Zensur im Verband der Geschichtslehrer Maulkorb zum Schutz von Anetta Kahane?

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Es gibt einen „Verband der Geschichtslehrer Deutschlands“ (VGD). Er ist 1913 gegründet worden. In der NS-Zeit war er verboten bzw. im NS-Lehrerbund gleichgeschaltet. Dass es den Verband heute mit 3.200 Mitgliedern gibt, ist wichtig – zumal in Zeiten eines um sich greifenden historischen Analphabetismus in allen Altersschichten der Bevölkerung. Der Verband ist denn auch recht rührig. Er ist Mitveranstalter des Deutschen Historikertages und Herausgeber der Zeitschrift „Geschichte für heute“ (siehe Links hier und hier).

In dieser Zeitschrift gibt es regelmäßig zahlreiche Rezensionen, die den Geschichtslehrern einen Überblick über aktuelle Fachpublikationen verschaffen.

So weit, so gut? Nun hat kürzlich der Historiker Hubertus Knabe, vormals Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen und aus dieser Funktion unter politisch höchst seltsamen Umständen vom Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) entfernt, eine Rezension über ein historisch-politisch nicht minder seltsames Buch geschrieben. Es ging um den Sammelband „Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe der DDR“ (Wochenschau Verlag 2018). Als Herausgeberin für diesen Band firmiert neben drei anderen Anetta Kahane, Direktorin der Amadeu-Antonio-Stiftung. Eine der Kernaussagen des Bandes lautet: Der SED-Staat sei kein marxistisch-kommunistisches Projekt gewesen, sondern Opfer und Erbe des NS-Regimes. Hubertus Knabe hat das in der ihm eigenen mutigen Art in der Rezension zu Recht aufgespießt und zerpflückt. Wir lassen aber mal beiseite, dass die These, die DDR sei quasi ein NS-Produkt gewesen, eher dem Orwell‘schen Wahrheitsministerium entstammen könnte. Und wir erinnern uns auch nicht an den bitteren Spott der Stalinzeit: „Keiner weiß, woraus das Gestern gemacht werden wird.“

Es geht um etwas anderes. Es geht um Zensur. Rezensent Hubertus Knabe hat nämlich wahrheitsgetreu darauf hingewiesen, dass Anetta Kahane Stasi-Mitarbeiterin war. Das ist ein biografisches Merkmal, das im Kontext eines solchen Bandes und einer darin proklamierten Reinwaschung des DDR-Regimes durchaus von Belang ist. Aber was macht die Schriftleitung der Zeitschrift „Geschichte für heute“? Angeblich, weil mit dieser biografischen Passage Persönlichkeitsrechte der Frau Kahane berührt waren, hat man die Passage ohne Rücksprache mit dem Autor und ohne Rücksprache mit dem Betreuer des Rezensionsteils gestrichen.

'Grundlegende historisch-politische Grundbildung‘

Noch einmal: Es handelt sich um eine Zensuraktion eines Verbandes der Geschichtslehrer. Hoffen wir mal, dass eine solche Zensur nicht symptomatisch ist für einen Unterricht, den Geschichtslehrer an Deutschlands Schulen halten. Wo der VGD ansonsten noch mainstreammäßig tickt, hat er im Februar 2020 in einer Presseerklärung zur vorübergehenden Wahl des FDP-Manns Kemmerich zum Thüringischen Ministerpräsidenten deutlich gemacht. Der VGD meinte, angesichts dieser Entwicklung „steht außer Zweifel, dass eine grundlegende historisch-politische Grundbildung an unseren Schulen notwendig ist.“ Aha!

Zurück zu Anetta Kahane: Klar, es stimmt, so die Zeitschriften-Redaktion: wer über Anetta Kahane etwas wissen will, findet einiges über ihre unrühmliche Vergangenheit. Oder doch nicht überall alles? Wir fügen ein nicht unbedeutendes Detail hinzu, zumal Frau Kahane jetzt viel auf Kampf gegen Antisemitismus macht. Genau das Gegenteil hat sie in der DDR getan. Sie hat Juden bzw. Jüdischstämmige denunziert – zum Beispiel, als sie die Brüder Peter Brasch (Schriftsteller) und Klaus Brasch (Schauspieler) bei der DDR-Staatssicherheit als „Feinde der DDR“ meldete. Die beiden waren Söhne des stellvertretenden Ministers für Kultur, Horst Brasch. Dieser hatte jüdische Wurzeln und war zum Katholizismus konvertiert. Klaus Brasch nahm sich übrigens 1980 das Leben. Nachzulesen ist all das hier in der Jüdischen Rundschau.

