Vielleicht war Ihr erster Reflex genauso wie meiner – das muss doch ein Scherz sein – als Sie von Annalena Baerbocks Berufung als Professorin an die Columbia University in New York gelesen haben. Und dann haben Sie sich vielleicht, wie ich, gesagt: Aber heute sind ja die absurdesten Scherze Realität, und es wundert einen nichts mehr. Doch eines hat mich wirklich gewundert. Die Reaktion der deutschen Medien.
Der rot-grüne Mainstream berichtet, wie zu erwarten war, weitgehend rein nachrichtlich und neutral – so als sei die Berufung die normalste Sache der Welt. Teilweise ist der Wortlaut identisch – ein weiterer Beleg dafür, dass statt Journalismus das tumbe Abschreiben von den Nachrichtenagenturen betrieben wird, die in der Regel stramm auf Linie sind. So weit, so gut bzw. schlecht. Doch es kommt viel schlimmer.
,Mehr als qualifiziert‘
„T-Online“ zeigt eindrucksvoll, dass es sich nicht Kritik an den Mächtigen verpflichtet fühlt, sondern der Schmähung von denjenigen, die diese Mächtigen kritisieren – eine Pervertierung des Grundgedankens des Journalismus. In einem Kommentar mit der Überschrift „Eine gehörige Portion Sexismus“ stellt die Regierungs-Postille im Stil von Realsatire fest: „Baerbock ist qualifiziert für die neue Stelle“ und sogar: „dafür ist Baerbock mehr als qualifiziert.“
Das ist faszinierend: Im Vordergrund steht nicht die Frage, ob die Berufung inhaltlich gerechtfertigt ist – das wird quasi beiläufig bejaht. Im Vordergrund steht auch nicht die Frage, wie eine Politikerin ohne wissenschaftliche Meriten an eine derart dotierte Stelle kommt. Im Vordergrund steht die vorsorgliche Diffamierung von Kritik: Wer daran etwas auszusetzen hat, steht unter Sexismusverdacht. Die Abwehrwaffe lag geladen bereit, bevor überhaupt ein Argument gegen die Personalie formuliert war.
Da stehen dann Passagen wie diese: „Egal, welchen Karriereweg die Grüne einschlagen würde, als ewige Reizfigur könnte sie es ihnen“ – denen, die „über sie herziehen“ (früher hätte man Kritiker gesagt) – „ohnehin nie recht machen. Es drängt sich längst der Eindruck auf, dass dahinter eine gehörige Portion Sexismus steckt. Schon in den vergangenen Jahren hat sie immer wieder die volle Breitseite Frauenfeindlichkeit abbekommen.“ Zu Fehlern Baerbocks heißt es: „Bei einem Mann wäre das vielleicht einfach als Machtbewusstsein gewertet worden.“
Und weiter: „Bei Baerbock hingegen wurde über Jahre jedes falsch ausgesprochene englische Wort zum Skandal, jeder Versprecher zum angeblichen Beweis mangelnder Sachkenntnis, ihre Outfits („Oh Gott, sie steht bauchfrei vor einem New Yorker Taxi!“) wurden einer genauen Detail- und Kostenüberprüfung unterzogen. Die Fehlersuche ihrer Kritiker glich einer Obsession.“ Und schließlich: „Vielleicht geht ihren Neidern hier ja irgendwann mal die Puste aus“.
Wer solche Journalisten hat, braucht keine Propagandaministerium mehr. Und keine Kabarettisten. Wenn Sie sich das Pamphlet antun wollen, können Sie das hier.
(Ex-)Bürgerliche machen brav Männchen
Während man bei „T-Online“ wenig anderes erwarten konnte, fasziniert es, wie auch einst bürgerliche Medien brav apportieren und sich dabei nach Kräften selbst entblößen. Etwa Ulrich Reitz, Chefkorrespondent bei „Focus online“ und früher Chefredakteur des „Focus“. Liest man seine Aussagen, reibt man sich die Augen ein zweites Mal. Nicht wegen der Fakten – die referiert Reitz sauber. Sondern wegen der Volte, mit der er sie einordnet.
Reitz räumt zunächst ein, was kaum zu bestreiten ist: Baerbock ist für eine Professur akademisch nicht qualifiziert – und zwar in Wirklichkeit noch deutlicher, als Reitz es zugibt – ganz offensichtlich breitet ausgerechnet der „Focus“-Mann den Mantel der Milde über die stramme Linke aus – so typisch für unsere Bürgerlichen und ein Grund des Elends, das wir heute erleben.
Baerbock hat zwar Politikwissenschaft mit Nebenfach Öffentliches Recht studiert – aber dieses Studium gar nicht abgeschlossen: Sie legte lediglich das Vordiplom ab. Ihr einziger abgeschlossener akademischer Grad ist ein einjähriger Master in Völkerrecht von der London School of Economics, zu dem sie nur per Ausnahmeregelung zugelassen wurde. Eine anschließende Promotion an der Freien Universität Berlin blieb unvollendet. Schon 2021, bei ihrer Kanzlerkandidatur, musste die Partei Dokumente veröffentlichen, um Zweifeln an ihrem Bildungsweg zu begegnen – der Befund ist also nicht neu, nur bislang folgenlos geblieben.
Das ist keine steile These, das ist Aktenlage, und Reitz bestreitet es auch gar nicht. Nur: Für ihn ist das zweitrangig. Es gehe, so sinngemäß seine Argumentation, nicht um akademische Qualifikation, sondern um den Marktwert politischer Erfahrung – und da habe Baerbock eben etwas zu bieten.
