Der Medien-Trick mit der Übersterblichkeit Eine Meldung und ihr Hintergrund

Die Nachricht ging groß durch die Medien: „Übersterblichkeit im November erkennbar“, titelte das ZDF dieser Tage:  „In der zweiten Novemberwoche sind rund acht Prozent mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.“ In Zeiten, in denen statt einer sachlichen Diskussion um Corona immer mehr eine Art Glaubensstreit vorherrscht, ein wichtiges Argument für diejenigen, die auf der restriktiven Linie der Regierung sind. Die Botschaft rauschte so laut durch den Blätterwald, dass sie wohl bei sehr vielen Menschen hängenblieb.

Wenn man dann allerdings über die Schlagzeilen hinaus weiter in die entsprechenden Meldungen hineinsah – was heute viele eilige Leser nicht mehr tun –  und etwas zwischen den Zeilen las, relativierte sich die Meldung etwas. Dort heißt es: „Bundesweit starben zwischen 9. und 15. November in Deutschland mindestens 19.161 Menschen, wie das Amt in Wiesbaden mitteilte. Das Mittel der Jahre 2016 bis 2019 lag bei 17.817 Toten.“

Interessant ist, dass es diverse Stimmen gibt, denen zufolge die große Meldung irreführend ist. Und zwar nicht nur von bekannten Kritikern der Corona-Politik – was wenig überraschend wäre. Sondern auch von Wissenschaftlern. Aber der Reihe nach.

Stefan Homburg, Professor für Öffentliche Finanzen und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover und bekannter Kritiker der Corona-Politik, kommentierte die Schlagzeilen wie folgt: „Das Statistische Bundesamt schreibt, es habe in einzelnen Monaten und Wochen Übersterblichkeit gegeben. Das stimmt und ist jedes Jahr so, da die Zahlen stark schwanken.“ Homburg präsentiert auf Twitter als Gegenargument die folgende Graphik aus dem aktuellen EUROMOMO, an dem in Deutschland nur Berlin und Hessen teilnehmen:

Homburgs Fazit: „Selbst im Dezember (49. Kalenderwoche) bestehe in Berlin und Hessen eine UNTERsterblichkeit. Wird die neue Losung ‘Nicht mehr leben, um niemals zu sterben‘ aufgehen? Nein, vermutlich sehen wir nächstes Jahr einen Nachholeffekt. Egal, ob mit Corona oder ohne.“

Ebenfalls zeigt Homburg eine weitere Graphik mit den aktuellsten Sterbezahlen bis 8. November bundesweit vom Statistischen Bundesamt (dessen Daten anders als die von EUROMOMO für Berlin und Hessen noch nicht bis Dezember reichen):

Der Kommentar von Homburg: „Wichtig: Die grüne Coronakurve ist in der blauen Gesamtkurve 2020 enthalten. Auffällig: Influenzawelle 2018 und Hitzewellen 2018-2020. Gesamtsterbefälle 2020 liegen zwischen 2018 und 2019. Also sind Panik und Maßnahmen unangebracht“ (Hier die Original-Exceldatei).

Der Arzt Zacharias Fögen, der als Autor für reitschuster.de schreibt, kommentiert die Berichte zur Übersterblichkeit wie folgt: „Die Aussage des statistischen Bundesamtes ist zwar formal korrekt und die Interpretation der Medien soweit auch, auch wenn man 7,54% nicht unbedingt auf rund 8% aufrunden muss. Allerdings sind in den genannten Referenzjahren im Schnitt 934.392 Menschen gestorben, während für 2020 963.384 Tode prognostiziert wurden. Das sind 3,1% mehr. Das hat man hier einfach mal gepflegt ignoriert. Wenn ich dafür korrigiere:  7,54-3,1=4,44 gerundet 4%. Dann komme ich auf ‘rund 4%.‘ Also die Hälfte von dem genannten. Abgesehen davon muss man sich natürlich fragen, inwieweit wöchentliche Sterbezahlen nicht einer gewissen Varianz (Streuung) unterliegen, daher wäre es sinnvoll und statistisch professionell, einen Test auf Plausibilität zu machen, ein Signifikanzniveau anzugeben und ein Konfidenzintervall.“

Weiter kommentiert der Arzt und Kritiker der Corona-Politik: „Dennoch halte ich eine Zunahme der Sterblichkeit für gut möglich, aufgrund der Zunahme der Verschärfung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum, die ja mit Beginn des Lockdown light Anfang November in vielen Städten angeschoben wurde. Ich verweise zur Erklärung auf meine Studie. Auf der anderen Seite kann der Verstorbenenanteil zwar als Referenz herangezogen werden. Aber das negiert ja nicht die Aussage der anderen Seite. Beide reden also irgendwie aneinander vorbei.“

