Keine Hunde für AfD-Politiker! Tierschutzverein prüft bei Abgeordneter Gesinnung statt Zuhause

Der Wahn in diesem Land hat so absurde Formen angenommen, dass man sich immer schwerer tut, darüber zu schreiben. Weil man sich nicht mehr wundert. Aber sobald man anfängt, sich daran zu gewöhnen, wird man Teil des Irrsinns.

Darum hier kurz die Nachricht, dass ein Tierschutzverein sich geweigert hat, einem herrenlosen Tier ein neues Zuhause zu geben – weil es das Zuhause einer AfD-Politikerin gewesen wäre: der niedersächsischen Landtagsabgeordneten und Hundetherapeutin Vanessa Behrendt. Die wollte eine junge Setter-Hündin namens Setia aufnehmen.

Setterin Setia im Vermittlungspost des Vereins

Auf Instagram sagt Behrendt in einem Video: „Ich engagiere mich nicht nur für den Schutz unserer Kinder, sondern auch für den Tierschutz. Ich war selber viele Jahre im Tierschutz aktiv, hatte auch schon Hunde aus dem Ausland und habe jetzt eine ganz, ganz tolle Setterhündin gefunden, die eigentlich überhaupt nicht geplant war, die aber unfassbar gut zu meiner Familie, zu meinem Leben passen würde. Ich lebe sehr, sehr ländlich gelegen mit 2 Hunden, 2 Katzen, Schildkröten, Hühnern und Schafen und habe dementsprechend dann eine Setterhündin ganz durch Zufall, gar nicht nachgesucht, gefunden, diese bei der, bei dem Verein angefragt und bekomme diese Antwort: Aufgrund meiner parteipolitischen, ja, Gesinnung würden sie davon absehen, diesen Hund an mich zu vermitteln. Das ist wirklich unfassbar.“ Der zuständige Tierschutzverein lehnte die Vermittlung tatsächlich ab – ausdrücklich wegen ihrer politischen Zugehörigkeit.

Behrendt auf Instagram

Kein „ausländischer Hund“ für die AfD

In einem WhatsApp-Austausch, den Behrendt im Video einblendet, schrieb eine gewisse Britta S. vom gemeinnützigen Tierschutzverein „Fortuna Animali“ an die Abgeordnete: „Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass wir Auslandstierschutz machen. Aufgrund Ihrer politischen Zugehörigkeit sehen wir von einer Adoption eines ausländischen Hundes an Sie ab!“

Das ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Man muss sich die Logik auf der Zunge zergehen lassen. Ein Hund aus dem Ausland darf nicht zu einer AfD-Politikerin. Als müsse man befürchten, die Setter-Hündin bekäme im niedersächsischen Eigenheim statt Futternapf einen Integrationskurs mit anschließendem Abschiebebescheid. Pikantes Detail am Rande: Behrendts Ehemann ist Italiener. Die vermeintliche „Ausländerfeindin“ hat also einen Ausländer geheiratet. Aber Fakten stören nur, wenn man ein Feindbild pflegt.

Bemerkenswert ist, welche Frage sich der Verein gar nicht mehr stellt. Nämlich die einzige, die im Tierschutz eigentlich zählen sollte: Hat es das Tier in dem neuen Zuhause gut? Großes Grundstück, Familie, andere Hunde, eine Hundetherapeutin als Halterin. Mehr Zuhause geht kaum. Stattdessen lautet die Frage: Bleibe ich politisch rein? Der Hund wird zur Reliquie, die Vermittlung zum Sakrament und das Sakrament wird Ungläubigen nicht gespendet. Im Mittelalter nannte man das Interdikt. Lieber bleibt das Tier im Zwinger, als dass es bei einer Ketzerin glücklich wird. Den Preis für die moralische Selbstreinigung zahlt ein anderer. Praktischerweise einer, der sich nicht beschweren kann.

