Das Mysterium von Gibraltar: 100 Prozent geimpft, Inzidenz 600? Zahlen, die stutzen lassen ...

Die Zahlen haben es in sich. Laut „Statista“ ist das britische Überseegebiet Gibraltar Impf-Weltmeister. 232,7 Impfungen wurden dort pro 100 Einwohnern verabreicht. So zumindest die Statistik. Gleichzeitig beträgt die Inzidenz in dem kleinen Flecken Land mit nur rund 34.000 Einwohnern aktuell mehr als 600. Und die Infektionszahlen steigen. Wie ist das möglich? Wo doch Chief Minister Fabian Picardo am 8. April 2021 erklärt hatte: „Die Bevölkerung von Gibraltar ist endlich Covid-frei!“ Ist Gibraltar gar ein Beleg dafür, dass die Impfung nicht so wirksam ist, wie sie angepriesen wird?

Um das Rätsel zu lösen, ist ein genauerer Blick auf die Zahlen notwendig. Theoretisch sei zwar jeder Einwohner geimpft, schreibt etwa Focus Online (FOL) – und verspricht sogleich aufzuklären, „warum das nicht gegen die generelle Wirksamkeit von Impfstoffen spricht“.

Die Impfquote liegt in Wirklichkeit gar nicht bei 100 Prozent, schreibt das Portal, für dessen Mutterkonzern der Mann von Gesundheitsminister Jens Spahn das Hauptstadtbüro leitet. In der Tat: Offiziell beträgt sie laut Statistik sogar 116 Prozent. Was umso erstaunlicher ist, wenn man berücksichtigt, dass Kinder unter 13 Jahren gar nicht geimpft werden können. Des Rätsels Lösung: 9000 Impfdosen wurden an Menschen verabreicht, die gar nicht auf Gibraltar leben. Berücksichtigt man diesen Effekt und legt zugrunde, dass die Impfquote am 8. April theoretisch bei 92 Prozent lag, aber faktisch nur bei 85 Prozent der Bevölkerung, so kommt man auch heute bei offiziell 116 Prozent auf einen Wert, der nicht meilenweit von 100 entfernt sein dürfte.

Die Schlussfolgerung, die FOL daraus zieht, ist erstaunlich: „Damit belegt der erneute Infektionsanstieg also keineswegs eine generell schlechte Wirksamkeit der Impfstoffe. Vielmehr verdeutlicht er die Aggressivität von Corona-Varianten wie Delta. Selbst, wenn bereits ein Großteil der Bevölkerung vollständig geimpft ist, setzt sich die Variante durch.“

Das ist so nicht schlüssig. Nur weil die Quote unter 100 Prozent liegt, kann man Gibraltar nicht absprechen, dass seine Zahlen eine Aussagekraft haben. Vielmehr muss man trennen zwischen den verschiedenen Zielen der Impfung. Eines davon ist, dass sie ja die Weitergabe des Virus ausbremsen soll. Und hier bringen einen die Zahlen von Gibraltar doch ins Stutzen. Allein schon von ihrer Größenordnung her.

Am Montag gab es in dem Stadtstaat 22 neue Fälle, insgesamt melden die Behörden dort 304 aktive Fälle, davon entfallen 176 auf die Delta-Variante. 278 der positiv Getesteten sind Einheimische, 26 Besucher. Unter Hausarrest bzw. in Quarantäne sind 669 Menschen, die 7-Tage-Inzidenz lag am Montag laut FOL bei 604.4.

Von den 22 positiv Getesteten am Montag waren 19 geimpft, nur drei waren nicht geimpft.

Solche Zahlen erhöhen nicht unbedingt das Vertrauen in den Impfstoff und was die Übertragung des Virus bei Geimpften angeht. Nicht verschweigen darf man allerdings auch, dass seit dem 8. April, dem Tag der „Covid-Freiheit“, als theoretisch 92 Prozent und faktisch 85 Prozent der Bevölkerung geimpft waren, kein einziger neuer Todesfall registriert wurde, bei dem SARS-CoV-2 irgendwie im Spiel war.

Wie aussagekräftig sind die Zahlen? Ein befreundeter Arzt, der auch für meine Seite schreibt, und den ich auf die Zahlen ansprach, antwortete: „Und wie viele Menschen liegen in Gibraltar im Krankenhaus? Sind symptomatisch? Sterben? Die vorliegenden Zahlen sagen doch zu wenig aus!“

Womit er wohl recht hat. Doch gewisse Tendenzen lassen sich aus den Zahlen ablesen. Das muss auch FOL eingestehen, das in Sachen Corona meist – aber nicht immer – brav auf Regierungslinie ist. „Bei den Neuinfektionen trotz Impfung könnte zudem der Zeitfaktor eine Rolle spielen. Denn in Gibraltar wurde vor allem mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft“, schreibt das Portal: „Dessen Wirkung könnte nach ersten Daten aus Israel, wo die Impfungen ebenfalls schon weit fortgeschritten sind, rund sechs Monate nach der zweiten Impfung wieder nachlassen. In Gibraltar, wo die ersten Zweitimpfungen Anfang Februar 2021 verabreicht wurden, könnte dieser Fall ebenfalls bald eintreten.“

Das Fazit von FOL: „Umso wichtiger wird für die Menschen in Gibraltar – genauso wie auch hierzulande – bald eine dritte Impfdosis. Diese soll die Wirksamkeit der Corona-Vakzine auffrischen und insbesondere Menschen aus Risikogruppen weiterhin vor einem schweren Verlauf schützen.“

Auch vollständig Geimpfte müssen also damit rechnen, dass weitere Impfungen auf sie zukommen.

Wie viele und wie oft, ist offenbar noch unklar.

Wie so vieles.


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Bild: Shutterstock
Text: br


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