Behinderung der Presse und Framing beim „Marsch für das Leben“ Gegendemonstranten und Polizei wollen keine unpassenden Bilder

In Berlin haben heute beim „Marsch für das Leben“ nach Schätzungen des Veranstalters drei Tausend Menschen aus dem In- und Ausland gegen Abtreibungen bzw. die Abschaffung des Abtreibungsverbots demonstriert. Unter anderem wurde gefordert, auch für Ungeborene müsse eine Willkommenskultur gelten, und statt Abtreibungen müsse Hilfe für werdende Mütter gefördert werden. Die Polizei sprach von mehreren Hundert Teilnehmern, was deutlich untertrieben wirkt. Ich habe den Marsch und die Gegendemonstrationen mehrere Stunden beobachtet bzw. begleitet.

Es kam zu mehreren Festnahmen. Die Gegendemonstration eines „Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung für das Recht auf Abtreibung“ fand nur wenige Meter von der Kundgebung der Abtreibungsgegner direkt auf der anderen Seite des Brandenburger Tors statt. In Hör- und Sichtweite. Auf dieser Kundgebung wurde ich massiv am Berichten gehindert. Ich habe dazu ein Video gemacht und ins Netz gestellt – anzusehen hier. Die Polizei schritt dabei nicht ein.

Als ich später bei dem Gottesdienst auf der Abschlusskundgebung des „Marsches für das Leben“ am Brandenburger Tor aus ca. zehn Metern Entfernung Gegendemonstranten aus dem linksradikalen Milieu dabei filmte, wie sie den Gottesdienst mit lautem Schreien störten, untersagte mir die Polizei diese Aufnahmen mit dem Hinweis, ich würde provozieren. Meine Entgegnung, ich nähme aus gebührender Entfernung auf und die Gegendemonstrantinnen dürften als Teilnehmerinnen einer Kundgebung gefilmt werden, ließ die Polizei nicht gelten. Um eine Eskalation zu vermeiden, verzichtete ich auf das weitere Aufnehmen. An anderen Stellen war dies problemlos möglich ohne Intervention der Polizei. Dennoch: Der Verstoß gegen die Pressefreiheit seitens der Beamten ist eklatant.

Insgesamt ergibt sich so eine problematische Lage: Eine kritische Berichterstattung über Gegendemonstrationen und die Anfeindungen gegen die Teilnehmer des Marsches für das Leben ist nur eingeschränkt möglich. Den gesamten Nachmittag über wurde ich Zeuge, wie Gegendemonstranten großteils aus dem linksradikalen Milieu die Marsch-Teilnehmer provozierten. Unter anderem mit dem Skandieren von Parolen wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ und „Kondome, Spirale, Linksradikale“. Zudem mit ausgestrecktem Mittelfinger oder fest installierten Plakaten mit Aufschriften wie „Marsch für den Arsch“ direkt an der Wegstrecke des Marsches. Warum die Polizei solche Provokationen duldete und die Protestaktionen meterweit von dem Marsch bzw. dessen Kundgebungen zuließ, ist nur zu erahnen. Es liegt zumindest der Verdacht auf der Hand, dass hier eine Demütigung der Abtreibungsgegner zumindest billigend in Kauf genommen wurde.

Zu so einem umstrittenen und schwierigen Thema wie Abtreibung gibt es in einer demokratischen Gesellschaft höchst gegensätzliche und unterschiedliche Standpunkte. Alle Seiten sollten sich aber mit Respekt behandeln und den Diskurs suchen. Von Seiten der Abtreibungsgegner habe ich an diesem Samstag Nachmittag so gut wie keine Aggressionen erlebt. Das „Schlimmste“ war, das sie die Rufe „Eure Kinder werden so wie wir“ beantworteten mit: „Wir haben wenigstens Kinder.“

