Warum Lockdowns nicht so wirken wie gedacht Fakten, die hierzulande gerne verschwiegen werden

Die erfahrenen Mediziner Thomas Voshaar und Dieter Köhler sowie der Physiker Gerhard Scheuch haben in einem Beitrag auf Focus Online die Lockdown-Politik kritisch hinterfragt. Darin verweisen die drei Autoren auf einen Beitrag in dem Blog von F Zack – dem sie bescheinigen, darin die aktuellen Ungereimtheiten „klug zusammengefasst“ zu haben. Sie schreiben über den Text: „Am Ende findet er jedoch keine plausible Erklärung für die gefundenen Phänomene. Er bietet auch keine ideologisch gefärbten Erklärungsmodelle an, was ihn von vielen anderen Analytikern der Pandemie positiv abhebt.“ Kritische Fragen aufwerfen, auf Widersprüche hinweisen, ohne dem Leser eine Erklärung aufzudrängen – das finde ich gut. Darum habe ich Zack F um die Erlaubnis gebeten, seine hoch interessante Analyse hier zu veröffentlichen. Voilà:


Ein Gastbeitrag von Zack F

COVID19 verläuft regional und in Wellen

Covid19 verläuft regional und in Wellen. Das Auftreten korreliert meistens — aber nicht immer — mit der örtlichen ILI-Saison, also dem Zeitraum, in dem auch andere Influenza-ähnliche Erkrankungen auftreten. Fast immer bilden sich markante Wellen heraus, die sich typischerweise über 6–10 Wochen rasch aufbauen, unter großer Sorge der Bevölkerung und der Politik, um dann wieder erstaunlich rasch abzufallen.

Warum diese Wellen auftreten, ist weitgehend unklar. Das Virus verschwindet offensichtlich, entgegen der verbreiteten SIR-Modelle, noch bevor alle sus­zep­ti­blen (nicht-immunen) Individuen infiziert wurden — Beweis hierfür ist, dass es in teilweise größerer Wucht wiedergekommen ist. Es müssen also eine Menge Sus­zep­ti­bele in der Population verblieben sein.

Diese Wellen sind in ähnlichem Zeitverlauf auch bei den meisten anderen Viren zu beobachten, egal ob endemisch (“alt”) oder pandemisch (“neuartig”).

Sind diese Wellen durch Maßnahmen erklärbar? Die meisten Staaten weltweit haben ähnliche Maßnahmen fast zeitgleich ergriffen. Es ist daher schwierig, die Wirkung der Maßnahmen vom natürlichen Verlauf zu unterscheiden.

Dennoch gibt es einige Ausreißer, die als “Leerprobe” dienen können — Länder und Regionen fast ohne Maßnahmen, die uns einen Blick auf den natürlichen Verlauf der Covid19-Wellen ermöglichen.

Die Daten: Wirken Lockdown und Social Distancing?

Florida vs. USA

Florida hat am 28. September 2020 praktisch alle Restriktionen aufgehoben. Bars, Kinos, Freizeitparks wie Disneyland, ja sogar Stripclubs — alles offen, weitgehend ohne Kapazitätseinschränkungen, mit Beachtung von eher geringen Hygieneregeln. Auch Großveranstaltungen sind dort erlaubt. Weder die Entwicklung der New Cases (Neuinfektionen), noch der Toten oder der Hospitalisationen ist seitdem in dem Bundestaat irgendwie bemerkenswert: Florida liegt bei allen Parametern im US-Mittelfeld. Anschaulich ist hier insbesondere der Vergleich mit dem in Struktur und Klima ähnlichen, aber äußerst strengen Kalifornien.

Georgia, Floridas Nachbarstaat, hat ähnlich laxe Maßnahmen und liegt ebenfalls mit allen Zahlen im US-Mittelfeld. Weitere US-Staaten mit sehr geringen Maßnahmen sind Nevada, Alabama, Oklahoma und South Carolina. Etwas Besonderes ist in all diesen Staaten eigentlich nicht passiert, einige liegen unter dem Durchschnitt der Toten pro Million, andere über dem Durchschnitt. Jedenfalls ist überall die prophezeite Katastrophe des ungebremsten “exponentiellen” Wachstums ausgeblieben.

Alleine diese ersten Datenpunkte müssten bezüglich der Wirkung von Social Distancing extrem stutzig machen.

