert mit Bürgergeld und allen Extras
– dass die deutsche Staatsbürgerschaft nicht an jeden Dahergelaufenen verschleudert wird, der auf unsere Werte spuckt
Das alles und viel mehr ist Heimatliebe, ihr gratismutigen Laiendarsteller und Z-Promis.
Oder dieser hier:
„Heimatliebe“? War das nicht irgendwie noch vor sehr kurzer Zeit reaktionäre, Nazi, faschistisch, „Wir sind bunt!“? Durchsichtige PR.
Und noch einer:
Ich würde mich im Gegenzug über Plakate mit abrissreifen Brücken, mit Schlangen vor dem Arbeits- und Sozialamt, mit Städten voller Kopftücher, mit den Opfern terroristischer Attentate auf die westliche Welt, mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten wie z. B. den Spritkosten, mit den Mauertoten als Erinnerung an den letzten Sozialismus, mit kaputten Schultoiletten, mit den Steuergeldern sämtlicher NGOs, mit den Summen von Steuerverschwendungen etc.
Wo kann ich spenden?
Oder:
Macht einfach vernünftige Politik und löst die anstehenden Probleme, die Menschen können selbst denken und benötigen kein betreutes Wählen
Und:
Was qualifiziert diese sogenannten Prominenten eigentlich, um den im realen Leben stehenden Normalbürger beraten zu können??? Richtig……NICHTS!!!, denn sie leben größtenteils von Steuergeldern.
Die Liste ließe sich lange fortführen. Die vermeintlich Prominenten machen sich schlicht lächerlich – und halten sich dabei für die Guten.
Den Parallelen zu den Teufelsaustreibern würde etwas fehlen, würden nicht auch die Kirchen mitmischen. Das Bistum Magdeburg startet die Initiative „Bewusst wählen“ und predigt Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität – als gäbe es keine drängenderen Aufgaben als die politische Teufelsaustreibung der AfD. Die Institution, die jahrhundertelang den Teufel austreiben wollte, beteiligt sich jetzt freudig an der Jagd auf den neuen Landesfeind. Die professionellen Teufelsaustreiber von einst haben offenbar einen neuen Auftrag gefunden – und er ist diesmal ganz weltlich: politische Säuberung.
Bizarre Mischung
Nur gut, dass sie im Gegensatz zu den Teufelsaustreibern keine körperlichen und unappetitlichen Exorzismus-Rituale mehr pflegen und es bei Bustouren und Plakaten belassen: Damals musste der Dämon regelmäßig durch Erbrechen, Durchfall oder unter heftigem Gestank austreten. Manche Exorzisten ließen die Besessenen stundenlang speien, bis sie „gereinigt“ waren. Gleichzeitig bestanden dieselben Geistlichen auf absolute Reinheit und Weihwasser. Das Ganze wirkte oft wie eine Mischung aus heiligem Theater und medizinischem Notfall.
Da sind die heutigen Teufelsaustreiber fast harmlos.
Ekel erzeugen sie auf ganz andere Weise: Dadurch, dass sie sich mit viel Geld in demokratische Wahlen einmischen und damit deren Fairness untergraben. Denn sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern ringen längst nicht mehr nur Parteien um die Macht. Hinter ihnen ist eine zweite politische Macht entstanden: Angebliche Nichtregierungsorganisationen, von denen viele im Dunstkreis der Regierungen stehen, und die niemand gewählt hat, nehmen Einfluss auf Wahlen, mit Millionen aus Spenden, und möglicherweise zuweilen auch zumindest indirekt durch Steuergelder.
Sie versuchen, den Wählerwillen in ihrem Sinne zu manipulieren, und tun so, als täten sie das für die Demokratie.
Die Teufelsaustreiber waren ehrlicher.
Und beim Volk beliebter. Denn noch eine Analogie bzw. deren Fehlen fiel mir auf – als sich Dieter Hallervorden gegen die AfD in den Wahlkampf einmischt: Besonders im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit wurden öffentliche Exorzismen zu regelrechten Volksbelustigungen. Ganze Dörfer kamen zusammen, um zuzusehen, wie der Priester den Teufel anschrie, mit dem Kreuz schlug und der Besessene zuckte und schrie. Manche Exorzisten wurden dadurch berühmt und reisten von Ort zu Ort – quasi als fahrende Heiler und Entertainer in einem. Der Kampf gegen den Teufel war manchmal schlicht gutes Geschäft und Spektakel.
Gutes Geschäft und Spektakel ist es heute noch – nur beim Publikum kommt es anders als damals nicht mehr gut an. Nur die „Volksbelustigung“ gibt es immer noch – diesmal lacht das Volk über die Teufelsaustreiber.
Sie schätzen solchen entlarvenden Klartext? Dann freue ich mich über Ihre Unterstützung besonders – als Gegengift zur Teufelsaustreiberei. Hier steht, wie es geht. Mit jedem Euro ärgern Sie die modernen Teufelsaustreiber.
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Bild: Symbolfoto/KI/Gemini
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