Interessant ist, wie das Framing in den Medien betrieben wird. Der „Tagesspiegel“ versucht, die Demonstranten in die Nähe des Antisemitismus zu rücken: „Vor Ort waren bei den Abtreibungsgegnern auch antisemitische und Shoa-relativierende Symbole zu erkennen. Ein Teilnehmer trug ein T-Shirt mit einem abgebildeten Embryo in einem Davidstern-ähnlichen Zeichen.“ Weiter heißt es: „Auch die Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) kritisierte via Twitter, dass bei der Veranstaltung in diesem Jahr erneut auf den offiziellen Plakaten der Organisatoren mit NS-Begriffen wie „unwertes Leben“ und dem Slogan „Nie wieder“ Schwangerschaftsabbrüche mit der Ermordung von Menschen im NS gleichgesetzt würden.“

Die massive Aggression gegen die Marsch-Teilnehmer relativiert der Tagesspiegel dagegen. Das Blatt schreibt gar, es sei „bis zum Nachmittag störungsfrei“ geblieben. Offenbar wurde das von dpa übernommen, dem Leitmedium in Deutschland. dpa verbreitet: „Beide Gruppen verhielten sich laut Polizei friedlich. Störungen wurden bis zum Nachmittag nicht bekannt.“ Dabei begann die Veranstaltung erst um 13 Uhr – und laut Duden ist das Nachmittag. Wenige Zeilen weiter steht dann auch im gleichen Artikel: „Erste kleinere Konfrontationen zwischen Polizei und Gegenprotestierenden gab es allerdings in der Friedrichstraße. Die Polizei hatte die Nebenstraßen hier nicht abgegittert, anders als am Pariser Platz; so kamen die Gegenprotestler sehr nah an die Abtreibungsgegner heran.“ Der Ausdruck „bis zum Nachmittag“ wird hier also zur Irreführung gebraucht.

Anders als der Tagesspiegel haben andere Medien nur die dpa-Meldung, laut denen alles friedlich blieb. Etwa die Süddeutsche Zeitung. Die Leser erhalten hier also ein völlig unzutreffendes Bild. Bei tagesschau.de oder heute.de ist gar nichts zur dem Marsch und den Gegendemonstrationen zu finden. Trotz acht Milliarden Beitragsgelder.

Insgesamt macht die massiv aufgeheizte und aggressive Stimmung Angst. Nicht-linke Demonstranten, egal ob bürgerlich oder konservative, aber auch nicht-linke Journalisten wie ich müssen heute mit massiven Anfeindungen und Aggressionen von Leuten aus dem linksradikalen Milieu rechnen, die wie von Geisterhand gesteuert immer pünktlich zur Stelle sind. Medien und Politik schauen hier weitgehend weg. Das ist fatal. Gegen eine solche Atmosphäre des Hasses und der Hetze müsste es einen breiten Schulterschluss der Demokraten geben. Jede Aggression dieser Art, egal ob sie vom rechten oder linken Rand kommt, müsste einstimmig und laut verurteilt werden. Stattdessen wird sie bei uns geduldet, ja oft stillschweigend gefördert. Die Geschichte zeigt, dass genau so Demokratien und freie Gesellschaften zugrunde gehen. Wir befinden uns mitten in diesem Prozess. Besonders bitter: Die Kanzlerin und der Bundespräsident, die dabei besondere Verantwortung tragen, sind dabei Todesgräber der demokratischen Werte und der Freiheit.


Bild: Boris Reitschuster
Text: br

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M. Uhlmann
5 Monate zuvor

Ich war bei der Demo dabei und meine, dass Herr R. hier uebetreibt Im Gegensatz von vor zwei Jahren gab es auf der Demo-Strecke keinerlei Behinderung und wir waren viel früher zurück, als geplant war. Unterwegs wurden die Gegendemonstranten an den meisten Stellen nicht mehr als 100 m an unsere Route herangelassen, auf jeden Fall immer ausreichend abgeschirmt. Das sich diese mit ihren inzwischen für mich langweiligen 4-5 Standardparolen Ihre geistige Bloesse offenbarten steht auf einem anderen Blatt. Die Polizei erhielt von den Veranstaltern mehrfach Lob für das umsichtige Vorgehen und Applaus von den Teilnehmern. Dies hätte zu einer objektiven Berichterstattung unbedingt dazugehört.