South Dakota vs. North Dakota

Die Dakotas sind zwei kleinere Staaten im mittleren Westen der USA, die günstigerweise in allen geografischen und sozioökonomischen Daten übereinstimmen — und zudem benachbart sind. Ein besseres Experiment wäre kaum aufzubauen.

South Dakota hat eigentlich nie wesentliche Maßnahmen ergriffen; wenn man einmal von Aufrufen zum Händewaschen oder Ähnlichem absieht. Großveranstaltungen ohne Einschränkungen waren stets erlaubt, Unis, Gastronomie, Läden, Schulen immer offen. Und nie eine Maskenpflicht; auch freiwillig werden diese dort eher selten getragen.

North Dakota hat auch einen eher liberalen Ansatz. Jedoch wurde dort ab Anfang November die Gastronomie deutlich beschränkt und eine staatsweite Maskenpflicht verhängt. Ein Unterschied in der Fallentwicklung ist nicht erkennbar — North Dakota hat sogar geringfügig mehr Fälle und Tote als South Dakota. Auch dies ein weiterer Datenpunkt, der sehr stutzig macht.

Schweden und die deutschen Bundesländer

“Der schwedische Weg ist gescheitert!” Dies konnte man in der deutschen Presse nach der ersten Welle in Europa häufig lesen. Tatsächlich war in der ersten Welle vor allem auf Grund von Ausbrüchen in der Metropolregion Stockholm die Zahl an Toten in Schweden hoch, sie befand sich im oberen Drittel der EU-Länder; allerdings weit entfernt von der Tabellenspitze, welche durchweg durch strengere Lockdownländer belegt wurden. In vielen anderen Regionen Schwedens verlief allerdings schon die erste Welle erstaunlich unauffällig — klar entgegen den Prognosen der Lockdownbefürworter ohne “exponentielle Katastrophe”.

Noch stutziger macht eine isolierte Betrachtung der zweiten Welle ab Oktober. Auch während der zweiten Welle gab es in Schweden nur ein Mindestmaß an Maßnahmen (Restaurants mit Restriktionen offen, keine Ladenschließungen, Schulen bis Klasse 7 oder 9 vollständig offen, Sport weiter möglich, Skigebiete geöffnet).

Hier zeigen sich mit der Theorie des Social Distancing kaum noch zu erklärende divergente Entwicklungen:
Das sehr lockdown-begeisterte und immer “schnell reagierende” Österreich liegt etwa gleichauf mit der Schweiz, in der es strenge Lockdowns bis zum 19.1.2021 nur in einzelnen Kantonen gab. Beide übertreffen — wie UK — Schweden deutlich.

Schweden hat in der zweiten Welle etwa gleich viele Tote im Zusammenhang mit Covid wie Deutschland und weniger als im EU-Durchschnitt. In Deutschland sind die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern zudem extrem unterschiedlich, trotz praktisch zeitgleichem Ablauf der Maßnahmen dank der Konferenzen von Kanzlerin Merkel, welche die Bundesländer regelmäßig auf Linie bringt. Sachsen ist unter den gleichen Maßnahmen zu einem europäischen Hotspot geworden, die angeblich dazu beitrugen, Mecklenburg-Vorpommern zu verschonen. Mecklenburg-Vorpommern sah dann aber in den Wochen nach deutlichen Verschärfungen einen Anstieg von Fällen und Intensivpatienten; völlig entgegen jeder Vorhersage. Die wechselnde Benennung der Bundesländer mal als vernünftig und maßnahmentreu, dann als unvernünftig und leichtsinnig ist natürlich ein Post-Hoc Zirkelschluss und völlig unbelegt.

Kroatien: ein Erdbeben führt zu abruptem Ende der Maßnahmen

Am 28.12.2020 ereignete sich im Kroatien ein Erdbeben, Epizentrum Landkreis Sisak-Moslavina. Die Leben von 100.000 Menschen werden stark beeinträchtigt, 7 Tote, Häuser zerstört, Familien werden in Notunterkünften untergebracht.

Die Menschen haben natürlich anderes im Sinn als Masken zu tragen und Social Distancing; die Covid19-Regeln geraten vollständig in den Hintergrund. Tausende Helfer reisen ein, die Grenzbestimmungen werden aufgehoben. Entgegen jeglicher Modellannahme kann man an der epidemiologischen Kurve keinerlei Besonderheit erkennen. Die Zahl der Tests wurde übrigens trotz des Erbebens erhöht, wohl aufgrund der gestiegenen Kontaktfrequenz zu Fremden.