Auch ein Bericht des „Statistischen Beratungslabors (Stablab) am Lehrstuhl für Statistik und ihre Anwendung in Wirtschaft und Sozialwissenschaften“ der Universität München stützt die Kritik von Homburg und Fögen (siehe hier). Fazit der Münchner Wissenschaftler: „Todesfälle durch Covid-19 – Adjustiert auf die Einwohnerzahl zeigt sich keine ausgeprägte Übersterblichkeit.“ Die Entwicklung der rohen gemeldeten Fallzahlen von positiv auf SARS-COV2 Gestesteten habe  „wenig Aussagekraft“, heißt es in dem Bericht. Die Todeszahlen seien zwar, so wörtlich, „etwas robuster“. Aber, so der Schluss der Wissenschaftler: „Man erkennt, dass in der Altersgruppe der 35-59 Jährigen aktuell eine Untersterblichkeit sichtbar ist.“

„In der Altersgruppe der 60-79 Jährigen zeigt sich auch unter Berücksichtigung der Covid-19-Todesfälle keine Übersterblichkeit“, steht in dem Bericht. Eine etwas andere Situation besteht bei den sehr alten Menschen. Dort gebe es  „eine leicht erhöhte Sterblichkeit“. Ziehe man in dieser Gruppe die Todesfälle durch Covid-19 ab, ergebe sich für das Frühjahr und den Frühsommer 2020 eine leichte Untersterblichkeit.

Das Schlussfolgerung der Wissenschaftler (Stand 11. Dezember 2020): „Insgesamt ist somit in der zweiten Welle der Pandemie bisher keine herausstechende Übersterblichkeit zu beobachten, bei der jungen Bevölkerung zeigt sich sogar eher eine Untersterblichkeit.“  Die Autoren warnen auch, dass ihre Arbeit zur Übersterblichkeit „eine Beurteilung der Wirksamkeit“ der Corona-Maßnahmen“ nicht erlaube.

Noch schlimmer: Laut der Arbeit aus München waren die Corona-Einschränkungen genau für die Höchstrisikogruppe nicht erfolgreich: für die über 85-Jährigen. Dazu die Wissenschaftler: „Es zeigt sich deutlich, dass die ergriffenden Maßnahmen (ab KW 45) zur Infektionseindämmung für die hoch vulnerable Bevölkerungsgruppe nicht hinreichend zielführend sind.“

Vor dem Hintergrund der Münchner Arbeit ist ein Twitter-Text von Jonas Danner interessant, der vor einem einseitigen Starren nur auf Zahlen von Corona-Opfern warnt und den Professor Homburg geteilt hat:

„Zahlen lügen nicht, aber sie können schweigen. Die Menschen, die

• jetzt Depressionen haben

• unter Einsamkeit leiden

• ihre über Jahrzehnte aufgebaute Existenz verloren haben

• unter Armut leiden

schaffen es leider nicht in die auf Voodoo-Fallzahlen fokussierte Tagesschau.“

Erschütternde Zahlen

Tatsächlich gibt es etwa in Deutschland keine aktuellen Zahlen zu Suiziden in Deutschland, wie das Gesundheitsministerium auf meine Nachfrage mitteilte. Die Berliner Feuerwehr hat im aktuellen Jahr einen massiven Anstieg bei Einsätzen unter dem Einsatzpunkt „Beinahe Strangulierung/ Erhängen, jetzt wach mit Atembeschwerden“ zu verzeichnen. Während es 2018 sieben solcher Einsätze und 2019 drei gab, waren es 2020 allein bis Oktober 294 Einsätze.

Fazit: Wenn Medien sich nur eine einzelne Woche herausgreifen, um anhand dieser in Schlagzeilen den Eindruck zu erwecken, dass in Deutschland eine Übersterblichkeit herrsche, ist das kein verantwortungsvoller Journalismus. Eher ist Meinungsmache. Auch zutreffende Fakten kann man so präsentieren, dass sie die Menschen in die Irre führen. Gutmütig könnte man hier Arg- und Ahnungslosigkeit annehmen. Vor der man auch selbst als Journalist nie gefeit ist und die einem zwangsläufig auch einmal selbst unterläuft. Böse und etwas überspitzt ausgedrückt könnte man aber, wenn diese Arg- und Ahnungslosigkeit so geballt und vor allem synchron auftritt, auch einen Medien-Trick unterstellen.

