Ärzteprotest gegen Strafversetzung von Amtsarzt Offener Brief an Bayerische Landesregierung

Nach der Strafversetzung des Leiters des Gesundheitsamtes in Aichach-Friedberg Friedrich Pürner regt sich jetzt Widerstand in der Ärzteschaft. Über 100 Mediziner und Wissenschaftler haben sich in einem Offenen Brief an die Landesregierung von Markus Söder (CSU) gewandt. Darin üben sie heftige Kritik an dem Vorgehen gegen den Amtsarzt und fordern die sofortige Rücknahme der Versetzung. Pürner ist vor kurzem strafversetzt worden, weil er öffentlich Kritik an der Corona-Politik übte und Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Schulunterricht in Frage stellte.
Der Brief beginnt mit einem Zitat des italienischen Schriftstellers Umberto Eco:

In der modernen Kultur preist die wissenschaftliche Gemeinschaft

den Dissens als ein Mittel zur Vermehrung des Wissens.

Für den Ur-Faschismus ist Dissens Verrat.

„Wissenschaft lebt ihrem Wesen nach vom Dissens, vom Diskurs – zu keinem Zeitpunkt kann zu irgendeinem wissenschaftlichen Thema der Anspruch einer endgültigen, absoluten und unumstößlichen Erkenntnis oder Wahrheit erhoben werden“, heißt es in dem offenen Brief.

Ein wissenschaftlicher Diskurs müsse in einer demokratischen Gesellschaft „jederzeit auch öffentlich geführt werden können“, so die Unterzeichner: „Vor allem in einer Situation, in der die Politik weitreichende Eingriffe in das menschliche Miteinander und in viele demokratische Grundrechte mit dem Verweis auf ‘die Wissenschaft zu rechtfertigen versucht.“

Weiter schreiben sie: „Friedrich Pürner hat als Wissenschaftler und Arzt von diesem unverbrüchlichen Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht, ohne dass seine Dienstpflichten als Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg hierunter gelitten hätten.“ Die von dem Behördenchef, Arzt und Epidemiologen geäußerten Positionen zu Maßnahmen und Verordnungen der bayerischen Regierung, die zu unter Fachleuten ohnehin umstrittenen seien, „waren zu jedem Zeitpunkt wissenschaftlich fundiert und ohne jedes parteipolitische Konnotat.“

Die von ihm selber als „Strafversetzung“ bezeichnete Abordnung an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherhei stellt einen „inakzeptablen autoritären Versuch dar, legitime und in der aktuellen Situation besonders notwendige ärztlich-wissenschaftliche Diskussionen zu unterdrücken“, heißt es weiter: „Die unzumutbar belastenden Rahmenbedingungen, unter denen diese Maßnahme stattfindet (Wechsel des Tätigkeitsortes binnen einer Woche) legen zudem den Verdacht nahe, dass hier ein Exempel statuiert werden soll mit gewollt abschreckender Wirkung.“

Das Vorgehen der Regierung sei „eines freiheitlich-demokratischen Staates in jeder Hinsicht unwürdig“, so die Unterzeichner:Als Wissenschaftler und Ärzte bekunden wir hiermit ausdrücklich unsere Solidarität mit Herrn Dr. Pürner und kritisieren die gegen ihn ergriffenen Maßnahmen scharf.“

Pürner hatte wiederholt Klartext gesprochen und damit bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere auf Twitter.

So schrieb er in dem sozialen Netzwerk etwa: „Mund-Nasen-Schutz im Freien nicht nötig. Gebührender Abstand (ohne Maßband) ist auch in Innenstadt möglich. Ansteckungsgefahr im Freien ist deutlich geringer als im geschlossenen Raum. Aufklärung statt Verbote!“ Auch Gesundheitsminister Jens Spahn dürfte sich nicht freuen über den kritischen Mediziner aus der Amtsstube:

Kritik übte der Epidemiologe auch an der in Bayern besonders strengen Maskenpflicht für Kinder in der Schule. Die ist aber ein Kernstück der besonders restriktiven Corona-Politik des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Der hat mit seinem harten Kurs schon mehrere Bauchklatscher hingelegt (siehe hier und hier).

