US-Wahl: Trump serviert Linken die Macht auf dem Silbertablett Quittung für Iran-Krieg – und das dicke Ende kommt erst noch

Geht es Ihnen auch so wie mir? Es gibt Wahlen, da kann man sich über das Ergebnis nicht freuen, ganz egal, wie sie ausgehen. Die Kongresswahlen am Dienstag in den USA sind solche Wahlen. Die Demokraten haben sie mit einem Erdrutschsieg gewonnen und US-Präsident Donald Trump und seinen Republikanern eine herbe Niederlage beschert.

Und so sehr ich mich einerseits über einen Denkzettel für Trump freue – so wenig freue ich mich darüber, dass dieser nur durch einen Sieg der stramm linken und woken Demokraten zustande kam.

Ich weiß, ich ziehe mir jetzt den Zorn der Trump-Fans unter meinen Lesern zu. Mein Verhältnis zu dem exzentrischen Multimilliardär war wechselhaft. Hoffte ich 2016 noch, dass er die Wahl verliert, so wünschte ich ihm 2024 aus ganzem Herzen den Sieg – nur um danach bitter enttäuscht zu sein von ihm.

So sehr ich seinen Kampf gegen die Wokeness und den Sozialismus im neuen Gewand einerseits schätze, so sehr bin ich überzeugt, dass die Art und Weise, wie er diesen Kampf führt, längerfristig verheerend sein wird – und alles ins Gegenteil verkehrt: Wie er und seine Familie sich schamlos bereichern und wie er sich wie eine Mischung aus absolutistischem Monarchen und trotzigem Kind gebärdet, wird einen bleibenden Schaden für die bürgerliche, konservative Sache nach sich ziehen.

Es war die Quittung

Und es ist nicht nur der Stil. Trump war 2024 mit zwei Versprechen angetreten: Die Preise sollten runter, neue Kriege sollte es nicht geben. Geliefert hat er das Gegenteil. Seit Ende Februar führen die USA Krieg gegen den Iran, die Straße von Hormus ist weitgehend dicht und am Wahltag kostete das Benzin so viel wie nie zuvor. In den Nachwahlbefragungen sagten drei von vier Wählern, der Iran-Krieg habe bei ihrer Entscheidung eine entscheidende oder große Rolle gespielt. Fast neun von zehn sorgen sich um die Spritpreise. Rund sechs von zehn halten den Krieg für einen Fehler. Trump selbst hatte im Mai offenherzig erklärt, an die Geldbörsen der Amerikaner denke er nicht, wenn es um den Iran gehe. Am Dienstag kam die Quittung. Wer Hof hält wie ein Sonnenkönig, während das Volk an der Zapfsäule blutet, darf sich nicht wundern.

Einen Vorgeschmack auf den bleibenden Schaden haben wir in dieser Wahlnacht erlebt – mit dem Debakel der Republikaner. Und obwohl hinter vorgehaltener Hand bei den Republikanern großer Unmut darüber herrscht, dass Trump sie ins Elend zieht, traut sich fast niemand von den Bückbürgern in der Partei, das laut zu sagen. Man zeigt es lieber durch Schweigen: Gegen Ende des Wahlkampfs haben republikanische Kandidaten Trump in ihren Werbespots kaum noch erwähnt. Aber wer laut Kritik äußern würde, würde sofort von Trump und seinen Anhängern abgestraft, würde vom Geldstrom abgeschnitten und bei den nächsten Vorwahlen abserviert. So geht die Partei lieber geschlossen in den Untergang – wie am Dienstag schon viele einzelne Mandatsträger.