PS: Hier noch der aktuelle Tweet von Professor Homburg zu den Daten aus Schweden:

 


Bild: Des-Green/Shutterstock
Text: red


 

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zahlemagie
1 Monat zuvor

2020 wird es eine Übersterblichkeit geben. AUCH MIT eingerechnetem Altersmodifikator. Es wird hier immer gesagt, solange es unter 970.000 Tote sind, gibts keine Übersterblichkeit. Es werden vermutlich leicht über 980.000 Tote und das mit krassen Maßnahmen.

Einfach das lächerliche Leugnen und Verharmlosen aufhören: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/01/PD21_016_12411.html

Es fehlt noch KW52 und KW53, diese werden allerdings immer weiter hoch gehen. Die restlichen Zahlen sind hier einsehbar: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.html

Axel H.
2 Monate zuvor

Schonmal dran gedacht, das die Zahlen nicht hochgehen weil wir Maßnahmen eingeführt haben?! Und deshalb auch andere Infektionskrankheiten wie die Influenza weniger verbreitet sind?

Sie argumentieren die Maßnahmen seien sinnlos weil es nicht mehr Tote gibt aber eigentlich zeigt das ja nur, dass die Maßnahmen zum Großteil wirken. Ohne Maßnahmen hätten wir noch deutlich mehr Tote. In anderen europäischen Ländern erkennt man übrigens teils eine deutliche Übersterblichkeit. Ohne Maßnahmen wären die Zahlen in allen Ländern um ein vielfaches höher. Das wollt ihr Querdenker aber einfach nicht verstehen!

T-Alpha
Antwort an  Axel H.
2 Monate zuvor

Wie schön ist es zu debattieren, wenn man die DURCH die Massnahmen  verursachten Todesfälle (inklusive zukünftiger impfbedingter Fälle) einfach ausblenden kann. Die gibt es wirklich bzw. wird es noch geben, sie müssten nur korrekt zugeordnet werden. Die durch Massnahmen verhinderten vorzeitigen Todesfälle sind reine Spekulation, viel Spass beim schätzen. Erklären müssen Sie auch, warum die Massnahmen beim herkömmlichen hochinfektiösen  Grippevirus so wirksam sein sollen, gegen die Ausbreitung des C-Virus aber scheinbar wenig ausrichten können.

M.Illoinen
2 Monate zuvor

Ich frage mich, was glauben die Verantwortlichen aus Medien und Politik eigentlich, was passieren wird, wenn die Propaganda nicht aufhört? Sie sägen alle gerade auf dem Ast auf dem sie selber sitzen.

Stefan
2 Monate zuvor

Übersterblichkeit ist per Definition der Vergleich von Sterblichkeiten zwischen zwei Zeitperioden (Jahren) oder dem Vergleich eines Jahre mit dem Durchschnittswert mehrerer vorangegangener Jahre.
Und jetzt mal zum mitschreiben
46 KW
2020: 19.161 Sterbefälle
Durchschnitt 2019 – 2019: 17.817 (Bandbreite 16.842 – 18.591)
Übersterblichkeit: Check
45 KW
2020: 18.690 Sterbefälle
Durchschnitt 2019 – 2019: 17.654 (Bandbreite 17.371 – 17.854)
Übersterblichkeit: Check
44 KW
2020: 18.317 Sterbefälle
Durchschnitt 2019 – 2019: 17.181 (Bandbreite 16.762 – 17.580)
Übersterblichkeit: Check
43 KW
2020: 18.397 Sterbefälle
Durchschnitt 2019 – 2019: 17.145 (Bandbreite 16.808 – 17.586)
Übersterblichkeit: Check
42 KW
2020: 17.581 Sterbefälle
Durchschnitt 2019 – 2019: 17.251 (Bandbreite 16.552 – 17.716)
Übersterblichkeit: Check

In den KW 43 – 46 lag die Sterblichkeit von 2020 jeweis oberhalb der Bandbreite, d.h. in diesen 4 Wochen lag die Sterblichkeit oberhalb der Jahre 2016, 2017, 2018 und 2019. Es war das Jahr mit der höchsten Sterblichkeit. In der Gesamtheit liegt der Graph für die Sterblichkeit 2020 seit der 12 KW oberhalb des Graphen für den Durschnitt der Jahre 2016 – 2019.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html