Alex
5 Monate zuvor

Welche Demokraten denn, der linke Sumpf wabert aus jeder Partei, egal welche Farbe sie trägt. Am besten hats die Kanzlerin angestellt, sich mit Hilfe der Konservativen an deren Spitze gesetzt und binnen kurzer Zeit eine DDR 2.0 kreiert. Dem müsste man fast Respekt zollen, wenn es nicht so traurig wäre.

kassandro
5 Monate zuvor

Jo mei, es gibt eben keine Presse- sondern nur eine Lügenpressefreiheit, und nur diese wird von der Vopo geschützt. Das war schon bei Walter und Erich so, und so soll es auch im Gutmenschenland werden.

Gregor Kühn
5 Monate zuvor

Ich habe 2018+2019 am Marsch für das Leben teilgenommen und kenne die Aggression der Gegendemonstranten somit aus eigener Erfahrung. Es ist der schiere Hass, der einem da entgegen schlägt – mit Toleranz und Vielfalt hat das so gar nichts zu tun. Und zu überwiegenden Teilen sind die Gegendemonstranten junge Menschen – indoktriniert und missbraucht von ideologischen Strippenziehern im Hintergrund.

847 KRIMINALSTATISTIKEN +Verbrechenskarten & Listen + Bevölkerungsentwicklung
5 Monate zuvor

§ 167
Störung der Religionsausübung bis zu 3 Jahre Haft.Weiss die Polizei wohl mal wieder nicht…

Petra Stüben
5 Monate zuvor

Ich gebe zu, ich verstehe die Welt nicht mehr.
Also, die Linksradikalen sind FÜR das Abtreiben, womit ich durchaus übereinstimme. Ich will die Freiheit für meinen Körper (Nicht das es mir als Frau einfach fallen würde solche Entscheidung zu fällen; WENN es mir einfach fallen würde, wäre es besser, abzutreiben, weil ich dann entweder keine Empathie oder sehr gute Gründe- z.B. das eigene Überleben- habe)
Aber wie in letzter Zeit häufig machen sie es allen anderen madig, diesen Standpunkt einzunehmen, weil sie sich einfach nur derb danebenbenehmen.

Es gibt bestimmt auch bei dieser Demonstration Leute die mit einem reden würden.
Bei den Linken gibts nur noch Geschrei.

Ich dachte bisher immer, die allgemeine bezahlte Meinung sei gegen Abtreibungen. So Kirchenclubs und so halt.

Und was soll die Spirale, das Kondom und die Linksradikale mit Abtreibung zu tun haben? So ein Schwachsinn.
Verhütungsmittel sind doch nicht gleichzusetzen mit dem Ausschaben einer Gebärmutter mit Ungeborenem.
Haben die sich überhaupt informiert oder nur auf ihrem Smartphone Wörter gesucht, die sich auf Linksradikale reimen?
Haben die Bilder gesehen, was da dann rauskommt unten?
Sich mit den Frauen unterhalten? Und wenn sie sich privat mit einer Frau unterhalten, die diese Erfahrung machen musste- warum schleicht sich mir der Verdacht ein, das diese trotzdem vorverurteilt wäre- egal unter welchen Gründen sie das Kind lieber wegmachen ließ? Das sie sich dann Vorwürfe anhören muss?

847 KRIMINALSTATISTIKEN +Verbrechenskarten & Listen + Bevölkerungsentwicklung
Antwort an  Petra Stüben
5 Monate zuvor

Die Linken wollen bis kurz vor der Geburt abtreiben!Ein verrückter Linker Professor meinte sogar man könnte auch Babys töten,da sie noch kein Bewusstsein haben…

Nobody's perfect
Antwort an  Petra Stüben
5 Monate zuvor

Liebe Frau Stüben, ich verstehe einerseits Ihre Position, dass Sie mit Ihrem Körper machen können was Sie wollen – leider lässt das aber vollständig ausser Acht dass dem kleinen Menschen der bei einer Abtreibung getötet wird dieses Recht nicht zugestanden wird. Würden Sie wirklich sagen der Tod eines Kindes ist besser als eine nicht empathische Mutter? Ich denke dass das nicht der Fall ist, dafür argumentieren Sie viel zu rational. Ich bin der Überzeugung, dass zunächsteinmal niemand über Leben oder Tod eines anderen entscheiden dürfen soll, damit auch nicht die werdende Mutter über das Leben des ungeborenen Kindes … das hat a) nix mit Kirchenclubs zu tun, und b) auch nicht mit einer Vorverurteilung, aber es macht durchaus Sinn die Hürde dafür hoch zu setzen.

