Probleme in Impfzentren: „Zahlen werden nicht erhoben“ Regierung verweist auf "Zuständigkeit der Länder"

Sehen Sie in Kürze hier mein Video von der Bundespressekonferenz mit Spahn, Lauterbach und dem niederländischen Kollegen.

„Ein Berliner Arzt klagt an: Ich bin fassungslos, mit welchem Leichtsinn bei uns geimpft wird“. So lautet die Überschrift eines Beitrags, der gestern in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen ist – und in dem ein Mediziner über die Missstände in einem Impfzentrum in der Hauptstadt berichtet, in dem er arbeitet. Ich befragte zu dem Artikel heute in der Bundespressekonferenz den Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Sebastian Gülde: „Mir ist völlig klar, dass Sie über einen berliner Vorfall nichts sagen können. Die Frage ist aber eine allgemeine: Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass es solche Zustände nicht gibt? Wie sind da die Richtlinien?“

Die Antwort von Gülde: „Ich kann Ihnen jetzt nur die Rahmenbedingungen dazu erläutern. Wir haben sie in der Impfverordnung festgelegt. In der Impfverordnung ist ganz klar festgelegt, dass medizinisches Personal, das unmittelbar an der Impfung beteiligt ist, in der Impfpriorisierung zur ersten Kategorie zählt und insofern auch geimpft werden kann. Wie gesagt, aber das haben Sie schon gesagt, zu diesem einzelnen Fall kann ich mich jetzt nicht äußern. Aber die Rahmenbedingungen sind ganz klar: Menschen, die an der Impfung von anderen Menschen unmittelbar beteiligt sind, gehören zur ersten Impfkategorie.“

Merkels Sprecher Steffen Seibert fügte hinzu: „Ansonsten, obwohl Sie danach nicht fragen, aber es betrifft ja auch das Gesamtvertrauen, das Bürger in den Impfvorgang haben können, zeigen gerade die Ereignisse in dieser Woche, nämlich die Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca, die Untersuchung von Vorfällen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur und der Beschluss von gestern Abend, dass genau das eben nicht passiert. Es wird nicht leichtsinnig oder nachlässig verimpft, sondern es wird sehr genau beobachtet. Alle Impfstoffe sind in der Phase IV der Impfstoffentwicklung. Das heißt, sie werden weiter sehr sorgfältig beobachtet. Es wird weiterhin geprüft. Das Paul-Ehrlich-Institut hat seine Aufgabe absolut erfüllt, indem es nämlich, wenn ich das so sagen darf, Alarm geschlagen und auf eine Häufung von Fällen hingewiesen hat. Das ist anhand aller international verfügbarer Daten überprüft worden.

Ich glaube, das kann man den Bürgern auch sagen: Die Sicherheitsstrukturen sind vorhanden. Sie werden genutzt, und sie funktionieren im Interesse der Bürger.“

 

Ich hakte nach: „Sie haben auf die Richtlinie verwiesen. Haben Sie einen Überblick oder Zahlen, wie weit das funktioniert, wie viele Ärzte in den Impfzentren geimpft sind und ob sie prioritär mit Schnelltests versorgt werden?“

Gülde antwortete: „Zu Zahlen geimpfter Ärzte liegen mir jetzt keine Informationen vor.“

Ich hakte nochmal nach: „Und zu den Schnelltests?“

Gülde: „Es liegt in der Zuständigkeit der Länder, diese Impfungen zu vollziehen und auch zu testen. Zahlen werden darüber jetzt nicht erhoben. Wie gesagt: Da müsste ich Sie bitten, sich an die Länder zu wenden.“

‘In die Krankheit hinein impfen‘

Meine zweite Frage an das Bundesgesundheitsministerium bezog sich auf einen Aspekt, den der Impfexperte Stefan Hockertz im Interview mit mir aufgeworfen hat (sehen Sie das ganze Interview hier): „Herr Gülde, Mediziner sagen, dass man bei einer bestehenden Krankheit nicht gegen diese Krankheit impfen dürfe. Es gibt die Klage, dass in den Impfzentren nicht regelmäßig vor der Impfung die zu Impfenden darauf getestet würden, ob sie infiziert sind. Können Sie das bestätigen? Wie schätzen Sie das ein? Wie steht das Bundesgesundheitsministerium dazu?“

Gülde: „Das kann ich Ihnen, ehrlich gesagt, nicht bestätigen. Grundsätzlich findet aber vor der Impfung selbst ein Aufklärungsgespräch statt, in dem auch mögliche Symptome abgefragt werden. Aber wie gesagt, zu einzelnen Tests unmittelbar vor der Impfung kann ich Ihnen jetzt keine Angaben machen, weil die Impfungen, wie Sie wissen, in der Zuständigkeit der Bundesländer liegen.“

