Frau Tur Tur? Angela Merkel – eine Schein-Riesin?

Erinnern Sie sich an Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer? Das Märchen von der Insel Lummerland, das vor allem durch die Augsburger Puppenkiste berühmt wurde. Eine der einprägsamsten Figuren in dem 1960 erschienenen Kinderbuch von Michael Ende ist der Scheinriese Tur Tur. Er wirkt aus der Entfernung wie ein furchteinfößender Gigant. Doch je näher er einem kommt, umso mehr schrumpft er auf Normalmaß, bis er dieses schließlich erreicht.

Michael Ende beschreibt Herrn Tur Tur als friedlichen, empathischen, hilfsbereiten und einsamen, aber eigentlich geselligen Zeitgenossen. Ob der Scheinriese in dieser Hinsicht Bundeskanzlerin Angela Merkel ähnelt, mag dahingestellt bleiben. In Sachen „Beliebtheit“ wirkt die Regierungschefin aber genau wie Herr Tur Tur. Wie eine Scheinriesin. Nur dass sie im Gegensatz zu Herrn Tur Tur bei Näherkommen nicht an Sympathiepunkten gewinnt, sondern verliert.

In den Medien wird die Kanzlerin verehrt wie eine Heilige. Reihenweise schrumpfen Journalisten, die sie eigentlich kontrollieren sollten, zu Ikonenmalern. Jede Stunde verliebt sich eine Journalistin (m/w/d) in Merkel, möchte man fast sagen, wenn man Artikel liest wie den von Florian Harms. Der Chefredakteur von „T-Online“ (v)erklärte die Kanzlerin zum „Licht in der Finsternis“. Ähnlich die ARD: „Nur noch schnell die Welt retten…. oder wenigstens #Europa mit geballter Frauen-Power“ mit diesem Begleittext und drei Bizeps-Symbolen twitterte Gudrun Engel, Korrespondentin im ARD-Studio Brüssel, auf der twitter-Seite der Tagesschau einen Redeausschnitt der Kanzlerin. Nordkorea lässt grüßen. Die Liste solcher journalistischen Bauchpinselei ließe sich schier endlos fortsetzen (siehe meinen Beitrag „Heilige Angela, steh´ uns bei). Und auch bei Umfragen zur Beliebtheit der Bundesregierung gibt es sehr viele Fragezeichen (siehe meinen Beitrag „Hocus Pocus Fidibus, und fertig ist die Umfrage?„)

Umso erstaunlicher und wichtig ist, was mir mein Leser Thomas E. zuschickte. Er analysierte die Leserreaktionen auf einen Beitrag mit einer Bilanz Merkels. Gut 27 Stunden nach Erscheinen des Beitrags waren dazu 97 Kommentare zu finden. „Alle von Lesern mit richtigen Namen, also Vor- und Nachnamen“, wie Thomas E. schreibt:

„Von diesen 97 Kommentaren sind zwei positiv. Bei drei Kommentaren weiss man nicht, was man davon halten soll, weil sehr ironisch. Z.B. „Uns Fransosen hat Ihre Kanzlerin sehr geholfen. Großzügig hat sie Gelder versprochen und auch gezahlt. Dadurch kann sich auch unser kleiner Napoleon über Wasser halten. Sie schaffen das,- weiter so!“ Realistischerweise ist das auch eher negativ gemeint. 

Aber über 90 Kommentare befinden die Bilanz der Bundeskanzlerin eindeutig negativ. Ständig Begriffe wie desaströs, katastrophal, das dicke Ende kommt erst noch, höchste Zeit zum gehen und so weiter und so fort. 

Es ist doch nicht zu fassen, wie uns dennoch viele Medien diese Frau als super beliebt verkaufen wollen. Auch in meinem Umfeld, das wirklich vielschichtig ist. Arbeit, Blaskapelle, Fussballtrainer in der F-Jugend (da die Eltern der Spieler), Gespräche mit verschiedensten Bekannten. Fast alle halten die Merkel im Vier-Augen-Gespräch für unterirdisch oft sogar für bösartig. Unglaublich, wie wir von vielen Mainstream-Medien und vom Staatsfunk belogen werden!“

Als Thomas E. später noch einmal nachzählte, kam er auf 129 Kommentare. Davon sind 112 Kommentare negativ, also 87 Prozent. Sechs Kommentare positiv, also vier Prozent Neutral oder nicht zuzuordnen sind laut Thomas E. elf Kommentare, mithin neun Prozent. Und das beim Focus. Im gedruckten Heft, wo die Debatte eigentlich ihren Widerhall finden sollte, ist von den 112 negativen Kommentaren fast nichts zu finden, zumindest nicht von den scharfen. Wer dort die Debatte verfolgen will, bekommt den Eindruck, die Leser seien eher für Merkel oder allenfalls unentschieden bzw. sehr moderat kritisch. Und das, obwohl der Focus auf dem Online-Forum versprochen hat: „Die interessantesten Beiträge druckt FOCUS in seiner nächsten Ausgabe auf den Leserseiten ab.“

Auch wenn die Leserbriefe bzw. das Verhältnis von positiven und negativen Reaktionen dort alles andere als objektiv und repräsentativ sind – sie sind doch eine wichtige Momentaufnahme in Zeiten, in denen sehr viele Journalisten zu Hosianna-Singern geworden sind und viele Meinungsforscher zu Hofnarren.

Gegenmeinungen sind insbesondere wichtig, wenn man beachtet, wie die Massenpsychologie und der Konformitätsdruck funktionieren. So lange der Eindruck erweckt wird, eine überwiegende Mehrheit der Bundesbürger sei geradezu begeistert von „Mutti“ Merkel, werden sich viele nicht trauen, ihre eigene, abweichende Meinung zu artikulieren. Umso schlagartiger wird die Schein-Popularität der Kanzlerin zusammenbrechen bzw. wie eine Seifenblase an der Realität und der einsetzenden Wirtschaftskrise zerplatzen – mit der Gefahr von erheblichen Nebenwirkungen für die Demokratie.


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Bilder: Pixabay

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