ARD-Framing zum Trotz: 2020 keine Übersterblichkeit Analyse des Mathematik-Professors Rießinger

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Rießinger

Kaum ist ein Monat im neuen Jahr vergangen, liegen auch schon die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Gesamtsterblichkeit im Jahr 2020 vor – besser spät als nie. Auch wenn die Tagesschau ganz im Gegensatz zum Spiegel eine Übersterblichkeit aus den Daten herauslesen will, lässt sich die erfreuliche Tatsache festhalten, dass 2020 in Deutschland keine Übersterblichkeit aufgetreten ist. In einem früheren Artikel hatte ich mithilfe einer schlichten linearen Regression berechnet, dass bei Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung etwa 980.300 Sterbefälle im Rahmen des Normalen liegen würden. Nun sind es 982.489 geworden, also knapp 2.200 mehr als der von mir berechnete Wert. Die tatsächliche Sterblichkeit liegt damit um 0,22% höher als der Wert, den man aus der Entwicklung sowohl der Sterblichkeitsdaten der letzten Jahre als auch der Bevölkerungszahl erhält. Wer große Freude an übersteigerter Pedanterie hat, kann nun behaupten, es liege eine Übersterblichkeit von 0,22% vor. Das darf er gerne tun. Er muss dann aber beispielsweise auch behaupten, dass ein Arbeitnehmer, der mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4000 € im Bereich der durchschnittlichen Einkommen liegt, bei einer Erhöhung um 9 € – das sind knapp über 0,22% – auf einmal überdurchschnittlich bezahlt wird, was kaum jemand unterschreiben würde, außer vielleicht ein sozialdemokratischer Finanzminister.


Und er muss es sich gefallen lassen, dass man sich von seiner Pedanterie inspirieren lässt und die Rechnungen im Sinne des Statistischen Bundesamtes noch genauer werden lässt: Dort hat man darauf hingewiesen, dass 2020 ein Schaltjahr war und nach aller Erfahrung mehr Leute sterben werden, wenn man einen Tag länger dafür Zeit hat. Der Effekt ist nicht sehr groß und man darf nicht einfach auf den mit der linearen Regression berechneten Wert die durchschnittliche Anzahl der Todesfälle pro Tag addieren, da die in der Regression unter anderem berücksichtigten Jahre 2008, 2012 und 2016 ebenfalls Schaltjahre waren, aber wie jedes andere Jahr behandelt wurden. Das kann man ändern. Rechnet man also nicht nur die Entwicklung der Bevölkerung ein, sondern auch die schaltjahresbedingt unterschiedliche Zahl der Tage pro Jahr, so ergibt sich, dass nicht nur 980.300, sondern 982.430 Sterbefälle im Rahmen des Normalen für 2020 liegen; ich werde das hier nicht vorrechnen, die Methoden wurden in meinem früheren Artikel beschrieben. Der Unterschied zum tatsächlichen Wert liegt bei knapp 60 Fällen, das entspricht 0,006%. Wer hier noch von Übersterblichkeit sprechen will, muss wohl Karl Kassandra Lauterbach oder Markus Nostradamus Söder heißen.

Ob mit Berücksichtigung der Schaltjahre oder ohne, im Jahr 2020 lag in Deutschland keine Übersterblichkeit vor. Noch deutlicher sieht man das, wenn man die demographische Entwicklung in Augenschein nimmt und genauer darauf achtet, wie viele Sterbefälle in den einzelnen Altersgruppen auftreten, gemessen an der Bevölkerungszahl innerhalb dieser Gruppen. Zunächst die zugehörige Tabelle, auf die ich gleich noch eingehen werde.


Die Tabelle ist schnell an einem Beispiel erklärt. Den Daten des Statistischen Bundesamtes kann man entnehmen, dass sich beispielsweise zu Beginn des Jahres 2017 434.9557 Menschen in der Altersgruppe „75 bis unter 80“ befanden, und dass in dieser Gruppe im Lauf des Jahres 139.232 Sterbefälle zu verzeichnen waren. Der prozentuale Anteil der Verstorbenen beläuft sich dann auf 139.232*100/4349557=3,201, gerundet auf drei Nachkommastellen. Genau diese Zahl findet man in der entsprechenden Zeile für das Jahr 2017, und auf diese Weise berechnen sich auch alle anderen Einträge.

Man kann nun der Frage nachgehen, wie sich denn die Prozentsätze Verstorbener im Jahr 2020 auf die absoluten Zahlen der Sterbefälle ausgewirkt hätten, wenn man die Verteilung der Gesamtbevölkerung des Jahres 2020 auf die Bevölkerungsgruppen zugrunde legt. In dem erwähnten früheren Artikel hatte ich das schon an vier Beispielen ausgerechnet, dort findet man auch die Beschreibung des Rechenwegs. Es ist aber instruktiv, sich diese Projektionen einmal für alle aufgeführten Jahre von 2006 bis 2019 anzusehen. Das führt zu der folgenden Tabelle.

