Wieder eine Nachricht, bei der ich einfach nicht den Mund halten kann. Weil sie mir zu nahe geht. „Vor Supermarkt – Streit in Eckernförde eskaliert: 15-Jähriger getötet“, meldet der „Focus“ (Details, wenn auch nicht alle, finden Sie hier). Und wie meistens in solchen Fällen werden Ross und Reiter nicht genannt. Sie wissen, was ich meine. Ja, vielleicht bin ich ungerecht, vielleicht ist einfach noch nicht mehr bekannt. Doch ganz ehrlich – daran glaube ich nicht. Und selbst wenn in diesem Fall keine Details bekannt sind – das Misstrauen haben sich unsere angeblichen „Qualitätsmedien“ selbst zuzuschreiben – weil sie eben zu oft nachweislich Details verschweigen, die wichtig sind.
Von „einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen mehreren Menschen“ schreibt der „Focus“. So als ob sich der Leser nicht selbst denken könnte, dass es keine Gewalttaten zwischen Eichhörnchen oder Kaninchen waren.
Doch ganz egal, wo die Täter herkommen – die Verrohung in unserer Gesellschaft hat ganz eindeutig – wenn auch natürlich nicht nur – mit Gewaltimport zu tun. Und mit dem Wegsehen von Politik und Medien angesichts dieses Problems.
Manche großen Medien wie die „Bild“ haben bis Donnerstagmittag noch gar nicht von dem Fall berichtet. Bei anderen wiederum heißt es, das Opfer sei 17 Jahre alt und nicht 15. Das Portal „Moin.de“ bittet um Hinweise aus der Bevölkerung – nennt aber keine Täterbeschreibung. Wie soll das gehen?
Man könnte einwenden: Es ist noch zu früh, zu wenig bekannt. Mag sein. Aber: Die Polizei muss etwas wissen. Der Verdacht: Sie traut sich nicht, es offen zu sagen. Es wird auf Zeit gespielt, vertuscht. Wie leider allzu oft.
Warum?
Auch nach Eckernförde muss ich mir wie so oft die Frage stellen: Warum wählt eine Mehrheit die Parteien, die für die Zustände in diesem Land, für die Erosion der Sicherheit und des Wohlstandes, die Verantwortung tragen? Warum vertrauen so viele weiter den Medien, die all das seit vielen Jahren vertuschen?
Wohl, weil Verdrängen einfach viel bequemer ist als hinzusehen. Weil wir das erleben, was Soziologen als „Wohlstandsverwahrlosung“ bezeichnen. Weil es viel zu vielen immer noch so gut geht, dass sie nicht genau hinsehen. Weil sie sonst wahrhaben müssten, dass ihnen das Fundament ihres Wohlstands unter den Füßen weggezogen wird. Und ihre Sicherheit.
Aber das wollen zu viele einfach nicht wahrhaben. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs schrieb der Gründer von „Telegram“, Pawel Dorow, die Emirate seien trotz der Bombardierung durch den Iran noch sicherer als viele Orte in Zentraleuropa. Aber so etwas will die Mehrheit nicht hören. Weil sonst ihre Wohlstands- und Sicherheitsillusion zerplatzen würde. 
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