 


Bild: Twitter 
Text: red

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caesar
3 Monate zuvor

Der MdL Tomaschko für de Landkreis Friedberg Aichach hat es klar formuliert: Aufgabe des Amtsarztes ist die Umsetzung der Regierungsvorgaben nicht die Verbreitung seiner persönlichen Meinung.

Paulsen, Sönke
3 Monate zuvor

Es sind weit über zweihundert Ärzte, die sich dem offenen Brief gegen die Strafversetzung Pürners angeschlossen haben. Ob das jetzt ein subjektiver Eindruck von mir ist, weiß ich nicht, aber es sind keine Uniklinik Professoren dabei, eher das Fussvolk der Medizin. (Ich kann mich auch irren, dann bitte ich  um entschuldigung). Ärzte wurden während der Pandemie massiv bevormundet. Ich erinnere mich noch gut an einen Ärztlichen Direktor, der angesichts eines Ausbruches in seiner Klinik vom RKI auf die Frage, was er denn falsch gemacht hätte, die Antwort bekam: „Ein bisschen mehr Demut bitte!“ In diesem Sinne fordere ich alle Ärzte auf, ein bisschen mehr Demut zu zeigen, die Uni-Profs tun das ja auch (müssen sie)…:)

Alois Fuchs
Antwort an  Paulsen, Sönke
3 Monate zuvor

Um zu verstehen, unter welchem Druck diese „einfachen“ Ärzte stehen, die tagtäglich mit ihren Patienten – die beiden Verfasser mit Kindern und Jugendlichen – zu tun haben, ist es vielleicht hilfreich, den modernen „Eid des Hippokrates“, also die „Erklärung von Genf“ des Weltärztebundes nachzulesen (Auszug):

Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. […] Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden. Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.

Es gibt sicher viele Ärzte, die dieses Gelöbnis ernster nehmen als eine gewisse  Politikerin ihren Amtseid, und denen es gegen ihre Standesehre geht, von weitgehend ahnungslosen Politikern Tag für Tag zur Missachtung ihrer ethischen Verpflichtung gezwungen zu werden. Ich bin froh, dass es Ärzte gibt, die dann auch den Mut aufbringen, aufzubegehren, und Hunderte andere, die sich hinter ihnen unterstützend einreihen.

Leah
Antwort an  Alois Fuchs
3 Monate zuvor

@Alois     Same here 👍

oldman_2
Antwort an  Paulsen, Sönke
3 Monate zuvor

Wenn sich Fachkollegen (=Ärzte wie ich) oder Wissenschaftler dem Appell anschließen bzw. den Offenen Brief öffentlich mitzeichnen wollen, kurze E-mail mit Angabe der Profession und des Wohnorts an [email protected] senden !
Näheres auf https://www.impf-info.de, aktueller Listenstand über 300 Unterzeichner. Klicken auf „Sie wollen uns unterstützen“, dort die info.

 

Lupo
3 Monate zuvor

Ja is denn jetz scho China?

 

Hildegard Hardt
3 Monate zuvor

Eine wichtige Unterstützung für Dr. Pürner! Allerdings wird der Inhalt des Schreibens Herrn Söder völlig kalt lassen. Machohafte Arroganz und paranoider Geltungstrieb lassen keine Selbsterkenntnis zu;
Man wird mir hoffentlich nachsehen, daß mich jede Klatsche, die den Bayerischen Landes(un)vater trifft, mit Schadenfreude erfüllt.

Norbert Brausse
3 Monate zuvor

„Dass sie sich mit dem Autor …“, dagegen habe ich doch nichts, aber dass heute nichts mehr ohne Faschismus (und sei es das bloße Wort gehen soll, dagegen habe ich etwas …

Alois Fuchs
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Gut, ich sehe so ähnlich wie „Streeck“ weiter oben, dass es in den beiden Initiatoren, Kinderärzten überdies, ganz gewaltig brodelt und kocht, dass sie für ihren Protest nach einem groben Keil auf den groben Klotz Söder suchen und den im Zitat von Eco finden, quasi als die buchstäbliche „Faust auf den Tisch“ im Sinn von (auf echt bayerische Art): „A Ruah is! Es langt! Etz red i!“ Und dass das Gebaren Söders in Bayern ebenso wie das der Kanzlerin in Berlin autoritär und undemokratisch ist, darüber dürfte es ja zwischen uns kaum einen Meinungsstreit geben. Da ist jemandem völlig zu Recht einfach der Kragen geplatzt – und nicht nur den Zweien, wie man an der ständig noch wachsenden Unterstürzerliste sehen kann.

