Psychische Gesundheit der Kinder immer mehr in Gefahr Schockierende Studienergebnisse: 50 Prozent der Kinder haben Depressionen

Von Dana Samson

Studien über die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und die Entwicklung von Säuglingen in der Schwangerschaft zeigen erschreckende Ergebnisse.

Das Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems untersuchte unter Leitung des Univ.-Prof Christoph Pieh die psychische Gesundheit von Schülern. 1400 Schüler im Alter von 14 bis 20 wurden befragt. Depressive Symptome, Angstsymptome und Schlafstörungen haben sich verfünf- bis verzehnfacht.

Bei 62 Prozent der Mädchen und 38 Prozent der Jungen wurde eine mittelgradige Depression diagnostiziert. „Die psychische Belastung ist besorgniserregend“, erklärte Christoph Pieh. Viele Kinder denken mindestens jeden zweiten Tag daran, Suizid zu begehen. Rund ein Fünftel der Mädchen und 14 Prozent der Jungen habe wiederkehrende suizidale Gedanken.

„Die Belastungsgrenze der Jugendlichen ist weit überschritten“

Pieh betont in einer Pressemitteilung, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Die Studie werde in Kürze veröffentlicht werden, auf Grund der Dringlichkeit des Themas sind die Ergebnisse vorab erschienen. Der Forscher verbindet dies mit einem dringenden Appell, sofort mehr für die psychische Gesundheit der Jungen und Mädchen zu tun. Auch die Jugendlichen sollten die psychischen Probleme ernst nehmen. „Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist ein Zeichen der Stärke und ist gerade in schweren Fällen dringend anzuraten“, erklärte Pieh.

Gründe sind vielfältig

Die Unsicherheiten, wie es in Zeiten der Pandemie weitergehe, seien meistens die Voraussetzung für Depressionen der Kinder. „Das bringt die ganze Coronavirus-Situation jetzt schön auf den Punkt, weil letztendlich fühlt sich die ganze Gesellschaft irgendwo hilflos, zumindest zeitweise, und Kinder umso mehr – in dem man sich zurückzieht, immer stiller und leiser wird, nicht mehr handlungsfähig ist oder aggressiv ist“, sagt Jugendanwalt Christian Reumann.

Das Fehlen der sozialen Kontakte sei außerdem belastend für die Jugendlichen, wie die Studie aufzeigt. Der Pandemiestatus bestehe seit nunmehr fast zwei Jahren. Kinder und Jugendliche müssten sich auch in diesen Zeiten zurückziehen können, sollten allerdings auch Aktivitäten im Freien ausüben.

Eine Studie aus Essen zeigt ähnliche Ergebnisse. Wegen Suizidversuchen mussten 500 Kinder zwischen März und Ende Mai 2021 bundesweit stationär auf Intensivstation behandelt werden. Damit ist die Fallzahl auf das Vierfache gestiegen, im Vergleich zu Zeiten vor Corona.

Einen Zusammenhang zwischen den Lockdowns und den stark zunehmenden Suizidversuchen bei Kindern sieht Gesundheitsminister Karl Lauterbach trotz solcher Untersuchungen nicht. Die Äußerung des SPD-Fraktionsvizes Sönke Rix, dass der Gesundheitsminister Recht habe und bislang wissenschaftlich eindeutige Beweise fehlen würden, „dass der Lockdown für die Zunahme psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen ursächlich ist“, ist auf Grund der Ergebnisse aus Essen, Krems und zahlreichen Studien (hier, hier und hier) zuvor, kaum zu glauben.

Im Lockdown geborene Kinder im Entwicklungstest schlechter

Zudem gibt es weitere Erkenntnisse über Kinder, welche dem mütterlichen Stress in der Frühschwangerschaft zu Zeiten des Lockdowns ausgesetzt waren. Forscher der Universität Columbia fanden heraus, dass im ersten Pandemiejahr geborene Kinder bei einem Entwicklungstest für soziale und motorische Fähigkeiten im Alter von sechs Monaten schlechter abschnitten als Babys, die kurz vor der Pandemie geboren worden waren. Eine Erkrankung der Mütter an Covid während der Schwangerschaft spiele dabei keine Rolle. Die schlechtere Entwicklung der Kinder wurde auch bei Müttern beobachtet, die nicht an Corona erkrankten. Die Studie bezieht sich auf 255 Babys, die von März bis Dezember 2020 geboren wurden.

Schlechtere Motorik und soziale Fähigkeiten

Von den Forschern wurde erwartet, dass eine Corona-Erkrankung der Mütter negative neurologische Einflüsse für die Säuglinge haben könne. Wenn Frauen während der Schwangerschaft an einer Viruserkrankung erkranken, wird das Risiko für neurologische Entwicklungsverzögerungen bei Kindern erhöht, da das Immunsystem der Mutter aktiviert wird, was wiederum die fötale Gehirnentwicklung beeinträchtigt.

Es konnten jedoch keine Defizite in der neurologischen Entwicklung der Säuglinge gefunden werden, wenn schwangere Frauen an Corona erkrankten. „Vielmehr wurde die Zeit im Mutterleib einer von der Pandemie betroffenen Mutter mit etwas schlechteren Ergebnissen in Bereichen wie Motorik und soziale Fähigkeiten in Verbindung gebracht, nicht jedoch in anderen Bereichen wie Kommunikation oder Problemlösungsfähigkeit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der enorme Stress, dem sich die werdenden Mütter in dieser beispiellosen Zeit ausgesetzt sahen, eine Rolle gespielt haben könnte“, sagt Dani Dumitriu, Assistenzprofessorin für Pädiatrie und Psychiatrie am Vagelos College of Physicians and Surgeons der Columbia University und leitende Ärztin der Studie.

Frühere Studien bestätigen diesen Trend. Mütterlicher Stress in der Frühschwangerschaft wirke sich stärker auf die sozio-emotionalen Fähigkeiten von Säugligen aus als Stress in der Spätschwangerschaft. Die Studie aus Columbia zeigt, dass Säuglinge von Müttern, die im Höhepunkt der Pandemie im ersten Schwangerschaftsdrittel waren, die niedrigsten Neuroentwicklungswerte aufweisen.

Bei den Beobachtungen handele es sich um kleine Verschiebungen der Durchschnittswerte. Diese kleinen Verschiebungen würden jedoch besondere Aufmerksamkeit verdienen, „da sie auf Bevölkerungsebene erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben können. Das wissen wir von anderen Pandemien und Naturkatastrophen“.

Die kleinen Verschiebungen und besonders der große Anstieg der Kinder mit Depressionen müssen ernst genommen werden. Als erste große Forderung steht im Raum, dass die Schulen so lange wie möglich offen bleiben müssen. Für die werdenden Mütter gilt, dass der öffentliche Stress durch die Pandemie nachlassen muss.

Anmerkung: Wir haben über das Thema Suizid berichtet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass depressiv veranlagte Menschen sich nach Berichten dieser Art in der Ansicht bestärkt sehen, dass das Leben wenig Sinn habe. Sollte es Ihnen so ergehen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Hilfe finden Sie bei kostenlosen Hotlines wie 0800-1110111 oder 0800-3344533.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Dana Samson studiert an einer deutschen Universität und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Motortion Films/Shutterstock
Text: ds

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