Was bedeutet das? Hätten 2020 die Prozentsätze Verstorbener pro Altersgruppe wie in dem sehr milden Jahr 2019 vorgelegen, so müsste man mit 963.906 Toten im Jahr 2020 rechnen. Die Sätze des deutlich härteren Jahres 2018, in dem eine ernsthafte Grippewelle ihr Unwesen trieb, führen bei der Altersstruktur von 2020 zu 993.580 Toten. Und sieht man sich die restlichen Jahre an, so stellt man fest, dass es seit 2006 nur drei Jahre gab, nämlich 2014, 2016 und 2019, in denen die Berücksichtigung der Prozentsätze Verstorbener pro Altersgruppe zu einer geringeren Zahl von Sterbefällen als 2020 führt, wenn man nämlich die demographische Verteilung von 2020 zur Kenntnis nimmt. Das Jahr der Pandemie mit ihren unzählig vielen Infektionen und der ständig drohenden Überlastung des Gesundheitssystems belegt in der Reihe der Jahre 2006 bis 2020 den vierten Platz, elf Jahre zeigten härtere Sterbequoten. Markus Nostradamus Söder hatte es ja so schön formuliert: „Corona ist wie die Pestilenz. Sie kriecht in jede Ritze“, so konnte man es in Welt Online lesen. Und eben dort: „Endlose Fake News und Lügen führen dazu, dass Leute sich in Scheinwelten und Parallelwelten begeben.“ Man wird ihm kaum widersprechen können, sofern man annimmt, dass er hier Selbstkritik üben wollte.

Werfen wir nun einen Blick auf die Daten, die in der Tabelle der Prozentsätze Verstorbener pro Altersgruppe versammelt sind. Geht man sie Zeile für Zeile durch, so stellt man fest, dass man kaum etwas feststellt. Die Werte für 2020 liegen alle im Rahmen der Werte, die in den vorhergehenden Jahren aufgetreten sind, was man noch besser sieht, wenn man einmal die Bereiche notiert, in denen diese historischen Werte liegen.


So lag in den Jahren 2006 bis 2019 in der Gruppe der 55- bis 60-Jährigen der geringste Anteil Verstorbener bei 0,539%, der höchste bei 0,640%. Und 2020 kam man in dieser Gruppe auf 0,541%, womit man sich am unteren Rand des Bereichs für diese Gruppe bewegt. So sieht es in allen Altersgruppen aus. Der Eindruck ändert sich kaum, wenn man sich auf die Daten der letzten vier Jahre vor 2020 konzentriert. Die Gesamttabelle der Prozentsätze zeigt, dass nur in den Altersgruppen „70 bis unter 75“ und „ab 85“ der Satz für 2020 ein so deutliches Maximum der Werte für 2016 bis 2020 zeigt, dass es nicht erst in der dritten Stelle nach dem Komma auftritt. In zehn Altersgruppen wird das Maximum der Prozentsätze nicht 2020 erreicht, sondern früher, in zwei weiteren Gruppen gibt es 2020 Steigerungen der Prozentsätze, die sich aber erst in der dritten Nachkommastelle auswirken und daher alles andere als dramatisch sind.

Die relative Sterblichkeit für die jeweiligen Altersgruppen ist daher im Jahr 2020 völlig unauffällig, wenn man sie mit den Daten für die Jahre 2006 bis 2019 vergleicht, und sie weist im kurzfristigen Vergleich mit den Jahren 2016 bis 2019 für zwei Altersgruppen – „70 bis unter 75“ und „ab 85“ – eine Steigerung auf, in den beiden Altersgruppen dazwischen allerdings nicht. Ein seltsames Verhalten in Anbetracht eines Virus, das doch wie die Pestilenz in alle Ritzen kriecht, dabei aber die Sterberaten der Altersgruppen zwischen 75 und 85 insgesamt bei niedrigen Werten verharren lässt.

Dennoch wird man nicht bestreiten wollen, dass es 2020 in der Altersgruppe ab 85 zu einer höheren Zahl von Sterbefällen gekommen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen hatten wir es 2019 in Bezug auf die Sterblichkeit mit einem milden Jahr zu tun, sodass gerade in der höchsten Altersgruppe im darauf folgenden Jahr mit einer erhöhten Sterblichkeit gerechnet werden musste; solche Nachholeffekte hat es zum Beispiel in den Jahren 2011/2012 und 2014/2015 gegeben, und zwar in wesentlich deutlicherem Maß als in den Jahren 2019/2020. Auch wenn es sich dabei teilweise um Covid19-Tote handelt, so liegt in diesen Fällen eine Verschiebung der Todesursachen vor: Es ist eine vermutlich neue natürlicheTodesursache hinzu gekommen, die an die Stelle anderer natürlicher Ursachen wie der Influenza getreten ist. Man sollte nicht vergessen, dass im Winter 2020/2021 die Influenza allem Anschein nach ausgestorben ist.

