Ein Gastbeitrag von Vera Lengsfeld
Dunja Hayali ist wieder einmal zu weit gegangen, so weit, dass ihr Sender vor Schreck die Sendung von Sonntagabend kurzzeitig aus der Mediathek genommen hat. Hayali wollte im „heute-journal“ einen vernichtenden Beitrag über die Abschiebepraxis der ICE in den USA senden. In der Anmoderation warnte sie noch davor, dass nicht alle Videos über die Tätigkeit der ICE echt seien.
Dann präsentierte sie ein herzzerreißendes Video, das von der KI erstellt wurde. Die gezeigte Szene hat es nie gegeben. Hayalis Versuch, die Trump-Regierung bloßzustellen, ging nach hinten los. Sie hat sich und ihren Sender selbst entlarvt.
Als ich das las, fielen mir gleich zwei ähnliche Versuche ein, die bisher nicht problematisiert wurden.
Am Sonnabend oder Sonntag hatte MDR-Kultur morgens ein Interview mit einem Publizisten. Am Ende sagte der tatsächlich, wenn es nach Trump ginge, würde der die Wahlen abschaffen. Natürlich gibt es dafür keinen Beweis, im Gegenteil, es war Trump, der darauf drängte, dass in der Ukraine endlich Präsidentschaftswahlen stattfinden. Aber im Unterbewusstsein soll wohl bei den Hörern das Gegenteil hängen bleiben.
Es war übrigens Ex-Kanzlerin Merkel, die eine Wahl rückgängig machen ließ, weil ihr das Ergebnis nicht passte. Es war der Wahlausschuss in Ludwigshafen, der die Bürgermeisterwahl manipulierte, indem er den aussichtsreichsten Kandidaten einfach ausschloss. Es war Thierry Breton, der geschasste EU-Kommissar, der gesagt hat: „Wir haben es in Rumänien getan und wir werden es, wenn nötig, auch in Deutschland tun.“ Er gab damit ein Eingreifen der EU in die Wahlen in Rumänien zu und kündigte ein ähnliches Eingreifen an, sollte die falsche Partei in Deutschland die Bundestagswahl gewinnen.
Bei t-online schrieb der Journalist Gerhard Spörl eine Meinungskolumne mit dem reißerischen Titel: „Geht’s Dir gut? Ich fand Dein Folter-Video toll“. In der längeren Abhandlung erweckte er den Eindruck, die Epstein-Verbrechen seien die der alten weißen Männer. Zum Schluss verstieg er sich zu der verleumderischen Behauptung:
„Heute regiert ein Mann die USA, der von sich gesagt hat: “Wenn du ein Star bist, kannst du dir alles erlauben. Pack sie bei der Muschi.” Das ist der MAGA-Leitsatz von den echten Männern, die sich nehmen, was sie brauchen. Was Epstein und Ghislaine Maxwell als industrielles Sex-Imperium in einem Schattenreich aufzogen, findet in diesem Präsidenten im hellen Licht der Öffentlichkeit seine kulturelle Fortsetzung.“
Bisher ist nicht bekannt, dass Trump im Epstein-Sumpf steckt, obwohl es heftige Bemühungen gibt, das nachzuweisen. Für Spörl kein Hindernis. Er missbraucht den Namen Epsteins als Pawlowschen Reflex, um Trump dennoch zu diskreditieren.
Wir befinden uns noch nicht im voll ausgereiften Totalitarismus, aber in einer propagandistisch geprägten Gesellschaft, in der Wahrheit vernachlässigbar wird, weil die Lüge zum Herrschaftsinstrument geworden ist.
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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sie betreibt einen Blog, den ich sehr empfehle. Das neue Buch „Ist mir egal“ zu Merkel können Sie hier vorbestellen.
Bild: Screenshot Xmehr von Vera Lengsfeld auf reitschuster.de
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