Ersatzreligion mit Exkommunikation

Wie kommt ein Land derart – der Begriff zwingt sich auf – auf den Hund? Die Kirchen sind leer, das Bedürfnis nach Gut und Böse, nach Erlösung und Verdammnis ist geblieben. Der „Kampf gegen rechts“ ist zur Ersatzreligion geworden, staatlich finanziert, medial gepredigt, mit eigenen Ritualen, Bußübungen und Exkommunikationen. Die sogenannte Brandmauer verläuft längst nicht mehr nur zwischen Parteien im Parlament. Sie zieht sich durch Bankschalter, an denen Konten gekündigt werden, durch Gaststätten und Hotels, die Hausverbote erteilen, durch Nachbarschaften und Familien. Und jetzt eben bis in den Hundekorb.

Dahinter steckt ein Denken in Kategorien der Ansteckung. Wer mit dem Unreinen in Berührung kommt, wird selbst unrein. Wer einer AfD-Frau ganz normal einen Hund vermittelt, macht sich verdächtig. Also überbietet man sich lieber im Beweis der eigenen Sauberkeit. Je absurder die Geste, desto glaubwürdiger die Gesinnung. Genau das ist der Mechanismus jeder Sekte.

Wer wie ich 16 Jahre in Moskau gelebt hat, kennt das Muster aus den Geschichtsbüchern. In der frühen Sowjetunion gab es die „Lischenzy“, die Entrechteten. Klassenfeinde, denen man Wahlrecht, Lebensmittelkarten, Wohnraum und den Kindern den Studienplatz verweigerte. Nicht wegen etwas, das sie getan hatten, sondern weil sie waren, was sie waren. Niemand muss die Dimension gleichsetzen, um die Denkfigur wiederzuerkennen: Die Gesinnung entscheidet über den Zugang zum ganz normalen Leben.

Diskriminierung erlaubt – gegen die Richtigen

Besonders bitter: Juristisch dürfte der Verein damit sogar durchkommen. Dabei steht es schwarz auf weiß im Grundgesetz, Artikel 3: Niemand darf wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt werden. Nur bindet dieser Artikel den Staat, nicht den Tierschutzverein. Und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, sonst gerne als Keule gegen jede noch so gefühlte Benachteiligung geschwungen, kennt die politische Überzeugung als Schutzgrund gar nicht. Selbst die Weltanschauung hat der Gesetzgeber im Zivilrecht ausgeklammert. Das ist kein Versehen: Sie stand im Entwurf und wurde 2006 bewusst gestrichen, auf Druck der Ministerpräsidenten der Union. Gegen den Geist des Grundgesetzes, aber ganz im Geist der Zeit. Diskriminierung ist in diesem Land streng verboten. Außer gegen die Richtigen.

Man stelle sich nur kurz den umgekehrten Fall vor: Ein Tierschutzverein verweigert einer Grünen-Abgeordneten einen Hund, „aufgrund Ihrer politischen Zugehörigkeit“. Die Empörungswelle wäre bis Brüssel zu hören, die Gemeinnützigkeit des Vereins wohl binnen Tagen Geschichte. So aber: Schweigen. Dabei genießt „Fortuna Animali“ als gemeinnütziger Verein Steuervorteile, die alle Bürger mittragen, auch die rund zehn Millionen AfD-Wähler. Sie dürfen mitbezahlen. Einen Hund bekommen sie nicht. Auch auf eine Presseanfrage blieb der Verein eine Antwort schuldig.

Setia wartet derweil weiter auf ein Zuhause. Hauptsache, die Gesinnung ist sauber.

Ich füttere seit Jahren Straßenkatzen in Montenegro und Zypern. Einigen konnte ich ein neues Zuhause vermitteln. Nach dem Parteibuch habe ich dabei nie gefragt. Allein der Gedanke, einem Tier ein Zuhause zu verweigern, weil mir die politische Meinung der Interessenten nicht passt, ist für mich gruselig. Wer so handelt, dem geht es nicht um das Tier, sondern um sich selbst. Bei mir gibt es keine Gesinnungsprüfung. Weder für Leser noch für Tiere. Aus der Unterstützung für meine Seite werde ich auch weiter einen Teil für die Katzen abzwacken – für Futter und Behandlung. Danke, dass Sie das ermöglichen. Hier steht, wie es geht.

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Bilder: Symbolbild/KI/Grok /  Instagram

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