Zum anderen muss man aber in Betracht ziehen, dass es gerade in der höchsten Altersgruppe auch Sterbefälle gegeben hat, die nicht auf dem beschriebenen Nachholeffekt beruhen, insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen. Sie sind jedoch nicht gestorben, weil irgendjemand ohne sogenannten Mund-Nasenschutz in einer Fußgängerzone herumlief. Sie sind auch nicht gestorben, weil es Demonstrationen gegen Regierungsmaßnahmen gegeben hat, denn die finden nur selten in Altenheimen statt. Sie sind gestorben, weil es die begabten Entscheider aus Bundes- und Länderregierungen bis heute nicht geschafft haben, einen wirksamen Schutz von Alten- und Pflegeheimen zuwege zu bringen, der nicht in der völligen Isolation der Betroffenen mündet – eine Isolation, die oft genug zum Tod führen kann. Man schützt nicht die Gefährdeten, indem man alle anderen zum Lockdown verurteilt und den Schutz der Risikogruppen vergisst. Dabei hat es bereits bessere Beispiele gegeben, wie man an den Maßnahmen des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer zum Schutz der Alten- und Pflegeheime sehen kann. Kurz gesagt: Gerade bei der Gruppe der Menschen im Alter von 85 und mehr Jahren sollte man neben den natürlichen Todesursachen noch von einer weiteren Ursache sprechen – dem Tod durch Regierungsversagen.

Unterstrichen wird das durch die oft beschworenen Daten für den Dezember 2020. In der folgenden Tabelle sind die Prozentsätze der Sterbefälle im Dezember für die Jahre 2016 bis 2020 aufgelistet, jeweils gemessen an der Bevölkerungszahl in der entsprechenden Altersgruppe.

Gerade in den höheren Altersgruppen fällt die Entwicklung auf, die Sätze liegen 2020 höher als in den Jahren zuvor. Dennoch hat man sich in den weisen Entscheidungsgremien auch zu Beginn und im Verlauf der kalten Jahreszeit, in der Erkrankungen der Atemwege verstärkt zu erwarten sind, lieber mit dem Einsperren der gesamten Bevölkerung befasst, als sich dem Schutz echter Risikogruppen zuzuwenden. Das Versagen der Regierenden ist offenkundig.

Dennoch darf man sich auch von den Dezemberzahlen für 2020 nicht in Angst und Schrecken versetzen lassen. Das gesamte Jahr 2020 weist keine Übersterblichkeit auf, den höheren Raten des Dezember entsprechen also niedrige Raten in den vorherigen Monaten. Und auch diese höheren Raten sind beileibe nichts Einmaliges. Man werfe nur einen Blick auf die folgende Tabelle, in der die Prozentsätze der Sterbefälle für März 2018 und Dezember 2020 gegenüber gestellt werden.

Der Sachverhalt ist zu offensichtlich, um ihn zu übersehen: In jeder einzelnen Altersgruppe lag der Prozentsatz der Sterbefälle im März 2018 über dem für Dezember 2020. Damals gab es eine schwere Grippewelle in Deutschland, die auch und gerade in der älteren Bevölkerung für viele Todesfälle sorgte. Auch damals hätte man schon etwas zum Schutz dieser älteren Bevölkerung tun können, hat es aber unterlassen. Wie heute hatte man wohl Wichtigeres zu tun. Seltsamerweise wurde aber im März 2018 nichts geschlossen, wurde kein ganzes Volk gegängelt und eingesperrt, wurden die Kinder nicht vom Schulbesuch abgehalten und wurde auch niemand zum Tragen von Arbeitsschutzmasken verpflichtet. Auch heute könnte man wissen, dass all das nichts fruchtet und die Schäden, die es verursacht, ins Gigantische gehen. Nicht nur die ökonomischen Schäden, auch die medizinischen; die Studien dazu liegen vor.

Man will es nicht wissen. Stattdessen verordnet man den Menschen eine Politik nach dem Modell der Geißler aus dem Spätmittelalter, die lautstark verkündeten, die eigene Stadt oder gar die ganze Welt werde untergehen, wenn man sich nicht mit Freude und Begeisterung selbst auspeitsche. Immerhin hat man sich damals zur Rettung der Welt noch selbst gegeißelt. Wer heute den Menschen zur Rettung der Welt die Geißel des Lockdown befiehlt, spürt selbst nicht die verheerenden Folgen dieser Weltrettungsmethode. Man kann nur hoffen, dass die Betroffenen sich irgendwann gegen ihre Geißler wehren.

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und war Professor für Mathematik und Informatik an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Neben einigen Fachbüchern über Mathematik hat er auch Aufsätze zur Philosophie und Geschichte sowie ein Buch zur Unterhaltungsmathematik publiziert.

 

 

Bild: Elnur/Shutterstock
Text: Gast 

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Peter Neiss
22 Tage zuvor

Ich bin überzeugt, dass durch diese massive Freiheitsberaubung mehr Menschen an Vereinsamung, am häuslichen Terror und durch Selbstjustiz mehr Menschen gestorben sind als an der Grippe Corona und ohne diesen brutalen Lebensvernichtenden Log down je gestorben wären.

Tabascoman
1 Monat zuvor

Es gibt schon Tote „im Zusammenhang mit“ Corona: im Altersheim in Freyburg/Unstrut sollen vor kurzen 6 geimpfte gestorben sein, Seit ganz kurzen sogar 20.

RoHa
1 Monat zuvor

Kein Übersterblichkeit? Gut gemacht, Frau Dr. Merkel!

