Ja, ich weiß: Es wird wieder böse, hämische Kommentare geben. Auch von Kollegen. „Katzenbilder bei Reitschuster! Ha, ha!“ oder „Auf den Hund gekommen!“ Aber wissen Sie was – es ist mir egal. Wenn ich meine Reichweite nicht dazu nutzen würde, zu versuchen, Geschöpfen in Not zu helfen – ich würde mich schämen.
Beim Katzenfüttern gestern entdeckte ich ein Katzenbaby, verdreckt, krank, die Augen kaum offen, dehydriert. Ich schickte sofort zwei Fotos einem Freund in München, der Tierarzt ist. Sein Verdikt: „Die muss sofort zum Tierarzt“. Ich fragte zurück: „Reicht morgen noch?“ Sein Verdikt: „Nein, heute! Und zwar sofort!“
Damit war der Abend ausgefüllt.

Alle Tierkliniken waren schon geschlossen – und mit dem 1. Mai stand ein Feiertag bevor. Über das Internet habe ich Luanne gefunden, eine Amerikanerin, die sich ganz dem Retten von Straßentieren verschrieben hat. Sie war gerade bei einem Tierarzt, der ihr hilft – Nick. Er blieb extra länger da.
Die Kleine ist jetzt in besten Händen:

Luanne versorgt das Katzenbaby jetzt bei sich zu Hause. Wie viele andere. Sie wollte nicht mal Geld – obwohl sie bei dem Tierarzt schon tief in der Kreide steht – und obwohl der nur die Medikamente berechnet, und oft nicht mal die – und auch die Arbeitszeit stellt er nicht in Rechnung. Wer Luanne Zuhause besucht, fühlt sich fast wie in einem Tierheim – das ganze Haus ist voller Katzen, selbst das Bad; dabei ist für sie eigentlich schon die Miete eine große Belastung, seit vor sieben Jahren ihr Mann starb, kurz nach ihrem Sohn.

Menschen wie Luanne sind für mich Helden. Sie sind der Gegenentwurf zu all den Ego-Monstern in Politik, Medien und der restlichen Öffentlichkeit. Sie sind es, die mich davor bewahren, den Glauben an die Menschheit zu verlieren.
Ich habe Luanne versprochen, dass ich über sie schreiben werde. Dass ich versuchen werde, bei meinen Lesern ein neues Zuhause für die kleine Katze zu finden (ich würde sie natürlich selbst aufnehmen, wäre es bei mir nicht schon voll, ich habe schon drei Straßenkatzen adoptiert, und die wehren sich gegen Neuzugang). Ich hoffe, dass sich auch noch für die anderen kleinen Kätzlein, die Luanne gerettet und bei sich aufgenommen hat, ein gutes Zuhause findet – sie haben es verdient. Es sind so liebe, dankbare kleine Wesen.
Hoffnung für die Kleinen
Obwohl Luanne und der Tierarzt das nicht wollten, habe ich ihnen natürlich etwas gespendet.

Keine Kraft dem Hass
Meine Spötter werden jetzt lachen und den Kopf schütteln. Sollen die das ruhig tun. Wer kein Herz für Tiere hat, hat kein Herz. Je älter ich werde, umso öfter ertappe ich mich bei dem Gedanken, die Politik Politik sein zu lassen und meine Zeit dem zu widmen, wo ich wirklich helfen kann. Tieren. Weit weg von all den Eitelkeiten, Konkurrenzkämpfen, Intrigen des Medien- und Politikbetriebs. Beim Existentiellen. Keine Angst, ich ziehe mich nicht dafür zurück. Noch nicht. Aber vielleicht irgendwann. Ja, hoffentlich irgendwann.
PS: Darüber, was die Geschichte mit dem Katzenbaby alles in mir ausgelöst hat, und warum ich mich frage, wer hier wen rettet, habe ich in meinem persönlichen Briefing geschrieben. Ausnahmsweise verlinke ich es hier, weil mir die Sache so am Herzen liegt. Sie können das Briefing über diesen Link kostenlos und jederzeit kündbar abonnieren.
PPS: Lesen Sie hier die Geschichte von Spock, den ich 2023 genauso wie jetzt das Kätzchen buchstäblich zwischen Leben und Tod als Katzenbaby auf der Straße entdeckte – und der inzwischen als stolzer, kräftiger Kater Familienmitglied ist.

Bilder: Boris Reitschuster/privat
Für Sie empfohlen:

