Impfpflicht-Gurus und Ideologen drehen frei Nach Abstimmungsniederlage im Bundestag

Das Aus für die Impfpflicht lässt diejenigen, die in ihr die Rettung der Menschheit sehen, offenbar in ein tiefes Loch fallen. Der Katzenjammer bei den Impfpflicht-Ayatollahs ist gewaltig. Die schlimmste Entgleisung leistete sich der SPD-Abgeordnete Joe Weingarten. Er sagte: „Zum ersten Mal seit 1945 jubeln die Faschisten im Reichstag wieder. Dank der CDU. Ein Tiefpunkt des Parlaments.“ Auslöser für diese unsägliche Entgleisung: AfD-Abgeordnete hatten gejubelt, als das Abstimmungsergebnis – keine Impfpflicht – verkündet wurde.

„Mit dem Aus für die Impfpflicht stürzen für einige Impfverfechter und Zero-Covid-Anhänger Welten zusammen“, schreibt etwa TE. Unten weiter: „In der Presse, im Fernsehen und den sozialen Netzwerken herrscht eine Stimmung, die dem Katzenjammer nach der Wahl Donald Trumps 2016 gleicht. Die Reaktionen reichen von Verblüffung und Enttäuschung bis hin zu Wut, Hass und dem Wunsch nach Vergeltung im Herbst, wenn die Corona-Krise zurückkehrt.“

Jasper von Altenbockum von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der seit langem mehr an einen Regierungssprecher erinnert als an einen Journalisten, der die Regierung kritisieren sollte, sprach etwa von einem „traurigen Tiefpunkt der Pandemie“. Katzenjammer auch bei der Süddeutschen Zeitung: Scholz habe es „versemmelt“, heißt es in der Alpen-Prawda. Ein Scheitern „nach allen Regeln der Kunst“ wird dort beklagt. Wie in dem Münchner Blatt lesen sich die Kommentare in vielen Medien wie Äußerungen aus einem Rosenkrieg nach einer gescheiterten Ehe.

So sind denn auch finstere Prognosen und Cassandra-Rufe zu hören, etwa von Emilia Fester, die schon früh mit ihrem Fanatismus in Sachen Impfung aufgefallen ist: „Wir haben es nicht geschafft, eine politische Antwort auf die zerreißende Frage zu finden, die seit Monaten im Privaten ausgefochten werden muss. Wahrscheinlich erwartet uns ein weiterer Coronawinter“, so die 23-jährige Grüne, das jüngste Mitglied des Bundestags: „Das tut mir schrecklich leid. Ich habe es anders gewollt.“

Die Hauptschuldigen sind wie so oft für die rot-grün-lila Medien die FDP und die CDU. Eben alles, was nicht rot-grün-lila ist. Die Union sei „gewissenlos“, klagt der Grünen-Abgeordnete Andreas Retsch; viele hätten Vorsorge eines „populistischen Erfolges“ von Friedrich Merz zuliebe verhindert.

„Die Impfpflicht scheitert an parteitaktischen Überlegungen von CDU und CSU. Das ist schlicht verantwortungslos“, so das Urteil der Grünen Jugend. Was da zwischen den Zeilen durchklingt: Ganz böse, wenn die Opposition auch wirklich das macht, was sie machen soll: Opposition. Und nicht wie in Merkels Zeiten nur die Gemüse-Beilage für die Regierung ist.

In einem Interview bei Phoenix entlarvte in der gleichen Manier der Gebühren-Journalist Gerd-Joachim von Fallois, wie weit das Demokratie-Verständnis auch in den Anstalten inzwischen verzerrt ist: „Ist das, was die Union da macht, …nicht eindeutig darauf ausgerichtet, dem Kanzler eins auszuwischen?“, fragte er im Duktus der Empörung CDU/CSU-Vize-Fraktionschef Sepp Müller, offenbar mit der Absicht, ihm eine Steilvorlage zu liefern. Es ist die Aufgabe jeder Opposition in jeder gut funktionierenden Demokratie, der Regierung eins auszuwischen, und nichts Verwerfliches. Verwerflich ist es, das für etwas Schlechtes zu halten wie der Phoenix-Journalist.

Auch die privaten Zentralorgane der Corona-Politik rotieren und drehen an der Angst-Spirale: „Ein unwürdiges Schauspiel mit größtmöglichem Schaden: Die Corona-Abstimmung im Bundestag offenbarte ein Versagen des Kanzlers, des Fachministers, des gesamten Parlaments. Nun könnten Deutsche dafür mit ihrem Leben bezahlen“, schreibt etwa der Spiegel. Auch der Focus zeigt sich entsetzt, dass kein Zwang kommt: „Scholz und Lauterbach haben die Impfpflicht endgültig vergeigt: Verlierer sind wir alle. Eigentlich wollte der Bundeskanzler das Thema Impfpflicht zur Chefsache machen. Doch dann gab er die Führung und Verantwortung an Karl Lauterbach ab. Ein schwerer Fehler, wie sich an diesem Donnerstag herausstellte.“ Was für ein Glück, dass die Mehrheit der Abgeordneten nicht so ideologie- und/oder angstgesteuert ist wie die Mehrheit der Journalisten.

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