Nun könnte man das noch für eine nüchterne, wenn auch großzügige Einordnung halten. Amerikanische Eliteuniversitäten holen sich seit Jahrzehnten Spitzenpolitiker als „Professors of Professional Practice“ – Hillary Clinton lehrt an derselben Fakultät, Henry Kissinger tat es, Condoleezza Rice tut es in Stanford. Das ist ein etabliertes System, und es wäre redlich, es genau so zu benennen: eine politische Trophäenberufung, kein wissenschaftlicher Ritterschlag.
Kritik ist ,völlig unangebracht‘
Aber Reitz belässt es nicht dabei. Er geht einen Schritt weiter und liefert eine Verteidigung, die man sonst eher aus dem Milieu erwartet hätte, das „Focus“ früher selbst kritisch beäugte: Baerbock, so Reitz, beherrsche Macht, Machiavellismus und die Pflege von Netzwerken – Eigenschaften, die man traditionell eher Männern zuschreibe. Sie habe schlicht das gemacht, was „jeder Kerl in vergleichbarer Position“ auch gemacht hätte. Kritik an ihrer Berufung sei „völlig unangebracht“.
Man muss das zweimal lesen. Hier wird ausgerechnet im einst konservativen „Focus“ die „T-Online“-Argumentation übernommen. Die Personalentscheidung wird nicht mit Argumenten verteidigt, sondern mit einer vorauseilenden Immunisierung: Wer sie kritisiert, wird in die Ecke des sexistischen Mannes gestellt, der einer Frau ihren Aufstieg nicht gönnt. Das ist nicht Sacharbeit, das ist ein Reflex – und es ist genau der Reflex, den man in den vergangenen Jahren vor allem bei jenen Medien beobachten konnte, die „Focus“ früher selbst mit spitzer Feder bearbeitete. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Chefkorrespondent eines einst bürgerlichen Leitmediums hält seiner Leserschaft den Stinkefinger hin. Was dahinter steckt, können Sie nachlesen in meinem Artikel „Linke Burda-Erben kastrieren den „Focus“
Der neue Chef kommt vom ,Spiegel‘ – kein Witz“.
Am Ende macht nur Ironie all das erträglich. Man muss es einfach für einen Scherz halten – sonst verzweifelt man daran. Ich zumindest.
Alles andere als prekär
Aber nochmal kurz zu den nüchternen Zahlen. Ein früherer deutscher Diplomat schrieb mir heute, Professoren an amerikanischen Universitäten verdienten kaum genug für eine New Yorker Wohnung – sechs-, siebentausend Dollar im Monat, kaum der Rede wert. Das ist, mit Verlaub, Wunschdenken.
Eine vergleichbare Ausschreibung der Columbia SIPA für eine Vollzeitstelle als „Professor of Professional Practice“ mit Programmleitung nannte 2026 ein Jahresgehalt zwischen 240.000 und 280.000 Dollar (rund 206.000 bis 240.000 Euro). Das liegt spürbar über dem Amtsgehalt einer deutschen Bundesministerin. Ob Baerbock wegen ihrer Bekanntheit und ihres Netzwerks am oberen Ende oder darüber honoriert wird, ist öffentlich nicht bekannt – die Universität schweigt dazu.
Zum Vergleich: Das Amtsgehalt einer deutschen Bundesministerin liegt bei etwa 180.000 bis 200.000 Euro jährlich. Es spricht also einiges dafür, dass Annalena Baerbock an der Columbia University mehr verdienen wird, als sie als Außenministerin bekam. Also das Gegenteil von bescheiden – fürstlich. Aber: Nicht vom deutschen Steuerzahler finanziert, sondern von einer stramm linken Universität, die sich hochrangige Namen seit jeher etwas kosten lässt. Die den Kapitalismus hasst und gleichzeitig voll lebt.
In sich geschlossene Kaste
Das Perfide daran: Es braucht gar keine dunkle Verschwörung, kein heimliches Zubrot, keinen mysteriösen Gönner. Das System ist offen, durchsichtig, jeder kann es nachlesen – und trotzdem funktioniert es wie ein perpetuum mobile der Selbstversorgung. Wer einmal in der politischen Kaste angekommen ist, fällt nach dem Ausscheiden aus einem Amt nicht etwa zurück auf die Ebene von Normalsterblichen, sondern in den nächsten, meist noch besser dotierten Posten. Ein dicker Fallschirm. Oder, im Falle von Baerbock passender: ein Trampolin. Siehe dazu auch meinen Artikel „Scholz bekommt einen neuen Posten. Und keinen wundert’s noch; Wie die Polit-Kaste sich selbst versorgt – immer auf unsere Kosten“.
Und die vierte Gewalt, deren ureigene Aufgabe die Kontrolle genau solcher Übergänge wäre, steht nicht mit kritischen Fragen bereit, sondern mit dem Weichspüler: hier ein durchgereichtes Agentur-Statement, dort ein vorsorglicher Sexismusvorwurf gegen jeden, der genauer hinschaut. So schließt sich der Kreis: Am Anfang stand die Frage, ob das alles ein Scherz sein müsse. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der eigentliche Treppenwitz nicht Baerbocks Professur ist – sondern die Medien, die sie uns als die normalste Sache der Welt verkaufen wollen.
Sie können es sicher nachvollziehen – Artikel wie dieser fallen einem nicht leicht. Umso mehr danke ich für Ihre Unterstützung. Hier steht, wie es geht! 1000 Dank für Ihr Schmerzensgeld!
- Millionen aus dem Halbdunkel gegen die AfD – Herkunft geheim
- Bundesverdienstkreuz für HateAid-Gründerin – im Namen „unserer Demokratie“
- Habeck will Meinungen verbieten: Frontalangriff auf die Freiheit!
- „Stasi light im Schafspelz“: Der deutsche Zensurkomplex
Bild: Symbolbild/KI/Gemini
Für Sie empfohlen:



