Öffentlich-rechtliche Kannibalisierung: MDR Faktencheck diffamiert unbequemen Experten beim MDR Kinderarzt: „Covid-Impfstoffe haben überhaupt keinen relevanten Fremdschutz“

Von Alexander Wallasch

Zunächst sollte hier „nur“ über einen bemerkenswerten Beitrag von MDR aktuell berichtet werden, in welchem ein Kinder- und Jugendarzt in eben dieser Rolle zu Wort kam.

Aber kaum war der Beitrag in der MDR-Rubrik „Nachhören“ abrufbar und bekam besonders viele Zuhörer, insbesondere durch eine häufige Verbreitung in den sozialen Medien, sah sich der Sender plötzlich dazu veranlasst, der Auffassung von Dr. Steffen Rabe, so heißt der Experte, einen Faktencheck nachzureichen und zu verkünden, eine bestimmte zentrale Aussage des Arztes sei „nicht haltbar“.

Gerade erst hatte reitschuster.de darüber berichtet, dass der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), der etwas mehr als 10.000 Ärzte vertritt, sich für das Impfen von Kindern ausgesprochen und obendrein eine Impfpflicht für Erwachsene gefordert hat.

Ärzte für individuelle Impfentscheidung

Dr. Steffen Rabe ist in der Sache ganz und gar anderer Auffassung als der Verband. Und er ist unter Impfkritikern schon lange kein Unbekannter mehr. Weil man den Umgang mit kritischen Stimmen mittlerweile kennt, darf man hier fast schon die Frage stellen, wie es Dr. Rabe überhaupt so ausführlich mit seiner Haltung in eine öffentlich-rechtliche Sendung geschafft hat.

Dr. Rabe ist auch Vorstandsmitglied bei „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“. Ein Verein, der schon zur Debatte um die Masernpflichtimpfung mit einer impfkritischen Haltung in Erscheinung getreten ist und der jetzt in der Corona-Debatte erneut mit einer – nennen wir es mal ketzerisch: „abweichlerischen“ – Haltung in der Kritik steht.

So glaubte auch das „Paul-Ehrlich-Institut“, sich negativ zum Verein aufstellen zu müssen, als das Bundesamt befand, eine bestimmte Kritik der „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ sei „schwer nachzuvollziehen“.

Aber zurück zum Anfang: MDR aktuell fragte also Dr. Rabe: „Corona-Impfpflicht in Deutschland? Ja oder nein?“ Und über etwas mehr als drei Minuten Länge antwortete Dr. Steffen Rabe vor wenigen Tagen, warum er das „auf keinen Fall“ befürworten würde.

Einzig ein „mittelbarer Fremdschutz“ käme für Dr. Rabe für „die Überlegung einer Impfpflicht“ überhaupt in Frage. Aber diesen Aspekt würden die Covid-Impfstoffe „genau nicht abdecken“. Denen, die sich impfen lassen wollen, würde der Impfstoff zwar einen „gar nicht schlechten Schutz vor schweren Verläufen“ gewähren. Dann aber folgt bei Dr. Rabe ein Satz, der später im MDR-Faktenscheck gegen ihn aufgerufen wurde: „Sie haben aber überhaupt keinen relevanten Fremdschutz“.

In dreißig Jahren kein riskanteres Medikament oder Impfstoff

Damit sei, so Dr. Rabe, „jedwedes Argument für eine Impfverpflichtung vom Tisch“. Auch sei es falsch, sagt er als Kinder- und Jugendarzt, von einem „geringen und minimalen Risiko“ zu sprechen.

Er müsse in seiner Praxis regelmäßig junge Männer zwischen 16 und 18 Jahren darüber informieren, dass die Gefahr, als unmittelbare Folge der Impfung eine Herzmuskelentzündung zu bekommen, „bei mindestens 1:5000“ liegt. Er selbst würde nach dreißig Praxisjahren kein einziges Medikament und keinen Impfstoff kennen, welche mit so einem dramatisch hohen Risiko verbunden wären.

Diese Impfpflicht ist weder juristisch, noch moralisch, noch medizinisch in irgendeiner Art und Weise intelligent, sondern sie ist (…) ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Kopflosigkeit.

Dann kommt Dr. Rabe auf die voller werdenden Intensivstationen zu sprechen. Hier schließt er aus, dass eine Impfpflicht innerhalb von zwei bis drei Wochen überhaupt irgendeinen Effekt haben könnte. Demgegenüber allerdings müssten wir endlich aufhören, die Intensivstationen „auszudünnen“ und Intensivbetten abzubauen.

Auch sollte das Pflegepersonal nicht mit einer Impfpflicht aus dem Beruf gedrängt werden, dieser Berufsgruppe müsse endlich die Wertschätzung entgegengebracht werden, die sie bräuchte, so Rabe gegenüber MDR aktuell.

Die Politik hätte komplett versagt, „diese Katastrophe ist doch eine Katastrophe mit Ansage“, kommentiert Rabe den zunehmenden Mangel an Intensivbetten und Personal auf den Stationen. Sehenden Auges wären tausende von Intensivbetten abgebaut worden.