 

“Aber Lockdowns wirken doch — siehe Irland”

Zeitliche Korrelation ist kein Nachweis einer Kausalität; vor allem wenn in Ländern ohne diese Maßnahmen die Kurvenform nicht wesentlich anders aussieht.

Immer wieder werden spontan eingetretene Wenden in der Virusausbreitung als Lockdown-Wirkung fehlgedeutet. Ein gutes Beispiel ist hier der zweite Lockdown in Irland: dramatisch daran ist, dass diese Fehldeutung sogar von unserer Wissenschaftselite, der Leopoldina, geteilt und nicht bemerkt wurde. Sehen wir den “vorbildhaften” irischen Lockdown2 einmal im Detail an:

 

Gipfel der Neuinfektionen war der 18.10.2020. Der nationale Lockdown wurde in Irland am 21.10.2020 um Mitternacht ausgerufen, begann also eigentlich erst am 22.10.. Das Maximum der Fälle nach Meldedatum war 4 Tage vorher. Da noch Inkubationszeit, Zeit bis zum Test, Laborzeit und Meldeverzug eingerechnet werden müssen, war der Gipfel der Ansteckung spätestens um den 11. Oktober erreicht, ganze 11 Tage vor dem Lockdown.

Wir wissen natürlich nicht sicher, wie die Kurve ohne den irischen Lockdown 2 ausgesehen hätte. Sicher ist aber, dass die Wende auch ohne die Maßnahmen vom 22.10. aufgetreten wäre. Ein klassischer Post-Peak Lockdown, wie wir ihn z.B. auch in der zweiten Welle in Österreich gesehen haben, oder in der ersten Welle in Deutschland:

Diese Effekte auf “freiwillige Selbstbeschränkung unmittelbar vorher” zurückzuführen, ist wieder ein klassischer Post-Hoc Zirkelschluss. Spätestens wenn man den zweiten und dritten Lockdown in Israel oder den dritten Lockdown in Irland betrachtet, ist dies völlig inkonsistent (hier waren die Peaks Wochen später). Viel wahrscheinlicher ist eine Fehlattribution der oben beschriebenen unklaren Wellenmuster auf unser Handeln. Wir Menschen neigen zu derartigen Erklärungen, in der Psychologie sind solche Effekte gut bekannt unter dem Namen Kontrollillusion: Die Kontrollillusion (engl. illusion of control) ist die menschliche Tendenz, zu glauben, gewisse Vorgänge kontrollieren zu können, die nachweislich nicht beeinflussbar sind.

Im Experiment wurden Versuchspersonen davon überzeugt, dass sie einen vollständig zufälligen Münzwurf beeinflussen können. Teilnehmer, die eine Serie von Würfen erfolgreich voraussagten, begannen zu glauben, dass sie tatsächlich besonders gute Rater seien und dass ihre Rateerfolge sich bei Ablenkung verschlechtern würden.

Versuch einer Begründung: Warum sind Social Distancing und Lockdowns derart wirkungsschwach?

Die oben geschilderten, sehr vielfältigen Daten machen klar, dass Social Distancing und Lockdowns in der Wirkung um Größenordnungen überschätzt werden. Zu dieser Ansicht kommen übrigens auch mehrere Publikationen von hochrangigen Experten auf dem Gebiet, die keinen wirklichen Zusammenhang zwischen Schwere der Maßnahmen und Infektionsverlauf finden:

“Claimed benefits of lockdown appear grossly exaggerated.”
[Effects of non-pharmaceutical interventions on COVID-19: A Tale of Three Models; Vincent Chin, John P.A. Ioannidis, Martin A. Tanner, Sally Cripps]

“While small benefits cannot be excluded, we do not find significant benefits on case growth of more restrictive NPIs.”
[Assessing Mandatory Stay‐at‐Home and Business Closure Effects on the Spread of COVID‐19; Eran Bendavid, Christopher Oh, Jay Bhattacharya, John P.A. Ioannidis]

Wie kann das sein? “Weniger Kontakte, weniger Virusausbreitung! Das ist doch ein No-Brainer!”

Nur weil Aussagen andauernd wiederholt werden, sind sie noch lange nicht richtig. Es werden im folgenden zwei Thesen aufgestellt, welche die dramatische Wirkungslosigkeit dieser Interventionen erklären könnten.

