Neudeutscher Größenwahn im ZDF: „Regenbogenwelle weltweit“ dank München Öffentlich-rechtliche Selbstgerechtigkeit im Quadrat

Es ist besser als das meiste an Satire, was das ZDF noch zu bieten hat: Das „heute-journal“ in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Ungarn am Mittwoch in München war wieder ein typisches Beispiel dafür, wie Sport bzw. Sendeplätze während Sportereignissen politisch instrumentalisiert werden. Hauptthema in den wichtigsten Abendnachrichten eines der größten öffentlich-rechtlichen Sender Europas: das ungarische „Gesetz zum Schutz vor Pädophilie und Missbrauch“ sowie die Proteste gegen selbiges. Moderatorin Bettina Schausten verkündete erfreut, der Regenbogen sei sichtbar. Dazu sei die von der UEFA untersagte Regenbogen-Beleuchtung des Stadions gar nicht nötig gewesen. Schausten versuchte gar nicht erst, den Eindruck der Unparteilichkeit zu erwecken. Sie lobte die Proteste gegen „das umstrittene Gesetz zur Homosexualität“ und verkündete erfreut: „Deutschland macht sich bunt.“ Anzusehen ist die Sendung hier.

Angetan wurde von einer Verteilaktion von Regenbogenfähnchen vor der Münchner Allianz-Arena berichtet. München-Korrespondent Stefan Leifert sprach gar von einer „Regenbogenwelle weltweit, die von München ihren Ausgang nahm, die hat jetzt eine viel größere Wirkung entfaltet, als sie je hätte entfalten können, wenn die UEFA dem Wunsch der Stadt München entsprochen hätte, und hier das Stadion einfach in Regenbogenflaggen erleuchtet hätte, nicht trotz, sondern wegen des Verbots erleuchtete München heute umso heller in den Farben des Regenbogens, und weltweit haben sich Menschen im Netz solidarisiert mit der LGBTI-Szene in Ungarn. Die UEFA hat sich damit ihrerseits ein doppeltes Eigentor eingehandelt, weil sie ziemlich einsam an der Seite von Victor Orbán steht, und weltweit hagelt es Protest, und weil sie ihr eigenes Argument entkräftet hat, dass der Fußball doch eigentlich etwas unpolitisches sei, mit dieser Mär haben München und die UEFA, ob sie es wollten oder nicht, gründlich aufgeräumt.“ Die Münchner seien stolz, so Leifert. Deutscher Größenwahn und missionarischer Eifer im neuen Gewand?

‘Angriff auf die nationale Selbstbestimmung‘

Sodann kam es zur Zuschaltung von Britta Hilpert, ihres Zeichens ZDF-Korrespondentin in Budapest. Die verkündete, der Protest im fernen Deutschland zeige keine Wirkung. Schlimmer noch: Die widerborstigen Ungarn scharten sich angesichts der Anfeindungen aus Deutschland tendenziell eher um Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz). Weiter führte die ZDF-Korrespondentin, die ich noch aus gemeinsamen Moskauer Zeiten kenne, aus, dass es „die größtenteils regierungsfreundliche Presse in Ungarn“ genau so darstelle: „Die EU-Kritik sei nichts anderes als ein Angriff auf die nationale Selbstbestimmung“.

Nach dieser Attacke auf die so regierungsfreundliche Presse in Ungarn widmete sich der gebührenfinanzierte Sender aus Mainz dann seinem zweiten Tagesthema: der Befragung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag. Die Abgeordneten, so erfuhren die Zuschauer, hätten die Regierungschefin „ein letztes Mal in die Zange“ nehmen können. Doch: „Gefährlich wurde ihr nicht wirklich jemand“. Der Tenor der Nachrichtensendung: Merkel war souverän, ging als Siegerin aus der Debatte.

Weiter hieß es: „Kaum etwas bringt sie aus der Ruhe. Keine Fragestunde, keine Abgeordneten, keine Wahlkampfmanöver. Den Koalitionspartner charmant abgewatscht. Es ist ihre zehnte Fragestunde. Routiniert kontert sie alle Angriffe. Macht aus ihrer Abneigung zur AfD keinen Hehl. Mal launig, mal sachlich. Immer konzentriert. Ob zur Rente, zur angeblichen Einsatzunfähigkeit der Bundeswehr oder zur Digitalisierung. Eine Ära geht zu Ende. Merkel erliegt keiner Versuchung, auch nicht auf die Frage, ob nach 16 Jahren Angela Merkel eine Frau ihre Nachfolgerin werden solle“, so ZDF-Journalistin Heike Slansky. Weiter führte sie aus, die Kanzlerin habe „keine Spur von Abschiedsschmerz und keine Sentimentalität“ gezeigt. Das erinnert eher an Ikonenmalerei als an Journalismus.

Regierungskritische Journalisten und Jubelperser

Wie sehr man in Mainz damit zeigte, dass man den Splitter im fremden Auge sieht, aber nicht den Balken im eigenen, fasst Die deutsche Regierungschefin, ‘charmant‘, ‘routiniert‘, ‘launig‘, ‘sachlich‘ und ‘immer konzentriert‘. Ein Glück, daß es im ZDF noch wirklich regierungskritischen Journalismus gibt – und keine Jubelperser wie in Ungarn.“

Besonders bitter: Die Betriebsblindheit hat ein Ausmaß erreicht, dass man sie kaum noch anders bezeichnen kann denn als Realsatire.

Und das scheint momentan auch die einzige Satire zu sein, die in den öffentlich-rechtlichen Anstalten noch funktioniert. Wenigstens etwas bekommen wir also für unsere Gebühren.

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Bild: Screenshot/ZDF Mediathek
Text: br


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