Alois Fuchs
3 Monate zuvor

Es tut mir Leid, Herr Brausse, ich muss Ihnen erneut widersprechen. Wenn Sie nach einer Definition von „Faschismus“ suchen, werden Sie finden, dass es die inhaltlich nicht gibt, dass man allenfalls seine Wirkungsweise als undemokratisch, autoritär, totalitär, diktatorisch beschreiben kann. Also ziehen die Verfasser des Briefes die Interpretation eines weithin bekannten Schriftstellers heran, von dem man weiß, dass er in jungen Jahren aktiv am Kampf gegen den Faschismus beteiligt war. Wer, wenn nicht er, sollte wissen, was das Wesen des Faschismus ist? Umberto Eco verwendet in dem angeführten Zitat den Begriff „Ur-Faschismus“ und erklärt in gleichzeitig: Im Grunde faschistisch (meine Interpretation von „Ur-Faschismus“) ist die autoritäre Verweigerung des Diskurses („Dissens ist Verrat“), im Zitat bezogen auf den wissenschaftlichen Diskurs. Genau in diesem Sinn kritisieren die Verfasser des Briefes den bayerischen Ministerpräsidenten, höflich im Ton, in der Sache aber ziemlich unverblümt: „autoritärer Versuch, … wissenschaftliche Diskussionen zu unterdrücken“, das Vorgehen sei „eines freiheitlich-demokratischen Staates in jeder Hinsicht unwürdig“. Meiner Meinung nach haben die Ärzte sehr überlegt und bewusst eine literarische Autorität als Zeugen für ihr Anliegen aufgerufen. Meine Hochachtung – nicht zuletzt für ihren Mut, in dieser Weise an die Öffentlichkeit zu gehen und sich der evtl. zu erwartenden medialen Hexenjagd auszusetzen

Alois Fuchs
Antwort an  Alois Fuchs
3 Monate zuvor

NB: Dass sie sich mit dem Autor von „Der Name der Rose“ eines Sympathieträgers als Schutzschild gegen die medialen Hetzer bedienen, halte ich für legitim.

UN Hermann
3 Monate zuvor

Der lange Arm der alternative_losen COVID Beherrscher_inn aus BER_LIN ? Nibelungen Treue bis in den 2021 Wahl_Abgrund ?? Haben denn diese PO_litiker keinen Selbsterhaltungs_Trieb im Wahljahr kommt die Abrechnung. Sogar Grüne rudern bei „Einzeltäter“ nun an die andere Küste zum sanften Aussetzen mit 1000ten €ntschuldigungen…. Der Leser „hier“wird da wohl eine längere Erinnerung pflegen als „Unsere hier kürzer Regierenden !“

altersblond
Antwort an  UN Hermann
3 Monate zuvor

@UN Hermann….Die Gruppe der Leser „hier“ ist aber nur ein kleine Minderheit der Wahlberechtigten, auch wenn die „erst kürzlich oder schon länger Aufgewachten“ tagtäglich mehr werden. Die Schlafschafe werden wieder „Muddi – plus schleimender Anhang“ wählen, ich habe aber die Hoffnung, dass zumindest die Gruppe der Hardcore-Hypochonder der Wahl fern bleiben könnte, weil ja „die Ansteckungsgefahr so hoch ist und Corona absolut tödlich ist, wie wir alle wissen“. Jedenfalls wenn man den sinnfreien Zahlen des RKI glaubt, mit denen wir täglich berieselt werden, um die Hysterie am Köcheln zu halten.