These 1: Lockdowns wirken fast ausschließlich auf flüchtige Kontakte unter Nicht-Infektiösen. Sie haben daher kaum Wirkung.

Der oft gehörte Satz müsste eigentlich korrekt lauten: “Weniger Kontakte zu Infektiösen, weniger Virusausbreitung!”

Wer ist denn überhaupt infektiös? Die meisten Menschen, auf die der Lockdown wirkt, sind nicht infiziert. Und nur ein gewisser Anteil der Infizierten ist überhaupt ansteckend. Am ehesten sind wohl die Personen ansteckend, die frisch symptomatisch erkrankt sind, mit Husten und Schnupfen. Nicht-Symptomatische sind nach überwiegender Meinung weniger ansteckend — das legt auch die gesunde Lebenserfahrung mit respiratorischen Infekten nahe. Die genaue Bedeutung von prä-/asymptomatischer Übertragung ist für Corona alles andere als geklärt. Nehmen wir als Gedankenspiel an, der R-Wert betrage R=2,5 für symptomatisch Erkrankte mit Husten und Schnupfen (1 Mensch steckt 2,5 weitere an), aber nur 15%, R=0,35 für Asymptomatische und Präsymptomatische.

Eine oft übersehene, aber weltweit angewendete “Non Pharmaceutical Intervention” ist die folgende: Symptomatisch erkrankte Personen werden isoliert, sie bleiben zuhause. Gehen wir weiter davon aus, dass sich auch überwiegend an diese Maßnahmen gehalten wird, mit einer Rate von 10% der Menschen, die sich nicht daran halten.

Dann haben wir — ganz grob vereinfacht und abstrakt — zwei gedanklich getrennte Pandemiegeschehen. Eine Pandemie unter “Prä-/Asymptomatischen/Noncompliance”- Indivduuen mit einem R-Wert von R=0,6, und eine Pandemie unter den wirklich “Kranken” mit R=2,5.
Infektionsketten in Gruppe 1 sind unwahrscheinlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Person A eine andere Person B ansteckt, ist 60%, dass B in dieser Gruppe eine weitere Person C ansteckt, ist nur noch 36%; dass es zu einer Infektionskette von mehr als drei Personen kommt, ist unter 20%.
Gleichzeitig läuft die “Pandemie unter Kranken” aber weiter und treibt mit R=2,5 das Infektionsgeschehen an. Die Ansteckungen in Gruppe 1 sind dagegen vollkommen unbedeutend geworden.

Das Isolieren Erkrankter hat einen riesigen Einfluss auf die Pandemie. Maßnahmen, die sich dann zusätzlich auf die “Pandemie unter Gesunden” auswirken, hätten keine wesentliche Wirkung mehr, denn epidemiologisch sind Einzelfälle oder auslaufende Infektionsketten irrelevant. Lockdowns und andere Restriktionen sind Maßnahmen, die sich in der aktuellen Situation, in der Ansteckende ganz überwiegend isoliert sind, fast ausschließlich auf asymptomatische und präsymptomatische Personen auswirken.

Die Effektivität von Lockdowns steht und fällt also mit der Bedeutsamkeit der Ansteckung unter Nicht-Symptomatischen.
Wie ist hier die Datenlage? Die WHO schreibt auf Ihrer Webseite, stand 21.1.2021, folgendes:

„Early data from China suggested that people without symptoms could infect others. To better understand the role of transmission from infected people without symptoms, it is important to distinguish between transmission from people who are infected who never develop symptoms(asymptomatic transmission) and transmission from people who are infected but have not developed symptoms yet (pre-symptomatic transmission). The extent of truly asymptomatic infection in the community remains unknown.

Multiple studies have shown that people infect others before they themselves became ill, which is supported by available viral shedding data. One study of transmission in Singapore reported that 6.4% of secondary cases resulted from pre-symptomatic transmission. One modelling study, that inferred the date of transmission based on the estimated serial interval and incubation period, estimated that up to 44% (25–69%) of transmission may have occurred just before symptoms appeared.It remains unclear why the magnitude of estimates from modelling studies differs from available empirical data.