T-Alpha
Antwort an  RoHa
1 Monat zuvor

Wenn Sie das ernst meinen, unterliegen Sie einem doppelten Trugschluss! Sie glauben also, das Ergebnis von 39’201 in 2020 in D vermutet an C verstorbenen Personen sei ausreichend, der Frau Dr. Merkel ein gutes Zeugnis auszustellen, ihr Entlastung/Absolution zu erteilen? Erstens, Sie glauben, dass keiner dieser Toten durch besseres Regierungshandeln zu verhindern war. Sind Sie sich da wirklich sicher? Vieles deutet eher darauf hin, dass, hätte Frau Dr. Merkel ihre Hausaufgaben besser gemacht und sinnvollen Expertenrat nicht ignoriert, der Tod von einigen Tausend Menschen verhindert hätte werden können. Zweitens unterstellen Sie, das die Gefahr wirklich so hoch war, wie von Frau Dr. M. beschworen. Vielleicht hat sie ja maßlos übertrieben und alles war doch viel harmloser als mit Ängstigen und Drohen an die Wand gemalt. Dann kam es zu diesem Ergebnis trotz Frau Dr. M., nicht wegen Frau Dr. M. Auf alle Fälle unterschlagen sie den Preis, der der deutschen Bevölkerung für diese mangelhafte Leistung aufgebürdet wird. Der ist nicht nur aus der Sterbestatistik ersichtbar.  Wenn schon Krisenkosten, dann mit einem besseren Team

T-Alpha
1 Monat zuvor

Zusammenfassung für die Eiligen: (1) Super Artikel! (2) Zahlenauswertung ergibt: 2020 kein aussergewöhnliches Sterbegeschehen in Deutschland durch COVID-19. (3) Nur Zahlen auswerten reicht nicht. Tiefer bohren! Daten hinterfragen, jetzt erst recht. (4) Datenmaterial untersuchen im Hinblick auf mögliche Übertreibungen. (5) Massnahmenmanagement hinterfragen hinsichtlich Mittelauswahl und Umsetzung. (6) Kostenwahrheit für den Massnahmencocktail einfordern. Mein Fazit: Therapie schädlicher als die Krankheit. Intervention ja, aber nie wieder so. Frei nach Béchamp/Bernard: Der Erreger ist nichts, das Handling ist alles.

Wer es ausführlicher mag, darf gerne weiterlesen.

 

Danke für die hervorragende Auswertung, kann ich alles unterschreiben aufgrund eigener Berechnungen. Gut auch, dass der Artikel über die vielfach übliche einfache Zahlenaufbereitung hinausgeht und über das offensichtliche Ergebnis der Nichtfeststellbarkeit einer Übersterblichkeit hinaus starke Statements zur Interpretation des Zahlenwerks offeriert (Stichwort Staatsversagen).

Etwas Wasser muss ich leider in diesen Wein noch hinein giessen. Die Zweifler am Narrativ von der Jahrhundertkatastrophe durch Sars-COV2 können sich ja nun vollauf bestätigt fühlen. Aber war es das? Keineswegs. Wer jetzt glaubt, die Arbeit sei hiermit abgeschlossen und das Aufklärungsziel erreicht, begeht einen verhängnisvollen Fehler. Es genügt nicht, wenn sich die in der Deutung der Sterbezahlen aktiven gegensätzlichen Parteien auf die nackten Zahlen offizieller Statistikämter als akzeptable Basis einigen. Die Aufbereitung der amtlichen Zahlen war der einfache Teil. Der Beweis, dass vielerorts keine C-bedingte Übersterblichkeit zu diagnostizieren ist, ist damit zwar erbracht. Zumindest ist der Spielraum zur Interpretation nun eng eingegrenzt und Tricksereien lassen sich jetzt relativ einfach durchschauen – so wie der plumpe Versuch der ARD, mit tendenziös selektiver Zitierung aus den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes eine Stütze für ihre monatelang mühsam gepflegtes Katastrophennarrativ zu konstruieren (womit der Sender ungewollt auch einen öffentlichen Beweis für sein propagandistisches Treiben geliefert hat … bedauernswert, wer das Spiel jetzt immer noch nicht versteht …).

Wer aber an diesem Punkt der Zahlenanalyse stehenbleibt (ein Lob dem Autor, dass er das nicht tut) und sich mit dem Ergebnis zufrieden gibt, macht sich, sicher ungewollt, zum Mithelfer der noch immer befehlsgebenden Hardliner (in Politik, Ordnungsbehörden, Wissenschaft und Medien) mit ihrem anhaltenden und unsäglich ausufernden Massnahmenterror.

