Spahn: Bei Ostertreffen auch zu Hause Maske tragen Wieler stimmt Menschen auf Impf-Dauerschleife ein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) appellierte gerade an alle Bürger, sich, wenn überhaupt, an Ostern nur im Freien zu treffen, und in Innenräumen nur mit Schutzmasken, wenn nicht nur Personen aus dem eigenen Haushalt oder „dem engsten Kreis“ zusammenkommen. Wir laufen Gefahr, dass unser Gesundheitssystem im April an seine Grenzen kommt, mahnte der Christdemokrat am Freitagmorgen auf der Bundespressekonferenz. Schon jetzt seien steigende Zahlen bei den Intensivpatienten zu beobachten: „Es kann wieder eine steigende Todesanzahl geben.“

Der Leiter des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler stimmt die Menschen auf eine Impf-Dauerschleife ein: Viel spreche dafür, dass man die Menschen mehrfach impfen müsse wegen der Mutationen, möglicherweise nach einem halben Jahr erneut, möglicherweise nach einem Jahr, so der RKI-Chef gerade auf der #BPK auf meine Frage, was ihn und Spahn optimistisch mache, dass sich das aktuelle Problem – eine Verschärfung der Lage durch Mutationen – nicht erneut und erneut wiederhole. Da die Impfungen anpassbar seien an diese Mutationen, würde es ein Gegenmittel geben, aber dafür seien möglicherweise jeweils neue Impfungen notwendig.

Meine zweite Frage war, warum die Inzidenz-Zahl nicht in ein Verhältnis zur Zahl der Tests gesetzt werde. Kritiker bemängeln ja, die reine Zahl sei wenig aussagekräftig, wenn man nicht wisse, wie oft getestet wurde. Ich muss offen gestehen, dass ich die Antwort nicht verstanden habe. Ich werde sie später transkribieren und dann wörtlich bringen – vielleicht liegt ja bei mir eine morgendliche Begriffsstutzigkeit vor.  

„Die Einreiseverordnung habe ich gerade unterzeichnet, sie tritt am Sonntagnacht in Kraft“, sagte der Minister (und korrigierte später, es sei am 30.3. um 0.01 Uhr, also in der Nacht auf Dienstag): „Wer keinen negativen Test hat, wird nicht mitgenommen.“ „Allerdings mache ich mir auch keine Illusionen, diese Einreiseverordnung allein ist nicht der Gamechanger.“ Wieler sagte, er hoffe, dass die Testpflicht dazu führe, dass weniger Menschen verreisen.

Der Effekt des Impfens werde durch die aktuell steigenden Infektionszahlen gemindert“, sagte Minister Spahn: „Momentan steigen die Zahlen zu schnell, die Virusvarianten machen die Lage gefährlich.“ Er wolle die Bürgerinnen und Bürger bitten, wenn sie andere treffen, „dann bitte nur draußen. Wenn, dann in kleineren Gruppen und idealerweise nur draußen.“

„Wir sind im letzten Teil des Pandemie-Marathons angekommen, aber es ist auch der schwerste Teil“, sagte Spahn: Am Ende eines Marathons erscheine oft jeder Schritt wie eine Qual. Aber es sei wichtig, das Erreichte nicht zu verspielen. „Es gilt eine Brücke zu bauen, dabei hilft das Testen.“ Inzwischen könne sich jeder Mensch in Deutschland mindestens ein Mal pro Woche testen lassen, so der Minister: „Ich kann nur dazu ermuntern, das auch zu tun.“

„Uns stehen sehr schwere Wochen bevor“, sagte RKI-Chef Wieler. Schuld daran sei die Variante B 1.1.7. „Es gibt deutliche Signale, dass diese Welle noch schwerer werden kann als die ersten beiden Wellen.“ Wenn man jetzt nicht gegensteuere, würden die Folgen schwerwiegend sein. Es drohten eine Überlastung der Krankenhäuser und auch höhere Todeszahlen. Auch Kinder und Jugendliche seien betroffen. Bei den Älteren stiegen die Inzidenzen nicht mehr so stark, das sei ein Erfolg der Impfungen.

