Bröckelt das Impf-Narrativ in Österreich? Über 4.000 Unternehmer und 600 Polizisten gegen die Impfpflicht

Von Dana Samson

Der Wunsch nach Freiheit nimmt in Österreich immer mehr zu. Viele Menschen wollen der Impfpflicht, die ab dem 1. Februar gilt, nicht folgen. Hunderttausende gehen wöchentlich auf der Straße friedlich demonstrieren, mittlerweile hat ein Großteil der Gesellschaft gemerkt, dass nicht alle diese Menschen „Verschwörungstheoretiker“, „Schwurbler“ oder „Rechte“ und „Nazis“ sind. Ebenso wie das Impf-Narrativ bröckelt, ist die Diffamierung all jener Skeptiker für viele nicht mehr glaubhaft.

Die Bürger sammeln sich und organisieren sich immer mehr, der Zuwachs ist enorm. Seit Januar finden sich unter einheit.at „Unternehmen aus Österreich für das Miteinander der Gesellschaft und für eine freie Impfentscheidung“. Alle Unternehmen können sich der Initiative anschließen und für ihre Freiheit einstehen.

Die Pandemie forderte von einigen Unternehmen hohe Verluste. Zahlreiche Geschäfte mussten monatelang schließen und hatten keine Kunden. Hinzukommend zu der Sorge, ob ihr Unternehmen die Krise überleben würde, mussten sie sich im Laufe der Zeit an die G-Regeln halten, erneut Menschen aus ihren Geschäften ausschließen und auf Kunden und Aufträge verzichten. Innerhalb weniger Tage fanden sich auf der Seite „einheit“ über 2.000 Unterzeichner, unter ihnen Medienagenturen, Bekleidungsgeschäfte, Handwerker oder Sport- und Therapiestätten; die Vielfalt der Unternehmen ist endlos. Mittlerweile sind 4.205 (Stand 12.1.22) Unternehmen der Initiative beigetreten. Sie möchten nicht weiter von den Maßnahmen der Regierung eingeschränkt werden und erklären Folgendes auf ihrer Seite:

„Als Unternehmer sind wir es gewohnt, gemeinsame Ziele zu definieren und Entscheidungen frei zu treffen. In vielen Bereichen wird aktuell jedoch das Unternehmertum durch die Maßnahmen der Regierung entmündigt. Wir setzen nun ein Zeichen und stehen für das Miteinander in der Gesellschaft, das heißt eine gleichberechtigte Anwendung der G-Regeln für alle sowie die freie individuelle Impfentscheidung. Mit dieser Plattform möchten wir Unternehmer*innen zusammenführen, die dieselben Werte pflegen. Um vor allem bei der Politik und anderen Entscheidungsträgern auf Gehör zu stoßen, erweitern wir unser Netzwerk in ganz Österreich. Mit Ihrer kostenlosen Registrierung unterstützen Sie unsere Initiative und leisten einen wichtigen Beitrag für unser Miteinander unabhängig von Ihrem Impfstatus.“

Dass die Initiative so schnell sehr viel Zuwachs bekommen hat, zeigt, wie groß das Verlangen der Menschen nach einem selbstbestimmten Leben ist.

Der Widerstand in Österreich geht noch weiter. Für ein vom Impfstatus unabhängiges Leben setzen sich auch 600 Polizisten in einem offenen Brief ein. Sie verfassten einen Brief an Innenminister Gerhard Karner und warnten ihn vor einer Spaltung der Gesellschaft und einer Spaltung im Polizeiapparat durch die Impfpflicht. Sie fordern eine freie Impfentscheidung und keine 3G-Regel am Arbeitsplatz. Außerdem appellieren die Polizisten für das Unterlassen der Diskriminierung der ungeimpften Kollegen.

Die Polizeibeamten mussten in den vergangenen Monaten immer wieder Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen absichern. Dabei sei einigen Polizisten aufgefallen, dass die Demonstranten friedlich sind und keine Gewalt herausfordern. Diesen überwiegend friedlichen Demonstranten wollen sie nicht mehr gegenüberstehen.

Die Verfasser des Briefes betonen, dass sie „kein Verein, keine Gewerkschaft und auch keine juristische Person“, „weder rechts- noch linksextrem“ oder „Schwurbler bzw. Verschwörungstheoretiker“ seien. Sie seien „mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten aus ganz Österreich, die sich informell zusammengefunden haben“, sie teilen die „Sorge um Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und Grundrechte sowie Gesundheit“.

In dem Brief wurde von polizeiinternen Spannungen und Konflikten berichtet. Einige Konflikte reichten nach Angaben bis zur Androhung von Disziplinarmaßnahmen und Anzeigen gegen nicht geimpfte Kollegen. Der Innenminister Karner wird außerdem darauf hingewiesen, dass er damit rechnen müsse, engagierte, motivierte und qualifizierte Beamte zu verlieren, sollten die angedrohten dienstrechtlichen Maßnahmen durch die Impfpflicht umgesetzt werden. Personelle Engpässe seien die Gefahr.

Aus diesem Grund fordern die Unterzeichner des Briefes, die berufsbezogene oder allgemeine Impfpflicht zu verhindern und 3G am Arbeitsplatz auszusetzen. Eine Alternative sei 1G, alle müssten sich testen. Die Tests sollen aus ressortinternen Ressourcen erfolgen. Karner solle sich dafür einsetzten, dass die Diskriminierung von ungeimpften Kollegen aufhöre. Die Beamten möchten sich schnellstmöglich wieder auf ihre Kernaufgaben der Polizeiarbeit konzentrieren.

Das Innenministerium hat für die Bedenken der Polizisten wenig Verständnis und die Vorwürfe können nicht nachvollzogen werden. Vielmehr sei von dem Ressort betont worden, dass die Polizei hinter den notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stehe. Das Ministerium verwies auf die 85-prozentige Impfquote der fast 32.000 Polizisten. Es sei zu erkennen, dass die Maßnahmen, insbesondere die Impfung, akzeptiert und angenommen werden. Die 3G-Regel am Arbeitsplatz sei für den Selbstschutz der Beamten und zum Schutz der Mitmenschen unabdingbar.

Die Impfentscheidung sollte laut Unterzeichner des Briefes einem jeden selber überlassen werden. Die Nebenwirkungen und möglichen Langzeitfolgen müsse jeder Mensch für sich selbst abwägen, ebenso das Risiko einer Erkrankung. Dass die Impfung keine Infektion verhindert, sehen die Polizisten kritisch für die Einführung einer Impfpflicht. Außerdem werden die öffentlichen Zahlen über kranke und auf Intensivstation behandelte Covid-Patienten kritisiert. Laut Statistiken sei der Großteil der Covid-Patienten auf Intensivstation ungeimpft – bei jedoch nur 20 % Ungeimpften in der Bevölkerung. Es gebe Ungereimtheiten und Fragen zu klären. Zudem ist der Impfstoff nur bedingt zugelassen und die Polizisten stellen die Impfpflicht daraufhin in Frage.

Sie betonen, dass sie keine Wissenschaftler und Ärzte seien. Sie möchten jedoch nicht zu der Impfung gezwungen werden und nicht weiterhin vor friedlichen Demonstranten stehen, die ebenso für eine offene Debatte und eine freie Impfentscheidung, ein freies Leben, einstehen.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Dana Samson studiert an einer deutschen Universität und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: ds

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