Wie das? Ganz einfach. Zum einen haben politische Entscheide des Krisenmanagements Folgen für die Sterbezahlen. Politisch entscheiden heisst, aus Alternativen auswählen. Wenn man sich mit den Rohdaten zufrieden gibt, zeichnet man, zumindest unbewusst, das Ergebnis des Regierungshandelns und -unterlassens ab. Zum anderen akzeptiert man implizit die Methoden zur Zählweise und Klassifizierung der berichteten C-Todesfälle. Gerade diese Methoden sind aber im Falle der Beurteilung der C-Auswirkungen bekanntermassen äusserst umstritten. Ein drittes Problem ist, dass die Zahl der amtlich deklarierten C-Toten nicht das ganze Ausmass des Schadens durch die C-Bedrohung und C-Massnahmen widerspiegelt. Kurzum, die Datenbasis ist mit so vielen Mängeln behaftet, dass weiteres Hinterfragen notwendig ist (Herr Wieler!) Die Aufbereitung schafft uns nur die Grundlage, die eigentliche Aufgabe der Datenanalyse auszuführen: nämlich Widersprüche zum präsentierten Narrativ aufzudecken und die richtigen Fragen zu stellen, um die, möglicherweise entlarvende, wahre(re) Geschichte ermitteln (forensisches Arbeiten). Das hat der Autor im obigen Artikel bereits getan, aber nur teilweise.

Nun zu Zahlen und Fragen. 39’201 amtlich gezählte C-Todesfälle (und 943’288 nicht an C Verstorbene). Es ist diesmal notwendig, penibel zu sein und diese Angaben sehr genau zu prüfen. Angesichts der bedrohlichen Konsequenzen für die Lebensumstände von über 80 Millionen Menschen, wird in der aufgeheizten Atmosphäre der gewählten Hardline C-Massnahmenstrategie jeder einzelne Todesfall zum Politikum.

(1) Die 39’201 C-Todesfälle sind mE nur als vorläufige Obergrenze anzusehen. Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine, um es freundlich zu sagen, grosszügige Etikettierung von Todesfällen als C-Fall (mit/an). Die meisten Verstorbenen hatten eine oder mehrere potentiell lebensgefährdende Vorerkrankungen. Ein Bestatter hat es neulich perfekt ausgedrückt: ’nicht überall wo COVID draufsteht, ist COVID drin‘. Zu vermuten ist also, dass es sich um eine aufgeblähte Grösse handelt. Realistischer wären also 39’201-x. Wieviele Menschen sind also eindeutig hauptursächlich AN C verstorben?

(2) Man darf auch nicht einfach akzeptieren, dass die deklarierten 39’201 Todesfälle in ihrer Gesamtheit unvermeidbar gewesen wären. Es fällt auf, dass auf die erste Welle während des ersten Halbjahres 2020 davon nur etwa 23% entfallen (etwa 9‘000), der überwiegende Teil dagegen auf die zweite Welle im zweiten Halbjahr. Ganz krass die Tatsache, dass allein im Monat Dezember über 50% der Todesfälle (gut 20‘000) zu verzeichnen waren. Von der Abfolge her darf da schon die Frage aufkommen, ob das alles unvermeidbar war. Umgekehrt wäre weniger auffällig. Die Opferzahlen am Anfangspunkt der Lernkurve sind noch einfach erklärbar. Im Dezember nur noch nachvollziehbar, wenn zwischenzeitlich grundlegende Änderungen im Wirkmechanismus des Erregers zu verzeichnen gewesen wären. Wusste man im Dezember mehr über die Charakteristika des Erregers? Definitiv. Im Frühjahr hatte man ja noch nicht die Erfahrung, auf die man sich im Herbst stützen konnte. Hätte man mehr wissen können? Fraglos, denn es gab viele Monate Zeit, ein tieferes Verständnis für das C-Virus zu entwickeln. Tatsache ist, dass sich das Muster der Gefährdung durch das C-Virus im Herbst/Winter nicht grundlegend von dem im Frühjahr erkennbaren unterscheidet (die Dominanz der Gefährlichkeit des Virus für ältere, geschwächte Personen, insbesondere solche in Alten- und Pflegeheimen, überall zu beobachten in Deutschland, Europa und der westlichen Welt). Unaufhörlich wurde zudem von Gesundheitsexperten und Regierung die im Herbst zu erwartende zweite Welle beschworen. Warum ist es dann, trotz dieses Wissens und angenommenen Szenarios, nicht gelungen, die eindeutig identifizierte Risikogruppe besser zu schützen? Ergebnis: Einen Teil des Todeszolls darf man nicht der Gefährdung durch das C-Virus anlasten, sondern muss ihn auf dem Konto der verantwortlichen Krisenmanager verbuchen (Staatsversagen).

(3) Skandalös ist weiterhin das Schweigen bzw. die Verweigerung von Auskünften zum Thema Folgeschäden der C-Massnahmen (von den materiellen spreche ich hier nicht einmal). Erzwungen unterlassene/verschobene medizinische Behandlungen, Massnahmenstress, Schwächung der Volksgesundheit und im traurigsten Fall Suizide hinterlassen auch ihre Spuren in den Sterbezahlen (in 2020, 2021 …). Allerdings verlieren sich die Spuren dieser bisher wenig beachteten, von der Regierung noch nicht einmal anerkannten Opferkategorie im Zahlenmeer der 943’288 Nicht-C-Todesfälle. Der Preis für die Massnahmen wird nonchalant ausgeblendet. Das beharrliche Schweigen über diese Massnahmeschäden, mehr noch die Verweigerung der Diskussion darüber lässt für mich nur den Schluss zu, diese Fälle dem Handeln/Unterlassen den Akteuren im Krisenstab anzulasten. Frei nach Béchamp/Bernard: Der Erreger ist nichts, das Handling ist alles.