M.Illoinen
Antwort an  Stefan
2 Monate zuvor

Und dann wissen Sie immer noch nicht ob mit oder an verstorben wurde, und auch Sie haben bewusst oder unterbewusst noch etwas nicht bemerkt, wir haben auch Dank der Geburtenstarken Jahrgänge heute mehr Ältere. Im Übrigen, es will auch niemand so genau wissen, an was jemand gestorben sein soll, weil erstens nicht obduziert wird, und auch dann wenn, kann Ihnen so gut wie niemand sagen an was die Person tatsächlich verstorben ist. Denn die Mehrheit im hohen Alter und vielen Vorerkrankungen. Darüber hinaus, verschonen Sie mich mit Statistiken, nenne mir die Auftraggeber einer Statistik/Studie, und ich sage Dir was drin steht. Ich meine, wenn Bilder und Filme extra inszeniert wurden und werden, wenn mit Zahlen ohne Bezug gearbeitet wird, wenn ständig die Parameter geändert werden, wenn nicht mehr kritisch diskutiert werden darf und alle Kritiker nur noch diffamiert zensiert, suspendiert entlassen und schlimmeres gemacht wird, dann sollte auch dem letzten auffallen dass hier etwas nicht stimmen kann? Es sei denn man schaut nur Staatsfernsehen, oder hört nur Staatsfunk, oder liest nur Staatspresse. Wie sagte glaube ich Abraham Lincoln?

Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.

AnMerker
Antwort an  Stefan
2 Monate zuvor

Und sie meinen, weil diese paar Leute mehr sterben, ist es OK, die ganzen anderen Schäden dafür in Kauf zu nehmen?

