Landwirte geraten in Panik, Düngerpreise explodieren Wie die Nahrungsmittelpreise die Inflation anheizen

Von Mario Martin

Landwirte benötigen bestimmte Betriebsmittel, um Pflanzen anzubauen und auf den Markt zu bringen. Düngemittel und Pestizide sind ein großer Kostenfaktor für die Betriebe. Die Bauern decken sich bereits jetzt mit den Betriebsmitteln ein, die sie im nächsten Frühjahr benötigen und die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ernte im Sommer und Herbst sind.

Dünger und Pestizide sind Mangelware

Nur wird es für die Landwirte immer schwieriger, die benötigten Güter zu beschaffen. Die Preise für Dünger und Pestizide steigen gerade auf neue Höchststände.

Der Chart zeigt den Preisverlauf für DAP Düngemittel, einem beliebten Phosphat-Dünger:

Preisverlauf der letzten fünf Jahre für DAP-Dünger
(Quelle: https://ycharts.com/)

Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis also etwa verdoppelt.

Aber auch der Preis für Pestizide schießt in die Höhe. “China, der weltweit größte Exporteur von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden, meldete für die wichtigsten Pflanzenschutzmittel die höchsten Exportpreise seit 10 Jahren mit weiter steigender Tendenz”, schreibt die Seite Agrarheute.

Der Preis für Glyphosat schnellt um bis zu 300 % in die Höhe.

Um den Anstieg dieser Inputkosten besser zu verstehen, reicht ein Blick auf die Lieferkette. Die Herstellung von Dünger und Pestiziden ist energieintensiv. Erdgas und andere fossile Brennstoffe werden durch das Haber-Bosch-Verfahren direkt in Düngemittel (zunächst Ammoniak) umgewandelt. Die hohen Erdgaspreise beispielsweise sorgten für die Schließung zweier großer Düngemittelwerke in UK. Dazu kommen explodierende Frachtkosten, die nicht nur den Transport von Dünger und Pestiziden, sondern auch den der Lebensmittel immer teurer machen.

Derzeit ist es fast unmöglich, an Dünger zu kommen. Im Oktober verhängte China einen Exportstopp für die Ausfuhr von Dünger. Auch Russland hat ab Dezember Ausfuhrquoten beschlossen, um den wertvollen Dünger in den Landesgrenzen zu halten. In Indien kam es indes zu Plünderungen und Aufständen der Landwirte, da der Dünger nur noch über staatliche Stellen verteilt wird. Aktuell entscheidet ein “Kriegsrat”, wie der knappe Dünger zugewiesen wird. Anstatt die Felder zu bestellen, warten indische Farmer stundenlang in Warteschlangen.

In Brasilien wurde die Verknappung von Dünger und Pestiziden inzwischen eine Angelegenheit des “nationalen Alarms”.

All das deutet auf eine weitere Verknappung dieser Güter auf dem Weltmarkt hin, was zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Nahrungsmittelpreise erzeugen dürfte.

Nahrungsmittelpreise vor neuem Rekord

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gibt monatlich einen Index heraus, der die Lebensmittelpreise weltweit misst. Dabei handelt es sich um eine gewichtete Berechnung, die die Preise für Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch, Zucker, Pflanzenöl und Getreide analysiert. Das Ergebnis für September: Der Preisindex erreichte 130 Punkte (siehe Graph).

Das sind 32,8 % mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres und der höchste Wert seit 2011, als der Index 131,9 Punkte erreichte. Die hohen Preise waren 2011 Mitauslöser des arabischen Frühlings in Ägypten und Libyen.

Aktuelle Wachstumsraten wurden zuletzt im Jahre 1973 während des Ölpreisschocks registriert.

Die Preissprünge für Dünger und Pestizide werden sich in den Nahrungsmittelpreisen niederschlagen. Allerdings verzögert, da die Bauern, die jetzt Rekordpreise für Dünger bezahlen, diese Kosten bei dem, was von der nächsten Ernte übrig ist, auf die Erzeugnisse umlegen müssen.

Die Preise für Nahrungsmittel sind bereits angespannt. Aufgrund der gesteigerten Inputkosten ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie neue Höchststände markieren.

Verlauf des FAO-Nahrungsmittelindex.
(Quelle: https://www.fao.org)

In China wird Nahrung gehamstert

Das etwas im Busch ist, zeigt eine Maßnahme des chinesischen Wirtschaftsministeriums. In China wurde die Bevölkerung angewiesen, sich vor dem Winter mit Lebensmitteln einzudecken.

China hatte bereits im letzten Jahr schwere Ernteausfälle zu verzeichnen, da die Temperaturen letzten Sommer ungewöhnlich kalt blieben und Überschwemmungen große Schäden verursachten. Am 26. Juli 2020 hatte es in Peking sogar geschneit.

China hat ein Problem, seine Bevölkerung zu ernähren, denn der chinesische Boden ist alles andere als ergiebig. Gerade einmal 12,7 % der Landmasse stehen der Landwirtschaft zur Verfügung. Tendenz fallend. Es klingt surreal, aber Restaurants müssen Gäste, die ihr Essen nicht verzehren, inzwischen mit Bußgeldern belegen.  Die Aktion wurde von Xi persönlich initiiert und läuft unter dem Namen “Operation sauberer Teller”. Jüngst wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um den Ernteverlust möglichst gering zu halten.