Bernd Eck
Antwort an  altersblond
3 Monate zuvor

Dafür gibt es doch die Briefwahl. Auch damit kann man in heutigen Zeiten vieles machen, wie man gerade in den USA beobachten kann. In Deutschland fehlen nur noch die Wahlautomaten, die ein Ergebnis in gewünschte Richtungen bringen können.

altersblond
Antwort an  Bernd Eck
3 Monate zuvor

Das ist richtig, aber Hardcore-Hypochonder fassen ja nix an ohne Handschuhe. Ich hab mal so eine Type erlebt, Anfang April, der stand die ganze Zeit im Treppenhaus, am geöffneten Fenster, Maske auf, Gesichtsschild zusätzlich und Latex-Handschuhe an. Als ihm das Rezept rausgebracht wurde, auf das er gewartet hatte, steckte er es in eine extra Plastiktüte, die Tüte dann in seinen Jutebeutel. Wahrscheinlich hat er das dann zuhause desinfiziert, Tüte und Beutel gleich mit, bevor er es bei der Apotheke abgab. Und mit den Biefwahlunterlagen wird er es dann wahrscheinlich genau so machen, darauf wimmelt es ja von Leben. Und wer das alles schon angefasst hat. ……. Solche Typen tragen nicht nur einen Gürtel in der Jeans, die haben auch noch zusätzlich extra breite und stabile Hosenträger an.

Leah
3 Monate zuvor

Der Leiters des Gesundheitsamtes Friedrich Pürner hat recht und ich würde diesen Brief auch mit unterschreiben!

Unzählige Kinderärzte, Arbeitsmediziner, Virologen, Epidemiologen, Professoren, (Neuro) Wissenschaftler, Psychologen und Infektologen kommen in zahlreichen Studien, Analysen und Schriften zu gleichen Ergebnissen.

Nur werden all diese Expertenstimmen sträflich unterdrückt und stattdessen wird zur Ketzerei aufgerufen oder offen in den Medien aufgefordert,  kritische Ärzte der Ärztekammer zu melden. Das sind skandalöse Zustände! Das muss aufhören!!

Auch die Deutsche Unfallversicherung hat sich,  (weil es letzten Endes auch immer um Haftungsansprüche geht),  zu den Masken bei Kindern und Jugendlichen ausgesprochen und „den dringenden Verdacht einer direkten Gesundheitgefährdung“ begründet ausgearbeitet:

https://drive.google.com/file/d/1nvV3SGPeVJEcLG4njq9c-Uj3XBSx6Mel/view

michael p.
Antwort an  Leah
3 Monate zuvor

Hört sich gut an „Deutsche Unfallversicherung“ , nur leider gibt es die nicht. Oder liege ich da falsch, dann bitte einen Link.
Es gibt die DGUV das ist die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung, da findet man aber nichts Kritisches über Masken. Leider.

Alois Fuchs
3 Monate zuvor

„Darin üben sie heftige Kritik an dem Vorgehen des Amtsarztes“ – sollte doch wohl eher „… an dem Vorgehen gegen den Amtsarzt“ heißen, oder?

Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Wieso muss man in einer Präambel einen Bezug zum Faschismus herstellen, um sich sofort indirekt von ihm distanzieren zu können und sich von welchem Verdacht rein zu waschen? Wieso genügt es nicht mehr, den Sachverhalt, den man kritisieren oder diskutieren möchte, einfach wissenschaftlich nüchtern zu beschreiben? War es nicht bisher nur in Diktaturen üblich, gleich am Anfang einer Dissertation ein Loblieb auf die Herrschenden zu singen und gleichzeitig deren Feinde vehement zu  verzeugen? Ja, was wollte ich eigentlich noch schreiben?

 

Norbert Brausse
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

… zu verteufeln …

Alois Fuchs
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Tut mir Leid, Herr Brausse, aber ich kann nicht erkennen, dass sie sich „sofort indirekt von ihm distanzieren“. Sie beginnen mit einem Donnerschlag und setzen ihre Argumentation in etwas (!) gemäßigter Tonart fort, ohne es dabei an Klarheit fehlen zu lassen. Mir nötigen die Verfasser höchsten respekt ab.

Norbert Brausse
Antwort an  Alois Fuchs
3 Monate zuvor

Natürlich verdienen sie den Respekt, Herr Fuchs, aber hätte es ein rein wissenschaftliches Zitat nicht auch getan? Vor 20 oder 30 Jahren hätten sie es doch so gemacht. Nur darum geht es mir doch.