T-Alpha
Antwort an  Stefan
2 Monate zuvor

Ich weiss nicht woher Sie Ihre Definition von Übersterblichkeit haben oder wie sie diese interpretieren. Das von Ihnen präsentierte Zahlenwerk hat mit Übersterblichkeit wenig zu tun. Die Analyse enthält hat gravierende Mängel: 1.) Vergleiche auf der Basis absoluter Zahlen sind komplett wertlos, Bevölkerungswachstum und Strukturänderungen werden nicht berücksichtigt (auf diese Faktoren weist sogar das RKI in seinen Publikationen ausdrücklich hin). Sie sprechen von Sterblichkeit (eine Verhältniszahl), argumentieren aber mit der Zahl der Verstorbenen. 2). Mit dem Herauspicken einzelner Tage, Wochen oder Monate kann man immer einen Wert finden, der den gewünschten Trend (Erhöhung/Minderung) zeigt, das Sterbegeschehen verläuft aber nicht kalendarisch synchron mit den gleichen Tagen/Wochen/Monaten des Vorjahres/der Vorjahre. 3.) Der Vergleich mit historischen Perioden oder Durchschnitten ist höchstens dann zulässig, wenn Altersstruktur und Bevölkerungsgrösse in den Vergleichsperioden konstant waren. Dies ist aber selbst in kurzen Perioden selten der Fall. So blieb zwar die Bevölkerung Deutschlands von seit Ende 2015 relativ konstant (83.2 Mio, +1.2%, und auch dass nur durch Nettozuwanderung), gleichzeitig hat sich aber die Zahl der sich ihrem natürlichen Ende nähernden Generation der 80+ Jährigen um 20% auf 5.7 Mio. erhöht. Von daher ist schon mit einer demographisch bedingten MEHRsterblichkeit zu rechnen. Hinzu kommt: in einer nicht schrumpfenden aber alternden Bevölkerung liegt ein historischer Durchschnittswert in der Regel immer tiefer als der aktuelle Wert. Ein simpler Vergleich absoluter Grössen auf dieser Basis zeigt so immer eine ‘Übersterblichkeit‘.  4.) Historische Werte unterliegen starken Schwankungen und deshalb lässt sich durch Herauspicken geeigneter Basisjahre immer die gewünschte Aussage ‘belegen‘. Nur einige Beispiele: KW 46 2020 Anstieg um 919 gegenüber Vorjahr … waren sie 2019 besorgt, dass in KW46 1‘400 mehr Tote zu verzeichnen waren, als in KW46 2018? Oder in KW42 2020 beglückt, dass es 132 Todesfälle weniger gab als in KW 42 des Vorjahres, in der es wiederum 1‘161 mehr Todesfälle gab als in KW42 2018? KW43 fällt etwas mehr zu Ihren Gunsten aus (+1‘060 ggü. Vorjahr, allerdings lag auch 2018 schon einmal 978 unter 2016). Sie sehen, die Wochenschwankungen sind gross und das Spielchen liesse sich unendlich weitertreiben. Und, das vergessen Sie zu erwähnen: über den Zeitraum KW43-KW46 sind zwar 3‘639 mehr verstorben als in 2019, davon waren aber ‚nur‘ 2‘758 mit dem C-Etikett versehen, vom Gesamtanstieg sind also 881 anderen Ursachen zuzurechnen. Ohne die komplexen Rechnungen mit Z-Scores von Euromomo anzustellen: mit einfacher Prozentrechnung lässt sich schon ein realistischeres Bild zur Beurteilung einer möglichen Übersterblichkeit in 2020 zeichnen (angemerkt sei, dass die Analyse natürlich noch vertieft werden müsste, der Saldo aus positiven und negativen Wirkungen der C-Massnahmen wäre zu berücksichtigen, wobei man sich im Falle der Schätzung vermiedener vorzeitiger Todesfälle im Bereich der Spekulation befände). Hier also einmal die Zahlen in Relation zur Entwicklung der Bevölkerung und seiner Struktur gesetzt, d.h. die Anzahl der Verstorbenen in Prozent der vergleichbaren Einwohnerzahl am Ende des Vorjahres: (2016;2017;2018;2019;2020) – Gesamtzahl Verstorbene KW01-KW46 (0.966;0.993;1.018;0.993;1.004) – KW 43-46 (0.087;0.083;0.082;0.085;0.090). Relevanter sind aber die Zahlen für die betroffenen Alterskohorten: offiziell gemessen versterben an Covid-19 überwiegend Menschen im Alter 60+ (bis Ende KW46 über 95% aller C-Todesfälle). Diese sind die wesentlichen Treiber der Gesamtzahl. Schauen wir uns also die Sterblichkeitszahlen für diese Altersgruppe an: KW01-KW46 60+ (3.166;3.251;3.307;3.198;3.198) – KW43-KW46 (0.287;0.273;0.266;0.275;0.288). Bisher hier keine besonders auffällig hohe Sterblichkeit in 2020 zu erkennen. Betrachten wir noch die Gruppe 80+, die Höchstrisikogruppe: nur 6.8% der Bevölkerung aber bis KW46 rund 65% der C-Todesfälle (KW43-KW46 gut 70%). Und hier die Sterberaten 80+ KW01-KW46 (9.045;9.202;9.189;8.688;8.538) – KW43-46 (0.833;0.769;0.735;0.751;0.780). Donnerwetter! Insgesamt ein anhaltend rückläufiger Trend der Sterblichkeit bis KW46. Fazit: bisher lässt der Blick auf die veröffentlichte Sterbestatistik in 2020 keinerlei Rückschluss auf eine C-Virus getriebene Übersterblichkeit zu. Es ist natürlich zu früh, dies für das Gesamtjahr zu behaupten. Die ab KW47 wöchentlich stark gestiegenen C-Todesfallzahlen könnten das Geschehen noch in die Übersterblichkeitszone treiben. Das hängt aber von der Gesamtzahl der Verstorbenen im Rest des Jahres ab und dem Anteil der C-Toten daran. Allein schon die weitere Zunahme der Gruppe 80+ um gut 290‘000 bis Ende 2019 liesse bei gleicher Sterblichkeit wie in 2019 eine Zunahme der Todesfälle 80+ um 29‘000 erwarten (reine MEHRsterblichkeit). Bis KW46 sind rund 17‘000 80+ Personen mehr als im gleichen Zeitraum 2019 verstorben (davon 8‘258 mit oder am C-Virus, d.h. der Zuwachs kam zu über 50% von Nicht-C Fällen). Für die letzten Wochen des Jahres besteht also statistisch gesehen noch ein gewisser Puffer bis zum Erreichen der Übersterblichkeitsschwelle. Und man wird Indizien dafür erkennen, ob die vielfach geäusserte Vermutung zutrifft, Verstorbene würden grosszügig zu Lasten anderer Todesarten mit dem C-Etikett gelabelt (wie in Ländern mit Kopfprämien für C-Fälle). Für Deutschland ist das eher nicht zu vermuten, denn die Entschädigungen der Krankenhäuser für Umsatzausfälle erfolgen eher über fallunabhängige Pauschalen (Bettenkapazität) und Lohnkostenerstattungen (Kurzarbeitsmodell). Lassen wir uns überraschen.

Peter Schreiber
2 Monate zuvor

Eine Bitte an Herrn Reitschuster, Herrn Homburg und Herrn Fögen. Bitte nehmen Sie auch die heute vermeldeten Zahlen unter die Lupe. Bitte recherchieren Sie, was da genau in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen abläuft. Auch, wie das mit den Verlegungen von den Alten- und Pflegeheimen auf die Intensivstationen vonstatten geht. Ich hatte schon an anderer Stelle hier auf Reitschuster.de einen Arzt zitiert, der davon sprach, dass 50 % der Intensivpatienten aus Alten- und Pflegeheimen nur aufgrund eines positiven Corona-Tests dort hingebracht werden und teilweise gar nicht gefragt würden, ob sie das überhaupt wollen.

