Erwischt! CNN-Insider: Wir wollten »Trump aus dem Amt kriegen« Wie sich eine "Verschwörungstheorie" bewahrheitet

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung

Das US-amerikanische Enthüllungsportal „Project Veritas“ arbeitet mit denselben unfeinen Methoden, die im Mai 2019 den damaligen FPÖ-Vorsitzenden und österreichischen Vizekanzler Armin Strache seine Ämter gekostet haben. Aber anders als im Fall von Strache werden die Veritas-Enthüllungen aus den USA von den großen deutschen Medien nicht aufgegriffen und darüber berichtet. Wahrscheinlich, weil sie nicht die ”Richtigen”, sondern die ”Falschen” bloßstellen.

Ein besonders spektakulärer Fall des Projekts Veritas war etwa ein heimlich aufgezeichnetes Gespräch mit einem Justiziar des staatlichen US-Fernsehsenders PBS (Public Broadcasting Service), der vielen Deutschen noch von der Sesamstraße her bekannt sein dürfte. Allerdings hatte das, was PBS-Jurist Michael Beller darin im Plauderton zum Besten gab, so gar nichts von einer bunten Streiterei zwischen Ernie und Bert.

Umerziehungslager für die Kinder von Trump-Anhängern

»Es sind besondere Zeiten«, erklärte Beller. Donald Trump sei »nah dran an Adolf Hitler«. Und wenn die Demokraten die Präsidentschaftswahl im November nicht gewinnen würden, müsste man wohl »Molotow-Cocktails ins Weiße Haus schmeißen«.

Auch die Trump-Anhänger bereiteten dem PBS-Mann Sorgen, weil sie nämlich »eine Generation intoleranter, schrecklicher Menschen großziehen«. Trotzdem würde man sich für die fehlgeleiteten »republikanischen Wähler« natürlich einsetzen. Die Heimatschutzbehörde (homeland security) sollte »sich ihrer Kinder annehmen… und sie in Umerziehungseinrichtungen bringen«. »Aufklärungs-Camps«, wo sie »Sesamstraßen-Figuren in den Klassenzimmern haben und täglich PBS sehen können.«

»Irreführendes Video«

Das war nicht nur fanatisch. Das war toxisch. Entsprechend rasch ruderte der Sender zurück. Zuerst wurde aus dem Top-Juristen (contract lawyer in PBS‘ general counsel office) im Senderhauptquartier in Arlington, keine 10 Autominuten entfernt vom Weißen Haus, ein Angestellter der »mittleren Ebene« ohne Verantwortung für »redaktionelle Inhalte«. Anschließend verlor der offenbar völlig unwichtige Mitarbeiter seinen Job, denn: »Bei PBS gibt es keinen Platz für Hass-Rede…«.

Und PBS-Chefin Paula Kerger schob noch eilig einen Brief an die Angestellten hinterher: »Kürzlich haben wir erfahren, dass ein Mitarbeiter der Rechtsabteilung von PBS vom Project Veritas angesprochen wurde – einer rechtsextremen Aktivistengruppe, die dafür bekannt ist, irreführende Videos zu produzieren. «Was an dem aktuellen Video »irreführend« war, erklärte der Brief nicht. Und auf die Idee, dass der Jurist vielleicht schon auch eine innere Haltung beim Sender ganz oder teilweise wiedergegeben haben könnte, kam auch niemand. Weder innerhalb der Anstalt noch außerhalb. Und in den deutschen Medien wurde über den Fall gar nicht erst berichtet. Hier laufen PBS-Dokumentationen mit Titeln wie »Amerikas neuer Nazis-Aufmarsch in Charlottesville«, »American Patriot – Aufstand gegen den Staat« oder auch »Beeindruckende Tierwelt« recht häufig bei den Öffentlich-Rechtlichen. Bei Phoenix, arte, ZDFinfo oder auch auf dem Kultursender 3sat.

Technischer Direktor bei CNN

Die neueste Enthüllung des Veritas-Projekts betrifft nun nicht den kleinen Sender PBS, sondern den Nachrichten-Riesen CNN. Den Sender, dessen Vertreter Trump während seiner Pressekonferenzen immer wieder als »Fake News« beschimpft hatte. Eine Herabwürdigung der freien Presse, die ARD und ZDF immer wieder aufnahmen, um dem deutschen Publikum zu zeigen, wie stillos, undemokratisch und faktenfern der Mann im Weißen Haus ganz offensichtlich ist.

Und weil das so war, interessierte sich auch niemand von den Qualitätsmedien für die neuste Veritas-Veröffentlichung vom 13. April 2021. Diesmal war ein Mann namens Charlie Chester in die Veritas-Falle getappt. Chester ist seit 2018 als technischer Direktor (TD) bei CNN angestellt. Ein TD ist normalerweise der Chef einer Fernsehcrew, die beispielsweise eine Live-Sendung in einem TV-Studio herstellt. Er ist verantwortlich für den technischen Teil von Ablauf- und Senderegie. In dieser Funktion war Chester auch an der Berichterstattung über Präsidentschaftswahlkampf und -wahlen 2020 beteiligt. Man kann also von einem Insider sprechen, der ganz nah dran gewesen ist an denen, die der Zuschauer im Fernsehen sieht, also an den Moderatoren und an denen, die für die Inhalte verantwortlich sind, den Redakteuren.