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Trump selbst deutet die Niederlage derweil in narzisstischer Manier in einen Erfolg um. Zwar gratulierte er den Demokraten artig, sie hätten gute Arbeit geleistet, und versicherte, er werde das Ergebnis selbstverständlich anerkennen. Doch im selben Atemzug erklärte er, eine Niederlage für ihn sei das nicht. Hatte er am Vorabend bei „Fox News“ noch alle aufgefordert, so zu tun, als stünde er selbst auf dem Stimmzettel, so schrieb er nun, er sei ja gar nicht zur Wahl gestanden und wenn er auf den Stimmzetteln gestanden hätte, hätte es einen Erdrutschsieg gegeben. Schuld an der Pleite sind nach Trumps Lesart andere: illoyale Kandidaten – und ausgerechnet Fox News, jener Sender, der ihn jahrelang auf Händen getragen hat.

Blase im Weißen Haus

Trump lebt in seiner eigenen Realität. Und offenbar hat er alle in seiner Umgebung, die sich noch trauten, ihn mit der Wirklichkeit zu konfrontieren, längst in die Wüste geschickt.

Und die Sieger? Hier lohnt ein zweiter Blick. In den roten Staaten haben die Demokraten nicht mit schrillen Woke-Aktivisten gewonnen. In Kansas holte ein methodistischer Pfarrer den Senatssitz, als erster Demokrat dort seit fast hundert Jahren. In North Carolina siegte der gemäßigte Ex-Gouverneur Roy Cooper. Die Partei hat in der Provinz mit Pfarrern und Pragmatikern gewonnen. Im Kongress den Ton angeben werden aber die Ideologen. Das ist das trojanische Pferd dieser Wahl: Wer in Kansas einen Pfarrer gewählt hat, bekommt in Washington die Agenda des linken, woken Flügels.

Die Demokraten werden nun mit ihren Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat einen Untersuchungsausschuss nach dem anderen einsetzen und Trump grillen. Der wird sich, wie er bereits als selbsternannter „Mr. Veto“ ankündigte, mit Vetos gegen deren Gesetzesbeschlüsse wehren. Das passende Merchandise lieferte er gleich mit: Auf Truth Social postete er eine rote Schirmmütze im bekannten MAGA-Stil, auf der nur noch ein Wort steht – VETO. Aus „Make America Great Again“ (MAGA) ist ein trotziges Nein geworden. Faktisch wird Washington in diesem unerbittlichen, spektakulären Machtkampf in den nächsten zwei Jahren gelähmt sein.

Screenshot Truth Social/Donald J. Trump

Und in Deutschland? In den Redaktionen von ARD bis Spiegel feiert man das Ergebnis als Beweis, dass der „Rechtspopulismus“ am Ende ist und die Wähler zur vermeintlichen Vernunft zurückfinden. Genau das ist der Trugschluss. Abgewählt wurde nicht der Kampf gegen die Wokeness, nicht die Begrenzung der Migration, nicht die bürgerliche Vernunft. Abgewählt wurde ein Mann, der seine Versprechen gebrochen, einen Krieg begonnen hat, den die Mehrheit seiner Landsleute nicht will, und der dabei auftritt wie ein Monarch. Das sollten sich auch all jene hinter die Ohren schreiben, die Trump hierzulande zum Vorbild erklären: Wer die richtigen Ziele mit den falschen Mitteln verfolgt, diskreditiert am Ende die Ziele selbst.

Und das ist das Schlimmste: Wenn es so weitergeht, wird der Erdrutsch der Links-Woken 2028, wenn es wirklich ums Eingemachte geht bei den nächsten Präsidentschaftswahlen, so gewaltig, dass der vom Dienstag dagegen wie ein leichtes Vorbeben aussieht. Gnade uns Gott!

Diese Analyse passt in keine Schublade – weder in die der Trump-Fans noch in die der Linken. Genau dafür gibt es diese Seite. Ohne Verlag, ohne Staatsgeld, ohne Partei, ohne Milliardär im Rücken: Sie, liebe Leser, sind die einzige Infrastruktur, die niemand abschalten kann. Wenn Ihnen dieser Text etwas wert war, ermöglichen Sie den nächsten – mit Ihrer Überweisung:: Empfänger Boris Reitschuster, IBAN DE30 6805 1207 0000 3701 71, Verwendungszweck „Unterstützung“. Danke!

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Bild: Symbolbild/KI/Grok

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