Ja, armes Deutschland, wenn du solche Hüter der Demokratie hast und auch noch staatlich üppig alimentierst!


Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68er und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

 


 


Bild: Kamira/Shutterstock
Text: Gast

 

 

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Hermann
1 Monat zuvor

Hermann
Antwort an  Hermann
1 Monat zuvor

Herr Reitschuster hat nun  auch einen „Psiram“ -Eintrag mit G. Kaiser etc. .
Das ist Aufhetzung gegen diese Gruppe, damit dann gezielt eingegriffen werden kann.
Gehe ich davon aus.

Stefano
1 Monat zuvor

Geschichte wird halt von den Siegern geschrieben. War nie anders. Wer die Wahrheit erfahren will, muss tief und abseits des Mainstreams graben. Im Opfer-, Beute- und Blödland Germany für viele zu anstrengend.

Ulrich S.
1 Monat zuvor

Dieses Jahr stehen ja im April bzw. August noch wichtige Gedenkfeiern an, die natürlich angemessener Vorbereitung bedürfen, da darf natürlich eine passende Grußadresse der „Geschichtsschaffenden“ nicht fehlen..

 

 

KlausiusFranzius
1 Monat zuvor

Wer bei WIKIPEDIA über die Rote Anetta Kahane Informationen einholt wird aufgrund dieses „erschienenen“ Artikels dann auch nicht überrascht sein, dass sie darin als Mitglied der Bürgerrechtsbewegung der DDR am „Runden Tisch“ mitwirkte. in einem Nebensatz wurde dann kurz darauf hingewiesen das sie von 1974 bis 1982 als IM bei der Stasi aktiv war. Liest sich insgesamt alles ziemlich nett über diese DDR Stasi Patriotin.

my name
1 Monat zuvor

Leider nur 68 Kommentare. Jetzt kommt der 69ste hinzu und der beleuchtet den verwerflichen Charakter der NICHTBESTRAFTEN TÄTERIN Anette Kahane als geführte IM im Projekt VISTORA: SIE, DIE SELBST JUDEN WÄHREND DES STASI_REGIMES dreist und gandenlos zur Strecke brachte: „…Juden einer tödlichen Verfolgungsbehörde als Gegner und Staatsfeinde zu melden, ist noch mehr: aktive Beteiligung an der Verfolgung von Juden. Genau das hat Anetta Kahane getan (zum Beispiel, als sie die Brüder Brasch bei der DDR-Staatssicherheit als „Feinde der DDR“ denunzierte.“). Genau sie sollte also ihren frechen Mund halten, indem sie Menschen der Corona-Widerstandsbewegung als antisemitisch und rechtsaffin hinstellte und noch stellt! Figuren wie Kahane kennen keine Scham, keine Gewissensbisse. Warum also Merkel die Schirmherrin der AA-Stiftung ist, wird noch durchleuchtet werden. Was sagt der Zentralrat der Juden zur Figur Kahane? Weiss ich noch nicht, ich schreibe da mal hoffnungsvoll hin.

KlausiusFranzius
Antwort an  my name
1 Monat zuvor

Fragen Sie mal bei Frau von? Knobloch nach. Ich meine die „Dame“ die sich auf einer „Gedenkfeier“ im Plenarsaal des BT so vortrefflich zur einzigen demokratischen Partei im BT, der AfD geäußert hat.
Wahrscheinlich ist Knobloch neben Erika Merkel-Honecker auch mit Kahane per Du.

my name
Antwort an  KlausiusFranzius
1 Monat zuvor

So etwas ähnliches will ich herauskitzeln. Jede Antwort, Nichtantwort ist auch eine, wird verwendet. (Es stinkt gewaltig in dieser ganzen Mischpoke da ganz oben)

spam
1 Monat zuvor

Dazu passend gab es auf der deutschen Wiki Seite von Anetta Kahane auch einen Edit-Krieg um ihre Bezeichnung Stasi-Mitglied, welche immer wieder verschwunden ist. Zeitweilen wurde wurde sie sogar als Kämpferin im Widerstand deklariert. Man hat sich jetzt wohl auf die Erwähnung der Stasi-Vergangheit geeinigt, in Zusammenhang mit einem Framing-Passus: „Kahane ist immer wieder Ziel rechtspopulistischer und rechtsextremer Angriffe und antisemitischer Anfeindungen.“. Klar, wer könnte auch sonst ihre Stasi-Vergangenheit kritisieren, außer Rechtspopulisten, Rechtsextremen und Antisemitischen…