Transmission from infected people without symptoms is difficult to study. However, information can be gathered from detailed contact tracing efforts, as well as epidemiologic investigations among cases and contacts. Information from contact tracing efforts reported to WHO by Member States, available transmission studies and a recent pre-print systematic reviews suggests that individuals without symptoms are less likely to transmit the virus than those who develop symptoms. Four individual studies from Brunei, Guangzhou China, Taiwan China and the Republic of Korea found that between 0% and 2.2% of people with asymptomatic infection infected anyone else, compared to 0.8%-15.4% of people with symptoms.“

Zusammengefasst: Nichts Genaues weiß man nicht. Es finden sich – auch in anderen Literaturzusammenfassungen – Raten zwischen 0%, 0,7%, 2,2%, 6%, 44% oder 69% der Infektionen, die durch Asymptomatische oder Personen in der (kurzen!) präsymptomatischen Phase ohne Husten und Schnupfen mit ausreichend Viruslast hervorgerufen werden sein sollen.

Sollte der obere Bereich dieser Abschätzungen zutreffen, könnten Lockdowns eine gewisse Wirkung haben. Sollte die Wahrheit eher im unteren Bereich der Schätzungen liegen und damit asymptomatische Übertragung eher unbedeutend sein, wären die harten Restriktionen praktisch wirkungslos. Sie wären der größte Denkfehler der jüngeren Menschheitsgeschichte. Die oben zusammen getragenen Daten aus verschiedenen Ländern legen leider Letzteres nahe.

These 2: Andere Übertragungswege sind wichtig und wurden übersehen

Wenn Theorie und Wirklichkeit derart schlecht übereinstimmen, ist das häufig ein Hinweis darauf, dass das Modell grundlegende Falschannahmen trifft. Es müssen dann auch einmal radikal andere Theorien angedacht werden. Auch hier gilt: Nur durch die ewige Wiederholung von “Abstand schützt sicher vor Infektion” wird es nicht zwingend wahr.

Eine Möglichkeit, die zumindest die Datenlage erklären könnte wäre, dass die direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung viel weniger relevant ist als gedacht. Es gibt Berichte, die daran Zweifel aufkommen lassen können; insbesondere die immer wieder beschriebenen Virusinfektionen über weite Distanzen. Bekannt ist hier z.B. das “heitere” Beispiel der Toilettenübertragung von Covid über Kanalsysteme in Hochhäusern. Ernsthaft diskutiert werden auch “waterborne pathways” über Leitungswasser; hochspekulative Theorien diskutieren distante Virenübertragung durch Staubteilchen in der Troposphäre.

Auch die Rolle der Schmierinfektion und die Möglichkeit einer fäkal-oralen Übertragung ist alles andere als sicher ausgeschlossen; für andere respiratorische Viren (z.B. Rhinovirus) gilt diese Route als gesichert. Die FH Münster hat in einer Studie das Überleben von anzüchtbaren Viren auf dem porösen Material von FFP2-Masken für mehrere Tage bei Raumtemperatur nachgewiesen. Wenn dies auf FFP2 Masken gelingt, dürfte das auf anderen porösen Materialien im Haushalt auch möglich sein. Auch könnte man sogenannte Super-Spreading-Events durch viele andere Übertragungsrouten gut, vielleicht sogar besser erklären als über Aerosole und Tröpfchen.

Dass die Idee von anderen Übertragungswegen zumindest nicht abwegig ist, legt auch ein Zitat von Coronavirus-Experte Christian Drosten nahe. Dieser war zumindest noch im März von einer möglichen Übertragung über Biergläser ausgegangen:

“Die Biergläser werden, das wissen wir ja, in diesen Kneipen zwar mal durchs Wasser gezogen, aber wie viel Spülmittel da noch drin ist, das möchte man nicht so genau hinterfragen. Über diesen Weg wird mit Sicherheit auch dieses Virus übertragen“ (NDR Info Podcast, 13.3.2020). Auch hier gilt also am ehesten: Nichts Genaues weiß man nicht. Wären diese alternative Transmissionsrouten bedeutsam oder gar dominant, wären Social-Distancing-Maßnahmen mehr oder weniger unsinnig, nur sehr teuer. Die Virusausbreitung würde dann einfach über die anderen Wege weiterlaufen.

Zusammenfassung

Covid19-Wellen und andere Viruswellen kommen und gehen. Der Einfluss von Social Distancing wird stark überschätzt, natürliche, derzeit wohl unerklärbare Einflüsse vollständig unterschätzt.

Warum dies so ist, wäre eine echte Herausforderung an die Wissenschaft. Ein Ansatz wäre die Klärung der wirklichen Bedeutung von nicht-symptomatischer Übertragung, ein anderer die Beachtung alternativer Übertragungswege.

