Corona – das Ende der Freiheit? Vorauseilender Gehorsam

Geben wir unsere Freiheit zu leichtfertig auf im Austausch für – vermeintliche – Sicherheit? Geht das neue Corona-Gesetz mit seinen weitgehenden Ermächtigungen für Gesundheitsminister Spahn zu weit? Warum findet keine Abwägung zwischen Nutzen und Folgeschäden durch die Corona-Maßnahmen statt?

All diese Fragen habe ich mit Vadim Mertvoj in meiner neuen Ausgabe von reitschuster.live diskutiert. Mertvoj ist Video-Editor; als ukrainischer Jude kam er mit 19 Jahren mit seinen Eltern aus Odessa nach Deutschland. Als Migrant aus der Ex-Sowjetunion hat er ein etwas anderes Verhältnis zur Freiheit als viele hierzulande und mich mit seinen sehr erfrischend anderen Sichtweisen regelmäßig inspiriert. Und hoffentlich auch Sie: Hier finden Sie den Livestream.

Unten zudem noch mein aktuelles Wochenbriefing („Leipzig, Seibert und mein Kopf) – das Sie jederzeit kostenlos über diesen Link abonnieren können und dann jeweils montags erhalten – mit Hintergründen und Blicken hinter die Kulissen, die das Tagesbriefing (zu abonnieren hier) ergänzen.

Guten Tag aus Berlin!

Ich bitte um Entschuldigung für die Verspätung, aber ich habe einen triftigen Grund: Trotz immer noch leicht dröhnenden Schädels und gegen ärztlichen Rat bin ich heute zur Bundespressekonferenz gefahren. Und habe es nicht bereut, weil es sehr wichtig war, da zu sein. Und darüber zu schreiben. Ich fühlte mich etwas wie in einer parallelen Realität.

Vielleicht war es ganz gut, dass mir der Schädel noch dröhnte nach dem Flaschen-Treffer in Leipzig – denn sonst hätte ich in diesen Tagen anderweitig Kopfschmerzen bekommen. Ich bin geprägt durch Russland, durch die Auseinandersetzung mit dem Post-Sozialismus, den ich gerade auf Schritt und Tritt wiedererkenne (Betonung auf POST!). Insbesondere die Allgegenwart der Lüge. Wahr ist, was dem offiziellen Narrativ entspricht. Merkels Sprecher Seibert sagte auf der Bundespressekonferenz (BPK) heute zu der Demo: „Am Ende haben Extremisten, Chaoten, gewaltbereite Menschen sich nach der Auflösung der Versammlung ihren Weg durch Leipzig bereitet.“ Ich war sechs Stunden vor Ort, ich habe große Teile des Demonstrationszuges durch Leipzig verfolgt – und alles, was ich erlebte, widerspricht diametral dem, was heute auf der BPK zu hören war.

Früher völlig unvorstellbar

Ich stelle mir gerade vor, ich wäre 1995 bei meiner journalistischen Ausbildung ins Koma gefallen und jetzt wieder aufgewacht. In einer Welt, in der sich die Grünen beklagten, dass die Polizei keine Wasserwerfer einsetzte gegen Demonstranten, die gegen staatliche Maßnahmen, die Grundrechte einschränken, auf die Straße gehen. In der die Antifa für genau diese Maßnahmen auf die Straße geht und gegen diejenigen, die den Staat dafür kritisieren. In der Journalisten fordernd fragen, wie man denn endlich die Demonstrationsfreiheit einschränken könnte … Jetzt ist gerade hier im Tagesbriefing die Idee für einen Artikel entstanden – vielleicht demnächst auf dieser Seite.

Ereignisse wie die Demo in Leipzig und die Berichterstattung darüber gehen menschlich wie journalistisch an die Grenze. Ich wurde Augenzeuge der Eskalation, die für mich glasklar von Provokateuren gewollt war. Vor Ort ging ich wegen der ähnlichen Kleidung und des ähnlichen Auftretens davon aus, dass es sich um linke Gegendemonstranten handelte. Offenbar war das ein Irrtum aus der spontanen Situation heraus. Dass etwas faul war mit diesen Provokateuren, ist aber für mich eindeutig. Mehrere Augenzeugen haben sich inzwischen bei mir gemeldet und hatten genau den gleichen Eindruck wie ich: Die Gruppe war von Anfang an stramm organisiert auf Gewalt aus. Ein Leser schrieb, es handle sich um Rechtsextreme aus Nordrhein-Westfalen, die extra angereist seien. Das mag sein, mag aber auch nicht sein. Fakt ist: Eine friedliche Veranstaltung wurde durch diese Gruppe faktisch desavouiert – unter kräftiger Mithilfe der Medien.

Große Resonanz

Aber zum Positiven: Meine Seite hatte im Oktober 1,8 Millionen Leser, fast so viel wie der CICERO. Mein Bericht aus Leipzig landete in der bundesweiten Relevanz-Hitliste von 10000flies auf Platz zwei. Also ganz oben in einer Liga mit Spiegel, Focus und Co. So egal mir Ranglisten sind – so wichtig ist es, dass andere Sichtweisen verbreitet werden. Und ich bin sehr froh, dass ich dazu inzwischen beitragen kann. Ich verbreite keine „Wahrheit“, ich kenne auch nicht „die Wahrheit“, aber ich bin sicher: In einer Demokratie müssen die Menschen die Möglichkeit haben, bei allen wichtigen Punkten unterschiedliche Standpunkte kennenzulernen. Wer das verhindern will, etwa durch Diffamierung von Positionen, die ihm nicht passen, ist ein Feind der Demokratie. Und diese Feinde haben heute Schlüsselpositionen besetzt.

Umso wichtiger sind Korrektive. Ich werde mich deshalb auch weiter anstrengen und freue mich sehr über die vielen Rückmeldungen von Ihnen, all das Lob, all die Anregungen. Sie sind in dieser Zeit besonders wertvoll. Besonders bewegt hat mich, als mir in Leipzig ein Mann einen Eisbeutel brachte, weil er im Stream gesehen hat, dass ich die Flasche an den Kopf bekam. Mein Arzt sagte mir später, die Hilfe bzw. das Eis sei ganz wichtig gewesen, um die Anschwellung im Zaum zu halten.

Eisgekühlt – Schnappschuss eines Lesers

Für mich hat das eine hohe Symbolik. Deshalb hier an dieser Stelle nochmals ein ganz, ganz herzliches Dankeschön meinem Helfer von Leipzig – und all den vielen, vielen Menschen, die mich auf ganz unterschiedliche Weise unterstützen! Sie geben mir die Kraft und die Energie, nicht klein beizugeben.
Auf viele neue virtuelle Begegnungen!

Herzlich
Ihr
Boris Reitschuster

div

Bild: DavideAngelini/Shutterstock
Text: br

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