Insgesamt stecken hinter den Sterbezahlen 2020 potentiell also auch skandalöse, wenn nicht sogar justitiable Vorgänge, die mit der eigentlichen Bedrohung durch das C-Virus nichts zu tun haben. Diese gilt es aufzudecken, um ein wirklich realistisches Bild der Bedrohungslage zu bekommen. Was sich jetzt schon sagen lässt ist, die verfügten übermässig drastischen Einschränkungen für die Breite der Bevölkerung lassen sich kaum rechtfertigen, schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass als nützlich identifizierte fokussierte Massnahmen nicht systematisch und rechtzeitig angewandt wurden. Unter allen Umständen kontraproduktiv ist die verheerende Kommunikationspolitik, die vorwiegend durch Ängstigung, Einschüchterung und aggressive Diffamierung von besorgten kritischen Bürgern versucht, Zustimmung und Mitmachmotivation in der Bevölkerung zu fördern. Kombiniert mit kafkaesken Ordnungs- und ausgeklügelten Bussgeldvorschriften provoziert diese Vorgehensweise sinnlose Scharmützel über unwesentliche Details und verprellt immer mehr auch bisher hilfsbereite Zeitgenossen. Die spürbare Bunkermentalität im Krisenstab, ablesbar an der zunehmenden Dünnhäutigkeit gegenüber Kritik, am dogmatischen Festhalten an Massnahmen wider besseres Wissen und Fakten, an Ignoranz gegenüber Alternativen, an Anzeichen von Eigenmächtigkeiten, Profilierungssucht und verletzten Eitelkeiten u.v.m hinterlässt den Eindruck eines massiv überforderten Krisenmanagements, das nur noch verbissen um das Überleben des von ihm festgelegten Narrativs kämpft.

Am Schluss läuft es wohl darauf hinaus, die Therapie als schädlicher zu bewerten, als die eigentliche Krankheit. Endgültig bewiesen ist das noch nicht. Aber die Indizien für substantielles institutionelles Versagen mehren sich und es ist notwendig weiter und tiefer zu bohren. Es ist nötig, die Gesamtrechnung zu erstellen und zu präsentieren weil sich die Massnahmenkatastrophe bei der nächsten absehbaren Epidemiedrohung wiederholen wird. Mit dem Risiko eines noch schlimmeren Ausgangs, wenn das verspielte Vertrauenskapital wegen unterlassener Aufarbeitung nicht wieder zurückgewonnen werden kann.

 

Hans
1 Monat zuvor

Herzlichen Dank für den Artikel! Leider reicht das nicht, um die „normalen“, nur aus den Hauptmedien informierten Menschen zu überzeugen. Denn kaum jemand kann oder wird in die Tiefen der Statistiken eintauchen und kann bewerten, wer Recht hat. Es müssen Fehldarstellungen, Fehlinterpretationen etc. der „offiziellen Medien“ deutlich gemacht werden. Die Überschrift dieses Artikels behauptet, dass die ARD Framing betreibt, aber der Text weist das nicht konkret nach. Im Endeffekt stehen Aussage gegen Aussage. Die Massenmedien mit ihren Faktenfindern verunglimpfen die Alternativen,
damit ihnen die Menschen weiter glauben, und die „Lügenpresse!“-Rufer werden als Nazis und Aluhüte verunglimpft.

Prof. Rießinger: Könnten Sie bitte einen Update bringen, und konkrete, manipulative (oder  wirklich fehlerhafte) ARD-Berichte zurechtrücken? Das wäre super!

Hans
Antwort an  Hans
1 Monat zuvor

Hier sind drei Beispiele für Quellen, die eine Übersterblichkeit berichten:

1. Statistisches Bundesamt:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html

2. ÄrzteZeitung
https://www.aerztezeitung.de/Politik/Deutliche-Uebersterblichkeit-in-Deutschland-416279.html

3. Bayerischer Rundfunk
https://youtu.be/DYqskNQOIqQ

Das sind sehr vertrauenswürdige und wirkmächtige Quellen. Ein Nachweis, dass (und wie!) hier Statistiken „gefälscht“ bzw. fehlinterpretiert sind, wäre umso wichtiger. Und ohne einen solchen Nachweis, fürchte ich, sind alternative Darstellungen alleine nicht überzeugend.

pk
1 Monat zuvor

“ Man wird ihm kaum widersprechen können, sofern man annimmt, dass er hier Selbstkritik üben wollte.“

Hier scheint  ein klassischer Fall von Projektion vorzuliegen. Man sollte Hr. Söders Aussagen zuerst tatsächlich als Selbstaussagen interpretieren. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Menschen eigene Annahmen über die Wirklichkeit nicht als subjektive Konstruktionen erkennen, sondern sie ihren Mitmenschen unterstellen. In schweren Fällen geht das bis zur Psychose, die ich Hr. Söder natürlich nicht andichten will.