Willi Geldner
5 Monate zuvor

Boris Reitschuster wieder mal vielen Dank für Ihren Mut, trotz aller Anfeindungen und Einschüchterungsversuche, einen Artikel darüber zu schreiben was auf dieser Demo wirklich passiert ist. Bleiben Sie weiter standhaft unabhängig von Zeitgeist und Mainstream !

Paul J. Meier
5 Monate zuvor

„Gegendemonstranten großteils aus dem linksradikalen Milieu“,
har Boris Reitschuster geschrieben, das bedeutet aber nicht, dass man linksradikal ist, wenn man gegen die Abtreibung ist, nur dass eben genau diese Gegendemonstranten aus diesem Lager waren, das ist ein großer Unterschied. Und er hat auch nicht an einer Demo teilgenommen, sondern nur darüber berichtet! Das ist in der Tat ein zwiespältiges Thema, über das man geteilter Meinung sein kann, darf und wahrscheinlich auch muss. Dass diese Gegendemonstranten aber nicht einmal Reporter zulassen ist doch merkwürdig, wie oder besser wen wollen sie dann erreichen, wenn ihre Ansichten nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen? Oder wovor haben sie solche Angst in ihrem freien Land? „Wer zu lange gegen Drachen kämpft, wird selbst zum Drachen.“ (Strindberg)

Paul J. Meier
Antwort an  Paul J. Meier
5 Monate zuvor

Das sollte Georg antworten, hat nicht funktioniert? 🙁

Georg
5 Monate zuvor

Wer Menschen zwingen will ungewollt Kinder zur Welt zu bringen, hat nicht das geringste Recht sich darüber aufzuregen, dass ihm andere Menschen eine Maske aufzwingen oder ihn Zwangsimpfen wollen.
Zwischen Abtreibungsgegnern und Maskenbefürwortern gibt es keinen Unterschied. Beide bekämpfen die Freiheitsrechte der Menschen.
Ausserdem strotzt der Artikel selbst vor Framing. Man ist also Linksradikal, wenn man für die Abtreibung ist. Das sagt der, der sich beschwert als rechtsradikal tituliert zu werden, weil er an Demos gegen die Maskenpflicht teilnimmt.
Zuviel Belehrung und vor allem zuviel Ideologie in diesem Artikel.
Die Gegendemonstranten haben meine volle Sympathie. „Marsch für den Arsch“ trifft es voll. Und ich hoffe, dass man nicht so dämlich ist mit solchen Aktionen die Gegner des Corona-Regimes zu spalten.

Udo Grabowy
5 Monate zuvor

Linksextrem/Rechtsextrem…alles blödsinnige Bezeichungen für alles, was nicht Mainstream ist bzw. nicht der eigenen Meinung entspricht. Bloß nicht auseinandersetzen. Dirket in die Schmudelecke. Wie einfach. Die Gesellschaft ist wie ein Kreis. Gehe ich rechtsherum wrids extremer, gehe ich links herum, wirds extremer. Und unten treffen sich beide mit menschenverachtenden Ideen. Ich unterteile noch einfacher. Es gibt Arschlöcher und Nichtarschlöcher. Oder pos. ausgedrückt. Gute und Böse. Von den Arschlöchern gibts echt wenige, aber die sind laut und haben Zeit, weil in deren Leben eben nichts wichtiger ist als Arschloch zu sein. Deshalb mein Rat: Differenzierter Denken und ausdrücken. Besonders als Journalist.