Ich hakte nach: „Dazu habe ich eine Verständnisfrage. Sie sagten, Symptome würden abgefragt. Aber COVID-19 ist ja oft symptomfrei. Deswegen tragen wir ja auch die Masken. Da sehe ich einen Widerspruch. Denn es kann ja gut sein, dass jemand keine Symptome hat und dennoch infiziert ist.“

Gülde: „Ja, wie gesagt, das ist durchaus möglich. Unter Umständen müssen Sie tatsächlich nachfragen, wie das in den Einzelfällen dort geregelt wird. Aber noch einmal: Es gibt ein Aufklärungsgespräch, und darin wird natürlich auch abgefragt, ob es möglicherweise Kontakte gegeben hat, ob man sich möglicherweise angesteckt hat. Diese Möglichkeiten gibt es ja auch während des Aufklärungsgesprächs unmittelbar vor der Impfung.“

Ich hakte noch einmal nach: „Aber keine generelle Richtlinie?“

Gülde: „Das Aufklärungsgespräch ist festgesetzt. Das muss erfolgen.“

Untersuchungen von Kollateralschäden

Meine dritte Frage: „An Herrn Gülde und vielleicht auch Herrn Seibert: Ich habe hier im Oktober oder November des letzten Jahres gefragt, ob es Studien oder Untersuchungen über Kollateralschäden und mögliche Nebenwirkungen von Masken gerade auch bei Kindern gibt. Seitdem sind viele Monate vergangen. Gibt es inzwischen Studien oder hat man welche in Auftrag gegeben? Könnten Sie dazu vielleicht ein kurzes Update geben?“

Gülde: „Zum Thema Maskentragen haben sich ja die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften, unter anderem die Kinder- und Jugendärzte sowie auch die pneumologischen Fachgesellschaften, vielfach geäußert. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Maskentragen selbst schadet. Das gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Darüber hinaus habe ich Ihnen jetzt keine weiteren Angaben zu irgendwelchen Studien zu machen. Mir liegen keine Erkenntnisse vor, dass es dazu Studien gab. Gegebenenfalls kann ich das noch nachreichen. Aber wie gesagt, die medizinischen Fachgesellschaften haben sich sehr eindeutig zu diesem Thema geäußert.“

Meine Nachfrage: „Vielleicht habe ich mich etwas unglücklich ausgedrückt: Es ging mir nicht nur um die Masken, sondern auch generell um Fragen wie psychische Folgen und dergleichen. Könnten Sie vielleicht noch einmal konkretisieren, was da an neuen Untersuchungen oder wissenschaftlichen Studien in Auftrag gegeben wurde oder schon vorliegt?“

Gülde: „Ja, da gibt es einige Studien. Da würde ich Sie tatsächlich bitten, sich einmal an das Robert-Koch-Institut zu wenden. Die haben auf ihrer Webseite tatsächlich eine sehr umfangreiche Studiensammlung zu diesem Thema. Zum Beispiel befasst sich die COSMO-Studie unter anderem mit den psychischen Folgen der Pandemie. Darauf würde ich Sie gerne verweisen.“

Gästehaus der Bundesregierung

In meiner vierten Frage ging es um ein ganz anderes Thema: „Eine Frage an Herrn Seibert bzw. an die Kollegen. Sie wissen besser als ich, wer zuständig ist. Laut einem Bericht von „the Germanz“ wird das Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn von einem chinesischen Staatskonzern betrieben. Trifft das zu? Wenn ja, wie sehen Sie diese Symbolik?“

Merkels Sprecher Seibert antwortete: „Ich weiß es nicht. Wenn ich etwas dazu nachreichen kann, werde ich das tun.“

Der Vorsitzende Mathis Feldhoff fragte nach: „Gibt es andere Erkenntnisse? – Das sehe ich nicht. Dann warten wir auf die Nachreichung.“

Sehen Sie in Kürze mein Video zu den drei heutigen Bundespressekonferenzen und lesen Sie meine Artikel:

  • Spahn stimmt Bevölkerung auf weitere Einschränkungen ein.
  • Mit der eigenen Forschungsleistung zufrieden: Wie Lauterbach auf die Kritik an seiner Qualifikation erinnert.
  • „Zusammenprall der Kulturen“ – Frischer Wind in der Bundespressekonferenz.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!


Bild: Boris Reitschuster
Text: br


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