Notverkauf im tropischen Paradies Malediven verkaufen 16 Inseln

Von Christian Euler

Die Coronakrise treibt mitunter seltsame Blüten. Wer schon immer einmal eine Insel sein Eigen nennen wollte, kann sich nun seinen Traum vergleichsweise günstig erfüllen – frei nach dem Motto: des einen Not, des anderen Tugend.

Die Regierung der Malediven hat sich – mutmaßlich schweren Herzens – entschlossen, 16 der knapp 1200 meist unbewohnten tropischen Eilande im Rahmen einer Auktion zu verkaufen. Hiermit wolle der Inselstaat im Indischen Ozean, der für seine Strände, blauen Lagunen und ausgedehnten Riffe bekannt ist, seinem Tourismus nach dem Einbruch in der Corona-Pandemie helfen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte bereits das englischsprachige Luxus-Lifestyle-Magazin „Robb Report“ über die Auktion berichtet.

Mit dem Tourismus hat die Krise den wichtigsten Wirtschaftszweig lahmgelegt, der für 40 Prozent der Konjunktur, 80 Prozent der Exporte und die Hälfte der Gesamteinnahmen des Inselstaates steht. Laut dem im April erschienen „Maldives Development Update“ der Weltbank.

Die Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr um 28 Prozent

„Obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie auf den Malediven einigermaßen eingedämmt werden konnten, waren die wirtschaftlichen Folgen verheerend“, schreiben die Autoren. Da die meisten Malediver für ihren Lebensunterhalt vom Tourismus und der Fischerei abhängig sind, schätzt die Weltbank, dass die Armutsquote im Jahr 2020 auf 7,2 Prozent gestiegen ist.

Zugleich geht die multinationale Entwicklungsbank davon aus, dass die maledivische Wirtschaft im Jahr 2020 um 28 Prozent geschrumpft ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 schrumpfte das reale BIP nach dem Tsunami im Indischen Ozean 2004 um 13,1 Prozent. Nur 555.494 Touristen besuchten das Atoll im vergangenen Jahr – so wenig wie seit 2002 nicht mehr und 67 Prozent weniger verglichen mit dem Rekordhoch von 1,7 Millionen Touristen im Jahr 2019.

Wer den Zuschlag bekommt, pachtet sein Inselchen-Atoll für 50 Jahre – und ist verpflichtet, ein Hotel mit mindestens 100 Betten zu bauen. Eine 1,2 Hektar große Insel schlägt mit mindestens 210.000 Dollar zu Buche. Wer sich auf 10,4 Hektar ausbreiten möchte, muss sein Erspartes um mindestens 1,5 Millionen Dollar reduzieren. Zudem müssen sich die Pächter in dem sensiblen Ökosystem an Umweltauflagen halten.

700 zusätzliche Betten und damit verbundene Investitionen von 370 Millionen Dollar bis 2024

Dazu zählt, die Energie zum größten Teil aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, außerdem muss rund die Hälfte der Vegetation unberührt bleiben. Zudem ist laut Ali Shinan, Direktor der Planungsabteilung des Tourismusministeriums, die bebaute Fläche auf jedem Atoll auf 30 Prozent begrenzt und kein Gebäude darf über die Höhe der Bäume hinaus ragen.

Potenzielle Insel-Besitzer müssen sich beeilen: Angebote sind bis zum 10. Juni, 10 Uhr Ortszeit möglich. Es zählt jedoch nicht allein der schnöde Mammon. Vielmehr entscheidet ein ausgeklügeltes Punktesystem, wer den Zuschlag erhält. Das höchste Angebot ist 60 Punkte wert, 20 Punkte gibt es, wenn mindestens 70 Prozent der Angestellten Einheimische sind, darunter mindestens fünf Prozent Frauen – und 10 Punkte gibt es für eine Geldeinlage in einen Tourismusfonds der Regierung.

Erfolgreichen Bietern bleibt 36 Monate Zeit, um mit dem Bau eines Projekts zu beginnen. Und sie werden motiviert, selbst ins Land zu ziehen. Wer als Investor mindestens 250.000 Dollar zahlt, hat Anspruch auf ein fünfjähriges Aufenthaltsvisum. Das Ministerium erhofft sich dank seiner ungewöhnlichen A(u)ktion in den nächsten drei Jahren 3700 zusätzliche Betten und damit verbundene Investitionen von 370 Millionen Dollar.

 

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Shutterstock
Text: ce
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