Iran foltert – und die rot-grünen Moralprediger schauen weg Wieso unsere Champagner-Linken beim Mullah-Terror still bleiben

In seinem Buch „Nazis und der Nahe Osten“ beschreibt Matthias Küntzel die Nähe zwischen Nationalsozialisten und radikalen Moslems. Antisemitismus, Antiliberalismus und Machtkult schweißte sie zusammen. An dieses Buch, dessen Lektüre mich buchstäblich umgehauen hat und das ich jedem empfehle (siehe hier), musste ich denken, als ich mir die Reaktionen der großen deutschen Medien auf die aktuellen Massenaufstände im Iran gegen die radikalislamischen Mullahs ansah. Oder genauer gesagt: Die Nicht-Reaktion. Ja, klar, Sie können nun einwenden: Es wird doch berichtet. Klar. Aber wie: unter „ferner liefen“. Vergleichen Sie die heutige Iran-Berichterstattung mal damit, wie 2014 über den Aufstand in der Ukraine gegen die Janukowitsch-Regierung berichtet wurde.


Während die Ukraine‑Berichterstattung oft regelmäßig die Aufstandsbewegung affirmativ bis überschwänglich als legitimen Freiheitskampf rahmte, wirken die meisten Iran‑Berichte in deutschen Medien aktuell eher analytisch und distanziert statt euphorisch oder solidarisch. Man spürt eine deutliche Distanz – bis hin zu einem leichten „Igitt“. Dabei handelt es sich um eine grausame, gruselige Diktatur, die eigentlich für alles steht, was echte Linke verabscheuen sollten: Unterdrückung der Frauen, Unterdrückung von sexuellen Minderheiten, Scharia, ein Gottesstaat.

Woran liegt diese unheimliche, in der Tradition finsterster Zeiten stehende Nähe von Rot-Grün bzw. Links zum radikalen Islam – die sich etwa auch darin ausdrückt, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Spalter mit der linksradikalen Vergangenheit im höchsten Staatsamt, die Mullahs hofiert – bei denen er anders als etwa bei Trump 2016 gerne zum angeblichen Wahlsieg gratuliert. Was steckt hinter dieser Grundsympathie für die radikalen Islamisten? Die gemeinsamen Nenner könnten sein: Anti-Kapitalismus, Anti-Amerikanismus, Autoritarismus, und Judenhass.

Fakt ist: Beide Milieus pflegen – aus unterschiedlichen Gründen – eine tiefsitzende Skepsis bis Ablehnung gegenüber der westlichen Moderne: Linksgrün sieht im Westen den Ursprung von Kolonialismus, Klimakrise, Kapitalismus, Rassismus. Die Islamisten verwerfen die westliche Moderne als gottlos, dekadent, moralisch verkommen. Gemeinsam ist beiden: Die westliche Welt wird nicht als Heimat, sondern als Gegner oder mindestens als Problemursache betrachtet. Auch wenn sie ihre Früchte wie iPhones gerne nutzen.

Linksgrüne Ideologie zielt auf Entgrenzung, Internationalismus, Entnationalisierung. Auch der politische Islam verachtet den Nationalstaat – als koloniales Konstrukt. Auch er strebt nach Grenzenlosigkeit –  oft nach einer transnationalen Kalifatsvision. Die Schnittmenge: Die klassische Nation mit Grenzen, Leitkultur und Souveränität gilt als rückständig – bei beiden.

Zudem hat die linke Identitätspolitik eine Achillesferse: Um „nicht rassistisch“ zu wirken, vermeidet sie jede fundamentale Kritik an fremden Kulturen – selbst wenn diese brutal unterdrückend sind. So kommt es, dass z. B. Kopftuchzwang, Frauenschlag-Paragrafen oder Steinigungen nicht mit der gleichen Verachtung bedacht werden wie Gender-Gegner im Westen. Die perfide Konsequenz: Der Islamismus wird kulturell relativiert – während weiße westliche Abweichler (Trump, Orban, Höcke etc.) dämonisiert werden.

Beide Bewegungen arbeiten mit einem permanenten Opfermythos: Der Islamismus erzählt die Geschichte vom gedemütigten Islam durch den Westen. Der Linksaktivismus erzählt die Geschichte vom ewigen Rassismus, Patriarchat und Kolonialismus. Die Folge: Man erkennt sich im Schmerz – und verbindet sich im Ressentiment.

Beide Systeme setzen auf Verhaltensvorschriften: Im Islamismus durch Scharia, Gehorsam, religiöse Gebote. Im linken Moralismus: durch Wokeness, Sprachregelungen, Cancel Culture. Beide Milieus sind strukturell autoritär: Abweichung wird moralisch verurteilt, nicht diskutiert.

