Merz macht den Habeck – die Quadratur der Krankschreibungsregel Ein absurder Satz, eine Lüge – und die „Qualitätspresse" sieht weg

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!“ – über diese legendäre Ansprache des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke bei einem Afrika-Besuch lachte in den 1960er Jahren halb Deutschland. Einziges Problem: Sie war frei erfunden. Von Spiegel-Journalisten, die den CDU-Mann regelmäßig mit solchen peinlichen Zitaten demontierten.

Nur dem Internet, nicht aber der angeblichen „Qualitätspresse“, ist es zu verdanken, dass 2022 das Habeck-Zitat bei Maischberger in der ARD viral ging: „Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst mal aufhören zu produzieren. Nicht insolvent werden, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen.“

Derselben Qualitätspresse ist es zu verdanken, dass ein aktuelles Zitat von Bundeskanzler Friedrich Merz bislang nicht den Spott erzielt, den es verdient. Sagte der Kanzler dochin der ARD zu den angeblich so großen Reformplänen: „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“

Wie bitte?

Weiter führt der aus: „Wir kehren zu der Regelung zurück, die wir vor Corona hatten“

Beides spielt in der Habeck-Liga. Letzteres ist glatt gelogen.

Und Merz ist damit nicht allein. Die weidwunde Koalition wollte sich mit dem Beschluss, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag zur Pflicht zu machen, als handlungsfähig präsentieren.

Kaum war der Aufschrei in der Öffentlichkeit und bei den Ärzten da – die sich auf neue Wellen hustender, schniefender und fiebernder Patienten einstellen müssten – tat die Koalition das, was sie am besten kann: Sie ruderte zurück. Die SPD relativiert, der CDU-Arbeitnehmerflügel will „überdenken“.

Das erinnert an das Motto des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der sinngemäß sagte: „Wir entscheiden etwas, lassen es liegen und schauen, was passiert. Wenn keiner protestiert, setzen wir es durch.“ Zurückgerudert wird nur, wenn der Aufschrei zu groß ist.

Bei Juncker war das Kalkül — in Berlin ist es bloßer Reflex. Der entscheidende Unterschied: Juncker wusste, was er tat.

Nur noch absurd

Die Aussage von Merz ist in etwa so, wie wenn man einem Patienten mit offener Beinfraktur sagt: „Sie müssen nicht ins Krankenhaus. Sie müssen nur einen Gips ab dem ersten Tag haben.“

Oder wie wenn der Finanzminister verkündet: „Sie müssen nicht pleite sein. Sie müssen nur ab dem ersten Tag keine Rechnungen mehr bezahlen.“

Sorry, das sollte ein Beispiel für die Absurdität sein – aber Habeck hat es ja zur Realität gemacht.

Was Merz und andere Koalitions-Politiker jetzt betreiben, ist die pure Kunst der politischen Doppelzüngigkeit. Ich erspare Ihnen die Zitate, Ihre Zeit ist zu kostbar. Man verkauft eine Verschärfung als Rückkehr zur Normalität – aber das stimmt eben nicht, vor Corona musste man nicht ab dem ersten Tag ein Attest vorlegen. Gleichzeitig beteuert man, dass die Verschärfung gar nicht so streng gemeint ist. Die Taktik offenbar: Merz & Co. hoffen, dass am Ende niemand mehr durchblickt. Willkommen in der Parallelwelt der Berliner Reformkommunikation, in der man gleichzeitig „hart durchgreift“ und „vernünftig umsetzt“ – je nachdem, wer gerade zuhört.

Splitternackt

All das ist nichts anderes als politisches Theater – bei dem die Darsteller das Publikum offenbar für lernbehindert halten. Warum sie sich das erlauben können? Weil sie Medien haben, die – über Zwangsgebühren oder Reklame-Millionen – vom Staat abhängig sind, und dem nackten Kanzler ständig mediale Kleider umhängen. Erfanden sie bei Lübke noch Zitate, um ihn zu demontieren, vermeiden sie es bei der rot-grünen Koalition, deren offensichtliches Versagen und die absurdesten Widersprüche klar herauszuarbeiten – im schlimmsten Fall applaudieren sie der modischen Eleganz des unsichtbaren Kanzlergewandes, im besten Fall verstecken sie den Irrsinn im Kleingedruckten.

Das Berliner Schmierentheater ist auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen: Diese Koalition beschließt Gesetze, die sie am nächsten Tag nicht mehr versteht, und vertraut darauf, dass die Wähler durch willfährige Medien im politischen Delirium gehalten werden. Unfähigkeit ist zur Staatsräson geworden und die Gehirnwäsche zum Goldstandard des „Journalismus“. Die da oben haben nicht nur den Bezug zur Realität verloren – sie machen dieses Land immer mehr zur geschlossenen Anstalt.

Willkommen im politischen Delirium, wo Kranke ohne Arzt gesundgeschrieben werden, wo Pleitiers geldfrei florieren und Minister verstandfrei regieren. Früher lachte Deutschland über erfundene Zitate. Heute weint es nicht mal mehr über die trostlose Realität, weil man sie ihm vorenthält.

Wenn Ihnen Journalismus gefällt, der unbequeme Wahrheiten ausspricht — während die anderen applaudieren — dann wissen Sie, warum unabhängige Arbeit wie diese Ihre Unterstützung braucht: Hier steht, wie es geht. Danke.

Hier mein Video zum Thema.

YouTube player

Mehr über den schlechtesten Kanzler aller Zeiten auf meiner Seite:

Beitragsbild: Symbolbild/KI/Grok

Für Sie empfohlen: