Angst vor Rassismus-Skandal: Berliner Polizei schickt Kaffeetassen zurück Aufregung um vermeintliche „Thin Blue Line“

Von Kai Rebmann

Der Bereich rund um das Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg gilt als einer der Hotspots für die Straßenkriminalität in der Hauptstadt. Vor allem Drogendelikte und Körperverletzungen sorgen hier immer wieder für Einsätze der Polizei. Problem: Die nächste reguläre Polizeiwache befindet sich rund zwei Kilometer entfernt im Revier 53. Für Abhilfe soll die Mitte Februar neu eröffnete „Nebenwache am Kottbusser Tor“ sorgen. Doch nach nur einem Monat sorgt die Dienststelle jetzt mit einem vermeintlichen „Rassismus-Skandal“ für Aufregung.

Um die Räumlichkeiten im ersten Stock eines Hochhauses für die Anforderungen eines 24/7-Polizeibetriebs herzurichten, machte der Senat dpa-Angaben zufolge 3,24 Millionen Euro locker. Unter anderem wurde ein Fahrstuhl eingebaut und die zur Straßenseite gelegene Fensterfront mit Sicherheitsglas versehen. Allem Anschein nach wurde mit sehr spitzem Bleistift kalkuliert, denn für eine vollständige Ausstattung der Kaffeeküche reichte das Geld offenbar nicht mehr.

Umgedeutetes Symbol der Solidarität

Dieser Meinung scheint jedenfalls die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gewesen zu sein, weshalb sie ihren Kollegen etwas Gutes tun wollte – und einen Satz Kaffeetassen in die Hauptstadt schickte. Doch das Geschirr ist offenbar alles andere als unumstritten. Auf schwarzem Grund ist dort das Zeichen der Gewerkschaft zu sehen, links und rechts davon eine „dünne blaue Linie“. So interpretiert das zumindest die Belegschaft der Nebenwache am Kottbusser Tor.

Da die Polizei von linken Zeitgenossen gerne mal dem Generalverdacht des strukturellen Rassismus ausgesetzt wird, herrschte nach der Zustellung der Kaffeetassen erhöhte Alarmbereitschaft. Denn die „Thin Blue Line“ ist ein insbesondere in den USA weitverbreitetes Symbol mit einer insbesondere für Polizisten wichtigen Bedeutung.

Mit der „Thin Blue Line“ erinnern die Beamten an Kollegen, die im Dienst zu Tode gekommen sind. Sie dient daher als eine Art Mahnmal, dass die Gesellschaft ohne die Polizei in ein gewaltsames Chaos abdriften würde, wie es in einem Bericht von „Welt“-TV heißt. Ob der Designer der Kaffeetassen das Symbol bewusst gewählt hat oder es rein zufällig auf dem Gefäß gelandet ist, ist zwar unklar, dennoch würde es vor diesem Hintergrund gut zur Polizei passen.

Seit einiger Zeit werde die „Thin Blue Line“ aber auch bei Protesten und Kundgebungen von rechtsextremen Gruppen missbraucht, so der Sender, wie etwa beim vermeintlichen „Sturm auf das Kapitol“. Dieser Umdeutung eines Symbols, das eigentlich für Solidarität stehen soll, schloss sich die Polizei in Berlin nun offenbar an.

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Gewerkschaft zeigt wenig Verständnis

Sprecherin Beate Ostertag erklärte dazu: „Die ‚Thin Blue Line‘ löst in Bevölkerungsgruppen bedrohliche Gefühle aus, auch die Zuschreibung von rassistischen oder extremistischen Haltungen. Wir als Polizei Berlin und Polizei generell sind Teil des Rechtsstaates und müssen über jeden Zweifel erhaben sein.“ Also stand der Entschluss am Kottbusser Tor schnell fest und die Tassen wurden postwendend zurück an den Absender geschickt.

Bei der Gewerkschaft zeigt man für die Haltung der Kollegen in der Hauptstadt wenig Verständnis. Sprecher Benjamin Jendro gab zu bedenken: „Wir müssen auch mal grundsätzlich in der Berliner Polizei diskutieren: Was lassen wir uns hier eigentlich wegnehmen, wo lässt man sich vereinnahmen und worauf wollen wir eigentlich alles Rücksicht nehmen? Ich meine, es ist albern, ja. Wir reden über einen blauen Strich auf einer Gewerkschaftstasse. Und ich glaube, dass die Berliner Polizei tagtäglich deutlich macht, dass man sich von rechtsextremistischen Tendenzen – von jeglichen extremistischen Tendenzen – dass man sich da distanziert.“

Die Tassen-Posse vom „Kotti“ ist nicht der erste Fall, bei dem Beobachter leicht den Eindruck gewinnen könnten, dass es für die Polizei in Berlin nichts Wichtigeres gäbe, als die richtige Haltung zu zeigen. Erst im Dezember sorgte ein vom Landeskriminalamt ins Spiel gebrachter Sprachkurs für Polizisten für Aufregung, der die Beamten zur Verwendung politisch korrekter Formulierungen anhalten sollte.

Ausschreibung zur Fahndung durch die Polizei, Kontenkündigungen, Ausschluss aus der Bundespressekonferenz: Wer in Deutschland kritisch berichtet, sieht sich Psychoterror ausgesetzt. Und braucht für den Spott der rot-grünen Kultur-Krieger nicht zu sorgen. Ich mache trotzdem weiter. Auch, weil ich glaube, dass ich Ihnen das schuldig bin. Entscheidend fürs Weitermachen ist Ihre Unterstützung! Sie ist auch moralisch sehr, sehr wichtig für mich – sie zeigt mir, ich bin nicht allein und gibt mir die Kraft, trotz der ganzen Schikanen weiterzumachen! Ganz, ganz herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung, und sei es nur eine symbolische!
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
Bild: Screenshot Youtube-Video Welt Nachrichtensender

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