Die offene Judenfeindlichkeit des Islamismus trifft sich auf verblüffende Weise mit dem postkolonial getarnten Israel-Hass der Linken. Was einst als “Nie wieder” galt, wird heute relativiert – unter dem Banner von “Palästina-Solidarität”. Beispiel: Die Schweige-Symbiose zur Hamas am 7. Oktober in weiten Teilen der Linken.

Auch die Rebellion gegen die “alte weiße Welt” spielt eine verbindende Rolle: Sowohl Islamisten als auch Linksidentitäre lehnen die westlich-aufgeklärte Ordnung radikal ab – nur mit unterschiedlichem Vokabular. Der eine ruft “Allahu Akbar”, die andere “Down with Cis-Hetero-Patriarchy”. Doch beide meinen: Weg mit der bisherigen Welt.

Schon die Islamische Revolution von 1979 wurde von Teilen der westlichen Linken als „antiimperialistischer Befreiungsschlag“ gefeiert. Etwa von Michel Foucault. Der sprach von einer neuen „politischen Spiritualität“. Dass es in Wahrheit eine brutale Theokratie war, dass die Mullahs Frauen entrechteten, Regimekritiker töteten und Minderheiten massiv terrorisierten – das verdrängte man. Und tut das bis heute.

Die Folgen sind drastisch: „Jetzt demonstrieren Menschen im Iran für Freiheit. Jetzt riskieren Frauen und Männer ihr Leben, weil sie sich weigern, weiter in einem System aus religiösem Zwang, Gewalt und Erniedrigung zu existieren. Jetzt werden Jugendliche verhaftet, gefoltert und hingerichtet, weil sie tanzen, demonstrieren oder ihre Haare zeigen. Und jetzt – genau jetzt – ist das Schweigen vieler in Berlin, Paris, London oder Brüssel kein Versehen mehr, sondern eine Haltung“, schreibt Constantin Schreiber in der Welt in einem Artikel, der leider hinter einer Bezahlschranke steckt.

Auffällig ist vor allem das Verhalten vieler linker Bewegungen, wie Schreiber zu Recht bemerkt: „Jener Milieus, die sich sonst mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und moralischer Inbrunst mobilisieren – insbesondere dann, wenn es um Israel und Gaza geht. Innerhalb weniger Stunden füllen sich Plätze, werden Demonstrationen organisiert, Resolutionen verabschiedet, Social-Media-Profile umdekoriert… Im Fall Iran hingegen: Zögern. Schweigen. Ausweichen. Kein ,All Eyes on Iran‘. Bis heute (Stand Samstagvormittag) auf der Homepage der Linken nur etwas zu Venezuela, nichts Aktuelles zum Iran.“

Die Schieflage trägt bizarre Blüten: „Während israelische Militärschläge binnen Minuten moralisch verurteilt werden – oft ohne Kontext, oft ohne jede Differenzierung –, bleiben Hinrichtungen im Iran Randnotizen. Während für Gaza lautstark Solidarität eingefordert wird, müssen iranische Frauen darum kämpfen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Das ist keine ausgewogene Moral. Das ist selektive Empörung“, kritisiert Schreiber.

Die identitätspolitischen Bewegungen, die ständige jedwede Form von angeblicher Unsichtbarkeit von Frauen lautstark beklagen, finden kaum Worte, wenn im Iran Frauen erschossen werden – eben weil sie sichtbar sein wollen. Auch „Queers for Palestine“, die Israel gegenüber so lautstark sind, sind extrem leise gegenüber Teheran, das Homosexualität mit dem Tod bestraft.

Die selektive Empörung ist kein Unfall. Sie hat System. Sie folgt einer inneren Logik, in der Täter und Opfer nicht mehr nach Taten, sondern nach Identität bewertet werden. Wer das erkennt, versteht auch, warum die einen lautstark verteidigt und die anderen still verraten werden.

Der Feminismus kämpft heute lieber gegen Worte als gegen Steinigungen. Und „Queers for Palestine“ demonstrieren weiter für ein Regime, das sie in Teheran von Hausdächern werfen würde. Willkommen in der moralischen Schizophrenie westlicher Aufgeklärtheit.

Man muss schon sehr woke sein, um nicht zu merken, wie blind man geworden ist.

Diese Täter-Opfer-Umkehr ist kein Einzelfall. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch den rot-grünen Moralhaushalt – von der Migrationsdebatte bis zur Israelpolitik, von der Energiekrise bis zur Genderpädagogik. Nicht das Handeln zählt, sondern das richtige Etikett. Nicht das Opfer, sondern der Opferstatus.

Wer Messerattacken verharmlost, weil der Täter aus einem angeblich diskriminierten Milieu stammt, oder bei Gruppenvergewaltigungen vor allem vor „Rassismus“ warnt – und seinen Zorn weniger auf die Täter richtet als auf jene, die das Problem benennen, etwa, indem er nach Migrantengewalt nicht für die Opfer oder gegen die Täter demonstriert, sondern gegen rechts –, macht sich zum Komplizen.

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