Die Realität im absurdesten Deutschland aller Zeiten übertrifft jede Satire. Das Plakat, das Sie oben sehen, ist eine Diagnose. Eine Diagnose für eine selbsternannte Elite, die jeglichen Bezug zur Realität verloren hat und in Selbstgefälligkeit zu Bronze erstarrt ist.
Das Plakat stammt aus einer überparteilichen „Promi“-Kampagne vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Initiiert haben sie Dieter Hallervorden (gebürtiger Dessauer) und Oliver Kalkofe sowie diverse D-Prominente, von denen ich vor dem Plakat nie etwas gehört oder gesehen habe.
Sie glauben allen Ernstes, sie würden mit so einem Plakat Leute davon abbringen, die AfD zu wählen – wie auch andere Initiativen, die ähnlich peinlich sind (siehe meinen Text „Die neuen Teufelsaustreiber – Möchtegern-Prominente gegen Siegmund“). In einem Land, in dem die AfD in Umfragen um die 40 Prozent liegt und die etablierten Parteien um den Einzug in den Landtag zittern.
Diese Leute bemerken nicht mal mehr, wie weit sie sich in ihrem Elfenbeinturm von den Menschen im Land abgekoppelt haben. Kein Zufall, dass die meisten ihre berufliche Existenz in wesentlichen Teilen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verdanken haben. Da schließt sich der Kreis. Zwei der Initiatoren gelten als Satiriker. Das Plakat ist die Satire – nur nicht die, die sie meinen.
Das Plakat visualisiert eine geschlossene, ältere, moralisierende Elite, die den Wählern erklärt, welche Parteien „erlaubt“ sind. Genau das, was viele Ostdeutsche als Bevormundung empfinden. Der Slogan „Lieber vielfältig als einfältig“ sagt den Rest: Wer nicht so wählt wie sie, ist nicht nur falsch – er ist dumm. Das ist keine Zuspitzung, das steht so da. Eine Gruppe alimentierter (Pseudo-)Prominenter erklärt mehreren hunderttausend Menschen in Sachsen-Anhalt, sie seien einfältig, weil sie die falsche Partei wählen könnten. Und sie halten das für Werbung für die Demokratie. Obendrauf der Sticker „Bürger haften für ihre Politiker“ mit Zwinkersmiley: Schulmeisterei im Comic-Ton.
Arroganter und abgehobener geht es kaum noch.
Der Kollege Ulf Poschardt hat das Plakat auf X veröffentlicht – die Kommentare sind sarkastisch bis höhnisch. Was als Warnung vor der AfD gedacht ist, wurde zur Selbstentlarvung.
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Die wiederkehrenden Motive in den Reaktionen:
„Vielfalt“ ohne Vielfalt
Auf dem Plakat fast ausschließlich ältere, weiße, etablierte Prominente – und viele erkennt man nicht einmal. Ein Nutzer schreibt: „Irgendwie ziemlich wenig bunt das Grüppchen.“ Ein anderer: „Sie reden von bunt.. aber meinen .. hahaha.“ Ein Dritter: „Hier…das ist doch der…und die…wie heißt die nochmal… genau! Kennste alle nicht…“ Das Regenbogen-Banner oben und der Slogan wirken dadurch wie eine Karikatur.
Blockpartei / Einheitsfront
Viele Kommentatoren ziehen Vergleiche mit der SED oder der Nationalen Front. Ein Nutzer schreibt: „Die neue Nationale Front ‚unserer Demokratie‘ ist im Aufbau! Die kaum unterscheidbaren sozialistischen Blockparteien werden zu neuen SED!“ Ein anderer postet ein Foto eines fingierten Wahlzettels mit dem Titel „Unseredemokratie“ in voller Einheitlichkeit.
Realitätsverlust / Blase
Ein Nutzer kommentiert: „Es geht den Menschen einfach zu gut. Man sieht das immer wieder im Friedrichshain, wenn Menschen einfach in ihrer Blase leben. Wahnsinn, wie sehr sich diese Menschen aus der Realität entkoppelt haben.“ Oder: „Sieht aus wie das finale Aufbäumen der Ultra-Boomer.“
Linksdrall
Besonders absurd: die ausdrückliche Empfehlung der „Linken“, die sich vor Gericht selbst für rechtsidentisch mit der SED erklärt hat. Hauptsache gegen „die Falschen“, die Herkunft der Partei spielt keine Rolle mehr. Mehr muss zu dem Plakat und der völligen Kompassverschiebung in Deutschland nicht gesagt werden: Die umbenannte SED gehört für Hallervorden & Genossen zur demokratischen Einheitsfront.
Das Plakat sollte die AfD klein machen. Es macht sichtbar, warum sie groß geworden ist.
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Bild: Screenshot X
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