Aber dennoch würde ich hier die Probe aufs Exempal machen und fragen, ob die Aussagen nicht besser auf Hr. Söder persönlich als auf die Gesamtbevölkerung passen:

„Corona ist wie die Pestilenz. Sie kriecht in jede Ritze“

und

„Endlose Fake News und Lügen führen dazu, dass Leute sich in Scheinwelten und Parallelwelten begeben.“

  • Hr. Söder weiß über die Ritzen anderer Menschen vermutlich weniger als über seine eigenen und stützt sich demzufolge auf eine sehr geringe Datengrundlage. Könnte es nicht sein, dass die Corona-Maßnahmen die eigentliche Pestilenz sind?
  • Wenn Hr. Söder sich als alleinigen Schiedsrichter über Wahrheit und Lüge ansieht und sich offensichtlich auch für kompetent hält, die seelische Struktur seiner Mitmenschen bis ins Mark zu durchleuchten, während er selbst dank seines klaren Verstandes über allem thront, wäre das allerdings ein sehr bedenkliches Zeichen seines psychichen Zustandes.

Von solchen Leuten sollte man nicht erwarten, dass sie Zahlen nüchtern interpretieren können. Dass sie ein Land vernüftig regieren, schon gleich gar nicht.

 

Kommentator
1 Monat zuvor

Werter Herr Reitschuster, Sie schrieben:

Er muss dann aber beispielsweise auch behaupten, dass ein Arbeitnehmer, der mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4000 € im Bereich der durchschnittlichen Einkommen liegt, bei einer Erhöhung um 9 € – das sind knapp über 0,22% – auf einmal überdurchschnittlich bezahlt wird, was kaum jemand unterschreiben würde, außer vielleicht ein sozialdemokratischer Finanzminister.

Hier an dieser Stelle muss ich korrigieren. Der SPD-Genosse Finanzminister, Scholz heißt er meines Wissens, behauptete doch noch vor kurzem, dass er mit einem Monatseinkommen von 15.000,– Euro (teilweise sogar steuerfrei) noch einen normalen Verdienst beziehe.  Zu diesem Zeitpunkt maß er sich mit dem Bierdeckel-Steuer-Blackrock-Kanzler-Interessenten Merz, was die Sache allerdings auch nicht besser macht. Auch familiäre Verpflichtungen sind dem Herrn Genossen unbekannt. Seine Frau verdient ebenfalls aus politischer Tätigkeit 15.000 Euro, Kinder sind keine vorhanden und Herr Scholz soll auch noch 8.000,– Euro aus vorangegangenen Tätigkeiten gesichert haben. Macht mal eben ein Monatseinkommen von 38.000 Euro für zwei Kinderlose. Teilweise brutto, teilweise steuerbefreit, auf jeden Fall aber sozialabgabenbefreit. Der Genosse könnte also jeden Monat mehrere Arbeiterfamilien (beinahe hätte ich Bergarbeiter geschrieben, aber die Zeiten sind dank SPD ja lange vorbei) glücklich machen.

Matthias
1 Monat zuvor

Ich schätze mich selber als kritischer Geist ein (sonst würde ich nicht auf diesen Seiten lesen…). Ich finde es für mich immer wichtig, verschiedene Argumente zu hören, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, sich nur in der eigenen Blase zu bewegen.

Deswegen denke ich, man kommt nicht umhin darauf hinzuweisen, dass in diesem Artikel einfach fehlt, dass diese Zahlen in Deutschland mit den erfolgten Maßnahmen zustande gekommen sind – wie immer man auch zu diesen steht und es sicherlich jede Menge berechtigter Kritik gibt.

Für mich interessant war immer ein Vergleich der Länder auf Euromomo (https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps). Wir haben Länder wie Frankreich, UK, Belgien, Spanien, Niederlande, Italien, die unzweifelhaft eine sehr deutliche Übersterblichkeit aufweisen (auch im Vergleich mit der Grippewelle 2017/18). Und wir haben Länder wie Dänemark, Finnland, Norwegen, Deutschland, bei denen das offensichtlich nicht der Fall ist.

Und die Härte der Maßnahmen und die Sterberate scheint irgendwie nicht zu korrelieren. Aber was macht in diesen Ländern den Unterschied aus?

Insofern ist es sicherlich berechtigt, potentielle Untergangspropheten zu widerlegen, indem die Statistik für Deutschland realistisch dargestellt wird, aber auf der anderen Seite sollte dies auch nicht dazu verführen, eine potentielle Gefährlichkeit herunterzuspielen. Ich hoffe auf künftige Studien, die die unterschiedlichen Sterberaten der einzelnen Länder vergleichend untersuchen und erklären können…

