Berlin friert: „Wie in einem Schwellenland der dritten Welt“ Der intellektuelle Blackout weitet sich auf Energieversorgung aus

Von Alexander Wallasch

Warnungen gibt es schon seit Jahren zuhauf: Jetzt erwischte es fast einhunderttausend Berliner Haushalte im Ostteil der Stadt, die den Abend in der kalten Wohnung und ohne Warmwasser verbringen mussten. Warum? Ein Heizkraftwerk von Vattenfall musste vorübergehend heruntergefahren werden.

Betroffen waren der Stadtteil Berlin-Friedrichsfelde und Haushalte in Karlshorst, Oberschöneweide und Teilen von Treptow-Köpenick.

Inzwischen läuft das Heizkraftwerk Klingenberg im Berliner Ortsteil Rummelsburg wieder – und das war auch nicht der erste vorübergehende Ausfall in der Geschichte der Bundesrepublik in den in Sachen Energieabfrage so anspruchsvollen Wintermonaten. Aber es ist der erste große Ausfall mitten hinein in die Sorge der Menschen, dass die Ausläufer der desaströsen grünen Energiepolitik der Regierung Merkel nun unvermittelt beim Bürger in der Wohnung einschlagen.

Sogar die Warn-App NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, alarmierte die betroffene Berliner Bevölkerung vor dem Stromausfall.

Am Morgen hat NINA dann Entwarnung gegeben: „Das Heizkraftwerk Klingenberg ist wieder problemlos hochgefahren und bereits seit heute Nacht wird wieder Wärmeenergie geliefert“, so das Bezirksamt via App.

Den Betroffenen war noch Stunden zuvor empfohlen worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten, also die noch vorhandene Wärme in der Wohnung zu belassen. Auch wurde darauf hingewiesen, in den Wohnungen kein offenes Feuer oder Grills anzuzünden – aber wer bitteschön muss auf so etwas Dämliches eigentlich extra hingewiesen werden? Vernünftiger waren da schon Tipps, sich mit Kleidung und Decken warmzuhalten und älteren Nachbarn zu helfen.

Die Welt zitierte zum Berliner Stromausfall den Katastrophen- und Zivilschutzbeauftragten des Bezirks Lichtenberg, Philipp Cachée, der mitteilte, die meisten Haushalte seien bereits seit etwa drei Uhr nachts wieder mit Fernwärme versorgt gewesen.

Die mittlerweile weit verbreitete Sorge wegen eines Blackouts der Energieversorgung machte den Ausfall in Berlin gestern insbesondere in den sozialen Medien zum Großereignis.

Zwar hatte sich ein von Pessimisten zum Jahreswechsel vorausgesagter Blackout nicht bewahrheitet, aber die Sorge vor Engpässen und Ausfällen ist auch unter Fachleuten verbreitet. Der MDR beispielsweise wollte die Bürger am Silvestervorabend lieber beruhigen und erklärte, es gäbe keine Anzeichen für einen Blackout. Die stufenweise Abschaltung der AKWs sei bereits 2011 von der Regierung beschlossen worden und käme nicht abrupt. Durch die Netzreserveverordnung sei zudem in einer jährlichen Systemanalyse festgestellt, dass sich Verbrauch und Bedarf in den nächsten Jahren noch decken.

Die öffentlich-rechtliche Beruhigung kam aber offensichtlich nicht bei jedem an, das Stichwort #Blackout trendet bei Twitter.

Und als dann noch Journalist Philipp Plickert beim WDR eine Anleitung fand, wie der Bundesbürger „Entspannt durch den Blackout“ kommt, war die Empörung groß.

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Zu sehen sind hier comicartig aufbereitete Hinweise für die deutsche Prepperszene, möchte man amüsiert anfügen, wenn der WDR da schreibt: „Kühl – und Eisschränke möglichst zu lassen! So wird die Kälte lange gespeichert“ und weiter den Hinweis gibt, dass bei einem Stromausfall auch die Wasserpumpen ausfallen. Deshalb die Empfehlung, für zehn Tage Wasser auch „zum Waschen, kochen und spülen“ zu bunkern.

Aber wo hinein? In die Badewanne? Oder sollen dafür vorab noch grüne Gartenfässer aus dem Baumarkt organisiert werden? Diese Info bleibt der WDR schuldig. Aber der Bürger ist ja kreativ und speziell der Berliner durch solche WDR-Vorabinformationen sicher entsprechend alarmiert gewesen und hat die Wanne voll gemacht.

Der Fachjournalist Michael Ziesmann amüsiert sich gleich in Serie:

„Kein Warmwasser und keine Heizung in #Berlin? Halb so schlimm! In Berlin duscht man höchstens einmal pro Woche und geheizt sowie gekocht wird über offenem Feuer im Wohnzimmer #Blackout.

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Und weiter: „370.000 Haushalte – etwa 1 Million Menschen – sind in #Berlin nach Stromausfall ohne Heizung und Warmwasser. Wie in einem Schwellenland der dritten Welt.“

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Ein Twitter-Nutzer „Max“ schreibt ironisch: „370.000 Berliner können bei milden Wintertemperaturen um den Gefrierpunkt #Blackout üben, Gesellschaftliches Testlabor #Berlin:“

Twitter-User „Schlanggl“ meint: „Leben wie es den #Grünen und #FridaysForFuture gefällt.(Regenbogen, Einhorn, Sonnenblume, Grünes Herz).“

Und „Florian Papadopoulus“ weiß zu berichten: „In Berlin gabs in den letzten Tagen täglich Stromausfälle (Steglitz, Prenzlauer Berg, Lichtenberg). Und nun dieser große #Blackout.“ Ihm fiele es schwer, schreibt er weiter, „da noch an unglückliche Einzelfälle zu glauben.“

Allerdings fiel hier nicht der Strom, sondern das Heizkraftwerk aus.

Ein „Jonas Danner“ schreibt: „Der intellektuelle #Blackout hat sich auf das Stromnetz ausgeweitet.“

Zuletzt wäre da noch ein Twitter-Account, der darauf wartet, dass der Erste aus der Ecke der „Guten“ kommt und ihm „beibringen möchte, dass der Begriff #Blackout rassistisch ist.“ Und Alexander Rulitschka von der Jungen Union ergänzt via Twitter: „Die Grünen an der Bundesregierung sind eine #Blackout-Garantie für die Zukunft.“

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Shutterstock
Text: wal

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