Lucie Chronik einer Krankheit

Corona macht krank, Corona kann töten.

Corona ist schlimm, verändert die Gesellschaft und das Leben. Darüber berichten wir. Geschichten, die Corona schreibt. Geschichten, die es nicht in die Medien schaffen.
Wir geben Zahlen einen Namen und eine Seele. Die Serie „Kollateralschaden“ basiert auf Berichten Betroffener der Coronapolitik. Damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Wir schreiben auf: Johanna Wahlig (Politologin, Journalistin, Unternehmerin) und Frank Wahlig (Historiker und 30 Jahre ARD-Hauptstadtkorrespondent) recherchieren für reitschuster.de. Wer aus seinem beruflichen oder privaten Leben einen „Kollateralschaden“ melden möchte: Vertraulich und persönlich, per E-Mail an [email protected]

Lucie

Von Johanna und Frank Wahlig

Drei Wochen hat Lucie in ihrem Zimmer verbracht. Kein Spaziergang, keine frische Luft, kaum Bewegung und kein Leben um sie herum. Seit sechs Wochen hat sie keinen Besuch. Seit sechs Wochen die Familie nicht gesehen. Kein Geburtstagskaffee, kein Totensonntag am Grab. Seit einem Jahr ist Lucie Witwe. Einsamkeit, Trauer, Verzweiflung. Notaufnahme Klinikum Küchwald, Chemnitz. Lucie ist eine von hunderttausenden Angehörigen der „Risikogruppe“ in Heimen und Kliniken. Gut betreut, beschützt, versteckt, für viele unsichtbar.

Lucie war Näherin und Kauffrau früher. Sie ist 80 Jahre alt. Lucie hat einen Sohn, Frank, drei Enkel und zwei Urenkel. Sie vergisst Manches und neigt zur Traurigkeit und Depression, erklärt der Sohn, der selbst Schulmediziner ist. Frank ist überzeugt, dass seine Mutter vor Allem mit seelischen Leiden zu kämpfen habe.

„Im Heim wurde sie gut umsorgt und betreut,“ sagt Frank, der Sohn. Lucie bekommt oft Besuch. Zu Geburtstagen und Festtagen ist sie im Kreis der Familie. Und dann kommt eine neue Zeit.

Im Jahr 2020 ist Lucie über Monate allein. Monate die Familie nicht sehen. Im Frühling bis in den Sommer hinein und im Herbst ist über sechs Wochen wieder Besuchsverbot im Heim. Seit drei Wochen sogar Zimmerarrest. Ganz allein trägt Lucie ein großes „Sorgenpaket wie ein Pfeil im Herzen“ mit sich, sagt Frank. Sorgen um die Familie, um die Existenz der Kinder, Sorgen in Einsamkeit. Sie ruft die Enkelin zum Geburtstag an und weint. Ausgeschlossen sein. Kein Austausch. Keine Ansprache. Das „Sorgenpaket“ wird zu groß für Lucy allein.

Notaufnahme im Krankenhaus. Fünfzehn Minuten darf Frank die Hand seiner Mutter halten. Dann ist die Besuchszeit vorbei. Weitere Besuche sind nicht vorgesehen. Sprechen kann er sie nicht. Telefonische Auskunft erhält er nicht. Wie es ihr geht, das weiß er nicht, nur so viel: „Sie ist noch da!“


Johanna Wahlig ist Politologin, Journalistin und Unternehmerin. Frank Wahlig ist Historiker und war 30 Jahre lang ARD-Hauptstadtkorrespondent.

Bild: privat
Text: Johanna und Frank Wahlig


 

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Der Censor
3 Monate zuvor

Wieder so ein Beitrag, bei dessen Lektüre ich zwischen Erschütterung und Wut schwanke. Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandelt.

Der Frau unter diesen Umständen noch eine Maske umzubinden, halte ich für Körperverletzung.

(Symbolfoto oder die echte Lucie?)

Warum bekommt der Sohn keine Auskunft, wie es der Mutter geht? Zumal er selbst Arzt ist?

 

Indigoartshop
3 Monate zuvor

Wahnsinn. Man ist hin und her gerissen zwischen Trauer und Wut. Besuchsverbote, Isolation, was noch? Wer denkt sich sowas aus? Noch schlimmer: selbst in Hospizzen gibt es Besuchsverbote! Das gleiche Holz, das Alte, Kranke und Kinder selektiert und sich auf höheren Befehl beruft.  Oder den Angehörigen Inkassobriefe ins Haus schickte, da waren die Leichen noch warm ( so geschehen in der Gerichtsmedizin zu Berlin nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz).

BerlinerLuft
3 Monate zuvor

Offizielle deutsche Übersetzung der Deklaration von Genf, autorisiert durch den Weltärztebund.

„Das ärztliche Gelöbnis

Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren. Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.

Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und 

meine Patientin oder meinen Patienten treten.

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren.

Ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben.

Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.

Ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und 

Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen.

Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.“

 

Welche Ehre soll das sein?

Katharina
3 Monate zuvor

Und so wird sie auch sterben. einsam. Vergessen in einem Zimmer. Da ist es dann schon egal, ob mit oder an Corona oder auch an der Impfung oder durch die Impfung. Niemand wird fragen. Absicht ?

Alexander Koch
3 Monate zuvor

Jeder, der ein geringes Maß an logischem Denken besitzt und Statistiken lesen kann, stellt fest, wie uns Regierung und Medien täuschen. Auch Ärzte, wirtschaftliche Organisationen, die Kirche, Richter, Staatsanwälte und andere können dies. Dennoch verhalten sie sich wie dumme Untertanen. Es gehört auch zum Allgemeinwissen, dass Viren allgegenwärtig sind, ständig mutieren und nicht unbedingt einfach verschwinden, und daher die ergriffenen Maßnahmen unsinnig sind. Auch kann jeder feststellen, dass es keine Pandemie in diesem Jahr gab, da nicht jeder mindestens 10 Erkrankte kennt (übliche Spez. einer Pandemie). Also, weshalb dann diese grausame Isolierung kontaktbedürftiger Menschen?

Gerade Ärzte und Pflegepersonal, die all diese Verordnungen unwidersprochen mittragen, machen sich zu Mittätern und tragen Schuld.

Wacht auf, seid ungehorsam, missachtet die Zwangsverordnungen. Nur, wenn viele der Unterdrückung widerstehen, haben Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit eine Chance. Dann ist selbst der getäuschte und missbrauchte Polizeimob machtlos und kann nicht Bürger, die ihre Rechte einfordern, einfach verprügeln.

Sonja Schweinitz
3 Monate zuvor

Sehr geehrter Herr Herr Reitschuster!

Ist Ihnen bekannt, ob bei uns in DEU Selbsttötungen statistisvh erfaßt werden, mit Nennung der Tötungsart, der Umstände, möglicher Gründe, Alter und Geschlecht der Opfer etc?

Gibt es außerdem Zahlen, z. B. von der Telefonseelsorge, über einen Anstieg Hilfesuchender und Suizidgefährdeter konkret im Zusammenhang mit der Corona-Politik?

Das wäre doch aufschlussreich.

Ich befürchte sehr, dass es durch die Corona-POLITIK zu einer drastischen „Übersterblichkeit“ kommen wird, nicht durch das Virus, sondern durch angebl. dem Schutz vor dem Virus verhängten Maßnahmen.

Ich befürchte jedoch zugleich, dass alle diese „Kollateralschäden“ niemals als von der Corona-Politik verursachte  „Fälle“ oder „Inzidenzen“ jemals offiziell erfaßt, sonder unter den Teppich gekehrt werden.

Wie sehen Sie das?

Sibylle
3 Monate zuvor

Ich habe auch eine Bekannte, die fast 80 ist und mit der ich mich in der „Lockerung“ wöchentlich auf Kaffee und Kuchen getroffen habe. Sie ist total verängstigt und lehnt momentane Treffen ab, geht nicht mehr aus dem Haus seit dem neuerlichen Lockdown. Ich habe ihr schon oft zu erklären versucht, was hier wirklich Sache ist und ihr auch die Videos von den Demos geschickt, wie es sich wirklich zugetragen hat, aber ich beiße bei ihr auf Granit. Da ist nichts mehr zu machen. Zum Glück ist sie auch noch internetfit und ich kann mich so mit ihr austauschen, aber im Prinzip vereinsamt sie auch. Die Töchter wohnen weit weg…

N. B.
3 Monate zuvor

Gibt es eine Selbsthilfegruppe für Menschen die unter Corona an Einsamkeit leiden so dass die sich kontaktieren und zum Beispiel zum spazieren etc verabreden können? Ich meine nicht Seelensorgetelefone die versuchen am Telefon einen überzeugen dass man seine Gesundheit mit Maske (Ich kann keine Maske tragen wegen Asthma) und Einsamkeit aus Solidarität mit anderen gefärden soll.

Iris Anders
Antwort an  N. B.
3 Monate zuvor

ich wäre dabei, weil meine Kontakte mittlerweile auch wegbrechen

분석
3 Monate zuvor

Da es sich bei den Artikeln des Ehepaars Wahlig um eine Serie inhaltlich zusammenhägender  Artikel handelt, wäre hier (wie auch bei anderen Artiukeln) ein Tag-System ganz nützlich, um sie sich in Zukunft leichter heraussuchen zu können. Vielleicht kann der Admin ja so etwas einrichten?

Schnatterente
3 Monate zuvor

hallo Marc,es hat mich genau wie der Bericht über Lucia sehr berührt.ich wollte Ihnen alles Gute wünschen und es ist schön,dass Sie trotzdem Nicht aufgeben. Haben Sie eine besinnliche Adventszeit. Mit herzlichen Grüßen.