Handyraub in Buenos Aires – das Schlimmste kam danach 2.358 Euro weg, Gesichtserkennung ausgetrickst – aber auch das war nicht der größte Schock

Am Donnerstag habe ich hier darüber geschrieben, wie mir in Buenos Aires bei den Feiern des argentinischen Halbfinal-Sieges mein Smartphone geraubt wurde.

Was seitdem passierte, ist so spannend, dass ich es Ihnen erzählen möchte. Die Räuber konnten sich in eine Banking-App einloggen und einmal 1.000 und dann noch 1.358 Euro abbuchen. Gott sei Dank nur bei einer Bank – einer deutschen Onlinebank. An der Sparkasse, an Wise und Revolut sowie einem Online-Broker bissen sich die Räuber die Zähne aus.

Warum das Sicherheitssystem der deutschen Onlinebank versagte, ist mir ein Rätsel. Irgendwie müssen die Räuber die Gesichtserkennung ausgetrickst haben – anders ist es technisch nicht möglich, kein anderer Zugang war da. Auch das iPhone war sofort als verloren gemeldet im System und damit unbrauchbar. Es ist mir ein Rätsel, warum das Betrugs-Warnsystem zudem bei nächtlichen Überweisungen aus Buenos Aires nach Estland, wohin ich noch nie was überwiesen habe, ohne Verwendungszweck, mit vierstelligen Beträgen, erst ab der dritten Überweisung Alarm schlug.

Die Bank versagte

Ich hoffe, dass die Bank nun wenigstens Schadenersatz leistet, wozu sie das Gesetz verpflichtet. Zumal ich wegen des Raubs natürlich auch Strafanzeige erstattet habe – die drei Stunden auf der Polizeiwache – nicht die schönsten in meinem Leben – waren also nicht umsonst.

Die Südamerika-Reise habe ich abgebrochen, stieg ins nächste verfügbare Flugzeug und bin seit Freitag wieder Zuhause.

So sehr ich auf Apple wegen seiner Wokeness und Bevormundung allergisch bin – die Sicherheitsfunktionen sind genial, und ebenso die Wiederherstellung. Keine Stunde nach dem Kauf eines neuen iPhones ging fast alles schon wieder. Und es fühlt sich so an, als hätte ich das alte Handy wieder – eins zu eins alles kopiert.

Was mich aber wirklich schmerzt an der Geschichte, sind die Reaktionen. Ich habe Flugbegleitern und einem Kapitän von dem Raub erzählt – sie nickten, so als hätte ich gesagt, in Buenos Aires regnet es. Neugierde? Empathie? Zumindest ein freundliches, mitfühlendes Wort? Fehlanzeige. Selbst bei einigen Bekannten.

Wenig Mitleid, viel Besserwisserei

Und auch die Reaktionen im Netz und in der Post haben mich sehr traurig gemacht. In einer Situation, wo man einfach nur ein nettes „das tut mir aber leid“ hören möchte, wird man mit Besserwisserei und sogar mit Vorwürfen („wie konnten Sie nur“) überschüttet.

 Gott sei Dank habe ich mir in all den Jahren ein dickes Fell angelegt – sonst wären manche Reaktionen wirklich stark unter die Haut gegangen. Insbesondere Spott und Häme. Aber wer so reagiert, richtet sich selbst.

Ein Leser aus Buenos Aires schrieb mir, gut gemeint, ich solle das Ganze nicht überbewerten, es sei eben nur ein „Gelegenheitsraub“ und nicht so schlimm.

Nein, es war kein Gelegenheitsraub, es war sehr gut organisiert – vom Komplizen mit dem Motorrad bis hin zum sofortigen Knacken der Bank-App.

Aber eines stimmt: Ja, so eine Tat überrascht – leider – in Südamerika nicht. Was überrascht, ist, wie wenig empathisch unsere Welt geworden ist. Empfinde das nur ich so? Ich glaube nicht. Wir sind täglich mit so viel Leid überflutet – Krieg, Katastrophen, Krisen, alles auf demselben Bildschirm – dass das Gehirn irgendwann abschaltet. Selbstschutz. Aber der Preis dafür ist hoch: Wir verlernen, auf den Menschen neben uns zu reagieren. Nicht auf die Masse. Auf den einen. Ich musste das am eigenen Leib erfahren. Und ganz ehrlich: Es hat mich mehr getroffen als der Handyraub – obwohl sich die Szene bei mir im Kopf ständig wiederholt.

Lichtblicke

PS: Man konzentriert sich immer zu leicht und zu sehr auf das Negative. Natürlich gab es auch tolle, bewegende, empathische Reaktionen, ein Leser schickte mir sogar eine symbolische Überweisung mit dem Verwendungszweck  „Schadenersatz Handy“  – fast als ob er für den Schaden verantwortlich gewesen wäre. Arne Schmitt und Andrea gaben mir die nötigen Tipps,um meinen Telegram-Kanal zu retten. Die positiven Reaktionen haben mich sehr bewegt . Und ich bin dafür extrem dankbar – allen ein herzliches Vergelt´s Gott, wie man in meiner Heimatstadt Augsburg sagt.

PPS: Noch eine Selbst-Beobachtung: Während ich am Mittwoch in Buenos Aires vor dem Raub noch mit Herz und Seele Argentinien den Daumen drückte, war es nun beim Finale umgekehrt – ich fieberte für Spanien. Und empörte mich über jedes argentinische Faul. Ja, ich weiß – das ist ungerecht. Aber es ist spannend, wie schnell sich Sympathien umdrehen können.

PPPS: Und noch eine Selbst-Beobachtung: Meine erste Reaktion auf die vielen unschönen Reaktionen war, mich zu verschließen und weniger über mich zu schreiben. Aber würde ich dann nicht genau das tun, was ich an anderen beklage – sich hinter einer Mauer verstecken, statt offen zu bleiben?

PPPPS: In solchen Momenten merke ich besonders, wie viel mir die Unterstützung meiner Leser bedeutet – nicht nur finanziell, als Grundlage für meine Arbeit, sondern auch als Beweis, dass es sie noch gibt: Menschen, die zuhören, die mitfühlen. Wer dazugehören möchte: hier.

Hier mein aktuelles Video: „Spahn gemeuchelt – aber nicht wegen Leihmutter. Die wahre Geschichte“

Bild: Symbolbild/KI/Grok

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