„Das Virus verbreitet sich überall, wo Menschen zusammen kommen“, sagte Wieler: „Wir können diese Welle nicht mehr verhindern, aber wir müssen versuchen, sie abzuflachen.“ Die steigenden Fallzahlen würden auch dazu führen, dass wieder mehr Menschen behandelt werden müssen. Die Zahl der Todesfälle ginge zwar zurück, aber nicht mehr so stark. Man müsse davon ausgehen, dass sie wieder steigen werden. „Masken tragen und Lüften“, ermahnte Wieler erneut. „Verzichten Sie auf ungeschützte Treffen mit anderen Menschen, egal ob es Bekannte sind oder Verwandte.“

Ein Journalist fragt, sinngemäß: Müssen wir uns nicht eingestehen, dass die letzte Ministerpräsidentenkonferenz nichts gebracht hat, um das exponentielle Wachstum zu stoppen, brauchen wir nicht stärkere Maßnahmen? Spahn verweist darauf, man habe alles getan, was möglich war. Staatliche Maßnahmen allein könnten das Problem aber nicht lösen, es käme auf die Menschen und deren Mitwirken an. Eine zunehmende Zahl von Menschen wünschten sich ja sogar mehr Einschränkungen, so der Minister.

Es seien mehrere Aspekte in Betracht zu ziehen, sagte Wieler. Wenn man den Infektionsschutz stärker in den Vordergrund stelle, sei es auch möglich, mehr Infektionen zu  vermeiden. „Man hat sich nun entschlossen, auch die anderen Bereiche mit einzubeziehen, es ist eine Abwägung“, sagte RKI-Chef Wieler. Das wirft die Frage auf: Hat man das früher nicht gemacht? Wann entschloss man sich dazu, und warum? 

Spahn berichtet von einem Meldeverzug: „Wir bekommen jetzt noch Impfungen gemeldet, die im Januar waren.“

Ein Journalist von RTL/NTV fragt: „Wir sind jetzt wieder bei Inzidenzen von 20.000″, dennoch gebe es in einigen Regionen Erleichterungen. „Haben Sie die politische Steuerung der Pandemie aufgegeben?“ Spahn korrigiert die falsche Inzidenz-Zahl nicht. Er verweist darauf, dass die Erleichterungen dort stattfänden, wo es geringe Inzidenz gibt. Der Kollege fragt nach: „Haben Sie das Gefühl als Bundesgesundheitsminister, Sie haben die Pandemie unter Kontrolle?“ Spahn antwortet ausweichend: „Der Bund alleine kann genauso wenig diese Pandemie bekämpfen wie die Länder alleine.“ Die Politik alleine könne hier nichts ausrichten, es komme auf das Mitwirken der Bürger an.

Ob die Corona-Warn-App kaum noch eine Rolle spielt, da nur zwölf Prozent Infektionen mitgeteilt würden, wird Spahn gefragt. Der Minister blickt in sein Smartphone und liest die Zahlen vor, die ihm angezeigt werden: „Klar, noch mehr wäre noch besser. Aber man findet all diese Daten in der App.“

Ein Kollege fragt, ob Schnelltests für Flüge reichen. Wieler antwortet: Schnelltests seien besser, als gar keine Tests, auch wenn der PCR-Test genauer sei. Er hoffe, dass die Testpflicht auch dazu führe, dass weniger Menschen verreisen: „Reisen und Kontakte sind die Treiber dieser Pandemie.“

Tilo Jung fragt: „Halten Sie 100.000 Neuinfektionen täglich für möglich?“ Und warum Wieler die Unternehmer nicht anspreche. Wieler antwortet, er spreche alle Menschen an, Unternehmer seien auch Menschen. Und 100.000 Neuinfektionen pro Tag halte er für möglich.

Nur in Portugal gebe es einen wirklich strengen Lockdown, der funktioniere, wo die Menschen auch wirklich weggesperrt würden, sagt sinngemäß der Kollege Hans Jessen, der auch für „Jung und Naiv“ von Tilo Jung aktiv ist. Der Tenor der Frage: Warum kommt das bei uns nicht. Wieler verweist darauf, man hätte das ja gehabt.

„Wann rechnen Sie mit der ersten Marktzulassung von Impfstoffen für Kinder“, fragte ein Kollege. Spahn sagt, die Entwicklungen liefen. Es könne Monate dauern, aber auch Jahre. Sobald es einen entsprechend zugelassenen Impfstoff gebe, wolle man ihn auch zügig verimpfen.

+++ Aktualisierungen folgen +++

 

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Bild: Boris Reitschuster
Text: br


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