Viele Intensivstationen sind an ihrer Grenze Ist die Krise selbst verschuldet?

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Ich habe lange überlegt, ob ich das schwierige Thema der Gesundheitsversorgung in Zeiten von Corona hier anpacken soll. Es ist sehr komplex und es wurden in den letzten Monaten viele Fehler gemacht. Teilweise Fehler, die kommen mussten, weil wir unter dem Primat einer technischen Gesundheitsversorgung leben und die Menschen, die dort versorgen und versorgt werden, sich diesem Primat unterordnen müssen. 

Außerdem hat der Wettbewerb, der unter den Kliniken stattfindet, aber auch in Pflegeheimen und ambulanten Einrichtungen, zu einer grenzwertig schlechten Personalausstattung geführt. Personalkosten stellen etwa achtzig Prozent in der Kostenkalkulation der meisten Einrichtungen dar, auch von Intensivstationen. Da wurde kräftig gespart. Man hörte sogar im Sommer von Kliniken, die Personal abgebaut haben.

Es hätte daher eigentlich nicht verwundern dürfen, dass die optimistischen Einschätzungen von Intensivbetten und Beatmungsplätzen, die im Frühjahr abgegeben wurden, heute keinen Bestand mehr haben. Vielleicht hatten sie auch vorher keinen Bestand.

Der Faktor Mensch als entscheidende Ressource zur Aufrechterhaltung des Systems wurde nicht hinreichend berücksichtigt. Anders ist nicht zu erklären, dass nun viele Intensivstationen in Deutschland tatsächlich am Rand ihrer Belastbarkeit arbeiten.

Am 22.12. fand eine Pressekonferenz mit der DIVI (der Vereinigung der Intensivmediziner) statt, über die auch hier berichtet werden sollte. Auffällig ist nämlich, dass es, im Vergleich zum Frühjahr, erhebliche Abweichungen in der Einschätzung der Ärzte gibt, wie viele Betten für beatmungspflichtige Covid-19 Patienten zur Verfügung stehen.

Während im Frühjahr noch eine Gesamtkapazität von Beatmungsplätzen angegeben wurde, die mit Reserven bei bis zu Fünfzigtausend lag, sind heute schon bei einer Gesamtbelegung von fünftausend beatmungspflichtigen Covid-Patienten viele Intensivstationen an ihren Grenzen angelangt.

Das wurde in der Pressekonferenz auch konkret nachgefragt, warum seit Sommer die Zahl der Intensivplätze kontinuierlich sinkt. Als Antwort wurde wiederholt der Personalmangel auf deutschen Intensivstationen angegeben, der gerade in belasteten Regionen eine entscheidende Rolle spiele.

Dies wird von Ärzten auch vor Ort bestätigt, die teilweise schon mit einem Personalmix arbeiten müssen, in dem auch zunehmend Ärzte und Pflegepersonal auf den Intensivstationen eingesetzt werden müssen, die nur wenig Intensiverfahrung haben, bzw. nicht routinemäßig auf Intensivstationen arbeiten. Erwähnt werden konkret Schwestern, Pfleger und Ärzte aus dem operativen Bereich.

Während der Konferenz wurde auch erwähnt, dass die Zahl der beatmungspflichtigen Covid-Patienten in den nächsten Wochen noch steigen wird, was durchaus glaubwürdig ist.

Aus einer Klinik mit hohem Krankenstand beim Personal ist mir bereits bekannt, dass die Aktivierung von Katastrophenplänen kurz bevor steht. Dies bedeutet, dass Personal aus dem Weihnachtsurlaub zurückgeholt wird und zugleich noch mehr fachfremdes Personal auf den betroffenen Isolationsstationen und in den Intensivbereichen eingesetzt werden muss.

Eine unbefriedigende Situation für alle, die vermutlich auch die Qualität der Behandlung beeinträchtigen kann.

Alle Intensivmediziner nicken zustimmedn während der Pressekonferenz, als die Frage kommt, ob eine Triage-Situation in Deutschland vermieden werden muss. Dies sei aus Gründen der Menschlichkeit in jedem Fall zu vermeiden. Es wird auch von mehreren Medizinern erwähnt, dass Strafrechtler eine solche Triage-Entscheidung als rechtlich nicht gedeckt ansehen. Es kämen also in einer solchen Notsituation Strafverfahren auf die betroffenen Ärzte zu.

Das alles wissen die Menschen, die in den Krankenhäusern arbeiten und entsprechend schlecht ist die Stimmung. In einundzwanzig Regionen in Deutschland seien die Intensivstationen bereits voll belegt. Die Verlegung in Nachbarregionen und auch schon Fernverlegungen von Patienten nach dem sogenannten Kleeblattsystem finden bereits statt.

Die Leserinnen und Leser mögen selbst entscheiden, wie sie die Lage einschätzen. Ich persönlich halte sie für sehr bedenklich und werde das auch über die Feiertage berücksichtigen und alles tun, um mich nicht anzustecken. Ich werde meine Kontakte reduzieren und in Situationen außerhalb meiner Wohnung meine FFP2 Maske bei mir tragen, für den Fall, dass es eng wird. Viel mehr kann man jetzt wohl auch nicht machen.

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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“

Bild: Alexandros Michailidis/Shutterstock
Text: Gast
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