Bernd Eck
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Ich verstehe Ihr Problem nicht. Am Anfang steht ein Zitat das deutlich macht, das freie Meinungsäußerung in diesem Land mittlerweile an vielen Stellen zu Konsequenzen führt. Wir haben bei den Themen Corona, Klima, Gender, Feminismus, etc. mittlerweile einen Meinungs-Faschismus, der über die großen Medien verbreitet wird und kaum noch abweichende Meinungen zulässt und letztendlich in einem totalitären System enden wird. Beim Thema Corona sind wir ja bereits in einer Hygienediktatur angekommen und die Gegner dieser Politik, die alle nüchterne Zahlen und Studien bereit halten, lässt man soweit wie möglich nicht zu Wort kommen oder versucht auch schon, sie an Anreisen in Bundesländer wider besseren Wissens zu hindern. Sie können das ja alles mit nüchternen Worten beschreiben, mit demokratischen Vorgängen hat aktuell vieles nicht mehr zu tun. In diesem Zusammenhang ein Zitat zu verwenden, das auf so eine Entwicklung hinweist, ist nicht nur legitim, es ist unbedingt notwendig zu verdeutlichen, auf welchem Weg unser Land sich befindet.

Norbert Brausse
Antwort an  Bernd Eck
3 Monate zuvor

Ja, Herr Eck, das merke ich, dass Sie und auch viele andere mich nicht verstehen und das muss ich akzeptieren. Was ist denn Faschismus? Ein diktatorisches Regierungssystem …, für das nach Umberto Eco der Dissens nicht zur Vermehrung des Wissens beiträgt sondern Verrat ist. So weit, so gut. Jedoch, so denke ich, wollen die 100 Ärzte, … nicht behaupten, dass wir uns bereits im Faschismus befinden oder dorthin bewegen, sondern nur ihren Widerspruch mit der Boshaftigkeit des Faschismus zu legitimieren versuchen, um sich a priori von jeglichem Verdacht, etwas Böses tun zu wollen, freizusprechen.

Norbert Brausse
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Ich merke, man begreift mich noch immer nicht: Ich bin gegen die inflationäre Verwendung des Begriffes „Faschismus“, insbesondere dort, wo er überhaupt nichts zu suchen hat. Lesen Sie bitte Herrn Reitschusters Bücher über seine Zeit in Russland. Dort finden Sie Beispiele darüber, wie Menschen während der Zeit der Sowjetunion mit der bloßen Aussage „Du bist ein Nazi“ …, aber lesen Sie bitte selbst. Und genauso stört es mich, wenn auf Demos Schilder mit „Nazis raus“, Menschen, die nie Nazis waren oder sind, zum Verlassen eben dieser Demo aufgefordert werden. Warum steht dort beispielsweise nicht „Diskutiert mit uns“?

Bernd Eck
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Ich bin der Auffassung, dass sie das Zitat nicht verstehen. Für mich bedeutet es, das im Faschismus Dissens nicht toleriert und nur die vom Staat vorgegebene Meinung das einzig Erlaubte ist. Und genau in dieser Situation befinden wir uns aktuell bei vielen Themen und daher ist der Vergleich durchaus angebracht. Wer hier verharmlost, erkennt nicht wie ernst die Bedrohung unserer freiheitlichen Wert wirklich ist.

Streeck
Antwort an  Norbert Brausse
3 Monate zuvor

Sehr geehrter Herr Brausse, an der gewählten Formulierung sieht man eindeutig, wie überhitzt die Debatte (oder eben nicht Debatte) inzwischen ist. Grundsätzlich bin ich bei Ihnen, was die Besonnenheit und Sachlichkeit angeht. Doch ich verstehe auch die Ärzte, denen das Blut hochkocht, bei dem, was hier gerade vor sich geht in diesem Land und in Bayern insbesondere. Vielleicht sollte man diese Formulierung als das nehmen, was sie meines Erachtens ist, ein Symptom für die vielen Dinge, die sehr falsch laufen im Moment. Ich bin jedenfalls froh, dass es diesen Brief gibt. Egal, wie gut oder schlecht er formuliert sein mag.