Das ist »Propaganda«

Trumps »Hand hatte gezittert oder so ähnlich«, erklärte Chester. Und »wir haben unzählige Mediziner daran gesetzt, um eine Story daraus zu machen. Alles nur Spekulationen: dass er neurologisch geschädigt sei und den Verstand verliert, nicht mental fit ist und so weiter. Wir haben da eine Geschichte erzählt, ohne etwas zu wissen. Ich denke, das ist Propaganda«. Und »wir haben in dieser Zeit nichts anderes gemacht«.

Umgekehrt verfuhr man mit der Gesundheit von Trumps vier Jahre älterem Herausforderer Joe Biden. Dessen mentale Aussetzer hatten bereits Anfang 2020 Fragen zu seiner Fitness aufgeworfen. Also habe man Biden beim Jogging gezeigt, um von seinem »Alter abzulenken«. Das Narrativ dahinter sei gewesen: »Ich bin gesund«. Und Bidens »Pilotenbrille« habe ihn wie einen »jugendlichen Greis« aussehen lassen, so Charlie Chester im Plauderton.

Wir wollten Trump »aus dem Amt rauskriegen«.

»Unser Fokus lag darauf, Trump aus dem Amt rauszukriegen. Ohne es laut zu sagen. Das war’s«.»Und: was haben wir gemacht? – Wir haben ihn rausgekriegt. Und unser nächstes Ding wird das Bewusstsein für den Klimawandel sein«.

Vorher muss allerdings noch die Corona-Pandemie bewältig werden: »Ich denke, es gibt da eine Corona-Müdigkeit… Im Büro haben sie bereits angekündigt, dass wir uns, sobald die Öffentlichkeit dafür offen ist, hauptsächlich mit dem Klima beschäftigen werden«.

Ja, die Zeiten von Peter Arnett, der vom Dach des Bagdader Hotels Raschid während des zweiten Golfkriegs 1991 live berichtet hatte, sind lange vorbei. Inzwischen liegt CNN auch in der Zuschauergunst nur noch auf Platz 2. Hinter dem in Deutschland verpönten konservativen Sender Fox News.

CNN musste Falschmeldung zurückziehen

Und auch die journalistischen Standards sind nach unten gegangen. So kam eine Studie der Harvard Kennedy School zur Berichterstattung über die ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump zu dem Ergebnis, dass 93 Prozent aller Berichte von CNN negative Inhalte transportiert haben. Sieben Monate später, im Dezember 2017, veröffentlichte der Sender dann einen Bericht, der illegale Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam sowie WikiLeaks und Moskau beweisen sollte. Danach deckte die Washington Post auf, dass der Sender zentrale Fakten falsch dargestellt hatte. CNN musste zurückrudern und seine Falschmeldung eingestehen.

Die Liste ließe sich durchaus fortsetzten. Auch bei der Berichterstattung über den sogenannten »Sturm auf das Kapitol« hat sich der Sender nicht gerade mit dem Ruhm der Sachlichkeit bekleckert.

»Was deutsche JournalistInnen von CNN lernen können«

Trotzdem gilt das Nachrichten-Schlachtross vielen deutschen Journalisten immer noch als Goldstandard in Sachen Qualität. So twitterte etwa Georg Restle vom ARD-Politmagazin Monitor am 8. November 2020: »Was deutsche JournalistInnen von CNN lernen können: Nüchternheit in den Fakten, klare Kante bei kommentierenden Einordnungen – und mehr Diversität bitte! Da ist noch jede Menge Luft nach oben bei uns.«

Nun, die von Restle bei CNN diagnostizierte »Diversität« ist keine Leistung von CNN, sondern ein Ergebnis der amerikanischen Geschichte. Und deshalb findet man sie auch bei Fox News und sogar im »War Room Pandemic« von Stephen K. Bannon. Dessen Co-Moderator heißt übrigens Raheem Kassam. Kassam ist gebürtiger Brite, und seine indischen Eltern stammen aus dem ostafrikanischen Tansania. Wenn das nicht mal »Diversität« pur ist! – Trotzdem findet man den 35-jährigen Ex-Muslim in der Berichterstattung von Restles Muttersender ARD nicht. Anders als den »alten weißen Mann« Steve K. Bannon. Denn der verkörpert den »Rechtspopulisten« mit Hang zu Nationalismus und Rassismus natürlich viel besser.

Dabei spricht der 67-jährige Chefstratege der MAGA-Bewegung (»Make America great again«) von sich selbst als US-amerikanischen »Nationalisten«. Und es zeugt schon von einiger Ignoranz in den deutschen Leitmedien, Bannon als Nationalisten alter europäischer Prägung darzustellen, womit er quasi ganz automatisch auch zum Rassisten wird. Um dieses einseitige Narrativ nicht zu gefährden, las man hierzulande nach der US-Präsidentschaftswahl auch nahezu nichts über Trumps Wahlerfolge in den einzelnen Bevölkerungsgruppen:

Trump-Wähler20162020Veränderung in Prozentpunkten
weiße Frauen52 %55 %+ 3 %
weiße Männer63 %58-60 % 3 bis -5 %
schwarze Frauen4 %9 %+ 5 %
schwarze Männe13 %18 %+ 5 %
Latino Frauen26 %30 %+ 4 %
Latino Männer 33 %36 %+ 3 %
andere Ethnien32 %38 %+ 6 %
LGBT-Community16 %28 %+ 12 %
Quelle: BBC (reuters), Wikipedia (Edison Research), PinkNews

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Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Olga Ganovicheva/Shutterstock
Text: Gast

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