Theresa May kritisiert Johnsons Corona-Politik scharf: „Wir haben uns zurückentwickelt“ Premierminister rudert zurück

Von Christian Euler

Es ist erstaunlich, wie ehemalige Staatschefs plötzlich die Interessen ihrer ehemaligen Untertanen im Blick haben, deren Belange während ihrer Amtszeit zumeist weit unten auf ihrer Prioritätenliste standen.

Ein aktuelles Beispiel ist die frühere britische Premierministerin Theresa May, die sich öffentlich gegen die Corona-Politik ihres Nachfolgers Boris Johnson stellt.

Bereits vor knapp drei Wochen kritisierte sie die Corona-Reisepolitik der Regierung: Großbritannien sei ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie „keinen Schritt weiter“, obwohl mehr als die Hälfte der britischen Erwachsenen zwei Impfungen erhalten hätten.

„Wir haben eine zerstörte Industrie, verlorene Arbeitsplätze. Wir sind nicht nur nicht weitergekommen, sondern haben uns zurückentwickelt. Wir haben jetzt über 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung geimpft – ein wunderbares Programm – und trotzdem sind wir bei Reisen stärker eingeschränkt als im letzten Jahr.“

»Varianten tauchen immer wieder auf«

Großbritannien beginne, bei der Wiederöffnung seiner Grenzen für Reisende hinter Europa zurückzufallen, das Vereinigte Königreich sende eine Botschaft an den Rest der Welt, dass „das globale Großbritannien für Geschäfte geschlossen ist“. Nun legte sie nach:

* „Wir werden das Vereinigte Königreich nie von Covid-19 befreien können. Es wird niemals der Zeitpunkt kommen, an dem wir sagen: Es gibt keinen Fall von Covid-19 mehr.“

* „Varianten tauchen immer wieder auf. In jedem Jahr wird es neue Varianten geben. Wenn aber die Regierung die Position vertritt, dass wir erst wieder reisen können, wenn es keine neuen Varianten mehr auf der Welt gibt, können wir nie wieder ins Ausland reisen.“

* „Und drittens werden auch in Zukunft Menschen an Corona sterben – so wie in Großbritannien jedes Jahr 10.000 bis 20.000 Menschen an Grippe sterben.“

Die Politikerin, die vom 13. Juli 2016 bis zum 24. Juli 2019 die Geschicke des Vereinigten Königreichs lenkte, erachtet es als „unverständlich“, dass „eines der am meisten geimpften Länder der Welt“ am wenigsten bereit sei, seinen Bürgern die Freiheiten zu geben, die jetzt die Impfungen bieten sollten.

Blaupause für linientreue Bundespolitiker?

Mit Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage scheint ihr Vorstoß nicht umsonst gewesen zu sein. „Es ist alles vorbei! Das Kabinett beschließt, dass es an der Zeit ist, „mit Covid zu leben“… und dass man keinen Impfnachweis mehr vorlegen muss, um an Massenveranstaltungen teilzunehmen“, titelte die „Daily Mail“ kürzlich und zitiert eine nicht genannte Quelle: „Wir müssen uns an die Idee gewöhnen, Covid eher wie eine Grippe zu behandeln.“ Die verpflichtende Verwendung der „Covid-Zertifizierung“ soll nach dem 19. Juli ad acta gelegt werden.

Hierzulande erscheint Derartiges gleich aus zwei Gründen derzeit kaum vorstellbar. Es mangelt an Polit-Schwergewichten, die öffentlich solch unverblümte Kritik äußern. Zudem mutet es geradezu utopisch an, dass Merkel & Co. ihren Kurs kritisch hinterfragen.

Doch bleibt zu hoffen, dass Theresa May mit gutem Beispiel vorangeht und zumindest außerhalb hiesiger Grenzen weitere frühere und auch aktuelle hochrangige Politiker zu offener Kritik gegen die vielerorts willkürliche Corona-Politik motiviert. Vielleicht könnte dies letztendlich sogar einen der linientreuen Bundespolitiker auf andere Gedanken bringen. So viel Zuversicht muss sein.

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Shutterstock/Drop of Light
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