Impfdurchbrüche bei Menschen ab 60 explodieren Unglaublich: Anteil der Krankenhaus-Patienten mit unbekanntem Impfstatus steigt auf 59 Prozent

Von Mario Martin

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht jede Woche einen Wochenbericht, in dem die epidemiologische Lage der letzten Wochen insbesondere im Hinblick auf COVID-19 dargelegt wird.

Der RKI-Wochenbericht vom 25.11. hat es in sich. Zuerst sehen wir die Anzahl der gemeldeten COVID-19-Fälle. Also die gemeldeten positiven Tests. Die Anzahl der Tests erreicht in der letzten Woche mit 1,83 Millionen einen absoluten Höchststand. Die Verschärfung der Maßnahmen trägt Früchte. Schlangen vor den Testzentren gehören wieder zum gängigen Stadtbild. Vor einem Monat lag die Anzahl der Tests noch bei 0,91 Millionen.

COVID-19-Fälle und Fälle in den Krankenhäusern

COVID-19-Fälle in Deutschland
(Quelle: RKI-Wochenbericht 25.11.2021)

Dieses Bild ist keine Überraschung. Wir befinden uns in der Erkältungssaison. Viren treten saisonal auf. Da die Anzahl der durchgeführten Tests durch die immer schärferen Maßnahmen rapide ansteigt, ist außerdem eine Zunahme der positiven Fälle erwartbar. Weiterhin sehen wir immer mehr gemeldete Fälle (gelb) im Vergleich zum tatsächlichen Krankheitsbeginn (blau). Die angezeigten Erkrankungen befinden sich knapp über dem Niveau der letzten beiden Wellen, wobei im neuesten Bericht die Anzahl im Vergleich zur Vorwoche um fast 50 Prozent abgenommen hat. Das lässt vermuten, dass wir den Höhepunkt der neuen Erkrankungen damit vor zwei Wochen erreicht haben.

Für die Anzahl der hospitalisierten COVID-19-Patienten zeigt sich folgendes Bild:

COVID-19-ITS-Patienten
(Quelle: RKI-Wochenbericht 24.11.2021)

Die Anzahl der COVID-19-ITS-Patienten steigt weiterhin. Allerdings wissen wir auch, dass Krankenhäuser monetäre Anreize erhalten, Patienten als COVID-19-Patienten zu klassifizieren. Ob die Patienten tatsächlich wegen COVID-19 behandelt werden, steht also auf einem ganz anderen Blatt.

Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der COVID-19-Toten im Vergleich zum Vorjahr. In dieser Woche befinden wir uns etwa auf dem Niveau von Kalenderwoche 20, also Ende Mai:

Wochenverlauf der COVID-19-Sterbefälle
(Quelle: RKI Wochenbericht 25.11.2021)

Impfstatus im Krankenhaus immer seltener bekannt

Sehen wir uns jetzt zunächst den Anteil der Patienten an, deren Impfstatus im Krankenhaus bekannt ist. Das RKI veröffentlicht neben dem Wochenbericht noch einen anderen Bericht mit den sogenannten “klinischen Aspekten”. Dies sind alle im Krankenhaus behandelten Menschen.

Es handelt sich also um eine separate, weiter gefasste Gruppe, die alle Patienten beinhaltet.

In den Wochenberichten werden hingegen nur Patienten statistisch vermerkt, deren Impfstatus bekannt ist. Die Gruppe ist also um die Anzahl der Patienten ohne Impfstatus vermindert.

Vergleichen wir die Gesamtzahlen der Patienten der beiden Gruppen, sehen wir eine sich immer weiter öffnende Schere:

Differenz klinische Aspekte – RKI-Wochenbericht
(Quelle: RKI-Verlauf der klinischen Aspekte im Vergleich zum Verlauf „Anzahl mit Angaben zur Hospitalisierung“. Visualisierung: Der subjektive Student)

Der Anteil der Patienten, deren Impfstatus nicht erfasst wird, steigt also immer weiter. Lag der Anteil der Patienten mit unbekanntem Status im letzten Wochenbericht noch bei 47 Prozent, so liegt er im aktuellen Bericht bei 59 Prozent.