Dazu kommen Sorgen vor einer klimatischen Abkühlung in Folge des angekündigten “Grand Solar Minimum”. Einer Zeit, in der das Erdklima durch die verminderte Sonneneinstrahlung abkühlt und Ernteerträge abnehmen.

Während in Europa ein infantilisierter Klima-Diskurs stattfindet, fürchten sich chinesische Forscher vor fallenden Temperaturen, was zu verheerenden Folgen für die langjährige chinesische Nahrungsmittelproduktion führen könnte und den bestellbaren Boden weiter reduzieren würde.

Auch dieses Jahr warnt die Chinesische Meteorologische Administration (CMA) vor einer La-Niña-Wetterlage, die im Oktober und November bereits für kühleres Wetter gesorgt hat. In ganz China sinken die Temperaturen und die Energiekrise verschärft sich, da die Nachfrage nach Strom steigt, die Kohleversorgung belastet und die Preise nach oben getrieben werden.

Dazu hat China die wichtigsten staatlichen Energieunternehmen des Landes angewiesen, die Versorgung für diesen Winter um jeden Preis sicherzustellen. Millionen von Menschen sind bereits von Blackouts betroffen.

Jetzt ist sie halt da, die Inflation

Die offizielle Inflationsrate ist eine Kennzahl, die mit Vorsicht zu betrachten ist. Die von den Statistikern genutzte Zusammensetzung des Warenkorbs zur Messung der Inflation ist ein Durchschnittsmaß, das nicht die Lebensrealität des Normalbürgers widerspiegelt. Was haben hungernde Menschen davon, wenn der 60 Zoll-Fernseher immer günstiger wird?

Eine einheitliche Inflationsrate ist Augenwischerei, da gerade in den unteren Einkommensschichten ein besonders hoher Anteil der Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs, Miete und Energiekosten anfällt. Und diese Güter können nicht einfach durch andere substituiert werden. Menschen müssen wohnen und essen. Jeder Mensch hat seine eigene persönliche Rate der Preissteigerung.

Die Grünen sagen zwar, die beste Kilowattstunde sei die, die nicht verbraucht wird – und sinngemäß würden die Grünen dann wohl auch eher zum dritten Paar Wollsocken raten, um die Heizkosten zu senken – aber die Realität der Menschen ist eine andere.

Im Oktober lagen die Verbraucherpreise in Deutschland 4,5 % über denen des Vorjahresmonats. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass sie im November sogar auf 5 Prozent steigen könnten. In den USA liegt der Preisindex CPI bereits bei 5,4 %.

CO2-Steuer und Zentralbankgeld

Die UNO vermeldet, dass sich derzeit rund 45 Millionen Menschen am Rande des Hungertods bewegen. Dass die durch die WHO geforderten Lockdowns daran gehörigen Anteil haben, bleibt unerwähnt. Die Zahl dürfte sich in der nächsten Zeit erhöhen. Für die Misere verantwortlich ist selbstredend die „Corona-Pandemie“.

Die Welt schlittert immer weiter in den Krisenmodus: Inflation, geopolitische Spannungen, Energiekrise und nun eine drohende Nahrungsmittelkrise. Aber die Politik hat die passenden Lösungen parat. Die Zentralbanken stehen in den Startlöchern, um mit einer Zentralbank-Cryptowährung das konventionelle Fiat-Geld zu ersetzen.

Energie- und Nahrungsmittelkrise stehen in engem Zusammenhang miteinander. Auch dafür haben die Eliten schon eine Lösung, die zuletzt auch auf der Klimakonferenz COP26 im Mittelpunkt stand. Die Lösung der Probleme soll eine globale CO2-Steuer bringen.

In einem im Jahr 2015 abgehaltenen Planspiel, in dem das Krisenszenario des Zusammenbruchs der Nahrungsmittelversorgung simuliert wurde, kamen die Teilnehmer zu einer klaren Empfehlung: “Die auffälligsten Ergebnisse waren … die Einigung auf die Einführung einer weltweiten Kohlenstoffsteuer und ein globaler Ernährungssicherheitsgipfel, der die Aufgabe hatte, eine völlig neue globale Governance-Struktur für Klima- und Ernährungssicherheitsfragen zu schaffen”, heißt es in einem Forbes-Artikel.

Wir kennen das Spiel. Die Marktwirtschaft hat versagt. Die Lösung, um kommende Nahrungsmittelkrisen zu vermeiden, liegt in einer Stärkung der Global Governance und Abgabe nationaler Souveränität. Es ist immer das gleiche zentralistische Gift, das als Lösung für hausgemachte Probleme angemischt wird.

Der New York Times-Kommentator Thomas Friedman bewertet die Situation wie folgt: Diese „könnte europäische Familien vor die Wahl stellen, entweder zu heizen oder zu essen. Ich garantiere Ihnen, wenn das passiert, könnte das das Ende der grünen Bewegung … in Europa sein“.

Er deutet an, dass eine derartige Verknappung an Energie und Nahrung dazu führen könnte, die ruinöse Energiewende und andere ökosozialistische Experimente der Grünen endlich ad acta zu legen.

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Mario Martin ist Ökonom und arbeitet als Software-Projektmanager in Berlin.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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