„Fast 1000 Tode!“ Heute morgen auf WELT TV wird wieder mit den Todeszahlen dermaßen Angst geschürt, dass man auch als Corona-Skeptiker fast dazu neigt, der Corona-Propaganda der regierungshörigen Medien auf den Leim zu gehen. Dabei widerspricht sich die Nachrichtensprecherin quasi in einem Satz:

„Das RKI meldet einen Rekordwert innerhalb von 24 Stunden, fast 1000 Tode, auch weil das Bundesland Sachsen seine Zahlen vom Wochenende wegen einer technischen Panne erst heute nachgeliefert hat.“

Erst redet sie von 24 Stunden, dann von Zahlen vom Wochenende. Dass bei den Zahlen immer nicht nur die Zahlen vom Vortag bis heute gemeint sind, sondern teilweise auch Meldungen von mehreren zurückliegenden Tagen oder gar Wochen einbezogen werden, habe ich woanders gelesen. Und dass gerade der Mittwoch ein Tag sei, wo die Zahlen immer besonders hochgerechnet würden.

Zu der ganzen Zahlenhysterie passt dann die wehleidige Rede von Sachsens Kretschmer, der natürlich auch die AfD mitverantwortlich macht für die Situation. Und dann sprechen oder schreiben sie von solchen Aussichten: „Ob es im Januar schon besser wird, kann niemand sagen.“ (Kretschmer) „Weltärztechef erwartet Lockdown bis Ostern“. (BILD)  Da kann einem ja wirklich angst und bange werden angesichts dieser Aussichten.

Peter Schreiber
Antwort an  Peter Schreiber
2 Monate zuvor

Eine kleine Korrektur zu meinem obigen Kommentar, weil ich mich missverständlich ausgedrückt habe:

„dass 50 % der Corona-Intensivpatienten in den Krankenhäusern aus Alten- und Pflegeheimen kommen und viele nur aufgrund eines positiven Corona-Tests dort hingebracht werden“

Stepsudy
2 Monate zuvor

Es müssen dringend „Nürnberger Prozesse“ her, und zwar (da wir das selbst nicht hinbekommen) von Seiten der Aliierten. Früher oder später passiert das auch, je später es passiert desto kaputter geht dieses Land.

Frank Volkmar
2 Monate zuvor

Dazu unsere Kanzlerin (n-tv vom 15.12.20)

Merkel sagte: „Das übliche Argumentieren, das hilft da nicht, deshalb ist das für uns schon eine
besondere Herausforderung. Das wird vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein.“

Forschung zur Frage sei nötig :

„Wie verabschiedet man sich eigentlich aus der Welt der Fakten
und gerät in eine Welt, die sozusagen eine andere Sprache spricht und die wir mit unserer
faktenbasierten Sprache gar nicht erreichen können?“

„Es gebe bei Anhängern solcher Denkmuster „eine richtige Diskussionsverweigerung“.
„Trotzdem sind wir ein tolerantes Land“, sagte Merkel.Auch diese Menschen seien seine Bürgerinnen und Bürger. Doch sie wieder in die Welt des gegenseitigen Zuhörens zu führen,werde sehr schwer. Dazu gehöre auch mehr Verständnis“

https://www.n-tv.de/politik/Merkel-stellt-sich-klar-gegen-Corona-Leugner-article22237087.html

Das ist kein „Abgehobenheit“ mehr, sondern pathologisch was und wie sich diese Frau äußert.

Das ausgerechnet vor ihren Jubelpersern !

Salzsäule
Antwort an  Frank Volkmar
2 Monate zuvor

Gestern musste ich bei all dem Irrsinn plötzlich an Nero denken. Wieso bloß? — Was die geistige Gesundheit der Regierungskritiker angeht, plädiere ich dringend dafür, zuerst mal die Regierungsmitglieder gründlich psychologisch und auch körperlich zu untersuchen. Fettleibigkeit, öffentliche Stürze und Zitteranfälle bei rigiden Gesundheitspredigern sorgen für Stirnrunzeln. Auch wenn ein politisch korrekter Anti-Nationalist wie Altmeier plötzlich zum Weihnachtsshopping als „patriotische Aufgabe“ aufruft, und eine Woche später verlangt auf Shopping komplett zu verzichten, darf man beunruhigt sein, wie es ihm psychisch so geht. Zum Regieren taugt das nämlich nicht. Bedenklich fand ich auch die Lachanfälle mit glasigen Augen und roten Wangen von Katharina Schulze, während sie sich zu den „lustigen“ Terroranschlägen in Frankreich äußerte. Wer abgeschlagene Köpfe und erschossene Restaurantbesucher nicht total witzig findet, muss wohl auch bald zum Psychologen nach der Ansicht dieser Leute. Ich lasse mich von denen jedenfalls nicht in den Irrsinn treiben. — Hier fasst der DC einigen Politiker-Irrsinn zusammen:

  Kannte ich noch gar nicht: https://twitter.com/argonerd

Ulla
Antwort an  Frank Volkmar
2 Monate zuvor

Als ich das gelesen habe, musste ich mir erstmal die Augen reiben. Sie wirft den nicht-auf-Regierungskurs-Liegenden genau das vor, was sie selbst im Extrem betreibt, und merkt es nicht einmal? Wie realitätsfremd kann man sein?