T-Alpha
Antwort an  Matthias
1 Monat zuvor

Zu Recht sprechen Sie einige kritische Punkte an, die es zu vertiefen gilt. Zunächst zur Situation in Deutschland. Es stimmt, die Zahlen sind mit den Massnahmen zustande gekommen. Das fehlt in Herrn Riessingers Betrachtungen nicht und das wird er auch nicht bestreiten. Der erste Schritt in der Analyse bestand ja darin, die monatelang von Massnahmenhardlinern und Massenmedien verbreiteten Behauptungen von drohender massiver Übersterblichkeit zu widerlegen und ihrem unsäglichen Missbrauch von selektiv herausgepickten Zahlen zur Rechtfertigung nicht empirisch abgestützter Massnahmen etwas Substantielles entgegenzusetzen. Das, denke ich, ist gelungen (auch in ähnlichen Auswertungen zu einigen anderen Ländern in Europa). Aber, und das ist entscheidend, mit den Massnahmen heisst nicht wegen der Massnahmen. Keine Übersterblichkeit bedeutet  nicht automatisch, dass das Krisenmanagement in Deutschland gut war (siehe hierzu auch meinen längeren Kommentar zu Riessinger Artikel). Es sagt nichts darüber aus, ob die  Gefährlichkeit richtig eingeschätzt wurde, ob durch das Unterlassen von Massnahmen vermeidbarer Schaden entstanden ist oder ob die Massnahmen sogar selbst zu vermeidbaren Schäden geführt haben. All das muss genauer hinterfragt werden. Denn es gibt starke Anzeichen dafür, dass mit dem vorhandenen Wissen über das C-Virus das deutsche Krisenmanagement, bezogen auf die Sterbezahlen, bessere Ergebnisse hätte erzielen können. Auch ich wünsche mir aussagekräftige vergleichende Studien für Europa, Allerdings befürchte ich, das dies ein frommer Wunsch bleiben wird. Es gibt keine einheitlichen Standards für die Klassifizierung und Zählung von Corona bedingt Infizierten und Todesfällen. Selbst innerhalb eines Landes haben sich Definitionen im Zeitablauf mehrfach geändert. Die Worldometer Datentabelle zu Corona kann man mittlerweile getrost als grossen Datenmüllberg betrachten. Mit dem Vergleich der Gesamtsterbezahlen von Ländern bekommt man wenigstens eine brauchbare relative Beurteilung von Über-/Untersterblichkeit hin, allerdings nicht ohne die zwingend notwendige Berücksichtigung der unterschiedlichen Altersstrukturen und der Dynamik im Alterungsprozess. Aufgrund der Datenmängel stehe ich zur Zeit jeglichem Ländervergleich Nicht-Covid/Covid sehr skeptisch gegenüber. Als Richtschnur für Unterschiede in den C-Sterberaten kann man sich am Muster des C-Sterberisikos orientieren (ähnelt sich in allen Ländern). Richtig lebensgefährlich wird COVID-19 vorwiegend für ältere Personen und dabei insbesondere für solche mit einer oder mehreren Vorerkrankungen (in D 96% der Todesfälle 60+) – (im Unterschied zur Spanischen Grippe, 99% unter 65, 50% 20-40 Jahre alt). Die wesentlichen Faktoren für Unterschiede zwischen den Ländern sind zum einen die Gesundheitssysteme (notorisch schlecht in England und Italien), zum anderen Unterschiede in den Betreuungs- und Wohnkonzepten für Senioren. Dazu müsste man die entsprechenden Daten über Anteile Einzelwohnung/Gemeinschaftseinrichtungen ermitteln. Kenne zwar noch keine, bin aber überzeugt, dass sich damit bereits ein grosser Teil der Differenzen erklären lässt. Ob dann die Härte breitflächiger Lock-downs so matchentscheidend ist wie behauptet, wage ich zu bezweifeln. Die – oft mobilitätseingeschränkten – Senioren in Alters- und Pflegeheimen (und davon auch eher nur die mit schwächerer Konstitution) sind ja gerade nicht diejenigen die sich üblicherweise auf Parties, in Bars, in Skihütten oder in überfüllten ÖPNV Vehikeln exponieren. Da macht es eher einen Unterschied, wie gut es gelingt, diese Einrichtungen vor der Eintragung des Virus zu schützen.

Stef
1 Monat zuvor

Als Advocatus Diablo würde ich sagen: Dann haben die Maßnahmen ja gewirkt.

Also weiter mit dem “ Elefanten klatschen „

Maserung
1 Monat zuvor

Ich habe gerade versucht, auf tagesschau24.de, die Sendung „Impfroulette“ anzusehen, aber nach 20 Minuten musste ich erschöpft aufgeben: die ganze Sendung war eine einzige Meinungsmache und ein Appell an die Urängste der Menschen. Nur „positive“ Beiträge, übelste Agitation und vollkommene Konformität mit der Regierung. Mir ist jetzt noch ganz schlecht. An dieser Sendung konnte man sehr gut sehen, wie unparteiisch doch unsere Nachrichtensender so sind.🤮

Maserung
Antwort an  Maserung
1 Monat zuvor

Ach ja, ein deutliches Beispiel war: Brasilien ( mit tiefster Stimme und Trauermusik vorgetragen): in Brasilien beträgt die Todesrate mittlerweile 200.000, die zweithöchste auf der Welt. Wenn wir uns jetzt überlegen, dass Brasilien aber 209 Millionen Einwohner hat, kommen wir wieder auf ziemlich genau 0,1%. Natürlich ist das traurig, aber von einer die Menschheit bedrohen den Pandemie Lichtjahre entfernt.