Jedenfalls sollte ernsthafte Forschung aufhören, den einfältigen Kontrollwahn unserer Politiker immer weiter zu nähren, sondern sich stattdessen der Herausforderung der Diskrepanzen zwischen Modell und der Wirklichkeit stellen.
[mehr Statistiken & Diagramme in meiner Twitter timeline]

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Zack F beschäftigt sich seit März 2020 mit Daten & Fakten der Pandemie auf Twitter und in seinem Blog, auf dem auch dieser Beitrag erschienen ist.

Bild: Corona Borealis Studio/Shutterstock
Text: Gast 

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pk
13 Tage zuvor

Die beiden Thesen erscheinen mir sehr plausibel und gut begründet. Könnte man evtl. so zusammenfassen: Die Corona-Viren schaden möglicherweise den Infizierten, die Corona-Maßnahmen schaden sicher den nicht-Infizierten.

Die sog. Pandemie ist ein wunderbares Studienobjekt für Psychologen. Unsere Politiker und Medienvertreter lassen keine der wichtigsten Denkfehler aus,  Kontrollillusion wurde im Text ja schon genannt. Es gibt aber noch mehr:

  • confirmation bias: Wir filtern Informationen so, dass sie unsere bestehende Auffassung stützen (Beispiele für scheinbare Wirksamkeit des Lockdowns werden überbewertet, Gegenspiele ignoriert)
  • Dunning-Kruger-Effekt: weniger kompetente Menschen neigen dazu, ihre Urteilsvermögen zu überschätzen (Man achte auf Hr. Söders banale Äußerungen, die im Brustton der Überzeugung vorgetragen werden)
  • Maßstab-Missachtung: Man ist bereit einen bestimmten Aufwand zur Erreichung eines Ziels zu betreiben, lässt aber außer acht, wie groß der Effekt ausfällt (es macht offensichtlich einen Unterschied, ob ich durch den Lockdown der Wirtschaft 1 Mio. Menschenleben rette oder nur 100)
  • Mitläufereffekt: Was bei anderen zu funktionieren scheint, wird ungefragt übernommen. Der Lockdown in China schien zu funktionieren, dann macht man das nach, ohne zu fragen, ob nicht auch Unterschiede im Gesundheitssystem, der Testverahren etc. eine Rolle spielen könnten
  • nachträgliches Begründen: Eine Fehlentscheidung wird im Nachhinein rationalisiert, d.h. durch nicht wacklige Behauptungen zu legitimieren versucht. Bsp. Impfstoffdisaster (sollte unter dem Etikett der EU-Solidarität verkauft werden, ohne Lockwohn wäre alles noch schlimmer gekommen, die Impftoten waren schwer krank und bereits infiziert…)
  • Deformation-professionelle: Politiker neigen dazu naturwissenschaftliche Sachverhalten politisch zu verarbeiten, Naturwissenschaflter dagegen dazu, Politikern mit Sachargumenten zu begegnen. Resultat
  • Sachverhalte, die einem aufgrund persönlicher Erfahrung oder eigenen Wünschen plausibler erscheinen, glaubt man lieber, unabhängig davon, ob sie aus den Daten hergeleitet werden können. Schönes Beispiel: Herrn Lauterbachs Behauptung, Corona mache dumm: Karl Lauterbach und der IQ-Verlust: Macht Corona dumm? – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM

Offenbar hat Herr Lauterbach es gar nicht mehr nötig,  die Artikel, mit denen er sein                hysterisches Gekreische begründen will, gar nicht mehr zu lesen.

  • Alles-oder-Nichts-Verzerrung: Entweder wir besiegen das Virus oder das Virus besiegt uns. Koexistenz, Dynamik etc. werden ausgeschlossen.
  • Einfache Erklärugnen wirken überzeugender als differenzierte und sind leichter zu verarbeiten: Keine Kontakte – keine Ansteckungen. Dass die Realität komplizierter ist, hat der Artikel schön gezeigt.

Es ist lustig, mitanzusehen, wie Politik, Medien und die Großteil der Bevölkerung diese altbekannten und gut erforschten kognitiven Verzerrungsmuster immer wieder zwanghaft durchexerziert, ohne zu bemerken,  dass sie ständig nur dieselben Fehler wiederholen. Wie dünn ist die Schicht der Rationalität, auf der unsere Gesellschaft basiert.

