Gesundheitsamts-Chef fordert Ende von Test-, Überwachungs- und Regelungswahn Vernichtende und mutige Abrechnung

In einer funktionierenden Medienlandschaft hätte die Nachricht ganz breit durch Funk und Fernsehen gehen müssen, und eine breite Diskussion auslösen. In Deutschland 2021 vermeldeten nur ganz wenige Blätter die Forderung des Chefs des Frankfurter Gesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. med. René Gottschalk, sowohl Maskenpflicht als auch Testpflicht an den Schulen abzuschaffen.

Dabei ist der streitbare Frankfurter Amtsarzt nicht allein. Auch seine frühere Stellvertreterin, Prof. Dr. med. Ursel Heudorf steht ihm bei den Forderungen zur Seite. Demnach solle „angesichts der erheblichen Effekte des Lockdowns auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder … im Herbst 2021 ein normaler Betrieb … stattfinden – mit guter Hygiene (Husten- und Niesetikette, Händehygiene) ohne Test- und Maskenpflicht“.

Erschienen ist die Forderung in einem gemeinsamen Artikel der beiden Professoren im aktuellen Hessischen Ärzteblatt. Sie beziehen damit öffentlich Position gegen die zahlreichen Stimmen aus Politik und Wissenschaft, die auch im neuen Schuljahr bis mindestens Anfang 2022 auf Maskenpflicht und Wechselunterricht setzen. „Das ,Narrativ‘, dass asymptomatisch infizierte Kinder häufig die Viren unerkannt übertragen und so die Erreger verbreiten und dadurch ggf. auch schwere Erkrankungen bei vulnerablen Personen verursachen, hält sich hartnäckig“, schreiben die beiden Ärzte: „Aber es gibt keine Daten, die diese Befürchtungen jemals belastbar bestätigt haben.“

Weiter heißt es in dem Beitrag: „In Kitas und Schulen wurden bei Tausenden von Untersuchungen enger Kontaktpersonen stets nur wenige Fälle positiv getestet – wobei meist nicht erwiesen werden konnte, dass eine Übertragung in der Schule oder Kita stattgefunden hatte. Im Gegenteil, Kinder stecken sich häufig im familiären oder Freizeitumfeld an; dies zeigten die Daten nach den Osterferien 2021 eindrücklich.“

Eine landesweite Erhebung aus sämtlichen Schulen und Kitas in Rheinland-Pfalz bis Ende Dezember 2020, also noch vor der Antigen-Testpflicht, habe gezeigt, „dass es nur bei jedem sechsten Indexfall zu Übertragungen kam: Waren Lehrer die Indexperson, kam es dreimal häufiger zu Transmissionen verglichen mit Kindern als Indexpersonen“, schreiben Gottschalk und Heudorf. Die Daten des RKI bestätigten für ganz Deutschland, dass in Kindergemeinschaftseinrichtungen sich eher selten und wenn dann kleine Ausbrüche ereignen im Vergleich beispielsweise mit Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen.

Das Fazit der Professoren: „Kindergemeinschaftseinrichtungen sind keine Risikobereiche. Mit einer guten Hygiene (AHA L-Regeln) waren Einträge in Kindergemeinschaftseinrichtungen gut zu beherrschen – im Präsenzunterricht ohne Antigentestpflicht – selbst bei hohen Inzidenzen in der Gesamtbevölkerung.“

Die in den letzten Wochen „breit diskutierte, inzwischen aber auch von der Politik abgelehnte Forderung der Impfung für Kinder als Voraussetzung für den Schul- und Kitabesuch im Herbst“ lehnen die beiden Autoren als „absurd“ ab.

Aber nicht nur für Kinder fordern die beiden Mediziner ein Umdenken: „Wir müssen den Sommer nutzen, uns wieder auf bewährte Vorgehensweisen zu besinnen und von dem Test-, Überwachungs- und Regelungswahn im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 wegkommen.“ Auch was sie weiter fordern, klingt für heutige Verhältnisse fast schon revolutionär: „Keine anlasslosen, d.h. nicht medizinisch indizierten Tests mehr bei asymptomatischen gesunden Menschen. Keine umfangreichen Isolierungs- und Quarantänisierungsmaßnahmen aufgrund fragwürdiger Tests, zu denen die Gesundheitsämter entgegen besserem (aber von der Politik konsequent ignoriertem) Wissen verpflichtet waren (in Einzelfällen können sie durchaus erforderlich bleiben). Keine umfassenden einschränkenden Maßnahmen aufgrund immer wieder neuer ,Inzidenzen‘ bzw. ohne Datengrundlage und ohne differenziertes Abwägen von deren Nutzen und Risiken (mildestes Mittel).“

„Wesentlich ist, den Alarmismus endlich zu verlassen und Wissen statt Angst zu verbreiten“, so der Gesundheitsamts-Chef und seine frühere Stellvertreterin: „Nötig ist eine gute Risikokommunikation, die die Risiken durch SARS-CoV-2 in Beziehung setzt zu anderen – allgemein akzeptierten – Risiken. Nur eine nüchterne Betrachtung (nicht Verharmlosung!) der Risiken von SARS-CoV-2 ermöglicht die Ableitung angemessener Schutzmaßnahmen (z. B. Impfung, Masken, Hygiene).“

Für solche Sätze drohte man bisher aus dem öffentlichen Diskurs ausgegrenzt und als „Corona-Leugner“ bzw. „Corona-Verharmloser“ diffamiert zu werden. Umso mutiger ist der Beitrag der beiden Frankfurter Professoren. Sie stellen sich damit in eine Reihe mit dem österreichischen „Widerpart“ von RKI-Chef Lothar Wieler in Deutschland, Professor Dr. Franz Allerberger, Leiter der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Ohne den PCR-Test wäre die Pandemie niemandem aufgefallen, so die Grundaussage des Mediziners in einem Interview.

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Bild: Shutterstock
Text: br


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