Morddrohungen? „Er hätte sich ja auch impfen lassen können“ Entgleisung gegen ungeimpften Spitzensportler in der ARD

Von Alexander Wallasch

Was der französische Präsident meint, sich herausnehmen zu können, dafür sind sich offensichtlich auch Moderation und Experte einer ARD-Sportübertragung nicht zu schade: Es geht um Diffamierung und Hetze gegen Ungeimpfte.

Die Entgleisung beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen passierte während der Übertragung des „Super-G“ (Super-Riesenslalom) aus dem italienischen Bormio am 29. Dezember 2021.

Betroffen war der ungeimpfte Schweizer Ski-Alpin-Spitzensportler Urs Kryenbühl. Und es fing eigentlich ganz harmlos an: Moderator Bernd Schmelzer kommentierte gemeinsam mit Co-Moderator Felix Neureuther – erfolgreicher Ski-Alpin-Fahrer und Sohn der Sportlegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther – das sportliche Großereignis. Darauf freuen sich Millionen Zuschauer des professionellen Wintersports schon das ganze Jahr über.

Was die beiden da synchron zur Abfahrt von Kryenbühl besprachen, soll hier im Originalton wiedergegeben werden, um die ganze Tragweite der Übergriffigkeit zu begreifen. Moderator Bernd Schmelzer ist eigentlich ein alter Hase, er kommentiert Sportereignisse für die ARD seit 1991, und Felix Neureuther als Experte ist quasi der heiße Draht zu den Sportlern, er sollte also um ihre Sorgen und Nöte wissen, auch dafür ist er als Co-Moderator gebucht.

Kommentiert wird der Super-G von Urs Kryenbühl. Interessant für den Zuschauer wäre hier beispielsweise die erstaunliche Wiederauferstehung von Kryenbühl. Der nämlich verlor Anfang 2021 bei der Hahnenkamm-Abfahrt auf der Streif kurz vor dem Ziel die Kontrolle und stürzte schwer. Dabei erlitt er eine Gehirnerschütterung, einen Bruch im rechten Schlüsselbein sowie einen Kreuz- und Innenbandriss im rechten Knie. Kein Jahr später nimmt er schon wieder an einem sportlichen Großereignis teil. Interessiert Schmelzer und Neureuther aber nicht:

Bernd Schmelzer:
Jetzt kommt ein interessanter Mann, Urs Kryenbühl, Das ist einer der wenigen Läufer, die im Weltcup fahren (und) nicht geimpft sind (…). Man hat Morddrohungen erhalten. Da schießt dann doch der eine oder andere ein bisschen über das Ziel hinaus.

Felix Neureuther:
Tja, ha. Aber gut, ich meine, er hätte sich ja auch impfen lassen können. Aber mit Morddrohungen ist natürlich nicht getan.

Das muss man nicht mehr kommentieren. Und gemessen an der Ernsthaftigkeit, mit der – übrigens zu Recht! – Morddrohungen gegen andere Prominente ansonsten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verhandelt werden, ist, was Urs Kryenbühl hier aus der Moderatorenkabine der ARD beim Super-G in Bormio widerfährt, eine Verrohung, die Hass und Hetze weiter Tür und Tor öffnen hilft.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: screenshot Film
Text: wal

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