Impfpflicht-Debatte: Ein Armutszeugnis für die Demokratie Das ganze Land wird in der Geiselhaft von Lauterbach sein

Von Daniel Weinmann

Angesichts des Krieges in der Ukraine ist es im Gerangel um die allgemeine Impfpflicht zuletzt ruhiger geworden. Heute stand das leidige Thema wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Eine einheitliche Linie der Parlamentarier war indes nach wie vor nicht zu erkennen. Dem Bundestag liegen fünf verschiedene Anträge für oder gegen eine Ausweitung der Impfpflicht vor. Die meisten Unterstützer hat der Vorschlag von Vertretern der Ampel-Koalition, den 236 Abgeordnete unterstützen. Die Mehrheit der 736 Parlamentarier tut dies aber nicht.

Bezeichnend – und ein wenig überzeugendes Argument für die Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht: Die Hälfte des mutmaßlich geimpften und geboosterten Präsidiums des Deutschen Bundestags befindet sich wegen einer Corona-Infektion aktuell in Isolation.

Der Gesundheitsexperte der Regierungskoalition steuerte eine seiner üblichen, bar jeder wissenschaftlichen Untermauerung geäußerten Warnungen bei: „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine dieser Varianten sehen, geht an fast hundert Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Herbst keine Schwierigkeiten haben, die Corona-Pandemie zu bekämpfen, liegt bei fast null Prozent“, so Karl Lauterbach. Man müsse sich also vorbereiten. Sonst würde erneut „das ganze Land in der Geiselhaft dieser Gruppe von Menschen sein, die sich einfach gegen die wissenschaftliche Evidenz“ durchsetzen wollten.

»Soll er doch seine Neurosen allein austragen«

Es bleibt nur Fassungslosigkeit über diese Wortwahl, die dieses Land weiter spaltet. Und es bleibt die Frage: Woher weiß Professor Karl Wilhelm Lauterbach so genau, was im Herbst passiert? Was der Mann, der so gern über wissenschaftliche Evidenz paraphrasiert, zumindest nachvollziehen können sollte: Es wird keinen passenden Impfstoff geben – Impfpflicht hin oder her. Hier würde man gern wissen: Weiß es der Impf-Fanatiker wirklich nicht oder lügt er vorsätzlich, um die Impfpflicht mit unlauteren (ein treffendes Wortspiel) Mitteln durchzupeitschen?

Eine Teilnehmerin des „Welt“-Diskussionsforums bewertete die Einlassungen Lauterbachs so: „Ich kann diese Figur, die gerade den Gesundheitsminister geben darf, nicht mehr hören! Soll er doch seine Neurosen allein austragen. Von mir aus auch aus Angst vor Corona vom Turm springen. Es wäre allen geholfen.“

Eine andere Foristin schrieb: „Ich lebe hier, ich arbeite, bezahle Steuern und das nicht zu knapp, ich gefährde niemand, belaste nicht das Gesundheitssystem und muss mich von diesem Kerl beschimpfen lassen? Ich bin kein Geiselnehmer. Ich überlege ernsthaft, ob man da juristisch gegen vorgehen kann.“

Mit einer frappierenden Inkompetenz glänzte derweil Robert Habeck. Der grüne Wirtschaftsminister sprach mit Blick auf die Impfung von der „Herdenimmunität“. Dabei sind sich Epidemiologen einig, dass diese Herdenimmunität mit der Impfung gerade nicht erreicht werden kann, weil sie eben Ansteckungen nicht verhindert.

»Warum kommen wieder all diese obsoleten Argumente, die längst widerlegt sind«

„Habeck phantasiert gerade, wie man per Impfpflicht das Virus besiegt und zur Freiheit zurückkehrt“, twitterte der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg, „viele geboosterte Parteikumpel wie Dahmen fehlen wegen Quarantäne. Komplette Realitätsverweigerung!“

„Warum kommen wieder all diese obsoleten Argumente, die längst widerlegt sind“, lautet einer der Re-Tweets auf Homburg. „Bei der ‚Debatte‘ ging es nicht um Argumente, sondern um Stimmungsmache & Manipulation – die armen Familien und Weihnachten und unsere Jugend etc., als ginge der Druck nicht von der Politik selbst aus.“

Der freie Publizist Frank Lübberding, der u.a. für die „Welt“, die „Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt, bilanzierte den ersten Debatten-Tag so: „Unsere #Impfpflicht Debatte wird international sicherlich eine gewisse Wirkung entfalten. Allerdings als Mißtrauensvotum gegen Deutschland als Wissenschaftsstandort. Der gelang es nicht einmal, statistische Grundkenntnisse zur Einschätzung gesundheitlicher Risiken zu vermitteln.“

In der ersten April-Woche soll das Parlament über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht abstimmen.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: FrankHH/Shutterstock
Text: dw

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