Kanzler erklärt das Thema Migration für erledigt. Die Realität nicht. Merz jetzt: Wir sagen nicht Brandmauer. Merz 2025: Wir sind die Brandmauer

Man braucht in diesen Tagen keinen Kaffee mehr am Morgen, um den Blutdruck in Wallung zu bekommen. Ein Blick in die Nachrichten reicht. Oder ein Freund, der einem einen Überblick schickt. Der kam bei mir heute via WhatsApp so an:

Anschlag vermutet: Großeinsatz an Umspannwerk in Bergheim (NRW)

Polizei im Großeinsatz: Mehrere Verletzte nach Explosion am Augsburger Hauptbahnhof

Polizei mit Großaufgebot im Einsatz: Zwei Männer nach Schüssen in Hamburg tot

Will Mann „nicht provozieren”: Aus Angst zahlt Jobcenter Koran-Vorleser Stütze ohne Vorgabe

Vier Überschriften, vier Adrenalinstöße.

Doch es ging noch weiter – das Nachrichten-Bombardement. Die nächste: „Rund zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Abstand zur AfD um fünf Prozentpunkte verkürzt.“

Der lakonische Kommentar des Freundes: „Selig, wer an die fünf Prozent Anstieg glaubt“. Da denkt man unwillkürlich an Schlagzeilen wie diese: „Technischer Fehler: 1184 Briefwahlunterlagen für Landtagswahl doppelt gedruckt“ oder „440 Magdeburger erhalten Briefwahlunterlagen doppelt„. Und dazu passend im ZDF: „Briefwahl: Wie die AfD Sorgen vor Wahlbetrug„.

Wirklich die AfD?

Dann die nächsten beiden Schlagzeilen im Chat:

Gruppensex als Nonplusultra an Bürgernähe: Stadtrat veranstaltet trotz Verbots Swingerparty im Rathaus.

Und:

ICE-Tür öffnet sich bei Tempo 200 – Polizei suchte mit Drohnen nach Passagieren.

Danach wird es politisch. Und damit erst richtig unappetitlich.

Sachsen-Anhalt wählt am Samstag. AfD bei 40 bis 42 Prozent, CDU bei 22, 23. Merz hat gerade Klausur gehalten. Ergebnis:: „Das Wort Brandmauer hat nie zu unserem Sprachgebrauch gehört“. Sagt der Mann, für den die Brandmauer das Hauptthema ist. Und der im Oktober 2025 noch gesagt hat: „Wir sind die Brandmauer.“

Weiß Merz noch, was er redet?

Mit der Linken will er sich das Ergebnis „anschauen“. Mit der AfD niemals. Merkel mahnt, man müsse wieder für die Demokratie kämpfen. Steinmeier warnt vor „völkischer Abschottung“ und verlangt mehr Zuwanderung. Das Land steht vor dem Abgrund und auf der Kommandobrücke geben sie die Parole aus: „Volle Kraft vorwärts“.

Beim Bundesamt für Migration explodiert derweil die Widerrufsquote für Syrer: von 3,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 23,2 Prozent im ersten Halbjahr. Seit Juni auch Familien, sofern „Bett, Brot, Seife“ in Syrien möglich scheint. Der Schutzstatus ist weg. Die Leute sind noch da. Die Wende steht auf dem Bescheid. Flieger gibt es deswegen keine. Potemkin lässt grüßen.

reitschuster.de bei Google bevorzugen

Merz hat derweil im ARD-Sommerinterview erklärt, Migration spiele in den aktuellen Wahlkämpfen „keine Rolle“ mehr, weil die Zahlen um über 60 Prozent runter seien. Dabei nennt das selbst der „Faktenfinder“ der ARD irreführend. Dieser Mann hat eine Treffsicherheit dabei, in Fettnäpfchen zu tappen und völlig die Stimmungen im Land zu verkennen, dass es faszinierend ist. Wie kann man so abgehoben sein und so weit weg von den Menschen? Dabei müsste er nur das Sorgenbarometer lesen in seiner Polit-Blase – dort bleibt Einwanderung das Problem Nummer eins. 71 Prozent wollen die Grenzkontrollen behalten. Und der Kanzler erklärt das Thema für erledigt. Und wundert sich dann, dass die AfD wächst und wächst und seine CDU schrumpft und schimpft.

Familiennachzug: 53.598 Visa im ersten Halbjahr. Hochgerechnet wieder eine Kleinstadt. Der versprochene Stopp war eine Pressemitteilung. Nicht mehr.

Eigentlich hätte man diesen ganzen Artikel dem Realitätsverlust von Merz widmen können. Aber ich denke, wir alle kennen die Diagnose auch so. Mehr Raum hat Merz nicht verdient.

Posten-Klammer-Effekt

Und während das alles läuft, zerlegt sich Schwarz-Rot bei der Gruppentherapie (genannt Koalitionsgipfel) in der Villa Borsig selbst – kurz vor dem nächsten Nervenzusammenbruch. Entlastungspaket, Karenztag, Übergewinnsteuer – jeder gegen jeden, jeder mit dem Taschenrechner in der Hand und der Angst vor der nächsten Schlagzeile im Nacken. Draußen im Land sind nur noch 13 Prozent mit der Merz-Regierung zufrieden. Und fast jeder Zweite glaubt inzwischen, dass diese Koalition die Legislaturperiode nicht überlebt. Am Ende raufen sie sich in der Villa doch noch irgendwie zusammen – der Machterhalt schweißt die Verlierer aneinander. Von Einigkeit keine Spur – nur noch von Angst vor dem Verlust der Pöstchen.

Der Freund hat recht. Selig, wer an die fünf Prozent glaubt. Selig auch, wer glaubt, das sei noch Zufall und nicht System.

Drei Verletzte am Bahnhof, zwei Tote in Hamburg, ein Umspannwerk, ein Koran-Vorleser auf Staatskosten, eine Swingerparty im Rathaus, eine ICE-Tür bei Tempo 200 – und darüber eine Regierung, die sagt, die Lage sei im Griff, die Brandmauer stehe, man dürfe sie nur nicht mehr so nennen, und das Thema Migration sei durch, interessiere die Menschen nicht mehr, die Wende sei vollzogen.

Wann war Merz zum letzten Mal in einer Innenstadt?

Man braucht wirklich keinen Kaffee mehr.

Wenn es Ihnen wichtig ist, dass über solchen Irrsinn berichtet wird, freue ich mich über Ihre Unterstützung. Hier steht, wie es geht. Vielen Dank! 

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Bild: Symbolbild/KI/Grok

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