T-Alpha
2 Monate zuvor

Danke wieder einmal für einen treffsicheren Artikel. Insbesondere der Schlussteil über die Schattenseiten der C-Massnahmen liegt mir am Herzen. Es wird höchste Zeit, ein genaueres Licht auf diese zu werfen. Es beelendet mich schon seit dem Frühjahr, dass die durch die ‘Massnahmen‘ angerichteten Schäden systematisch von der öffentlichen Berichterstattung (Regierungsinstitutionen sowie MSM) ausgeblendet oder ignoriert werden. Am Anfang der C-Krise vielleicht verständlich mangels genaueren Wissens zum damaligen Zeitpunkt, ist das nach bald einem Jahr Dauer aber mE nicht mehr hinnehmbar und zunehmend skandalös.

Bei genauerer Betrachtung der staatlich organisierten täglichen (selektiven) Datenfütterung kommt man über die Zeit zu der immer stärker werdenden Gewissheit: auf alles was der Dramatik des C-Virus und einem möglichen Tod daran dienlich ist wird geflissentlich das Spotlight gerichtet, teilweise sogar mit zwischengeschalteter Lupe. Alles andere wird systematisch beschwichtigt und beschwiegen. Beschwichtigt wird im Falle relativierender Faktoren, aber auch nur solcher, die sich schwerlich ignorieren lassen. Beschwiegen werden hingegen negative Folgen der ‘Massnahmen‘, die berühmt berüchtigten Kollateralschäden.

Welch ein Kontrast: systematisch, akribisch, täglich (wenn nicht sogar inzwischen stündlich) wird auf der C-Virus-Opfer Seite jeder echte, mutmassliche oder potentielle ‘Fall‘ diagnostisch verfolgt, beprobt, analysiert, klassifiziert; statistisch erfasst, sortiert, zeitnah sorgfältigst in Tabellen für die Ewigkeit verzeichnet und kommunikativ breitflächig berichtet, beachtet, begleitet, bemitleidet, geachtet. Dagegen die Seite der C-Massnahmen-Opfer: kein Ethikrat, kein Krisenstab, kein Gremium, keine Institution (soweit mir bekannt ist, bitte Info, falls ich hier irre), die sich mit der gleichen Sorgfalt dieses Problemkomplexes annehmen würde. Deshalb wohl bisher auch keine erhellenden Publikationen dazu.

Ich rede hier nicht über die finanziellen Schäden der C-Massnahmen (wobei natürlich auch diese diskussionswürdig sind). Dieser nehmen sich bereits Ökonomen und andere Finanzexperten an. Vielmehr spreche ich über die direkten und indirekten Folgen der C-Massnahmen für Gesundheit und Leben der von den C-Massnahmen Betroffenen. Offensichtlich gehören hierzu Selbsttötungen wegen plötzlicher Perspektivlosigkeit, Not und Verzweiflung. Dazu gehören auch vorzeitige Todesfälle durch unterlassene oder zeitlich stark hinauszögerte medizinische Eingriffe bei einer Vielzahl von mittelfristig bedrohlichen Krankheiten. Und dieser Effekt wird sich noch lange zeigen, denn hier baut sich ein Berg von nachzuholenden Fällen auf, den die Medizinbetriebe wie eine Bugwelle bis weit in die Post-C Ära vor sich herschieben werden. Des Weiteren die Fälle von unerkannt bleibenden letalen Krankheiten durch unterlassene und verzögerte Vorsorgeuntersuchungen … Und dann die unzähligen Fälle von Depressionen, die zu einem gewissen Teil als chronische Schädigungen bleiben werden. Schliesslich müsste auch berücksichtigt werden, dass die Schwächung der Volksgesundheit durch die C-Massnahmen (Licht-, Luft-, Bewegungs- und Sozialkontaktmangel) einen Beitrag zur Anfälligkeit für schwere bis terminale Verläufe von C-Infektionen leistet.