Ein verbreiteter Irrglaube besteht in der Annahme, hohe  Intelligenz korreliere mit rationalem Verhalten oder gar Denken. Dass dem nicht so ist, hat der kanadische Psychologe Keith Stanovich gezeigt (What Intelligence Tests Miss: The Psychology of Rational Thought: Amazon.de: Stanovich, Keith E.: Fremdsprachige Bücher).

Wenn man verstehen will, weshalb wir soviel elaborierten Unsinn zu hören bekommen, sollte sich dessen bewusst sein.

nschulz
13 Tage zuvor

Super Artikel! Es stellt sich nur die Frage, ob unsere Bundeskanzlerin und andere Spitzenpolitiker wie Söder ebenfalls dieser Kontrollillusion unterliegen. Ich bin mir ziemlich sicher: NEIN… sie wissen ganz ganz genau, was sie machen. Die Kontrollillusion ist nur fürs „dumme Volk“, damit es die Maßnahmen brav mitmacht.

pk
Antwort an  nschulz
12 Tage zuvor

Dachte bei Söder auch, so blöd kann man eigentlich nicht sein, da muss böse Absicht dahinter stecken. Bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, wenn ich die folgenden Faktoren berücksichtige:

  • Extrem ausgeprägter persönlicher Ehrgeiz und Geltungsdrang
  • Vertrautheit mit politischer Logik, nicht mit rationaler Sachlogik, daraus erwachsendes Freund-Feind-Denken und sehr begrenzte Fähigkeit zum Umgang mit divergierenden Meinungen, Abschottung gegen fremde Meinungen um Selbstzweifel zu vermeiden
  • Überschätzung des eigenen Urteilsvermögens
  • allgemein menschliche Anfälligkeit für kognitive Verzerrungen, die durch die obg. Faktoren noch verstärkt werden könnten

Ich kann mir inzwischen durchaus vorstellen, dass Leute wie Söder, Spahn, Merkel etc. sich aufgrund ihrer persönlichen und politischen Rahmenbedingungen erheblich dümmer verhalten als sie es aufgrund ihrer intellektuellen Voraussetzungen müssten. Möglicherweise halten sie sich selbst sogar für autonom und vernünftig handelnde Figuren, während sie gleichzeitig in hohem Maße von Beratern abhängig sind und unbewusst den Handlungsschemata ihrer Vorbilder folgen und ihre eigene Manipuliertheit nicht durchschauen (das gilt allerdings wfür die meisten von uns, fürchte ich).

Häbbe
13 Tage zuvor

Und meiner Meinung nach sind diese Idioten-Larven der Haupt Infektionstreiber. Hast du keine Maske auf und sind irgendwelche Viren in Nase oder Rachen gekommen, Atmest du die allermeisten davon  auch wieder aus und weg sind sie. Mit Maske hingegen, – da Viren ja an Sekret Tröpfchen haften und dort auch länger Zeit überleben – verfangen sie sich beim Ausatmen im Maskengewebe und werden  so auch erneut eingeatmet. Und da Sekret ja aus Körperzellen besteht, kann sich auch jedes Virus darin vermehren und mit jedem Atemzug anreichern. ( Aber vielleicht ist ja genau das der Sinn und Zweck des Maskenterrors. )

Paulin
13 Tage zuvor

Weiter geht es mit schmutziger, rechtsentkräftenden Politik !

„Jeder Postbote darf jetzt verdächtige Pakete öffnen
Im Lockdown floriert der Onlinehandel. Um illegalen Handel mit Drogen, Waffen, Sprengstoff und Dopingmitteln auf dem Postweg einzudämmen, hat der Bundestag nun einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der Postboten erlaubt, verdächtige Pakete eigenmächtig zu öffnen.“ Weiterlesen auf focus.de v. 13.02.2021ooooooooooooooooo

Weiter geht es mit dem Abbau der i.d. Grundgesetz verbrieften Bürgerrechte, sprich „Postgeheimnis“.
Politiker haben ihren Verstand verloren !

Judith Panther
13 Tage zuvor

Frage an Radio Eriwan: „Warum wirken Lockdowns nicht so, wie gedacht?“
Radio Eriwan: „Gegenfrage: Wenn einer kein Zahnweh hat und nimmt eine Schmerztablette dagegen ein – wie lange dauert es dann, bis die hilft?“
Wir brauchen einfach mehr Geduld.

