Das heute-Journal macht sich zur Lachnummer Klamauk statt Nachrichten beim ZDF

Am heute-Journal spalten sich die Geister. Für die einen ist es immer noch ein Inbegriff für seriösen Nachrichtenjournalismus. Für andere steht die Sendung  für „betreutes Informieren“, Framing und den Versuch, Zuschauer zu erziehen. Sowohl Freunde als auch Kritiker der Sendung werden sich aber kaum darüber streiten, dass sie eher behäbig ist und alles andere als ein Aufputschmittel (es sei dann, man ärgert sich über gewisse Inhalte). Böse Zungen behaupten gar, sie sei tendenziell einschläfernd. Fakt ist: Vor allem jüngere Zuschauer meiden die Sendung. Sie gilt als altbacken. Und jetzt das. Offenbar wollten die Verantwortlichen dem Format etwas Frische einhauchen. Ausnahmsweise mal nicht dadurch, dass man Zuschauer zu „Umweltsäuen“ erklärt oder sich freut, dass Corona gerade für ältere Menschen gefährlich ist.

Das Resultat war in etwa so ansehnlich und beeindruckend, wie wenn Angela Merkel mit Donald Trump Rock’n’Roll tanzen würde. Claus Kleber moderierte am Freitagabend mit seinem stets leicht säuerlichen Charme eines Wanderpredigers die Sendung. Da tauchte hinter ihm plötzlich eine Gestalt auf im Gummi-Blaumann und mit roten Plastik-Handschuhen, und geisterte durchs Studio. Eine Mischung aus den „Außerirdischen“ im Louis-de-Funès-Film „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“, einem russischem Verkehrspolizisten auf Drogen und einer Latex-Fetisch-Domina. Die Figur fuchtelte mit den Händen, als wolle sie den Verkehr regulieren oder den Staub vertreiben. Kleber tat so, als bekomme er nicht mit, was die Figur hinter ihm machte. Zwei Tonspuren wurden übereinander gelegt, Kleber war kaum noch zu verstehen. Anzusehen ist die Szene hier.

Wer das ZDF nicht kennt, meinte im ersten Moment: Mist, da hat ein Faktenchecker nicht mitbekommen, dass der Warntag vorbei ist. Und sucht verzweifelt im ABC-Schutzkostüm nach dem Ausgang. Oder einer hat sich aus der coronagerecht einkostümierten Yoga-Gruppe verlaufen und sucht den Notausgang. Oder Claus Kleber hat seine Putzfrau um ihren gerechten Lohn geprellt und die will nun einkassieren.

mvg

Alles weit gefehlt. Wie sich nach der Sendung herausstellte, handelte es sich bei dem verzweifelten Versuch, das Einschlafen der Zuschauer zu verhindern und etwas Leben in die Sendung zu bekommen, um Kunst. Die hat oft merkwürdige Formen am Lerchenberg: Noch vor der Corona-Krise ließen die Verantwortlichen mehrere Aufzüge zu U-Booten umbauen. Die kamen dann angefahren mit dem U-96 Sound und waren innenverkleidet in U-Boot-Manier. Intern feierte man sich dafür euphorisch. Der Gebührenzahler blecht ja.

Mit der neuen Aktion, die so angemessen ist wie eine 90-Jährige im Mini-Rock, sorgte das heute-Journal wenigstens auf Twitter für etwas Aufmerksamkeit:

  • Im #HeuteJournal steht plötzlich ein Mann hinter #KlausKleber. Sah aus wie bei einem #Amateursender.
  • Was war das gerade im #zdf? Wurde das @heutejournal gehackt?
  • Tja, #zdf entweder gehackt oder jmd aus der Regie hat einen Streich gespielt. #heutejournal

Claus Kleber erklärte: „Es muss irgendwie in der Anmoderation komische Störungen gegeben haben, hier. Wir gehen der Sache nach. Das sieht nach Kunst aus. Das ist was für Aspekte, die klären das auf, da bin ich mir sicher.“

In der danach folgenden Aspekte-Sendung wurde dann alles verraten: „Und bei uns sehen Sie jetzt die Auflösung eines Rätsels.“ Es handele sich um eine „Kunstaktion“, mit der Christian Jankowski auf die Nöte systemrelevanter Menschen in der Corona-Krise aufmerksam machen wolle.

Ob dem Anliegen nicht mit kritischer Berichterstattung besser gedient wäre? Mit Hinterfragen der Corona-Maßnahme? Dem Verzicht auf das Schüren von Angst? Mit Journalismus statt Verlautbarung des Regierungskurses?

„Ist er am Ende ein genialer Messias?“, wird stattdessen Jankowski am Ende des Beitrags gefragt.

Beim Twitter-Account des ZDF bekamen die beiden Tweets zu der Aktion bis zur Nacht auf Samstag 147 bzw. 294 „Likes“. Klebers eigener Tweet kam auf 215. Wenn man das auf Gebührengelder hoch rechnet, könnte man von „goldenen Likes“ sprechen.

Dafür gab es jede Menge Spott auf Twitter:

  • Fehlgeschlagener chirurgischer Eingriff bei TV Fake News DÜ Sendung des GEZwangsfunks! Ein verwirrter „Wirrologe“ der Charité wolle Wahrheitsmanufakturisten „Claus der klebrige“ das verloren gegangene Gewissen + Gehirn wieder einfügen & scheiterte! ADN:Dummes Gesicht
    Tweet zitieren
    Endlich der Beweis. Das
    @heutejournal ist eine Lachnummer
  • Klamauk statt Nachrichten.
  • Endlich der Beweis. Das @heutejournal ist eine Lachnummer
  • Sind das nicht #afd-Farben?
  • In der jetzigen Lage sollte man solchen Unfug lieber lassen. Sonst nimmt euch am Ende gar keiner mehr ernst. Es fehlt jedes Fingerspitzengefühl

Wie wäre es denn damit, die Aufmerksamkeit der Zuschauer wieder durch Journalismus zu gewinnen statt durch Klamauk und Show? Wer sich auf das Niveau von RTL und Co. begibt, führt die Fernsehgebühren ad absurdum.

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Bild: Screenshot/Tagesschau
Text: red

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