Lupo
Antwort an  spam
1 Monat zuvor

Dazu auch mal die Wikipediaeinträge (Versionsgeschichte) von Fiona B. alias  Gabriel(l) Mirhoff zu A. Kahane und die Bilder hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane und hier: https://twitter.com/fionabaine?lang=es miteinander vergleichen. Man könnte glatt auf die Idee kommen, dass Frau Kahane ihren Wikipediaeintrag selbst bestimmt.

Lupo
Antwort an  spam
1 Monat zuvor

Wer das: https://twitter.com/fionabaine?lang=es und die Haupttäterin bei Wikipedia zur Person von Anetta Kahane nämlich Fiona B. alias Gabriel(l)e Mirhoff z.B. hier: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anetta_Kahane&offset=20181019092116%7C181932785&action=history in Verbindung setzt, könnte annehmen, dass Frau Kahane ihren Lebenslauf auf Wikipedia selbst schreibt und dabei jegliche Kritik von sich weist.

Lupo
Antwort an  spam
1 Monat zuvor

Wer dies: https://twitter.com/fionabaine?lang=es und die Haupttäterin bei Wikipedia zur Person von Anetta Kuhane nämlich Fiona B. alias Gabriel(l)e Mirhoff s. hier: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anetta_Kahane&offset=20181019092116%7C181932785&action=history in einen Zusammenhang bringt, könnte auf die Idee kommen, dass A. Kuhane auf Wikipedia ihren Lebenslauf selbst bestimmt. Zum Bildervergleich: https://en.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane

Lupo
Antwort an  spam
1 Monat zuvor

„Zensur“ so war ein Teil der Überschrift. Habe heute 3-4 x versucht, zu kommentieren und wurde hier augenscheinlich zensiert. Das wars dann Reitschuster.

Lupo
Antwort an  Lupo
1 Monat zuvor

oder doch nicht…grins.

Patriot
1 Monat zuvor

Wenn man wissen will, ob ein Geschichtslehrer was taugt und ob er an der Wahrheit interessiert ist, dann muss man ihn nur fragen, was am 3. Sptember 1939 wirklich los war. Wenn dann nicht viel entlastendes für den A.H. kommt, ist der Geschichtslehrer entweder eine Flasche oder ein Lügner.

Steffen
Antwort an  Patriot
1 Monat zuvor

Patriotische, ich vergesse neonazistische Individuen, müssen natürlich die positive Bewertung von Hitler zum Maßstab über die Fähigkeiten eines Historikers machen. Pfui.

Patriot
Antwort an  Steffen
1 Monat zuvor

Oh vielen Dank für Ihre wirklich gute Lehrvorführung. Genau so klingt jemand, der von den Alliierten mittels Siegerlügen erfolgreich gegen das Deutsche Volk „abgerichtet“ wurde. Nix wissen über die entscheidendsten Vorgänge des WW2, aber die Nazikeule immer in der Hinterhand. Hoffentlich sind Sie KEIN Geschichtslehrer!

Lupo
1 Monat zuvor

Betrachte ich die Beiträge einer gewissen Fiona B. alias Gabriel(l)e Mirhoff zum Wikipediaeintrag der Anetta Kahane und sehe ich diesen Twitteraccount: https://twitter.com/FionaBaine ,so  sollte Frau Kahane aber schnell zumindest das Bild auf dem Zwitteraccount löschen lassen, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, den Wikipediaeintrag zur eigenen Person selbst zu steuern und für gar sehr viele eigenartige Wikieinträge verantwortlich zu sein. Bildvergleich auf Wikipedia englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane

Oliver Graf
1 Monat zuvor

Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.
Napoleon I. Bonaparte

epilog2021
1 Monat zuvor

Vielleicht berichtet Herr Reitschuster heute Abend aus Berlin. In Wien deeskaliert aktuell die Polizei. Respekt: