Innovationsthema Klimaschutz: Furzmessprogramm für Kühe geplant Das neue Klimaschutzprogramm 2026

"Von Ekaterina Quehl

Dass die deutsche Regierung den Klimawandel ernst nimmt und sich aktiv um den Klimaschutz bemüht, ist allgemeinbekannt. Milliarden werden in den Klimaschutz investiert, Tausende Institutionen, Gremien und Experten sind darin beteiligt. Für die heißesten Sommer seit Beginn der Messungen werden kreative Hitzeschutzmaßnahmen wie Hitzeaktionsstände, digitale Schattenkarten und Regentonnen mit Millionenbeträgen gefördert. Für Jahreszeiten wie den Winter, an denen es – völlig überraschend – kalt und glatt sein kann, wird zur Vermeidung von Knochenbrüchen die Verwendung von Streusalz von der Politik „freigegeben“. Und wenn dieses sofort wieder verboten wird, weil er als klimaschädlich gilt, können sich Bürger durch Medien aufklären lassen, wie sie sich auch ohne Streusalz durch die spiegelglatten Straßen knochenbruchfrei bewegen können – nämlich mit der „Pinguin-Gang“-Technik und „richtigem Fallen“.

Auch viele etablierte Medien stellen bei der Förderung des Klimaschutzes natürlich keine Ausnahme dar. Mit ihren öffentlich wirksamen Aufklärungskampagnen tragen sie zum politisch-korrekten Verständnis des Klimawandels entscheidend bei – indem sie beispielsweise beschreiben, „Wie Leugner den Klimaschutz ausbremsen“ und was für psychologische Mechanismen hinter einer Klimaleugnung stecken.

Bei solchen Maßnahmen scheint es fast schon logisch, dass die Regierung im Rahmen ihres „Klimaschutzprogramms 2026“ ein Furz-Messprogramm für Kühe einplant. Natürlich! Wie kann man ohne die wertvollen Erkenntnisse über die Menge der Furze von Kühen sonst die ambitionierten Klimaziele erreichen? Die Wirtschaftskrise verliert vor dem Hintergrund dieser Maßnahme signifikant an Bedeutung. Denn was zählen schon tiefgreifende Industriekrise, marode Infrastruktur und andauernden Insolvenzwellen beim deutschen Mittelstand? Viel wichtiger ist es, biologische Selbstverständlichkeiten als etwas Politisches zu behandeln und ihre Messung mit Millionenbeträgen zu fördern.

Doch wer jetzt denkt, dies sei die einzige Maßnahme, die an die Grenzen des Absurden stößt, irrt sich. Nicht nur Kühe müssen bei der Umsetzung des milliardenschweren Klimaschutzprogramms für ihre klimaschädliche Natur Sühne leisten. Auch Menschen müssen es. Nicht, weil bis 2025 bundesweit nur noch E-Autos zugelassen werden sollen und Benzin mit dem CO2-Preis versteuert wird. Nicht, weil sie mit weiteren Maßnahmen zum klima-korrekten Wohnen, Fahren, Arbeiten und Erholen auf ihre eigenen Kosten erzogen werden. Sondern weil sie auch zum „Fußverkehr“ gefördert werden sollen.

In Wahrheit existieren schon einige Vorhaben, die die lieben Bürger zu ihrem Glück zwingen sollen, mehr zu Fuß zu laufen, weil es klimafreundlicher ist. Das Bundesministerium für Verkehr hat bereits 2025 eine bundesweite Fußverkehrsstrategie vorgestellt. Deren Ziel ist es, „das Zufußgehen als zentralen Bestandteil der multimodalen Mobilität zu stärken und dadurch den Anteil des Fußverkehrs zu steigern“, denn „das Zufußgehen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam getragen werden muss“. Neben einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die die Fußverkehrsstrategie umfasst, gibt es auch eine „aktivitätsfördernde“. Diese soll Städte für den Fußverkehr attraktiv machen, indem Gebäude und Freiräume so gestaltet werden, dass „Zufußgehende sie als maßstabsgerecht und interessant wahrnehmen“. Damit „Zufußgehende“ das auch wirklich tun, erhalten Kommunen und NGOs bereits Fördergelder in Millionenhöhe.

Die Stadt Berndorf hat beispielsweise 1,5 Millionen Euro für das Projekt „Klima-Gehweg“ erhalten. Die Projektmaßnahmen sehen unter anderem vor, „die bisher zweispurige Verkehrsfläche auf eine Spur zu reduzieren und die gewonnene Fläche als Aufenthaltsbereich zu begrünen.“ Dass „Zufußgehende“ trotz der geplanten Begrünung mehr Abgase einatmen würden, weil die Reduzierung der Verkehrsfläche auf eine Spur zu mehr Staus führen kann, ist wahrscheinlich nicht klimarelevant.

Auch der Verein Fuss e.V. engagiert sich im Rahmen des Projekts „Besseres Klima in Kommunen geht“ für die Steigerung des Fußverkehrs. So beteiligt er ehrenamtliche „Quartiersgeher:innen“, die nichts anderes machen als herumlaufen und „ihre Beobachtungen auf ihren Fußwegen protokollieren“. Wie gut, dass sie auch von Fuss e.V. geschult werden, „um gerade auch bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen die Mängel der Fußverkehrs-Infrastruktur zu erfassen, beispielsweise während Hitzeperioden oder auch bei Starkregen.“ Sollte das Projekt nach Ende 2026 in eine Verlängerungsphase gehen, so wäre es vielleicht sinnvoll den „Quartiersgeher:innen“ als ersten beizubringen, sich in der „Pinguin-Gang“-Technik zu bewegen. Damit können sie die Bürger schulen, sich auf glatten Straßen nicht nur ohne Knochenbrüche, sondern auch klimafreundlich zu bewegen. Das Problem mit dem klimaschädlichen Streusalz im Winter entfällt dann von allein. Und sollten die Bürger dabei mehr Wärme wegen Empörung abstrahlen, so könnte man deren Messung auch mit ins Klimaschutzprogramm aufnehmen.

Generell könnte man so einiges messen, was sich klimarelevant quantifizieren lässt. Wie wäre es beispielsweise mit der Messung von kollektivem Seufzen in Behörden-Wartezimmern? Oder nächtliches Kühlschrank-Öffnen? Die CO₂-Messung von negativen Gedanken könnte man auch fördern. Denn wenn man sie hat, erzeugen sie mehr Stress. Mehr Stress beschleunigt den Puls und erhöhter Puls steigert den Sauerstoffverbrauch, welcher dann besonders emissionsintensiv ist.

Folgt man dieser Logik konsequent weiter, ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Und sollte dabei die Realität verloren gehen, so lässt sich das gegebenenfalls in künftigen Förderrichtlinien berücksichtigen. Hauptsache, die Bürger zahlen weiter fleißig ihre Steuern.

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Ekaterina Quehl ist gebürtige St. Petersburgerin, russische Jüdin und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Pioniergruß, Schuluniform und Samisdat-Bücher gehörten zu ihrem Leben wie Perestroika und Lebensmittelmarken. Ihre Affinität zur deutschen Sprache hat sie bereits als Schulkind entwickelt. Aus dieser heraus weigert sie sich hartnäckig, zu gendern. Sie arbeitet für reitschuster.de.

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