KingFish
13 Tage zuvor

ad: „Diese Wellen sind in ähnlichem Zeitverlauf auch bei den meisten anderen Viren zu beobachten, egal ob endemisch (“alt”) oder pandemisch (“neuartig”).“

 

Bitte nochmal recherchieren, was „endemisch“ und „pandemisch“ bedeuten und korriegieren. Ansonsten sehr gefälliger Artikel, den viel mehr Leute lesen (und verstehen) sollten.

H. Dornheim
13 Tage zuvor

Wäre schön, wenn bei den Vergleichen der Bundesstaaten in USA und auch bei den Vergleichen mit Schweden die Populationsdichte mit einfließen würde. Ich denke, das hat auch einen Einfluss auf das ganze Infektionsgeschehen.

Ich selbst finde jedoch die Maßnahmen bei uns total übertrieben. Obwohl doch angesichts einer Sterblichkeit von 26 Personen in einem Altenheim mit 72 Bewohner, von denen nur 6 Personen nicht infiziert waren, eine gewisse Vorsicht geboten ist.

Arne Ausländer
13 Tage zuvor

Diese Analyse ist in der Tat solide und aufschlußreich. Wird sie aber eine nennenswerte Zahl von „Zeugen Coronas“ der Realität näher bringen können? Da habe ich meine Zwerifel, ist doch unser aller Alltag seit März in vielen Punkten so offenkundig widersinnig, daß sich eigentlich jeder des Denkensfähige entsetzt auflehnen müßte. Es geht aber eben nicht um die Fähigkeit, sondern um die Willigkeit zu denken. Den Unwilligen reichen die gelieferten scheinlogischen Argumente der Politik, selbst Schwenks um 180° ändern daran nicht – wie wir alle mehrfach miterleben mußten.

  • Eine einfachere, weil grundsätzlichere Erklärung der Unwirksamkeit von Lockdowns wie auch der Masken und der „Impfung“ liegt darin, daß diese eben anderen Zielen dienen. Belegt wird dies dadurch, daß die drei medizinisch unwirksamen Maßnahmen konstant in den öffentlich zugänglichen Plangsszenarien enthalten sind und die Unwirksamkeit längst bekannt ist bzw. im Fall der Impfung (während einer Pandemie) die reine Logik ausreicht. Da man kaum von übergroßer Dummheit der Akteure ausgehen sollte, bleibt der Schluß, daß es um andere Ziele als die vorgeschobenen medizinischen geht. Diese werden leider nicht offen genannt, man muß sie logisch erschließen, unterstützt von einigen überlieferten Aussagen der wirklich Mächtigen. Ein Beispiel: das Interview von Aaron Russo (2006), wonach Niklas Rockefeller ca. 1997 als Ziel die totale Kontrolle genannt hat (hier sinngemäß nach meiner Erinnerung widergegeben). Dem Ziel der Kontrolle über uns Menschen können Lockdown, Masken und „Impfung“ durchaus dienen. JEDE Einschränkung hilft den Kontrolleuren.
Reika
13 Tage zuvor

Hervorragender Beitrag zur Sinnlosigkeit der alles strangulierenden unverhältnismäßigen Maßnahmen und des Vergessens bisher üblicher hygienischer Maßnahmen!

Paulin
13 Tage zuvor

„Lauterbach und Kretschmer schließen Osterurlaub in Deutschland in diesem Jahr aus
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spricht sich strikt gegen Osterurlaub in Deutschland in diesem Jahr aus. „Wir müssen die Osterwochen nutzen, mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden.“ Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) hat Urlaub in Deutschland über Ostern ausgeschlossen.“ Weiter auf welt.de v. 14.02.2021ooooooooooooooooooooooooo

Für mich sind das unverhältnismäßige Einpeitscher und Angstmacher, wie viele andere i.d. Politik und im Endeffekt „Killer“ der Demokratie, Killer der Grundrechte.
Haut endlich ab aus der Politik, denn solche taugen nicht die Bohne !

pk
Antwort an  Paulin
13 Tage zuvor

Könnte man die beiden Herren nicht stattdessen frühzeitig in einen verlängerten Osterurlaub auf eine einsame Insel schicken? Mir scheint, Hr Lauterbachs Nerven liegen blank und könnten etwas Entspannung durchaus vertragen….

Der Möchtegern-Epidemiologe Hr. Lauterbach hat in den letzten Monaten sehr viel über seine psychische Konstitution preisgegeben. Warum hilft ihm den niemand?