All dies müsste auch erhoben, analysiert und sauber statistisch erfasst werde. Selbst Ansätze dazu sind bisher nicht erkennbar. Initiativ- und Deutungshoheit in der C-Krise liegen nun einmal in den Händen der mit dem Machtmonopol ausgestatteten Regierungen von Bund und Ländern. Und diese lassen den Willen zu umfassender Transparenz nicht erkennen, fahren stur ihren Kurs von Restriktion und Einschüchterung.

Mit Blick auf die Zukunft schwant mir: die C-Opfer werden demnächst in Weihnachtsansprachen von Bundeskanzlerin und Bundespräsident ausführlichst gewürdigt, in Gedenkveranstaltungen und -gottesdiensten wird ihnen gebührlich Achtung erwiesen und einst werden möglicherweise Denkmäler für sie errichtet werden. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher: in den Todesursachenstatistiken des Statistischen Bundesamtes werden wir neben der Ursache ‘Covid-19 Virus‘ keine Kategorie ‘Covid-19 Massnahmen‘ finden. Diese Opfer sterben still –  unerforscht, statistisch unerfasst, unbeachtet, ungeachtet. Unspektakulär verschwinden sie in der Statistik, verteilt über die vielen herkömmlichen Todesarten. Im zynischsten Fall schaffen dann vielleicht doch noch einige den Aufstieg in die Ehrenkategorie ‘C-Toter‘: wenn sie trotz bisheriger Negativtestung nach dem Tod durch nachträgliche Testung durch Positivbefund noch auf das C-Konto verbucht werden können.

In einem wirklich reifen demokratischen System mit einigermassen integren Politikern würde man vor einer umfassenden und nüchternen Bestandsaufnahme nicht zurückschrecken. Zum einen würden zukünftige Krisenmanager von dem Erfahrungswissen profitieren und der Aufwand wäre nicht erkenntnislos verschwendet. Andererseits haben die Bürger ein Anrecht darauf zu wissen, welcher Preis ihnen für das verordnete Solidaropfer abverlangt wird. Nur das schafft nämlich das Mindestmass an Akzeptanz für zukünftiges Staatshandeln in ähnlichen oder gar schlimmeren Situationen. Momentan wächst allerdings die Hypothek des Misstrauenskontos weiter an. So ist derzeit nicht zu erkennen, dass ein Wille zu der berühmten ‘lückenlosen‘ Aufklärung vorhanden wäre. Es wäre eine Schande für die Demokratie, für das Land sowieso, wenn das so bliebe.

AnMerker
2 Monate zuvor

Mal runter blöde Frage oder Feststellung:

Ich habe mir jetzt keine Statistik über die Altersstruktur in Deutschland angeschaut, aber grundsätzlich hört man ja immer wieder, dass wir eine durchschnittlich alte Gesellschaft sind, sprich der Anteil Alter verhältnismäßig groß ist.

 

Wäre es dann nicht logisch, wenn wir in den nächsten Jahren sowieso von Jahr zu Jahr höhere Todesraten zu erwarten haben, da die Alten nun einmal nach und nach in größerer Anzahl versterben werden?

T-Alpha
Antwort an  AnMerker
2 Monate zuvor

Das ist so. Seit 2015 ist die Bevölkerung Deutschlands um 1.2% auf 83.2 Mio Seelen angestiegen (inkl. Nettozuwanderungen, ohne hätte es einen Rückgang gegeben). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl in der 80+ Gruppe um gut 20% gewachsen (von 4.7 Mio auf 5.7 Mio), die Zahl der Verstorbenen (535’000) aber nur um 7%. Im Jahr 2019 war die Sterberate (berechnet als Zahl der Verstorbenen 80+ in % der Bevölkerung 80+ am 31.12. des Vorjahres) mit 9.9% sehr niedrig, der Durchschnitt der Jahre 2015-2018 lag bei 10.6%. Allein schon bei gleichbleibender niedriger Sterberate des letzten Jahres wäre in 2020 mit einer zusätzlichen Anzahl von etwa 29’000 Verstorbenen in der Altersklasse 80+ zu rechnen. Hier liegt auch ein grosses Problem der Alt(en)parteien CDU/CSU/SPD: ihnen sterben zunehmend Stammwähler weg, ohne einen äquivalenten Ausgleich mit Stimmen von Erstwählern …

Manfred Bartl
2 Monate zuvor

Der Sockel, auf dem die aktuelle (wochenweise) Übersterblichkeit gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre aufsetzt, war übrigens schon seit der ersten Septemberwoche gegeben, als das Virus noch tief in seiner Sommerpause weilte (und wurde sogar noch einmal vom Durchschnitt in einem Peak touchiert). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass zwar das Virus eine Pause einlegte – die Maskenpflicht jedoch nicht!
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html