Anstatt diese Schlüsselgröße endlich bereitzustellen, wird der Anteil der Patienten mit unbekanntem Status und damit die Ungewissheit immer größer. Ein Armutszeugnis.

Impfdurchbrüche schießen in die Höhe

Zurück zum Wochenbericht, der alle Patienten mit bekanntem Impfstatus umfasst und der im Hinblick der aufgetretenen Impfdurchbrüche in den Krankenhäusern interessante Zahlen bereithält. Blicken wir auf die Altersgruppe 60+, lag im letzten Wochenbericht (18.11.) der Anteil der hospitalisierten COVID-19-Fälle dieser Altersgruppe noch bei 44,8 Prozent. Im aktuellen Wochenbericht (25.11) liegt er jetzt bei 56 Prozent. Das entspricht einem starken Anstieg von 25 Prozent.

Impfdurchbrüche nach Altersgruppe
(Quelle: RKI-Wochenbericht 25.11.2021)

In der nächsten Grafik ist der Verlauf der Impfdurchbrüche über die letzten Wochen dargestellt. Dort ist der Ausschlag in der letzten Woche klar erkennbar (graue Linie):

Wochenverlauf der hospitalisierten Impfdurchbrüche
(Quelle: RKI-Wochenberichte bis zum 25.11.2021)

Betrachten wir die weiter gefasste Gruppe aller COVID-19-Fälle (nicht nur der hospitalisierten), sehen wir, dass nunmehr 71,4 Prozent der COVID-19-Fälle in der Altersgruppe 60+ einen Impfdurchbruch haben. Bei den 18- bis 59-Jährigen liegt der Wert nun bei 48,4 Prozent:

Wochenverlauf der Impfdurchbrüche aller COVID-19-Fälle
(Quelle: RKI-Wochenberichte bis zum 25.11.2021)

Bei den verstorbenen COVID-19-Fällen ist inzwischen in der Gruppe 60+ mehr als jeder zweite Verstorbene ein Impfdurchbruch. Der Wert steigt im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls um fast 25 Prozent. In der sehr weit gefassten Altersgruppe 18 bis 59 sinkt der Wert von 23 auf 16 Prozent.

Wochenverlauf der Impfdurchbrüche aller Verstorbenen
(Quelle: RKI-Wochenberichte bis zum 25.11.2021)

Angesichts dieser enormen Sprünge kann hier jedoch ein Fehler in der Auswertung des RKIs nicht ausgeschlossen werden. Sollten die Zahlen in den nächsten Tagen korrigiert werden, wird dies hier ergänzt.

NACHTRAG: Das RKI hat inzwischen die Zahlen des Wochenberichts der Vorwoche korrigiert. Damit liegen die Steigerungsraten nicht mehr auf dem hier zuerst beschriebenen Niveau.

Hier sei noch einmal erwähnt, dass die Metrik “COVID-19-Fall” viele Probleme und Manipulationsmöglichkeiten eröffnet. Diese Daten haben also nur Aussagekraft, wenn zumindest davon ausgegangen wird, dass über die Wochen die gleichen Tests – also die gleiche Messtechnik – zur Feststellung der COVID-19-Fälle zum Einsatz kam.

Zu beachten ist immer auch, dass der hohe Anteil von Geimpften an Hospitalisierten und Verstorbenen dadurch relativiert wird, dass insbesondere in den höheren Altersgruppen deren Anteil an der Gesamtbevölkerung sehr hoch ist.

Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass die Impfung von Tag zu Tag unwirksamer wird, wenn wir die vom RKI bereitgestellten Daten für bare Münze nehmen. Damit wird die 2G-Regelung von Tag zu Tag immer irrationaler.

Dass die Wissenslücke hinsichtlich des Impfstatus bei den Krankenhauspatienten immer größer wird, kann inzwischen wohl als skandalös bezeichnet werden.

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Mario Martin ist Ökonom und arbeitet als Software-Projektmanager in Berlin.

Bild: Mario Martin
Text: Gast

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