Eine Impfpflicht wertet er als Eingriff in eines der zentralen Grundrechte und schließt seinen Beitrag für MDR aktuell mit einer Mahnung ab:

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gerade in einem Land wie Deutschland, das diese unselige Vergangenheit gerade auch im medizinischen Bereich mit diesen Eingriffen hat, da sollten wir sehr achtsam und sehr, sehr vorsichtig sein mit diesem Denken.

So, und dabei hätte man es bewenden lassen können oder besser: mit anderen Experten weiter diskutieren können. Aber was macht der MDR? Er legt besagten Faktencheck nach. Da will – oder muss sich gar auf Anweisung? – eine öffentlich-rechtliche Institution sauber machen, die wohl meint, sich mit einer kontroversen Meinung beschmutzt zu haben, die demnach Angst davor hat, Themen ergebnisoffen zu debattieren.

Die Meinung des Experten wird im Nachgang zerhackstückelt

Der Faktencheck wird mit einer der zentralen Aussagen von Dr. Rabe eingeleitet: „Die Covid-Impfstoffe gewähren denen, die sich schützen wollen, einen zeitlich begrenzten, gar nicht schlechten Schutz vor schweren Verläufen. Sie haben aber überhaupt keinen relevanten Fremdschutz.“

Und der MDR Faktencheck fragt: „Soweit die Auffassung von Steffen Rabe. Aber stimmt die?“

Drei zentrale Punkte hält der Faktencheck gleich zu Beginn dagegen und will sie im weiteren Verlauf begründen:

Studien belegen einen Fremdschutz der Covid-Impfstoffe – Dieser hält jedoch nur ein paar Monate an.
Durch die geringere Ansteckungswahrscheinlichkeit von Geimpften entsteht auch ein indirekter Schutz für Andere.
Auch das durch Geimpfte weniger beanspruchte Gesundheitssystem kann letztlich als eine Art Fremdschutz gesehen werden.

Am dritten Punkt erkennt man schnell, wie dünn die Argumentationsdecke ist. Fast kleinlaut wird im Weiteren eingestanden, dass doch einige Studien darauf hindeuten würden, „dass die Viruslast bei geimpften Infizierten genauso hoch sein kann wie bei ungeimpften“.

Die These von Dr. Rabe ist also gestützt. Rabe hat im Übrigen auch nirgends bezweifelt, dass es hier auch Gegenthesen geben könnte. Dennoch schreibt der Faktencheck des MDR: „Andere Studien legen allerdings nahe, dass infizierte Geimpfte sehr wohl weniger ansteckend sind.“

Warum diese Studien allerdings die besseren sein sollen, weiß nur der MDR. Nein, offensichtlich sind sie sogar die angreifbareren, wenn der MDR ganz kleinlaut Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut zitiert, der erklärt, diese Studien würden deutlich niedrigere Übertragungen „allerdings nur in den ersten Monaten nach der Impfung“ zeigen. Und weiter: „Die Zeitlichkeit ist eine ganz wichtige Sache dabei. Also: Fremdschutz ja, aber eben nicht sehr dauerhaft.“

Um drei Ecken herum von hinten durchs Auge diskreditiert

Dr. Rabe liegt also mit seiner Auffassung weiter ganz gut im Rennen. Was für den Faktencheck nun ein Dilemma bedeutet – hier sollte ja wohl das Gegenteil belegt werden. Aber suchen Sie mal einen Faktencheck, der freimütig eingesteht, dass das Objekt seiner Betrachtung richtig liegt. Ja, diese Faktenchecks werden immer öfter als Waffe benutzt, eine nicht genehme Sichtweise zu diskreditieren, hier will man einfach ein Ende der Debatte erreichen.

Wie schwer sich der Faktencheck damit tut, die Auffassung von Dr. Rabe als falsch darzustellen, zeigt der Verweis auf das Gesundheitssystem, das entlastet werden würde. Das wäre die „dritte Ebene“, so der MDR Faktencheck. Weil sich Geimpfte seltener infizierten, „werde indirekt das Gesundheitssystem entlastet.“ Auch wäre es bei Infektionen unwahrscheinlicher, „dass man schwere Verläufe hat und größere medizinische Ressourcen in Anspruch nimmt.“

Ein Faktencheck, der wirkt wie willfährig zusammengeschustert. Die öffentlich-rechtlichen Sender täten tatsächlich gut daran, ihre Faktenchecks nach einer bestimmten Zeit automatisch zu löschen. Denn die oft schon zu Beginn dünnen Argumentationslinien werden schnell brüchig. In diesem Fall ist es – um direkt auf das letzte Argument einzugehen – die zunehmende Zahl von Geimpften auf Intensivstationen.

Wer dann das Fazit des MDR-Faktenchecks liest, erkennt sofort die Bruchstelle:

„Und so lässt sich sagen: Der Schutz durch die Corona-Impfstoffe ist sicher nicht perfekt. Und ja, auch Geimpfte können Überträger sein. Die Aussage von Steffen Rabe, dass es ‘überhaupt keinen relevanten Fremdschutz‘ gebe, ist so aber nicht haltbar.“

Der MDR hat hier in dieser Argumentation offensichtlich absichtsvoll „relevanten“ überlesen. Die Aussagen von Dr. Rabe kritisieren das Corona-Regime. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk macht sich zur Stimme dieses Regimes.

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

 
Bild: Shutterstock, privat
Text: wal

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